Kategorie: Impulse

Leben vs. Hochsensibilität?

Als ich ein Teenager war, war ich ständig unterwegs: Auf Freizeiten, Jugendtagen, Jugendwochenenden, Veranstaltungen und Events. Ich wollte Menschen um mich haben und liebte es, mich zu engagieren und neue Leute kennen zu lernen. Ich war immer wieder auf Konzerten, stand meist weit vorne und kam nachts vom Springen und Mitsingen verschwitzt nachhause. Mit 18 Jahren kam eine ausgeprägte Depression. Zeitweise durfte ich keine Besuche empfangen, weil ich schon nach einer Person aufgewühlt und panisch wurde. Ich musste mich komplett zurück ziehen, sollte sogar ein Jahr mit der Schule pausieren, damit es nicht zu viel für mich wird und ich erst wieder langsam in den Alltag starten konnte. Innerhalb weniger Monate hatte ich mich zu einem anderen Menschen verändert. Die junge Frau, die immer extrovertiert, leidenschaftlich und überschwänglich war, war plötzlich schüchtern, konnte keine fremden Menschen ansprechen und brauchte Ruhe. Hinzukam, dass innerhalb weniger Monate die Kleidergröße von 36 auf 44/46 gewachsen war…
Ich hatte lange damit zu kämpfen und habe mich gefragt, warum ein Mensch so komplett unterschiedlich sein kann.
War ich denn nun extrovertiert oder bin ich eigentlich introvertiert?
Liebe ich es, unter Menschen zu sein oder liebe ich es, allein zu sein?
Wer bin ich denn nun eigentlich?
Hatte ich mich selbst so in mir getäuscht?
Hatte ich etwas gespielt, was ich eigentlich nicht war? Oder noch viel mehr: Wollte ich jemand krampfhaft sein, der ich eigentlich nicht war und auch nicht sein konnte? Hatte ich mich mit einem Schauspiel überfordert?

Heute, 20 Jahre später, kann ich sagen: Nein! Ich habe nichts gespielt – ich konnte bestimmte Dinge einfach nicht benennen und kannte mich nicht gut. Aber: Ja – ich habe mich überfordert.
Nicht mit einem bewussten Schauspiel und doch, hatte ich etwas versäumt. Denn heute weiß ich: Ich gehöre zu einer Gruppe Menschen, die man „Hochsensibel“ oder „Hochsensitiv“ bezeichnet.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass diese Menschen noch sensibler auf Dinge reagieren, als „normal-Sensible“. „Hochsensible Menschen scheinen jedoch nicht über einen Filter zwischen sich und der Umwelt zu verfügen, sodass sie viel weniger Reize ausblenden oder ignorieren können.“ (Brigitte Schorr, Hochsensibilität – Empfindsamkeit leben und verstehen, SCM/Hänssler, 2018, S.10).
Es bedeutet also, dass (je nach Stärke und Form der Hochsensibilität) Eindrücke und Reize viel stärker auf diese Menschen einprasseln und daher auch stärker und intensiver wahrgenommen werden und verarbeitet werden müssen. Drei wesentliche Merkmale sind:
* Schmale Komfortzone
* Schnelle Überreizbarkeit
* langes Nachhallen. (vgl. ebd, S.15)

Vor einigen Jahren habe ich für mich festgestellt, dass ich zu dieser Gruppe Menschen dazu gehöre. Ich liebe es, unter Menschen zu sein und trotzdem kann es mir sehr schnell „zu viel“ werden. Eine Reizüberflutung kann mich schnell überrollen und ich werde müde, langsam und mein Denken blockiert. Hinzu kommt, dass Erlebnisse, Gespräche, ja sogar einzelne Wörter in Konversationen noch lange in meinen Gedanken verhaftet bleiben können und meist sogar damit auch die entstandenen Gefühle. Ich brauche daher manchmal einige Tage oder sogar Wochen, bis sich wieder eine innere Ruhe eingestellt hat, wenn ein größeres Event, eine Konferenz, eine Versammlung oder eine Party anstanden. Auch Gespräche oder Konflikte rauben extrem viel Energie und verlangen nach einer Ruhezeit.

Ich kenne einige Menschen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie ebenfalls zu stärkerer Sensibilität neigen und ich glaube, dass die Masse an Reizen und Möglichkeiten heutzutage immer mehr Menschen mit Hochsensibilität offenbaren wird.
Die Frage ist: Was macht man nun mit diesem Wissen?
Ich habe für mich persönlich gemerkt, dass es weder gut für mich ist, mich ständig unter Menschen zu mischen und ständig aktiv zu sein, noch mich komplett zurück zu ziehen und nur noch in Ruhephasen zu sein.

Alles hat seine Zeit“ steht schon in der Bibel und ich glaube fest, dass da eine tiefe Wahrheit drin steckt. Der Mensch ist für Gemeinschaft geschaffen. Für Gemeinschaft miteinander und für die Gemeinschaft mit Gott. Es braucht für beides eine Zeit. Es braucht eine Zeit zum Ausruhen und Reflektieren aber auch eine Zeit, wieder das zu tun, wozu man befähigt und ausgestattet ist. Ich weiß, dass mein Platz derzeit die Aufgabe einer Co-Pastorin ist. Das bedeutet: Ich WILL mich einbringen, ich liebe es zu predigen, ich liebe es, Menschen weiterzuhelfen, für sie zu beten und zu schauen, wie ich beim Wachsen in der Beziehung zu Gott und zu sich selbst behilflich sein kann. Ich liebe es zu organisieren, zu planen und meine Ideen auszuleben. Und doch: Ich weiß, dass ich nur ein gewisses Maß an Kapazität, Energie und Komfort habe. Gehe ich nur einen Schritt zu weit, könnte ich schnell wieder körperlich und geistig überfordert sein und und in einen Erschöpfungszustand fallen.

Was ist also meine Strategie?

  1. Ich setze mir Prioritäten anhand meiner Ziele und Werte
    Ich habe für mich bestimmte Ziele und „Mission-Statements“ für mein Leben. Es treibt mich an und hilft mir, Dinge zu entscheiden.

    Für mich bedeutet das, dass ich
    a) Am Kirchenleben aktiv sein möchte
    b) Menschen (Frauen) helfen möchte, ihre Facetten besser kennen zu lernen und ihr Potential zu entfalten in dem ich kreativ, leidenschaftlich und liebevoll lebe, lehre und leite.
    c) Ich möchte meinen Mann unterstützen
    d) Ich möchte eine liebevolle Mutter sein, die für ihre Tochter da ist und ihr hilft, resilient und selbstständig zu sein.
    (Das ist nur ein kleiner Ausschnitt).


    Das bedeutet praktisch: Wenn ich in einer Woche einen Abend Smallgroup, einem Abend Teamleiter-Meeting und an einem anderen Abend Core-Team meeting habe, lasse ich nichts davon ausfallen. Dafür verzichte ich aber auf Abende, an denen ich vielleicht mit einer Freundin etwas unternehmen könnte. Die sind dann in einer anderen Woche dran, wo ich keine anderen Termine habe. Dann freue ich mich umso mehr und gebe dem abgemachten Abend mit einer Freundin Priorität.
    Ich verzichte auf keinen Sonntag, nur weil die Woche voller war. Es ist mir wichtig – das war es schon immer und hat nichts damit zu tun, ob ich angestellt bin oder nicht: Es ist meine Priorität, Gemeinschaft zu leben und mich in der Kirche einzubringen – also ruhe ich an einem anderen Tag aus, damit dies möglich ist.
    Es bedeutet auch, dass ich bewusste Zeiten habe, in denen meine Tochter mich zu 100% für sich hat und dass ich mindestens einmal in der Woche einen Abend nur für meinen Mann und mich reserviert habe.
  2. Ich plane voraus! Es gelingt mir mal mehr, mal weniger und doch im Gesamten immer besser, meine Wochen-, Monats- und Tagesplanung entsprechend zu gestalten. Dadurch bin ich mir selbst und anderen gegenüber zuverlässiger.
    Ich will mich nicht komplett zurückziehen- dazu bin ich nicht auf dieser Welt. Aber ich muss auf mich achten. Also ist mein freier Tag nicht samstags, sondern montags. Es ist der Tag, an dem ich nach einem Sonntag, der für mich wunderschön und doch sehr anstrengend ist, zur Ruhe komme. Gespräche hallen noch nach. Ich schaue auf das, was mich vielleicht verletzt oder getriggert hat und frage Gott, warum das so ist. Ich schlafe, ruhe aus und nehme mir Zeit für mich und meine Familie. Ich gestalte meine Woche so, dass ich nicht jeden Abend Termine habe.
    Auch die Jahresplanung gehe ich so an:
    Jedes Jahr im Mai finden die Pastoren-Tagungen und eine anschließende Konferenz statt. Für mich vermutlich die anstrengendste Woche des Jahres. Ich nehme mir an diesen Tagen täglich bewusst Zeit für den Rückzug. Nicht zu lange, aber ausreichend. Ich stelle mich bei der Konferenz an den Rand, damit ich Platz für mich während des Worships habe. Ich plane in der Woche nach der Konferenz möglichst keine Termine oder Gespräche, sondern blockiere mehr Zeiten oder fahre sogar für ein paar Tage in den Urlaub.

  3. Ich prüfe täglich, wie es in mir ausschaut.
    An jedem Tag, an dem ich viele Menschen um mich habe, ziehe ich mich irgendwann zurück. Ich gehe bei Pastoren-Tagungen abends meist ins Zimmer statt zu Gemeinschafts-Aktionen, um zur Ruhe zu kommen. Es kann passieren, dass ich an einem Dienstag bereits merke, dass die letzte Woche anstrengender war als gedacht. Oder es kommt vor, dass ein intensives Gespräch längere Zeit benötigt um zu sacken. Dann passe ich die Wochenplanung entsprechen an. Wo kann ich Zeiten freischaufeln? Muss die Wäsche wirklich gemacht werden oder gehe ich stattdessen zwei Stunden in den Wald? – Ich nehme mir die Freiheit, mit meinen Verpflichtungen und Abmachungen mit anderen im Blick, Dinge anzpassen.
  4. Ich lerne dazu!
    Ja, ich habe trotz allem immer wieder in Situationen eine Überforderung und ziehe mich schlagartig zurück. Versteht es jeder? Nein. Will es jeder verstehen? Nein!
    Manche machen mir hinter meinem Rücken Vorwürfe, manchen tue ich leid, manche denken zu viel nach, was mit mir los ist. Ist das mein Problem? Nein:) Wenn jemand fragt und wirklich interessiert ist, kann ich in Ruhe erklären, was los ist. Wenn niemand fragt, muss es mir egal sein! Aber ich lerne dazu und ich darf dazu lernen. Denn nur dadurch kann ich Stück für Stück etwas verändern.
    Dazu gehört es auch, dass ich manchmal plötzlich Menschen meide, wenn ich merke, dass Gespräche oder Aussagen von ihnen mir nicht gut tun oder zu sehr reizen. Wenn ich merke, dass diese Personen mir zu viel Energie rauben, die ich dann von meinen Prioritäten abziehen muss – dann weiß ich, was zu tun ist. Das klingt hart, ist aber wichtig!
    Prioritätensetzen und stets prüfen ist notwendig, wenn man hochsensibel ist.

    Stell dir vor, du hast einen Wasserkrug voll mit Wasser und musst ihn auf verschiedene Pflanzen aufteilen, die in deinem Garten wachsen. Wenn du nicht genau weißt, welche Art Garten du möchtest, schüttest du das Wasser wild irgendwo hin und nichts wird wachsen – außer vielleicht das Unkraut. Wenn ich aber weiß, ich möchte unbedingt Mediterranes Gemüse und meine Priorität sind die Zucchinis und Tomaten, dann nehme ich in Kauf, dass die schönen Sonnenblumen vielleicht vertrocknen. Wenn ich einen Blumengarten möchte, werde ich das Wasser anders aufteilen. Aber ich muss schauen, was mein Ziel, meine Vision, meine Aufgabe ist, damit ich mit den gegebenen Ressourcen haushalten kann. Das ist beim Budget so, das ist mit Zeit so und das ist auch mit Energie und Gedanken so.


Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch keine Störung! Ich erlebe leider immer wieder, dass Menschen es als Grund dafür nennen, sich kaum noch aktiv irgendwo zu beteiligen. Ich finde es schade. Denn ich glaube, dass jeder Mensch auf eine Art und Weise von Gott gebraucht wird und in dieser Welt einen Platz hat. Und dieser Platz kann nicht auf dem Sofa Zuhause sein…Das Paradies sah anders aus, soweit ich weiß:-)

Ich habe gelernt, dass meine Hochsensibilität hilfreich ist. Sie stört mich nicht. Sie hilft mir. Sie hilft mir, Gott intensiver zu „hören“. Sie hilft mir wahrzunehmen, wo Unfrieden herrscht, wo schlechte Atmosphäre sich anbahnt oder wo Schmerz ist. Ich kann dadurch reagieren, wenn es notwendig ist. Nun lerne ich zusätzlich, Dinge abzugeben und abzuschütteln, wenn es zu viel ist oder auch gar nicht von mir „getragen“ werden muss. Ich ziehe mir nicht mehr jeden Schuh an und lasse mir ihn auch nicht mehr von jedem anziehen.

Ja, es ist anstrengend aber ICH kann es steuern. Ich bin nicht bereit, mich von meiner Hochsensiblität steuern zu lassen!
Also arrangiere und dirigiere ich.

Warum schreibe ich das alles? Weil ich mir und dir zutraue, dass WIR bestimmen können!
Wenn wir uns die Freiheit nehmen, uns selbst besser kennen zu lernen und herausfinden, WOZU wir hier sind, dann kann uns Hochsensibilität nicht stoppen!


Was kannst du tun, wenn du das Gefühl hast, dass dir schnell Dinge zu viel werden?
Setze klare Ziele und Prioritäten!
Plane vor!
Nimm täglich Zeit zum „innehalten“ und „Überprüfen“.
Sei mutig, Dinge zu verändern, wenn es nicht passt.

Aber tu dir selbst einen Gefallen: Tu dir nicht leid, wenn du Reize intensiver wahrnimmst. Sei dankbar dafür und lerne es zu nutzen! Denn du bist nicht zufällig so, wie du bist!



Welcome Home

Welcome Home

Vor ein paar Monaten bereits, hatte ich mit zwei Freundinnen eine Fahrt in die Schweiz zu einer Frauenkonferenz geplant. Ich hatte mich schon lange darauf gefreut, denn es ist für mich ein besonderes Wochenende, an dem ich auftanke, Inputs bekomme, mich mit anderen Frauen austauschen kann und einfach mal für zwei Tage weg von Zuhause bin.
Eine der beiden Freundinnen sagte ein paar Wochen vor der Konferenz wieder ab und so fuhren wir zu zweit.
Als kurzfristig unsere Übernachtungsmöglichkeit aufgrund von einem Coronafall ausfiel, mussten wir umdisponieren. Wie gut, dass meine Schwiegereltern nicht weit und nahe der Schweizer Grenze wohnen.
Ich rief also gerade mal drei Tage vor der Konferenz bei meinem Schwiegervater an und fragte, ob ich kurzfristig mit einer Freundin für ein Wochenende bei Ihnen übernachten könnte. „Na klar, du hast ja den Schlüssel“ – war die Antwort.
Tatsächlich hatten mein Mann und ich vor einigen Jahren bereits einen Haustürschlüssel meiner Schwiegereltern bekommen. Dabei ein Schlüsselband mit den Worten „Ihr seid Willkommen. JEDERZEIT!“
Diese Geste hatte schon immer mein Herz berührt: Ich wusste, dass dies mit keiner Bedingung verknüpft war. Wir müssen nicht als Pflichtbesuch kommen. Es gibt keine Erwartung außer, dass wir uns Willkommen fühlen.
Hinzu kam, dass ich meine Freundin zu einem exklusiven Network Dinner mit unseren Senior Pastoren mitbringen durfte. Wir hatten reservierte Plätze und durften uns einfach wohl fühlen und die Konferenz genießen.
Als meine Freundin und ich schließlich am ersten Abend nach der Konferenz recht spät bei meinen Schwiegereltern ankamen, fanden wir auf dem Tisch im Wohnzimmer einen Willkommensbrief vor. Daneben einen frischegebackenen Kuchen, Teller, diverse Limonaden und Getränke und die Frage, wann wir Frühstücken möchten.
Am nächsten Morgen war mein Schwiegervater bereits aufgestanden und hatte frische Brötchen besorgt, Eier gekocht und den Tisch gedeckt. Auch am darauffolgenden Morgen war der Tisch gedeckt und leckere Joghurts und diverse Dinge, die ich persönlich liebe, waren extra aufgetischt. Ich war zu Tränen gerührt. Wie gut mich meine Schwiegereltern doch kannten…

Ich glaube, dass genau hier sichtbar wird, was für eine Kultur und was für ein Herz Gott lebt: Wir dürfen kommen. Jederzeit. Ohne Bedingung. Der Tisch ist gedeckt, er möchte uns verwöhnen und hat keine Erwartung.
Wir müssen nicht zwingend alles erzählen. Wir müssen nichts mitbringen. Wir müssen nicht einmal kommen. Aber wir dürfen. Weil wir den Schlüssel bekommen haben. Und wenn wir ihn anrufen und fragen, ob wir kommen dürfen, ist es keine Frage: Der Tisch wird gedeckt sein und weil er unser Herz kennt, wird er uns auch eine Freude machen mit himmlischer Ovomaltine, Mövenpick Joghurts und frischem Apfelsaft. Noch mehr: Er lädt zu einem unverhofften leckeren Abendessen ein – ganz speziell für dich!
Und wenn wir möchten, freut er sich, wenn er sich dazu setzen darf und wir Gemeinschaft mit ihm haben. Aber er drängt sich nicht auf, er erwartet nicht – er beschenkt, gibt und ist geduldig mit uns!
Und er sagt: „Du bist Willkommen. JEDERZEIT!“

Von Schafen, Hirten und Schäferhunden

Von Schafen, Hirten und Schäferhunden

Als ich Kind war, war eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel „das verlorene Schaf“. Ich hatte ein süßes Kinderbuch, in dem diese Geschichte nicht nur wunderschön erzählt – sondern auch mit sehr niedlichen Bildern illustriert wurde. Ich liebte dieses Bild: Ich bin das kleine Schäfchen. Eins von einer großen Herde und da ist dieser Jesus, der mich so sehr liebt, dass er für mich alles stehen und liegen lässt und nach mir sucht…

Als Erwachsene mochte ich diese Geschichte weniger. Ich hatte plötzlich ein Problem damit, dass wegen mir 99 Schafe allein gelassen werden. Wer kümmerte sich denn um die, wenn Jesus nach mir sucht?
Als ich Pastorin wurde, machte mich dieses Gleichnis sogar wütend. Noch im ersten Jahr meiner neuen „Verantwortung“ schrieb ich das Gleichnis vom „Verlorenen Hirten“. Denn plötzlich befand ich mich in einer Berufung als Pastorin und „Pastor“ bedeutet Hirte. Ich versuchte alles, um die „Herde“ – die Kirche gut zu ernähren, wollte für jeden und alle da sein und sah mich in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass niemand die Herde verlässt. „Pass bei der Person auf, die fühlt sich schnell angegriffen“ oder „XY hat an mich herangetragen, dass ihr sie am Sonntag nicht mal begrüßt habt und einfach an ihr vorbei gelaufen seid.“ waren Sätze, die ich fast wöchentlich hörte. Immer wieder spürte ich Druck und Sorge um jedes Schäfchen der Gemeinde und ich fühlte mich vollkommen überfordert.

Vor zwei Jahren nahm ich mir eine Auszeit, um selbst wieder einfach ein „Schaf“ sein zu können. Ich sehnte mich nach den grünen Wiesen, nach frischem und klaren Wasser. Ich brauchte Leitung und Führung und vor allem Versorgung meiner Wunden, die im Kampf mit „dem Wolf“ immer wieder aufgerissen waren.
Vor einer Woche befand ich mich, zurück aus der Auszeit und wieder voll im Kirchenleben als „Co-Pastorin“ aktiv, auf einer Pastoren-Freizeit und wieder begegnete mir das Bild der Schafsherde und des Hirten. In der anschließenden Kleingruppen-Zeit tauschten wir uns über dieses Bild aus. Es ging darum, wieder nah am Hirten zu sein, darum, dass die Kirche nicht UNSERE Kirche, sondern die Kirche Jesu ist und ich befand mich in einem Dilemma. War ich nun ein Schaf oder ein Hirte? Wenn Jesus der Hirte ist und nicht ich – wie kann ich dann eine Kirche in der Lehre leiten, wenn ich gleichzeitig ein Schaf mitten in der Herde bin? -Hatte ich nun eine Verantwortung oder gar keine? Für mich passte das Bild nicht zusammen.

Aber dann…kam der Gedanke einer anderen Pastorin, dass sie sich wünscht, Jesus, den Hirten, genauso fröhlich begrüßen zu wollen, wir ihr Hund sie begrüßt, wenn sie nachhause käme und plötzlich „höre“ ich Jesus und mir wird eine große Last abgenommen. Denn mein Bild wird neu aufgestellt: Plötzlich ist in meinem Bild nicht nur die Schafherde und nicht nur der Hirte. Ich sehe zwei Schäferhunde. Sie sind fröhlich, sie rennen über die Wiese und sie treiben die Schafe zusammen. Immer wieder rennen sie zum Hirten, warten auf sein Pfeifen und rennen wieder zu den Schafen. Dann sehe ich plötzlich, wie der Hund am Abend an den Füßen des Hirten sitzt. Bei einem Kaminfeuer und seinen Rücken kraulen lässt….
Ich bin nicht der Hirte. Das ist Jesus. JESUS ist derjenige, der hinter jedem einzelnen Schaf her rennt. Er ist der, der weiß, wo die Weiden sind und der weiß, was jedes Schaf benötigt.
Ich bin der Schäferhund. Ich brauche die Nähe des Hirten. Er steht über mir. ER gibt die Kommandos. Er versorgt mich und krault mich. Ich höre, wie die Schafe, seine Stimme und führe das aus, was er sagt. Ich kenne meine Aufgabe und helfe ihm, die Herde beisammen zu halten und ich habe eine gewisse Aufgabe und in dieser Aufgabe auch Autorität – aber es ist nicht MEINE Herde.
Dieses Bild war plötzlich so entlastend für mich. Es ist gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind. Die Last und die Verantwortung ist zu groß – darum ist es nicht meine Last und nicht meine Verantwortung sondern die von Gott. Es ist meine Verantwortung, nah an ihm zu bleiben, seine Stimme zu hören und das zu tun, was ER möchte. Mit dem Bewusstsein, dass ich nur mit ihm und durch ihn, mir von ihm zugewiesene Dinge tun kann und darf.

Lukas 15,4-9
Johannes 10,27

FOKUS und WEITSICHT

FOKUS und WEITSICHT

Endzeit – dieses Wort taucht seit einigen Jahren, vermehrt in den letzten Monaten und vor allem in den letzten Tagen in meinen Gedanken auf. Und auch das Thema „Prophetie“ beschäftigt mich in den letzten Jahren immer mehr. Interessanter Weise höre ich bei diesen Themen immer wieder dieselben Reaktionen: „Oh, bei Prophetie bin ich vorsichtig!“ oder „Ach, dass es Zuende geht haben sie schon vor Hunderten von Jahren gedacht. Und wir sind immer noch da!“

Dabei sagt der Begriff END-ZEIT ja schon viel. Es ist nicht ENDE sondern END-ZEIT also geht es um eine Zeitspanne, die ein Ende darstellt. Für mich bedeutet das, dass es natürlich schon lange Kriege, Zerstörung, Umweltkatastrophen etc. gibt und wir uns damit schon lange in dieser Zeitspanne befinden. Es ist wie ein Zeitstrahl, der bei 0 anfängt und bis 100 geht und wir befinden uns einfach immer näher Richtung 100. Die Tatsache, dass es schon immer Katastrophen gab, sollte uns nicht davon abhalten, bestimmte Dinge ernst zu nehmen. Wenn ich die Bibel ernst nehme, kann ich doch nicht auf der einen Seite daran glauben, dass die Welt von Gott geschaffen wurde, dass er selbst Mensch wurde und nach seinem Tod am Kreuz auferstanden ist – aber auf der anderen Seite die Warnungen und Reden über die Endzeit und auch die prophetischen Eindrücke von Propheten wie Hesekiel, Jesaja, Daniel und Johannes ignorieren.

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Whatever is noble….

Whatever is noble….

„Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“

Dieser Ratschlag hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Aufgrund einer starken Erkältung und Nebenhölenentzundung, war ich in den letzten Wochen Zuhause im Bett. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich die gesamte Zeit damit verbracht habe zu schlafen und geistlich wertvolle Literatur in mich aufzusaugen. Aber ich bin ehrlich: Die Zeit war aufgeteilt zwischen einem tatsächlich geistlich wertvollem Buch, Spotify Playlisten, TV Serien, Schlafen und….Instagram. Die Mischung von all dem hat mich dazu gebracht, etwas zu bemerken und für mich zu reflektieren:

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In der Zwischenwelt

In der Zwischenwelt

Würde mich in diesem Moment jemand fragen, wie es mir geht, könnte ich keine Antwort geben. Ich befinde mich in einer Zwischenwelt. Vielleicht kennst du das auch: Meine Gefühle sagen, dass ich mich miserabel fühle, weil mich eine bestimmte Konversation heute innerlich komplett aufgewühlt hat. Mein Kopf sagt, dass ich mich nicht von diesen ersten Gefühlen leiten lassen sollte – also wird das Hirn angeschaltet und läuft seit Stunden auf hochtouren um die Gefühle zu ordnen und das Gesagte zu selektieren. Was davon wurde gesagt, was davon (falsch) verstanden?
Was von dem, was in meinem Gedächtnis geblieben ist, ist die Wahrheit und was davon ist einfach eine Lüge?

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Stark-Sein durch Schwach-Sein

Stark-Sein durch Schwach-Sein

Unsicher stand sie vom Tisch auf und stellte ihren leeren Teller, das halb leergetrunkene Glas und das dreckige Besteck auf das Tablett. Sie hasste volle Räume wie diesen. Jeder Stuhl des großen Speisesaals des kleinen Jugendhotels war besetzt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die alle zu dieser frühen Stunde schon extrem lebhaft zu sein schienen. Mit halbvollen Mündern wurden laut diskutierend die Pläne für den Tag geschmiedet, Messer und Gabeln klapperten auf die Teller ein und jeder einzelne Stuhl, der beim Aufstehen oder Hinsetzen bewegt wurde, machte ein quietschendes Geräusch auf dem Boden. Der Lärmpegel und diese Masse an Eindrücken überschritt eindeutig die Toleranz ihrer Nerven und die Tatsache, dass der Tag erst begonnen hatte, beunruhigte sie noch mehr. Sie fühlte sich hier einfach nicht wohl. Klar, es war toll, schon in den ersten Monaten der neuen Arbeitsstelle so interessante Einsätze zu erleben wie diesen – als Aussteller zu einer Messe nach Berlin fahren- klang doch super?! Aber sie selbst war einfach noch nicht ganz angekommen. Angekommen im Team. Angekommen in der neuen Arbeitswelt und…angekommen bei sich selbst.
Sie kämpfte mit ihren Gedanken und ihren Ängsten -fast in jeder Minute des Tages. Auch jetzt, als sie da stand, das Tablett anhob und gemeinsam mit ihren Kollegen Richtung „Geschirr-Rückgabe“ ging. Sie versuchte sich nicht stressen zu lassen und ging bewusst langsam – ihrem Drang so schnell wie möglich die Flucht zu ergreifen entgegensetzend. „Wie überstehe ich diesen Tag mit so vielen Menschen um mich rum? Wie überstehe ich die nächsten TAGE hier?“ – ein lautes „KLIRR“ holte sie aus ihren Gedanken.
Ihr Albtraum war soeben Realität geworden: Der Lärmpegel im Raum verstummt für ein paar Sekunden, die Blicke sind auf sie gerichtet und die Röte steigt ihr ins Gesicht….Ein Albtraum. DER Albtraum.
Das Glas, das eben noch auf ihrem Tablett stand, lag in Scherben auf dem Boden, schön verteilt in einer kleinen Pfütze aus Orangensaft. Das allein wäre nicht das Problem, stünde sie allein in ihrer Küche. Es war mehr als das: Es waren die Stille und die auf sie gerichteten Blicke, die ihr die Luft zum Atmen nahmen. Wie sehr wünschte sie sich, dass diese Pfütze sich in ein Erdloch verwandeln würde, in das sie versinken könnte. Stattdessen ertönte hinter ihr die Stimme ihres Kollegen. Es war der Kollege, der bei allen Menschen gut ankam und dessen Stimme auch bei Lärmpegel zu hören war: Laut, deutlich und mit einem hörbar breitem Grinsen wurde die kurze Stille auch schon gebrochen zuerst mit dem Satz „War ja mal wieder klar!“ und dann mit Gelächter der Kollegen….

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Prinzessin oder Königin?

Prinzessin oder Königin?

(Dieser Post ist mein Teil einer Predigt vom 21.03.2021). Du findest den Link zur Predigt HIER

Vor zwei Wochen saßen meine 4-jährige Tochter und ich am Frühstückstisch und philosophierten ein bisschen. Wir redeten über Gott und die Welt und stellten uns die verschiedensten Fragen. Was man halt mit 4-jährigen so macht:)

Und meine Tochter fragte mich plötzlich:

“Mama, ich bin als Königin geboren worden, oder?! Oder als Prinzessin?”

Jetzt muss man bei dieser Frage erwähnen, dass wir unserer Tochter schon immer versuchen zu erklären, dass Gott der KÖNIG ist und wir seine Kinder sind. Also eine für uns recht normale Frage im Kontext “Ein Kind Gottes sein”.

Ich: “Naja, als Königskind meinst du?”

Sie: Nein, ich bin eine Königin UND eine Prinzessin! Ich bin beides!”

Diese Aussage brachte mich zum schmunzeln und dann merkte ich, was für eine Wahrheit darin steckt. 

Was bedeutet es, ein Kind Gottes bzw. ein Königskind zu sein?
Es bedeutet zum einen „Prinzessin/Prinz“ zu sein und zum anderen „Königin bzw. König“.

Mit Prinzessin oder Prinz meine ich in dem Fall ein „KIND“:

Kinder sind frei, sie haben Freude. Sie sind unbeschwert, vertrauen ihren Eltern. Kinder sind unbekümmert und noch rein und unschuldig. 

Als KIND Gottes zu leben ist ein bisschen das Bild einer Prinzessin oder eines Prinzen auf die kitschig-romantische Art. Da lassen wir jetzt mal das Interview und die Erlebnisse von Harry und Meghan außen vor.

Aber so diese kitschige Vorstellung eines Kindes im Palast, der nicht ein goldener Käfig ist, sondern frei, zugänglich und ein Ort wo Frieden, Freude und Freiheit herrschen. DAS ist das Königreich Gottes und in diesem Königreich Kind zu sein, ist eben die romantisch kitschige Vorstellung:

Als Kind Gottes hast du Freiheit. Du darfst wie ein Kind fröhlich auf Papa Gott zu rennen, dich auf seinen Schoß setzen, lachen und das Leben genießen, das er dir schenkt. 

Ich hatte das lange irgendwie im Kopf verstanden, aber im Herzen und im Geist nicht so ganz angenommen.

Für mich war der freie Zugang zum Thronsaal des Königs, des Vaters zwar theoretisch frei, aber praktisch immer blockiert. Warum? Weil ständig diese Gedanken kamen, dass der Thronsaal ein Gerichtssaal ist, in dem jemand steht, der eine riesige Anklageschrift vorliest. MEINE Anklageschrift.

Stell dir folgende Szene vor: Ein Thronsaal. Groß, prunkvoll und herrlich. Gott sitzt auf dem Thron, neben ihm sitzt Jesus und da kommt dieser Ankläger (Die Bibel vergleicht den Teufel mit einem Ankläger – Offenbarung 3) und sagt: “Also Gott. DIESE PERSON DA (und er zeigt auf dich), hat folgendes begangen:“ Und er listet alles auf: Lügen. Verleumdungen, Fremdgehen, deine Abtreibung, deine Lästerattacken, dein Zweifeln, deinen Neid und und und…
Was machst du? Wo befindest du dich in dieser Szene?

Vielleicht siehst du dich, wie ich damals, neben dem Feind stehen. Mit gesenktem Kopf in Demut und dem Wissen, dass das alles schlimm war und Gott gar nicht gefällt.

Vielleicht hast du Angst und versteckst dich hinter einem der schweren Vorhänge und lugst vorsichtig.

Vielleicht stehst du aber auch einfach da und weißt nicht so genau, wohin du gehen sollst?!

Aber wenn du so dastehst, dann ist es Zeit, die Identität als Kind Gottes anzunehmen und deinen Platz zu wechseln. 

Als Kind Gottes kannst du in diesen Thronsaal reinspazieren und dich ganz ungeniert auf den Schoß von Gott setzen, während der Feind versucht, dir immer wieder zu sagen, dass da aber verschiedene Anklagepunkte gegen dich sind. 

Ich liebe es, dass wir in der Bibel auch zu genau diesem Bild etwas nachlesen können: Hebräer 4,16:

Lasst uns also unerschütterlich an unserem Bekenntnis zu Jesus Christus festhalten, denn in ihm haben wir einen großen Hohenpriester, der vor Gott für uns eintritt. Er, der Sohn Gottes, ist durch den Himmel bis zu Gottes Thron gegangen. Doch er gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind. Jesus Christus musste mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, doch im Gegensatz zu uns hat er nie gesündigt. Er tritt für uns ein, daher dürfen wir voller Zuversicht und ohne Angst vor Gottes Thron kommen. Gott wird uns seine Barmherzigkeit und Gnade zuwenden, wenn wir seine Hilfe brauchen.

Ein Kind Gottes, ein Prinz oder eine Prinzessin, sitzt auf dem Schoß von Papa Gott und kuschelt gemütlich mit ihm, während der Ankläger völlig nervös diese Liste vorliest. Ein Kind Gottes sitzt da und lässt sich dabei die Hand von Papa Gott halten und hört gelassen zu. Ein Kind Gottes nickt vielleicht sogar an mancher Stelle aber ein Kind Gottes wartet ab, bis Jesus dann aufsteht und den Schuldschein zerreißt, weil diese Schuld eben an diesem Kreuz beglichen wurde. Ein Kind Gottes sitzt da und hört die Stimme des Heiligen Geistes, die sagt: Keine Sorge. Er ist bald fertig und muss den Thronsaal verlassen. Aber du bleibst hier, denn es ist DEIN Zuhause!

Glaube an JESUS, nimm ihn und den heiligen Geist in dein Leben auf und lebe die Identität als Prinz oder Prinzessin – als KIND Gottes: Unbeschwert, vertrauensvoll und gelassen, weil Papa Gott das regelt. 

Römer 8,14-17: Alle, die sich von Gottes Geist regieren lassen, sind Kinder Gottes. Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er hat euch vielmehr zu Gottes Söhnen und Töchtern gemacht. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Abba, lieber Vater!«  Gottes Geist selbst gibt uns die innere Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind.  Als seine Kinder aber sind wir – gemeinsam mit Christus – auch seine Erben. Und leiden wir jetzt mit Christus, werden wir einmal auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen.

Hier kommt die zweite Facette des Kindes Gottes: Die Königing und der König

Als Kinder Gottes sind wir auch seine ERBEN und werden die Herrlichkeit mit Christus teilen.

Das Kind steckt in uns, aber auch die Identität als erwachsene Töchter und Söhne des Königs.

Mein Kind ist meine Tochter. Und sie ist jetzt ein KIND aber sie wird immer meine TOCHTER bleiben. Wenn sie groß ist, wird sie erwachsen sein, aber sie wird immer noch meine Tochter sein. Sie wird Eigenverantwortung haben, Dinge gelernt haben, die es ihr ermöglichen dieses Leben selbstständig zu leben. Wir als Eltern werden immer für sie da sein. Sie wird immer zu uns kommen können, aber ich wünsche mir, dass wir sie jetzt mit unserer Liebe und unserem Wissen und unserem Glauben auf dieses Leben hier bestmöglich vorbereiten, damit sie selbst weiß, was zu tun ist.

Johannes 14,12: 

Ich sage euch die Wahrheit: Wer an mich glaubt, wird die gleichen Taten vollbringen wie ich – ja sogar noch größere; denn ich gehe zum Vater. Worum ihr dann in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun, damit durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters sichtbar wird. (Die Bibel, Johannes 14,12-13)

Was bedeutet das für dich und mich?

Durch den GLAUBEN an Jesus können wir den Heiligen Geist empfangen, der uns wiederum Gaben, Geschenke mitbringt, die wir einsetzen können. Sie sind wie ein Schwert, wie ein Schild, wie ein Helm, wie eine bequeme und doch wirksame Kampfausrüstung. 

Es braucht Zeiten, wo wir als Kinder zu unserem himmlischen Königs-Papa gehen und ihn um Dinge bitten, seinen Rat einholen und wo ER eingreifen soll und muss. Wo wir ihm sagen, wo es ihn und seine Heerscharen braucht. Und manchmal ist es dran, dass wir als Kinder mit Vollmacht und einem Siegelring den Namen Jesu bzw. Gottes verwenden und in dem Rahmen, den uns Gott gibt, aufstehen und wirken und selbst Teil dieser himmlischen Heerscharen werden.

Wenn alle Kinder Gottes nur noch auf dem Schoß sitzen und nicht wissen, was sie in seinem Namen regeln können, wo sie im geistlichen eine Autorität haben, dann kommt die Frage auf, was wir eigentlich auf der Welt sollen und die typische Frage nach der Berufung wird gestellt.

In Markus 13,35 beschreibt Jesus es so, dass ein Hausherr seinen Knechten Vollmacht und Verantwortung gegeben hat, bis er wieder kommt. Er mahnt, dass man wachsam sein soll und nicht schläft, wenn der Hausherr zurück kommt.

Wir sind Kinder, wir sind auch diese Knechte und wir haben eine Verantwortung und Vollmacht bekommen, die wir MIT und DURCH Gottes Geist ausüben sollen. 

Das ist ein wichtiger Punkt: Als Söhne und Töchter Gottes in seinem AUFTRAG und MIT seinem Geist zu handeln und nicht eigenständig aus selbstsüchtigen Zwecken heraus. 

Es ist wichtig zu verstehen: Du kannst aus eigener Kraft nichts tun, aber Gott kann und möchte dich gebrauchen und dir die Kraft schenken, die du benötigst um das auszuführen, worum er dich als Vater bittet. 

Johannes 5,19: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn.

Wir können nichts OHNE Gott tun und es ist so wichtig, diese Zeiten zu haben, wo wir auf seinem Schoß sitzen und seinen Herzschlag hören und spüren. Damit wir in manchen Situationen als seine Kinder wissen, was ER sagen und tun würde und damit wir diesen Namen JESUS anwenden und durch und mit Gottes Geist handeln.

Wenn du den Vater kennst und viel Zeit mit ihm verbringst, wenn du ihn durch das Lesen der Bibel immer besser kennen lernst, wenn du mit ihm redest, dich ihm anvertraust, dann wirst du auch seine Stimme immer mehr kennen lernen und unterscheiden lernen. Und wenn du das kannst, dann wirst du auch immer wieder hören, in welchen Bereichen er DICH gebrauchen möchte und durch dich handeln und wirken möchte. Dann braucht es manchmal nicht mehr das ständige Nachfragen, ob du etwas tun oder nicht tun sollst, sondern dann ist es dran zu handeln in seinem Namen.

Es ist mein Gebet und mein tiefster Wunsch dahin zu kommen: An diesen Punkt wo ich, WEIL ich ein Kind Gottes bin, das eine so enge und tiefe Verbindung mit Papa Gott hat, weiß, dass ich die Würde und Autorität einer Königin habe und diese einsetzen kann.

Wir sind Prinzen und Prinzessinnen und wir sind gleichzeitig Könige und Königinnen. Wir haben diesen Zugang zum Vater auf dem Thron, weil er diesen Bund mit uns eingegangen ist, weil er uns diesen Zugang ermöglicht hat.

Nutze diesen Zugang ohne Furcht. Geh ein und aus im Thronsaal und lass dich durch den Feind und seine Anklagen nicht einschüchtern. Geh an ihm vorbei, nimm Platz auf Papas Schoß und gehe, wohin er dich sendet. Mach den Mund auf, wenn du merkst, dass du für Wunder beten sollst. Sei dir bewusst, dass der Heilige Geist in und durch dich wirken möchte und dass du mit Gottes Berechtigung Dinge im Namen Jesu in der geistlichen Welt bewirken kannst und wirst.

Als Kinder haben wir diesen Zugang und wir dürfen ihn selbstbewusst nutzen, damit wir ihm ähnlicher werden, furchtlos leben und unser Umfeld positiv verändern, in dem wir das tun, was wir den Vater tun sehen.

Der perfekte Song zu diesem Thema ist „Champion“ von Bethel. HIER kannst du ihn anschauen/anhören

(Dieser Post ist mein Teil einer Predigt vom 21.03.2021). Du findest den Link zur Predigt HIER

Was mir auf dem Herzen liegt…

Was mir auf dem Herzen liegt…

Es gibt immer wieder Themen, die mir auf dem Herzen liegen.
Meistens sind das Dinge, die mir eine Zeit lang SCHWER auf dem Herzen lagen. Dinge, die ich lernen musste und durfte.
Diese Dinge schreibe ich teils in Blogbeiträgen, manchmal wird daraus aber auch eine ganze Predigt:)
Gestern durfte ich im ICF Salzburg zum Thema „Welcher Stimme gebe ich Raum?“ predigen. Dieses Thema ist mir, nach dem Thema „Gottes Stimme hören“ und „Freiheit und Heilung“ wahrscheinlich eines der Wichtigsten Themen zur Zeit.

Falls du dich fragst, wie du die Stimme von Gott hören kannst, wie du sie von der Stimme anderer unterscheiden kannst und wenn du vor allem mehr darüber wissen möchtest, welche Taktiken der „Feind“ nutzt um dich zu verwirren, dann hör dir doch die aktuelle Predigt an. Es ist mein Herzensanliegen, dass wir in Zeiten wie diesen noch mehr lernen, was es heißt, Gottes Stimme zu hören, dass wir lernen, dass es dort einen Gott gibt, der sich eine Beziehung zu uns wünscht und dass wir lernen, wie man diese Beziehung gestalten kann. Ich wünsche mir, dass das, was ich selbst lernen darf, das, was Gott mir aufzeigt, auch für andere hilfreich ist, ermutigt, inspiriert und weiterbringt. DAS ist der Grund für diesen Blog und der Grund, warum ich predige.

Unter PREDIGTEN findest du die Themen, die mich beschäftigen, als Video oder Hör-Podcast.

Be blessed, Desi

Grenzmauern überwinden oder: „Warum der Lockdown half, mein Leben positiv zu verändern“

Grenzmauern überwinden oder: „Warum der Lockdown half, mein Leben positiv zu verändern“

“Ich habe den Eindruck, Gott möchte dich bald einer Herz-OP unterziehen.“ Diese Worte eines Freundes hallten im letzten Jahr immer wieder in meinen Ohren wider. Im Spätsommer 2019 hatte er mir nach dem Gottesdienst diesen Eindruck mitgeteilt und ich spürte, dass dies ein Eindruck war, der bald real werden würde. Schon lange fühlte ich mich immer wieder in der Rolle als Pastorin überfordert. Mein Mann und ich hatten die Leitung einer Freikirche gemeinsam zwei Jahre zuvor übernommen. Am Zeitpunkt der Einsetzung als Pastoren war unsere Tochter gerade acht Monate alt und ich versuchte in die Rolle einer Mama im doppelten Sinne reinzuwachsen: “Du bist die Mama dieser Kirche” war ein Satz, den ich immer wieder hörte. Klar er sollte mich ermutigen und bestärken, gleichzeitig löste er immer wieder Druck in mir aus. Es war mir ein Bedürfnis die Teams, deren Leitung ich bei der Einsetzung bekommen hatte, gut zu leiten und vor allem für die Frauen dieser Kirche da zu sein, sie zu bestärken, zu ermutigen und für sie geistlich zu kämpfen. Ich wollte meinen Mann unterstützen und ihn mit meiner Art ergänzen. Gleichzeitig wollte ich für meine Tochter da sein und mich auf sie fokussieren….Dabei verdrängte ich das eigene Bedürfnis, selbst eine geistliche Mama oder Unterstützung bei all dem zu haben.

Nach Monaten des Versuchs das alles zu jonglieren gab es immer wieder Situationen, in denen ich mich persönlich angegriffen, ja verletzt fühlte. Diese machten eine Zusammenarbeit oft schwierig und ich spürte, wie meine Leidenschaft und Freude für die Menschen, für Gott und Kirche immer weniger wurden. Panikattacken bei banalsten Situationen bestimmten meinen Alltag über mehrere Wochen.

Im Oktober 2019 merkte ich, dass es an der Zeit war, diese “Herz OP” zuzulassen. Gemeinsam mit meinem Mann und unseren Leitern entschied ich, das Jahr 2020 aus allen Verantwortungen und Rollen in der Kirche auszusteigen und Gott und mir diese Zeit zu geben, mein Herz unter die Lupe zu nehmen: Wo sind Wunden aus der Vergangenheit, die aufreißen und Schmerzen verursachen? Wo quellen Bakterien und Eiter aus diesen Wunden und machen mich krank? Wo sind Triggerpunkte in meiner Seele und wie genau sehen sie aus? Mit diesen Fragen startete ich in das Jahr 2020: Ängstlich und gleichzeitig voller Vorfreude. Ich war überzeugt, dass dieses Jahr Durchbrüche in meinem Leben bringen sollte. 

Die ersten Monate waren gefüllt mit kleinen Panikattachen und emotionalen Zusammenbrüchen. Ich merkte plötzlich, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, wer ich bin. Wer steckt hinter der Rolle der Pastorin und Mama? Was bleibt mir denn, wenn ich nicht predige? Wer ist denn noch da in meinem Leben – wenn nicht die Mitarbeiter unserer Kirche? Was macht mein Leben für einen Sinn, wenn ich nicht dienen und anderen helfen kann? Wozu hatte ich studiert und mich so lange (schon in Teenagerzeiten) darauf vorbereitet in der Kirche zu arbeiten, wenn ich nun nichts davon einbringen kann oder zur finanziellen Verbesserung beitragen kann?

Der Identitätskrise folgte eine Glaubenskrise und der Glaubenskrise eine Wüstenzeit. Meine Idee war: Wenn ich das Pastorensein und die Kirche komplett von mir wegschiebe, dann weiß ich endlich, wer ich bin und mein Herz kann heilen….Ich glaubte unbewusst der Lüge, dass die “Kirche” an meinen Panikattacken und meinem kaputten Herzen Schuld war. Also wollte ich mich abgrenzen und das Leben neu genießen und anders leben.
Als ich mich endlich wieder aufgerappelt hatte, das war im Frühjahr 2020, hatte ich endlich neue Ideen, was ich in diesem Jahr mit mir anfangen könnte um mich nicht ganz in der Reflektionsspirale zu verlieren: Ich wollte Schreiben, ein Fernstudium beginnen und am liebsten in einer Bücherei oder einem Buchladen arbeiten. Ich wollte einen Volkshochschulkurs belegen um neue Kontakte zu schließen, mich mehr in verschiedenen Dingen außerhalb der Kirche integrieren und war fest davon überzeugt, das alles nun anzugehen und einfach mal das zu machen, was ICH gerne wollte.
Dann kam Corona.
Der erste Lockdown.
Der Kindergarten wurde geschlossen und ich saß Zuhause mit meiner Tochter. Anstatt Texte zu schreiben, las ich nun Kinderbücher vor, anstatt Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, vertiefte ich die Beziehung zu meiner Tochter. Anstatt etwas neues zu studieren, nahm ich meine praktischen Lehren aus dem abgeschlossenen Studium und kreierte Spiele für meine Tochter, erfand Geschichten und die Kreative Ader in mir pulsierte wieder- für sie.

Als alle anderen um mich herum Stöhnten und die fehlenden Kontakte und Treffen vermissten, merkte ich plötzlich, dass es mir gut tat. Es tat mir gut, ruhige Zeiten Zuhause zu haben und mit meiner Tochter kreativ zu sein. Es tat mir gut, mich selbst besser kennen zu lernen anstatt andere Menschen kennen zu lernen. Es tat mir gut, wenig Möglichkeiten zu haben, in denen ich darüber nachdenken könnte, was andere von mir denken oder in denen ich mich unbewusst verbiegen würde. Ich war Zuhause. Mit meiner Tochter und meinem Mann.

Im Mai nahm ich mir vor, die Bibel einmal komplett in 30 Tagen zu lesen. Ich hatte das schon einmal vor fünf Jahren getan und wollte es noch einmal wagen. Ich machte mir bewusst keinen Druck sondern versuchte es einfach in dem ich startete. Nicht, um etwas durchzuziehen, sondern vor allem mit der Erwartung, dass Gott zu mir sprechen würde, und selbst wenn es um irgendwelche Generationsregister gehen würde.
Obwohl ich es nicht für Möglich gehalten hatte, gelang es mir, täglich knapp 40 Kapitel zu lesen, mit einer Tasse Tee in der Hand und einer Tochter, die zufrieden war und manchmal auf meinem Bauch einschlief, während ich ihr aus 2. Könige vorlas.

Eine Freundin von mir erklärte sich bereit, sich monatlich mit mir über Video-Calls zu treffen und mit mir gemeinsam durch Gebet und prophetische Eindrücke die Wurzeln mancher Wunden und falscher Denkmuster zu erforschen und mit Gott gemeinsam rauszureißen. Ich hatte in ihr eine „geistliche Mutter“ gesucht und eine wunderbare Begleiterin, Schwester, Mitkämpferin und Ermutigerin gefunden. Mit ihr gemeinsam über Video-Calls zu beten, zu hören, Eindrücke zu teilen und in Gottes Gegenwart zu gehen, waren die größten und heilsamsten Schritte auf diesem Weg durch die Wüste.

Während ich im Sommer noch ab und zu weinte, weil meine ganzen Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt werden konnten, schaue ich jetzt glücklich zurück: Ich hätte es mir nicht ausgesucht, immer wieder isoliert zu sein. Ich hätte nicht daran gedacht, dass diese Herz-OP in einer Wüste stattfinden würde. Aber genau das war es: Das Jahr 2020 war mein Wüstenjahr. 

Jesus zog sich selbst immer wieder an “Wüstenorte” zurück. Nach seiner Taufe, nachdem die Autorität und Identität von Gott öffentlich gemacht wurde, wurde er in die Wüste geführt. Die “Wüste” ist in der Bibel ein Ort der Buße, der Reflektion, der Läuterung aber auch der Versuchung und des Widerstehens. Die Wüste 2020 war für mich genau das.

Es kam alles anders als gedacht, aber für mich war es genau so richtig. Die monatlichen Gebete und Gespräche mit meiner Freundin, die weit weg wohnt, hätten vielleicht sonst nicht stattgefunden.
Die vielen gemeinsamen Bastel- und Lesestunden mit meiner Tochter haben eine neue Tiefe geschaffen.
Die ständigen Reflektionen und herausfordernde Gespräche mit meinem Mann haben eine neue Ebene der Kommunikation in unserer Ehe ermöglicht…
Die Regelungen des Abstands und der Isolation gaben mir die ungewollte Möglichkeit, ruhig zu werden und das Reden Gottes lauter werden zu lassen. Ich bin nicht mehr abhängig von dem, was andere sagen, ich bin sensibler geworden für Gottes Eindrücke, seine Stimme und sogar für die Unterscheidung seines Redens von dem des Feindes. Ich konnte die Beziehung mit Gott vertiefen und mich selbst besser kennen lernen, in dem ich mehr und mehr sehen und verstehen lernen konnte, wie Gott mich sieht und von Anfang an gesehen hat. 

Und nun kann ich gestärkt und mit klarem Fokus einen neuen Platz in der Kirche einnehmen. Mit einem Herzen ohne Wunden und Narben, das kräftig schlägt und weiß, wie es sich schützt: In dem gesunde Grenzen aufgebaut werden durch regelmäßige Zeiten der Isolation und Reflektion in der Wüste.

Die Corona-Situation ist nicht leicht. Sie ist herausfordernd und bringt viele Menschen an ihre Grenzen. Es brachte auch mich an die Grenzmauern und doch möchte ich dich ermutigen: Mit Gott kannst du über diese Mauern springen und neues, unentdecktes Land erforschen. Vielleicht sogar, das unentdeckte Land deines Herzens.

Isolation und Veränderungen können herausfordern und Panik auslösen oder sie können eine Chance sein, in der Gott neue Wege aufzeigt und neue Sichtweisen schenkt.