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Leben vs. Hochsensibilität?

Als ich ein Teenager war, war ich ständig unterwegs: Auf Freizeiten, Jugendtagen, Jugendwochenenden, Veranstaltungen und Events. Ich wollte Menschen um mich haben und liebte es, mich zu engagieren und neue Leute kennen zu lernen. Ich war immer wieder auf Konzerten, stand meist weit vorne und kam nachts vom Springen und Mitsingen verschwitzt nachhause. Mit 18 Jahren kam eine ausgeprägte Depression. Zeitweise durfte ich keine Besuche empfangen, weil ich schon nach einer Person aufgewühlt und panisch wurde. Ich musste mich komplett zurück ziehen, sollte sogar ein Jahr mit der Schule pausieren, damit es nicht zu viel für mich wird und ich erst wieder langsam in den Alltag starten konnte. Innerhalb weniger Monate hatte ich mich zu einem anderen Menschen verändert. Die junge Frau, die immer extrovertiert, leidenschaftlich und überschwänglich war, war plötzlich schüchtern, konnte keine fremden Menschen ansprechen und brauchte Ruhe. Hinzukam, dass innerhalb weniger Monate die Kleidergröße von 36 auf 44/46 gewachsen war…
Ich hatte lange damit zu kämpfen und habe mich gefragt, warum ein Mensch so komplett unterschiedlich sein kann.
War ich denn nun extrovertiert oder bin ich eigentlich introvertiert?
Liebe ich es, unter Menschen zu sein oder liebe ich es, allein zu sein?
Wer bin ich denn nun eigentlich?
Hatte ich mich selbst so in mir getäuscht?
Hatte ich etwas gespielt, was ich eigentlich nicht war? Oder noch viel mehr: Wollte ich jemand krampfhaft sein, der ich eigentlich nicht war und auch nicht sein konnte? Hatte ich mich mit einem Schauspiel überfordert?

Heute, 20 Jahre später, kann ich sagen: Nein! Ich habe nichts gespielt – ich konnte bestimmte Dinge einfach nicht benennen und kannte mich nicht gut. Aber: Ja – ich habe mich überfordert.
Nicht mit einem bewussten Schauspiel und doch, hatte ich etwas versäumt. Denn heute weiß ich: Ich gehöre zu einer Gruppe Menschen, die man „Hochsensibel“ oder „Hochsensitiv“ bezeichnet.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass diese Menschen noch sensibler auf Dinge reagieren, als „normal-Sensible“. „Hochsensible Menschen scheinen jedoch nicht über einen Filter zwischen sich und der Umwelt zu verfügen, sodass sie viel weniger Reize ausblenden oder ignorieren können.“ (Brigitte Schorr, Hochsensibilität – Empfindsamkeit leben und verstehen, SCM/Hänssler, 2018, S.10).
Es bedeutet also, dass (je nach Stärke und Form der Hochsensibilität) Eindrücke und Reize viel stärker auf diese Menschen einprasseln und daher auch stärker und intensiver wahrgenommen werden und verarbeitet werden müssen. Drei wesentliche Merkmale sind:
* Schmale Komfortzone
* Schnelle Überreizbarkeit
* langes Nachhallen. (vgl. ebd, S.15)

Vor einigen Jahren habe ich für mich festgestellt, dass ich zu dieser Gruppe Menschen dazu gehöre. Ich liebe es, unter Menschen zu sein und trotzdem kann es mir sehr schnell „zu viel“ werden. Eine Reizüberflutung kann mich schnell überrollen und ich werde müde, langsam und mein Denken blockiert. Hinzu kommt, dass Erlebnisse, Gespräche, ja sogar einzelne Wörter in Konversationen noch lange in meinen Gedanken verhaftet bleiben können und meist sogar damit auch die entstandenen Gefühle. Ich brauche daher manchmal einige Tage oder sogar Wochen, bis sich wieder eine innere Ruhe eingestellt hat, wenn ein größeres Event, eine Konferenz, eine Versammlung oder eine Party anstanden. Auch Gespräche oder Konflikte rauben extrem viel Energie und verlangen nach einer Ruhezeit.

Ich kenne einige Menschen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie ebenfalls zu stärkerer Sensibilität neigen und ich glaube, dass die Masse an Reizen und Möglichkeiten heutzutage immer mehr Menschen mit Hochsensibilität offenbaren wird.
Die Frage ist: Was macht man nun mit diesem Wissen?
Ich habe für mich persönlich gemerkt, dass es weder gut für mich ist, mich ständig unter Menschen zu mischen und ständig aktiv zu sein, noch mich komplett zurück zu ziehen und nur noch in Ruhephasen zu sein.

Alles hat seine Zeit“ steht schon in der Bibel und ich glaube fest, dass da eine tiefe Wahrheit drin steckt. Der Mensch ist für Gemeinschaft geschaffen. Für Gemeinschaft miteinander und für die Gemeinschaft mit Gott. Es braucht für beides eine Zeit. Es braucht eine Zeit zum Ausruhen und Reflektieren aber auch eine Zeit, wieder das zu tun, wozu man befähigt und ausgestattet ist. Ich weiß, dass mein Platz derzeit die Aufgabe einer Co-Pastorin ist. Das bedeutet: Ich WILL mich einbringen, ich liebe es zu predigen, ich liebe es, Menschen weiterzuhelfen, für sie zu beten und zu schauen, wie ich beim Wachsen in der Beziehung zu Gott und zu sich selbst behilflich sein kann. Ich liebe es zu organisieren, zu planen und meine Ideen auszuleben. Und doch: Ich weiß, dass ich nur ein gewisses Maß an Kapazität, Energie und Komfort habe. Gehe ich nur einen Schritt zu weit, könnte ich schnell wieder körperlich und geistig überfordert sein und und in einen Erschöpfungszustand fallen.

Was ist also meine Strategie?

  1. Ich setze mir Prioritäten anhand meiner Ziele und Werte
    Ich habe für mich bestimmte Ziele und „Mission-Statements“ für mein Leben. Es treibt mich an und hilft mir, Dinge zu entscheiden.

    Für mich bedeutet das, dass ich
    a) Am Kirchenleben aktiv sein möchte
    b) Menschen (Frauen) helfen möchte, ihre Facetten besser kennen zu lernen und ihr Potential zu entfalten in dem ich kreativ, leidenschaftlich und liebevoll lebe, lehre und leite.
    c) Ich möchte meinen Mann unterstützen
    d) Ich möchte eine liebevolle Mutter sein, die für ihre Tochter da ist und ihr hilft, resilient und selbstständig zu sein.
    (Das ist nur ein kleiner Ausschnitt).


    Das bedeutet praktisch: Wenn ich in einer Woche einen Abend Smallgroup, einem Abend Teamleiter-Meeting und an einem anderen Abend Core-Team meeting habe, lasse ich nichts davon ausfallen. Dafür verzichte ich aber auf Abende, an denen ich vielleicht mit einer Freundin etwas unternehmen könnte. Die sind dann in einer anderen Woche dran, wo ich keine anderen Termine habe. Dann freue ich mich umso mehr und gebe dem abgemachten Abend mit einer Freundin Priorität.
    Ich verzichte auf keinen Sonntag, nur weil die Woche voller war. Es ist mir wichtig – das war es schon immer und hat nichts damit zu tun, ob ich angestellt bin oder nicht: Es ist meine Priorität, Gemeinschaft zu leben und mich in der Kirche einzubringen – also ruhe ich an einem anderen Tag aus, damit dies möglich ist.
    Es bedeutet auch, dass ich bewusste Zeiten habe, in denen meine Tochter mich zu 100% für sich hat und dass ich mindestens einmal in der Woche einen Abend nur für meinen Mann und mich reserviert habe.
  2. Ich plane voraus! Es gelingt mir mal mehr, mal weniger und doch im Gesamten immer besser, meine Wochen-, Monats- und Tagesplanung entsprechend zu gestalten. Dadurch bin ich mir selbst und anderen gegenüber zuverlässiger.
    Ich will mich nicht komplett zurückziehen- dazu bin ich nicht auf dieser Welt. Aber ich muss auf mich achten. Also ist mein freier Tag nicht samstags, sondern montags. Es ist der Tag, an dem ich nach einem Sonntag, der für mich wunderschön und doch sehr anstrengend ist, zur Ruhe komme. Gespräche hallen noch nach. Ich schaue auf das, was mich vielleicht verletzt oder getriggert hat und frage Gott, warum das so ist. Ich schlafe, ruhe aus und nehme mir Zeit für mich und meine Familie. Ich gestalte meine Woche so, dass ich nicht jeden Abend Termine habe.
    Auch die Jahresplanung gehe ich so an:
    Jedes Jahr im Mai finden die Pastoren-Tagungen und eine anschließende Konferenz statt. Für mich vermutlich die anstrengendste Woche des Jahres. Ich nehme mir an diesen Tagen täglich bewusst Zeit für den Rückzug. Nicht zu lange, aber ausreichend. Ich stelle mich bei der Konferenz an den Rand, damit ich Platz für mich während des Worships habe. Ich plane in der Woche nach der Konferenz möglichst keine Termine oder Gespräche, sondern blockiere mehr Zeiten oder fahre sogar für ein paar Tage in den Urlaub.

  3. Ich prüfe täglich, wie es in mir ausschaut.
    An jedem Tag, an dem ich viele Menschen um mich habe, ziehe ich mich irgendwann zurück. Ich gehe bei Pastoren-Tagungen abends meist ins Zimmer statt zu Gemeinschafts-Aktionen, um zur Ruhe zu kommen. Es kann passieren, dass ich an einem Dienstag bereits merke, dass die letzte Woche anstrengender war als gedacht. Oder es kommt vor, dass ein intensives Gespräch längere Zeit benötigt um zu sacken. Dann passe ich die Wochenplanung entsprechen an. Wo kann ich Zeiten freischaufeln? Muss die Wäsche wirklich gemacht werden oder gehe ich stattdessen zwei Stunden in den Wald? – Ich nehme mir die Freiheit, mit meinen Verpflichtungen und Abmachungen mit anderen im Blick, Dinge anzpassen.
  4. Ich lerne dazu!
    Ja, ich habe trotz allem immer wieder in Situationen eine Überforderung und ziehe mich schlagartig zurück. Versteht es jeder? Nein. Will es jeder verstehen? Nein!
    Manche machen mir hinter meinem Rücken Vorwürfe, manchen tue ich leid, manche denken zu viel nach, was mit mir los ist. Ist das mein Problem? Nein:) Wenn jemand fragt und wirklich interessiert ist, kann ich in Ruhe erklären, was los ist. Wenn niemand fragt, muss es mir egal sein! Aber ich lerne dazu und ich darf dazu lernen. Denn nur dadurch kann ich Stück für Stück etwas verändern.
    Dazu gehört es auch, dass ich manchmal plötzlich Menschen meide, wenn ich merke, dass Gespräche oder Aussagen von ihnen mir nicht gut tun oder zu sehr reizen. Wenn ich merke, dass diese Personen mir zu viel Energie rauben, die ich dann von meinen Prioritäten abziehen muss – dann weiß ich, was zu tun ist. Das klingt hart, ist aber wichtig!
    Prioritätensetzen und stets prüfen ist notwendig, wenn man hochsensibel ist.

    Stell dir vor, du hast einen Wasserkrug voll mit Wasser und musst ihn auf verschiedene Pflanzen aufteilen, die in deinem Garten wachsen. Wenn du nicht genau weißt, welche Art Garten du möchtest, schüttest du das Wasser wild irgendwo hin und nichts wird wachsen – außer vielleicht das Unkraut. Wenn ich aber weiß, ich möchte unbedingt Mediterranes Gemüse und meine Priorität sind die Zucchinis und Tomaten, dann nehme ich in Kauf, dass die schönen Sonnenblumen vielleicht vertrocknen. Wenn ich einen Blumengarten möchte, werde ich das Wasser anders aufteilen. Aber ich muss schauen, was mein Ziel, meine Vision, meine Aufgabe ist, damit ich mit den gegebenen Ressourcen haushalten kann. Das ist beim Budget so, das ist mit Zeit so und das ist auch mit Energie und Gedanken so.


Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch keine Störung! Ich erlebe leider immer wieder, dass Menschen es als Grund dafür nennen, sich kaum noch aktiv irgendwo zu beteiligen. Ich finde es schade. Denn ich glaube, dass jeder Mensch auf eine Art und Weise von Gott gebraucht wird und in dieser Welt einen Platz hat. Und dieser Platz kann nicht auf dem Sofa Zuhause sein…Das Paradies sah anders aus, soweit ich weiß:-)

Ich habe gelernt, dass meine Hochsensibilität hilfreich ist. Sie stört mich nicht. Sie hilft mir. Sie hilft mir, Gott intensiver zu „hören“. Sie hilft mir wahrzunehmen, wo Unfrieden herrscht, wo schlechte Atmosphäre sich anbahnt oder wo Schmerz ist. Ich kann dadurch reagieren, wenn es notwendig ist. Nun lerne ich zusätzlich, Dinge abzugeben und abzuschütteln, wenn es zu viel ist oder auch gar nicht von mir „getragen“ werden muss. Ich ziehe mir nicht mehr jeden Schuh an und lasse mir ihn auch nicht mehr von jedem anziehen.

Ja, es ist anstrengend aber ICH kann es steuern. Ich bin nicht bereit, mich von meiner Hochsensiblität steuern zu lassen!
Also arrangiere und dirigiere ich.

Warum schreibe ich das alles? Weil ich mir und dir zutraue, dass WIR bestimmen können!
Wenn wir uns die Freiheit nehmen, uns selbst besser kennen zu lernen und herausfinden, WOZU wir hier sind, dann kann uns Hochsensibilität nicht stoppen!


Was kannst du tun, wenn du das Gefühl hast, dass dir schnell Dinge zu viel werden?
Setze klare Ziele und Prioritäten!
Plane vor!
Nimm täglich Zeit zum „innehalten“ und „Überprüfen“.
Sei mutig, Dinge zu verändern, wenn es nicht passt.

Aber tu dir selbst einen Gefallen: Tu dir nicht leid, wenn du Reize intensiver wahrnimmst. Sei dankbar dafür und lerne es zu nutzen! Denn du bist nicht zufällig so, wie du bist!



Welcome Home

Welcome Home

Vor ein paar Monaten bereits, hatte ich mit zwei Freundinnen eine Fahrt in die Schweiz zu einer Frauenkonferenz geplant. Ich hatte mich schon lange darauf gefreut, denn es ist für mich ein besonderes Wochenende, an dem ich auftanke, Inputs bekomme, mich mit anderen Frauen austauschen kann und einfach mal für zwei Tage weg von Zuhause bin.
Eine der beiden Freundinnen sagte ein paar Wochen vor der Konferenz wieder ab und so fuhren wir zu zweit.
Als kurzfristig unsere Übernachtungsmöglichkeit aufgrund von einem Coronafall ausfiel, mussten wir umdisponieren. Wie gut, dass meine Schwiegereltern nicht weit und nahe der Schweizer Grenze wohnen.
Ich rief also gerade mal drei Tage vor der Konferenz bei meinem Schwiegervater an und fragte, ob ich kurzfristig mit einer Freundin für ein Wochenende bei Ihnen übernachten könnte. „Na klar, du hast ja den Schlüssel“ – war die Antwort.
Tatsächlich hatten mein Mann und ich vor einigen Jahren bereits einen Haustürschlüssel meiner Schwiegereltern bekommen. Dabei ein Schlüsselband mit den Worten „Ihr seid Willkommen. JEDERZEIT!“
Diese Geste hatte schon immer mein Herz berührt: Ich wusste, dass dies mit keiner Bedingung verknüpft war. Wir müssen nicht als Pflichtbesuch kommen. Es gibt keine Erwartung außer, dass wir uns Willkommen fühlen.
Hinzu kam, dass ich meine Freundin zu einem exklusiven Network Dinner mit unseren Senior Pastoren mitbringen durfte. Wir hatten reservierte Plätze und durften uns einfach wohl fühlen und die Konferenz genießen.
Als meine Freundin und ich schließlich am ersten Abend nach der Konferenz recht spät bei meinen Schwiegereltern ankamen, fanden wir auf dem Tisch im Wohnzimmer einen Willkommensbrief vor. Daneben einen frischegebackenen Kuchen, Teller, diverse Limonaden und Getränke und die Frage, wann wir Frühstücken möchten.
Am nächsten Morgen war mein Schwiegervater bereits aufgestanden und hatte frische Brötchen besorgt, Eier gekocht und den Tisch gedeckt. Auch am darauffolgenden Morgen war der Tisch gedeckt und leckere Joghurts und diverse Dinge, die ich persönlich liebe, waren extra aufgetischt. Ich war zu Tränen gerührt. Wie gut mich meine Schwiegereltern doch kannten…

Ich glaube, dass genau hier sichtbar wird, was für eine Kultur und was für ein Herz Gott lebt: Wir dürfen kommen. Jederzeit. Ohne Bedingung. Der Tisch ist gedeckt, er möchte uns verwöhnen und hat keine Erwartung.
Wir müssen nicht zwingend alles erzählen. Wir müssen nichts mitbringen. Wir müssen nicht einmal kommen. Aber wir dürfen. Weil wir den Schlüssel bekommen haben. Und wenn wir ihn anrufen und fragen, ob wir kommen dürfen, ist es keine Frage: Der Tisch wird gedeckt sein und weil er unser Herz kennt, wird er uns auch eine Freude machen mit himmlischer Ovomaltine, Mövenpick Joghurts und frischem Apfelsaft. Noch mehr: Er lädt zu einem unverhofften leckeren Abendessen ein – ganz speziell für dich!
Und wenn wir möchten, freut er sich, wenn er sich dazu setzen darf und wir Gemeinschaft mit ihm haben. Aber er drängt sich nicht auf, er erwartet nicht – er beschenkt, gibt und ist geduldig mit uns!
Und er sagt: „Du bist Willkommen. JEDERZEIT!“

Beschütze dein Herz

Beschütze dein Herz

Dies ist eine kurze Zusammenfassung meiner Predigt. Falls du lieber die gesamte Predigt hören oder sehen möchtest, klicke hier!

Sprüche 4,23: “Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.”

Dieser Vers begleitete mich in den letzten Jahren immer wieder und vor allem in den Jahren 2019 und 2020 wurde mir dieser Vers zu einem Schatz.

Wusstest du, dass das mit „Herz“ in diesem Kontext viel mehr gemeint ist, als das Organ?

Weiterlesen „Beschütze dein Herz“

BE READY

Vor wenigen Tagen fand ich mich mit Tränen in den Augen im Schlafzimmer. Ich hörte die Berichte über den Krieg in der Ukraine, wartete auf Nachricht von einer Pastorin, die sich auf der Flucht befand und packte Taschen mit Kleidung zusammen. Ich wollte etwas tun. Fühlte mich hilflos und überwältigt.
Mein Handy zeigte neue Nachrichten an. Ich hatte noch einiges an Aufgaben für die Kirche zu erledigen und wusste nicht, was ich tun sollte: Zwei Inputs mussten noch geschrieben werden (Thema: „Die Dreieinigkeit Gottes“ und „Geistlicher Kampf!“), am Abend hatte ich noch ein Meeting und der Vision-Sunday in unserer church stand an. Ich setzte mich aufs Bett und hatte keine Ahnung, warum ich mich überhaupt an meine Aufgaben setzen sollte. Was macht es für ein Sinn? Tatsächlich hörte ich mich selbst halblaut die Frage stellen, warum ich das alles machte. Ist es wichtig, weiter Pläne zu schmieden? Kann ich hier sitzen und einen Kurs für die nächsten Wochen vorbereiten, wenn ein paar Hundert Kilometer weiter Krieg herrscht?
Mein Mann betrat das Zimmer, fragte, wie es mir geht. Ich öffnete den Mund und es sprudelte aus mir heraus:
„Wir müssen am Sonntag den Menschen klar machen, dass es gerade jetzt wichtig ist, Vision zu haben. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir lernen Gottes Stimme zu hören. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir Kirche sind. Beten. Worshippen und der geistlichen und irrdischen Welt sagen, wer Gott ist. Gerade jetzt, wo die Bedrohung von allen Seiten zu sein scheint, müssen wir Menschen darauf aufmerksam machen, dass der Schöpfer des Universums eine Beziehung mit uns will und dass wir eine andere Perspektive brauchen. Das Leben hier ist endlich. Aber haben wir den Blick auf das, was danach kommt?“ Und ich hörte, wie ich zu mir selbst predigte. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich meine geistliche Brille abgesetzt hatte. Ich sah das, was derzeit passierte. Ich sah nicht das, was einmal kommen würde. War mir nicht mehr bewusst, was ich glaubte? Worauf ich eigentlich vorbereitet sein musste?
Jesus warnte seine Jünger vor dem, was noch kommen würde. Gott warnte mich vor einiger Zeit und sagte: „SEI READY!“. Ich weiß jetzt neu, was es bedeutet. Ich tue derzeit alles, um selbst vorbereitet zu sein – praktisch. Aber auch geistlich. Ich will ready sein für das, was kommt. Und ich will ready sein für die Ewigkeit.

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Seit etwa einer Woche hatte ich mich auf den heutigen Nachmittag gefreut: Nachdem die letzten zwei Wochen gefüllt waren mit To-Dos außerordentlichen Terminen, hatte ich meiner Tochter versprochen, heute Nachmittag gemeinsam ihr Faschingskostüm zu basteln und außerdem noch die neuen Bügelperlen auszuprobieren. Ich liebe es, mit ihr kreativ zu sein und zu basteln und hatte extra noch ein paar Bastelmaterialien besorgt und mir überlegt, was ihr Freude machen könnte. Nach dem Mittagessen ruhte ich mich noch kurz aus und kam dann voller Motivation in ihr Zimmer. „So, jetzt kann’s los gehen. Was magst du machen?“ fragte ich. Sie kam mir mit hängenden Schultern entgegen, trug einen ausgeliehenen Schulranzen auf dem Rücken (sie geht noch in den Kindergarten) und sagte: „Och menno. Ich mag aber noch Schule weiterspielen.“ Na toll. „Ok,“ sag ich, „dann mach ich was anderes und du kannst dann kommen, wenn du basteln magst.“ Nach zehn Minuten saß sie bei mir am Tisch. Ich hatte schon alles vorbereitet. Sie wiederum nahm die Bügelperlen, setzte sich an die Ecke des Tisches und bat mich, bitte nicht zu schauen, was sie mache. Ich könne ja schon mal die Feenflügel basteln. So ging das dann über eine Stunde. Zwischendurch saß sie dann im Wohnzimmer auf dem Sessel, hörte ihr Hörspiel, während sie die Bügelperlen alleine machte und kam erst, als sie sah, dass ich etwas traurig drein schaute. Zudem fragte sie ständig, wann denn endlich Papa von der Arbeit käme, er hätte ihr versprochen, nochmal in das Bastelgeschäft zu fahren, damit sie sich vom Taschengeld etwas kaufen könne… Das Ende vom Nachmittag war dann, dass sie netterweise noch ein paar Blumen auf ihre von mir gebastelten Flügel malte, ich alles wieder aufräumte und nicht wusste, ob ich sauer, traurig oder glücklich sein sollte. Sauer, weil ICH wieder fast alles alleine gemacht hatte, traurig, weil ich mich so auf die gemeinsame Zeit mit ihr gefreut hatte oder glücklich darüber, dass sie zufrieden und glücklich ist und sich so gerne und gut selbst beschäftigt…
Da hatte ich mich bemüht, mir Gedanken gemacht und wollte einfach gerne Zeit mit meiner Tochter verbringen und einen Mama-Tochter Nachmittag gestalten und dann…war sie darauf fokussiert, dass Papa endlich kommt und es reichte ihr, irgendwo in meiner Nähe zu sein und sich alleine zu beschäftigen.
„Mh“, dachte ich…und plötzlich wurde mir klar, dass es Gott ganz genau so geht und das jeden Tag. Ich spürte plötzlich, wie er grinste und sagte. „Ja, das kenne ich!“ Er hat alles vorbereitet für mich. Er freut sich auf die Zeit mit mir. Er macht sich Gedanken darüber, was mir Freude macht und ich? Renne mit meinen Todos durch die Gegend, beschäftige mich mit meinen eigenen Vorhaben und wenn ich da sitze und mit ihm reden will, sind meine Gedanken schon beim nächsten Treffen…
Ich hab draus gelernt – und ich werde was ändern. Auch, wenn Gott sich über mich freut, wenn ich selbst klar komme – er liebt die Gemeinschaft mir. In diesem Sinne: Einen schönen Abend dir und ihm und mir:)

Ihr Kinderlein kommet…

Ihr Kinderlein kommet…

Wenn ich an Weihnachten in meiner Kindheit denke, erinnere ich mich daran, wie ich mit meinen Geschwistern im Zimmer meines Bruders saß und Fernsehen schaute, während im Wohnzimmer meine Eltern dem „Christkind“ halfen, die Geschenke zu richten. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelte dann ein Glöckchen und meine Eltern standen an der Wohnzimmertür und sangen „Ihr Kinderlein kommet“. Aufgeregt rannten wir zum Baum und wurden dann erstmal wieder zur Ruhe gerufen. Erst noch die Geschichte hören. Erst noch ein Flötenlied oder ein Gedicht. Erst noch kurz Besinnlich werden…und dann ging die Geschenkpapierschlacht los….
Vor einigen Tagen hörte ich den Song „Something about Christmas time“ von Bryan Adams und meine Ohren wurden hellhörig bei der Zeile „To see the joy in the children’s eyes“ („Wenn man die Freude in den Kinderaugen sieht“) und ich musste genau an die oben beschriebene Szenerie denken.
Und ich dachte an meine Tochter und über das Strahlen in ihrem Gesicht, wenn sie nur von Weihnachten redet…und ich wurde stutzig.
Ich fragte mich, warum ich nicht mehr so ein Leuchten in den Augen habe an Weihnachten. Warum strahle ich nicht? Warum verschwindet diese Freude und diese Vorfreude, wenn man weiß, wer hinter dem Christkind steckt und wenn man alles hat, was man so braucht? Wenn man sich die Welt anschaut und denkt: „Da ist so viel Not und ich hab eine Wunschliste mit Dingen, die niemand braucht.“? Und ich fragte mich, ob meine Freude über Weihnachten vielleicht an falsche Umstände geknüpft war….

Weiterlesen „Ihr Kinderlein kommet…“
„Eigenlob“ – riecht gut!

„Eigenlob“ – riecht gut!

Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion zum Thema „Selbstlob“.
Ein heikles Thema, das mich seit längerem begleitet.
Ein Thema, bei dem sich in meinem Leben einiges tut.

Vor ein paar Jahren noch diskutierte ich regelmäßig mit meinem Mann über verschiedene Menschen im TV, die Sprüche machten wie „Das hab ich gut gemacht!“ oder „Das kann ich besser!“ Ok – ich gebe zu, meistens handelte es sich dabei um Fernsehköche (So hab ich mir Kochen beigebracht – also bitte nicht verurteilen:-)). Während mein Mann sie cool fand und sie feierte, konnte ich mit ihnen gar nichts anfangen, bezeichnete sie als „arrogant“ und „selbstverliebt“.

Ich erinnere mich an eine Konferenz, auf der eine Pastorin auf die Bühne kam, die ich bisher einfach nicht leiden konnte. Ich konnte und wollte ihr nicht länger als 10 Minuten zuhören. Es ging einfach nicht. Ich hatte eine tiefe Abneigung gegen sie. Sie war mir zu „tussig“, „zu weiblich“, „zu arrogant“ und was weiß ich noch, was ich so alles an Vokabular fand um gegen sie zu verwenden. Doch auf dieser Konferenz hatte ich keine große Möglichkeit mehr, rechtzeitig aus der Halle zu kommen. Ich saß ziemlich in der Mitte einer langen Reihe und das auch noch recht weit vorne. Also ließ ich es über mir ergehen.
Nach 15 Minuten beschloss ich, zuzuhören.
Nach 20 Minuten musste ich wegen ihres Humors lachen.
Nach 30 Minuten wollte ich mehr hören.
Nach 40 Minuten stand ich auf und applaudierte, als sie die Bühne verließ.
Nach 45 Minuten erkannte ich: Die Frau ist total cool. Und lustig. Und hey, die sagt echt gute und tiefgründige Dinge. Und ich begann zu reflektieren und nachzudenken.
Willst du wissen, was ich mir eingestehen musste? Ich wäre gerne so selbstbewusst wie sie. Aber weil ich unterbewusst merkte, dass ich es nicht bin, war es leichter, eine Abneigung aufzubauen als zu reflektieren und zu erkennen, dass ich nur neidisch bin.
Sie schien sich keine Gedanken zu machen, ob nun jemand über ihre Witze lacht oder nicht. Ob jemand sie tussig fand oder nicht. Sie war sie selbst. Sie war authentisch. Und ich….war zu sehr damit beschäftig zu überlegen, wie ich am wenigsten auffalle, wie ich anderen am besten gefalle und wie ich am wenigsten verurteilt werde und dazu passe.

Weiterlesen „„Eigenlob“ – riecht gut!“
Himmel und Erde

Himmel und Erde

Mama, wann sterben wir endlich?“ fragte mich meine Tochter in den letzten Wochen und Monaten immer wieder. Und immer wieder muss ich schlucken…es ist gar nicht so leicht, einer 4-Jährigen auf der einen Seite hoffnungsvoll und positiv vom Himmel zu erzählen, an den man glaubt und der wundervoll sein soll und gleichzeitig klar zu machen, dass man, obwohl da alles soooo viel besser sein soll, eigentlich gar nicht daran denken möchte, dass einer von unserer Familie bald sterben könnte….

Tatsächlich stellte sie diese Frage nicht aus Angst, sondern weil sie sich mit ihrer kindlich unbeschwerten Art einfach vorstellt, dass da alles schön ist bei Jesus. Sie hat das, was wir ja hoffen und glauben einfach für sich aufgenommen und hält nun daran fest. Und dann kommt diese Frage und ich bin peinlich berührt und weiß nicht, was ich sagen soll…“ähm…Ja…im Himmel IST alles schöner, aber ich bin froh dass ich dich habe und wäre auch froh, wenn du noch ein bisschen bei mir bleiben würdest!“ war mein erstes Antwortgestotter. Bis ich mich selbst mehr mit diesem Thema „Himmel“ und „Sterben“ beschäftigte.

In der aktuellen Situation ist es leicht, in den Gedankenstrudel reinzukommen und diese Sehnsucht nach der „besseren Welt“ zu bekommen. Davor versuche ich mich seit Jahren zu bewahren, denn ich weiß aus der Vergangenheit, wie stark diese Sehnsucht werden kann. Zu stark. Man kann wegdriften von Zuversicht, Perspektive und vor allem Lebenssinn und dann….ist es zu spät und es kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Was kann man tun?

Man kann die Frage und das Thema komplett verdrängen. Aber hilfreich ist es nicht. Ich habe einen anderen Weg gefunden:

Ich beschäftigte mich mit dem Thema, ging mit Gott ins Gespräch und stellte die Frage anders: Die Frage lautete nicht „Wann sterbe ich (endlich)?“ sondern „Warum bin ich (noch) hier?“ Und diese Frage möchte ich mir jetzt, wo der Corona-Koller langsam immer stärker wird (ja, nach 10 Monaten wird es sogar mir langsam zu einsam😊) bewusster stellen.

Nicht mit einem negativen und depressivem Klang, sondern mit dem Blick nach oben: „Herr, warum bin ich (noch) hier?“ Wenn ich noch hier bin, dann aus einem bestimmten Grund. Auch wenn derzeit alles eingeengt und perspektivlos erscheint. Auch wenn ich vielleicht nicht mehr so aktiv sein kann wie vorher und kaum noch Leute treffe – ich lebe und das ist gut so!

Genau das versuche ich meiner Tochter zu antworten und wenn ich die folgenden Sätze ausspreche höre ich, wie Gott MIR genauso antwortet: „Ich freue mich auch auf den Himmel. Aber DU bist ein Geschenk. Als du geboren wurdest, hab ich mich so sehr gefreut! Du bist gewollt und nicht ohne Grund hier. Gott hat noch was vor mit dir und solange er dich nicht zu sich holt, hat es einen Grund! Also freu dich über die Zeit hier, denn die Ewigkeit ist noch laaaaange. HIER bist du für uns ein Segen und für viele andere. Frag Gott doch einfach, womit er dich hier noch beschenken möchte und was er mit dir vor hat!“

Mir haben diese Konversationen mit meiner Tochter sehr geholfen. Ich möchte selbst wieder öfter und noch mehr nachfragen, was MEIN Grund ist, warum ich hier bin. Was hat Gott mit mir vor? Was darf / kann / soll ich noch erleben, tun, lernen?

Auch jetzt, wo wir in unserem Landkreis seit Wochen Zuhause sitzen und wenige direkte Kontakte haben wird es einen Grund geben, warum ich hier bin.

Ich habe die letzten Monate genutzt um bei mir selbst in die Tiefe zu gehen, mein Herz zu durchforsten und zu schauen, wie es darin aussieht und ich habe viel Zeit im Gebet und vor allem beim Zuhören verbracht. So konnte ich in den letzten Wochen mehreren Frauen Eindrücke und Bilder weitergeben, die ich von Gott für sie aufs Herz bekommen habe. Ich habe gesagt bekommen, dass es viel bewirkt hat und sie dadurch sehr berührt wurden.

Ich merke, dass es gut und wichtig war, dass ich die letzten Monate viel Zeit damit verbracht habe, meine Sinne für das Reden Gottes zu sensibilisieren und meine Beziehung zu diesem Gott zu vertiefen. So kann ich auch jetzt ein Segen sein und etwas bewirken, in dem ich prophetische Worte und Ermutigungen per Sprachnachrichten versende.

Du bist noch hier! Und das ist gut so! Gott kann und möchte dir auch jetzt begegnen und du kannst auch jetzt ein Segen für diese Welt sein. Wie? Finde es heraus, frage deinen Schöpfer, der dich bewusst und mit Vision geschaffen hat und der genau wusste, dass diese Zeit jetzt kommen wird. Du bist hier! Du lebst! Du machst Sinn! Nutze es!

„Ich will so bleiben wie ich bin!?“

„Ich will so bleiben wie ich bin!?“

(Beitrag auf Estherstoechter.wordpress.com)

Während ich am Laptop sitze um diesen Blogpost zu schreiben, stopfe ich eine Handvoll M&Ms in mich rein. Die Gelben mit Erdnüssen.

Tatsächlich kam mir die Idee für den Inhalt dieses Textes in dem Moment, als ich zum Wiederholten mal in die offene Tüte griff und mit mir selbst kämpfte. Denn eigentlich wollte ich keine Süßigkeiten essen. Meine App auf dem Handy, die meine Kalorien zählt hat es mir verboten, denn das Mittagessen war ein bisschen zu groß geraten….Aber wie so oft finde ich selbst wieder Argumente, warum ich diese Hand voll nun doch in meinen weit aufgesperrten Mund stopfe: „Ich lass mir doch von einer App nicht sagen, was ich tun oder lassen darf!“ oder „Ach, jetzt hab ich mir gerade neue Klamotten im Sale schon für den Sommer geleistet, dann wäre Abnehmen ja jetzt eh blöd!“ oder ganz einfach „Ich wollte ja noch einen Blogeintrag machen – dann hab ich wenigstens ein Thema!“

Vielleicht kennst du das auch, dieses Streiten mit sich selbst oder, wie man im Fachjargon sagt, „Selbstverarsche“. Denn es war ja nicht die APP die mir gesagt hat, dass ich abnehmen soll, sondern ich selbst hatte mich endlich mal wieder motiviert genug gefühlt, ein bisschen mehr auf meine Ernährung zu achten und dem Winterspeck ein bisschen Einhalt zu gebieten. Blöd nur, dass ich genau aus diesem Grund dann auch sagen kann, dass ich jetzt einfach nach drei Tagen das Experiment „Jeanstragen ohne rote Ränder am Bauch“ abbreche. Ich bin Weltmeisterin darin mich selbst von etwas abzubringen, nachdem ich endlich mal den Mut und die Motivation gebündelt habe um einen Next Step zu gehen. Und dann bin ich auch die Weltmeisterin im drüber jammern, dass ich es nicht durchgezogen habe.

Es gibt viele Argumente, die mich dazu bringen mein Vorhaben, ein paar Kilos abzunehmen, zu ignorieren: „Mein Mann liebt mich wie ich bin!“, „Gott liebt mich, wie ich bin“, „Es kommt auf die inneren Werte an“ und und und. Und dann kommt der alte Werbeslogan von einer Ernährungsmarke in den Kopf „Ich will so bleiben wie ich bin – DU DARFST!“

Und irgendwie stimmen die Argumente ja auch. Aber gleichzeitig weiß ich, dass ich selbst ja nicht da stehen bleiben will und mich zurücklehnen möchte. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass ich immer einen Grund zum Kämpfen brauche oder alles anstrengend sein muss im Leben. Aber es geht darum zu verstehen, dass ich auf der einen Seite natürlich von meinem Mann geliebt werde und dass ich auch von Gott geliebt bin -aber gleichzeitig geht es mir selbst doch auch darum, dass ich gesund lebe, mich wohlfühle. Dass ich so bleiben DARF wie ich bin, aber es nicht MUSS.

Dieser Zwiespalt beschäftigt mich schon mein ganzes Leben: „Gott liebt dich, wie du bist!“ höre ich seit meiner Kindheit. Warum dann verändern? Warum dann abnehmen oder Verletzungen verarbeiten? Warum vergeben und versöhnen? Warum an sich arbeiten – wenn Gott mich doch so geschaffen hat und mich liebt?

Und dann fangen die Argumente an und tatsächlich wirken die kritischen Nachfragen schwerer und man ist kurz davor, die Hand, die gefüllt ist mit den M&Ms, mit Frust, mit Rachegedanken, mit Zweifeln, mit Wut und allem drum und dran wieder in den Mund zu stopfen, sich zurück zu lehnen und einfach zufrieden zu sein mit sich selbst.

Ich habe aber eins gelernt: Ich bin nicht zufrieden mit mir selbst. Denn ich habe immer wieder gemerkt, dass der innere Frieden und die Ruhe DANN da sind, wenn ich verstehe und weiß, dass ich geliebt bin und trotzdem Verletzungen und Verhaltensweisen in und an mir habe, die nicht dem ursprünglichen Gedanken Gottes entsprechen, sondern die entstanden sind in diesem Leben, in dieser Welt die alles andere als Perfekt oder „Das Paradies auf Erden“ ist.

Ich selbst entscheide, was ich in mich „reinstopfe“ – das gilt für das Essen, als auch für die Gedanken. Die Schokolade steht im Regal – manchmal habe ich sie selbst gekauft, manchmal wurde sie mir geschenkt oder mein Mann hat sie besorgt. Sie ist da. Aber sie ist noch nicht in meinem Mund. Und sie ist auch nicht immer und grundsätzlich schlecht. Die Frage ist, ob ich selbst die Kontrolle habe und die Verantwortung übernehme, wenn ich sie öffne und esse.

Verletzungen und der Schmerz der dadurch entsteht – auch sie existieren in unserem Leben manchmal, weil wir sie selbst zufügen, manchmal weil sie uns zugefügt werden und manchmal sogar, weil sie aus anderen Generationen weitergegeben werden. Aber die Frage ist, ob du die Kontrolle hast und den Schmerz in dich hineinstopfst, weil es einfacher ist, sich zurück zu lehnen weil man eben so ist, wie man ist, oder ob es dran ist, aufzustehen, den Schmerz zu betrachten und zu entscheiden, ihn nicht rein zu lassen. Der Schmerz, die Verletzungen können schnell Verhaltensmuster verursachen, die noch mehr Verletzungen hervorrufen oder sogar Verbitterung bewirken. Man macht zu. Man wehrt sich. Man zieht sich zurück

Das ist nicht das Leben, das Gott sich gedacht hat. Jesus selbst sagte einmal, dass er das Leben in der Fülle bereit hält für uns. Eine gesunde Fülle. Eine Fülle, die nicht so ist, wie wenn man gerade 500 Gramm M&Ms in sich reingestopft hat, sondern die Fülle, wie nach einer gesunden, leckeren Bowl. Das ist sein ZIEL für uns. „Sünde“ bedeutet „Ziel verfehlt“. Trage ich weiterhin Verletzungen und Dinge mit mir rum, die mich davon abbringen, mit Frieden und Ruhe ein Leben in der gesunden Fülle zu leben – dann ist das genau so, wie wenn ich mich täglich vollstopfe mit ungesundem Zeug: Ich lehne mich zurück und werde dicker und dicker und irgendwann platz ich!

Ich habe nun runtergeschluckt. Und ich verurteile mich nicht. Ich hab mein Ziel, heute keine Süßigkeiten zu essen, verfehlt. Schade, aber nicht zu ändern. Ich entschließe mich also, den Rest des Tages standhaft zu bleiben. Nicht, weil es eine Regel ist, die ich einhalten soll, sondern weil ICH für mich weiß, dass es langfristig besser ist, wenn ich bedachter esse und mir genüsslich ein Stück Schokolade gönne, wenn es dran ist.

Ich habe in meinem Leben viele Ziele verfehlt – immer wieder. Ich lehne mich nicht zurück und belüge mich, in dem ich sage „Ist doch egal“, aber ich mach mich auch nicht fertig. Ich stehe auf, schaue mir an, was genau es war. Ich bete, dass mir Gott zeigt, wo der Ursprung meiner Verletzungen und Verhaltensmuster liegt, ich bearbeite es mit ihm, geb es ab und versuche, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Ich möchte dich heute ermutigen, die Balance für dich zu finden

Verurteile dich nicht, mach dich nicht fertig. Aber bleib auch nicht resignierend stehen. Gott liebt dich, wie du bist. Aber du musst nicht so bleiben, sondern kannst dich immer mehr zu der Person verändern, die er von Anfang an in dir gesehen hat und immer noch sieht: Rein, kostbar und von unbegrenztem Wert.

„FREE THE TREE“

Unser Garten war einmal von einer Hecke umgeben. Die Betonung liegt auf WAR.
Auch die drei Obstbäume die auf der Wiese stehen, waren bestimmt einmal wunderschön und brachten viele leckere Früchte im Sommer. Leider ist von der Hecke nicht mehr viel zu sehen. Nur vertrocknete Zweige schauen noch heraus aus einem Meer von Efeu.

Über Jahre hat sich der Efeu ausgebreitet und nicht nur die Hecke erstickt, sondern auch zum Teil die Obstbäume. Leckere Äpfel oder Pflaumen gab es keine mehr, denn sowohl Stamm als auch Zweige waren eingeengt und überwuchert.

Als ich am Sonntag entspannt unter einem der Bäume in meiner Hängematte lag, konnte ich plötzlich nicht anders: Ich sprang auf, ging in de Schuppen, holte Werkzeug, bat meinen Mann eine Leiter zu bringen und nahm mich dem armen Baum an. Kommando „Get free für die Bäume“ wurde ausgerufen und je mehr ich den Baum befreite, desto freier fühlte ich mich selbst. In ca. 30 Minuten war der Baum von den engen Schnüren befreit, der Rasen mit Efeu übersät und ich mit Rinde und diversen Insekten verziert. Diese 30 Minuten waren aber so gefüllt mit Gedanken, dass ich an diesem Sonntag meine zweite Predigt bekam:) Das befreien des Baumes und wie ich da dran gegangen bin, konnte ich voll auf mein Leben übertragen.

Am Anfang wuchsen die kleinen Efeu-Ranken unscheinbar und man nahm sie nicht als „gefährlich“ wahr. Im Gegenteil: Eine Freundin sagte direkt beim Anblick des Gartens: „Wie cool. Wenn du mal ne Tischdeko benötigst, kannst du einfach den Efeu aus dem Garten nutzen.“ Ja, Efeu an sich ist nicht gefährlich und sogar irgendwie romantisch und schön. Das Problem hier war, dass es sich um OBSTbäume handelte. Der Efeu krabbelte immer weiter den Stamm hoch, wurde immer stärker und machte sich irgendwann so breit, dass die Ranken in den Stamm hineinwuchsen. Irgendwann war es so eng und so überfüllt, dass der Baum sich nicht mehr voll entfalten konnte. Die Kraft schwindete, die Äste konnten nicht mehr richtig ausschlagen. Es kamen keine Früchte mehr und der Baum begann schon an manchen Zweigen abzusterben. 

Manchmal wachsen kleine, negative Gedanken langsam unseren Gedankenstamm hoch. Erst unscheinbar, dann vielleicht sogar wahrgenommen aber nicht wirklich als Bedrohung angesehen. Aber was, wenn diese negativen Gedanken sich einfach weiter ausbreiten? 
Ich kenne das aus eigener Erfahrung sehr gut: Negativ Gedanken, Zweifel und schlecht vermittelte Kritik fressen sich in unseren Stamm, nagen sich fest, wachsen, werden stärker, schnüren uns irgendwann immer mehr ein und das selbstbewusste, starke „ICH“ kann nicht wachsen. Die Entfaltung ist gestoppt und langsam aber stetig, sterben Teile ab und es kommen keine guten Früchte mehr…Tatsächlich fühlten sich mein Kopf und meine Gedanken schon öfter so überwältigt von schlechten Gedanken über mich selbst, dass das Bild einer Baumkrone voller Efeu hier sehr gut passt.

Aber man kann es angehen. So wie ich den Efeu beseitigt habe.
Was ich gelernt habe:

1. Man braucht das richtige Werkzeug
Ich begann zuerst mit mit einer kleinen Gartenschere, die dicken Efeu-Haupt-stränge durchtrennen zu wollen. Ein enormer Kraftakt. Ich kam nicht durch und tat dem Stamm des Baumes dabei oft nicht gut. Mein Mann brachte mir drauf eine andere Gartenschere, die eher einer langen Zange glich. Die Hebelwirkung war anders und so konnte ich auch die dicksten Stränge ganz einfach durchtrennen und vom Baumstamm lösen.

2. Kleine Schritte
Wenn der Strang zu stark ist, zerstückel ihn in kleine Teile. Man muss nicht gleich ALLES schaffen. Aber es ist schon mal gut, manche Gedanken erstmal zu teilen. Stück für Stück die Ranke zu verkleinern und somit erstmal von der Kraftquelle abzutrennen. Manchmal kann man nicht direkt nachverfolgen, WO der Ursprung dieser Lügen oder Gedanken ist. Dann fange bei dem an, was dir auffällt, kappe es vom Rest ab. Und DANN verfolge weiter, wenn du merkst, dass da wieder etwas wächst.

3. Kappe den Weg zur Quelle
Ich habe gelesen, dass man manchmal die Wurzel gar nicht erst entfernen kann. Aber man kann das Wachstum verhindern, in dem man sofort die neuen Sprosse entfernt, sobald sie auftauchen. So wird der Wachstum immer mehr verhindert und irgendwann wächst die Pflanze einfach nicht weiter.  Wenn du merkst, die Wurzel kann gerade nicht geortet werden – checke einfach, wenn wieder ein Gedanke weiter wachsen will und „schneide“ ihn direkt ab.

4. Entsorge richtig
So wie ich die Schubkarre beladen habe und alle Ranken entsorgte, muss und darf ich auch meine abgekappten Gedanken und Lügen, von denen ich mich trennen will, zur „Grünabfall-Stelle“ bringen. Das ist bei mir Jesus. Ich bringe es hin, schmeiss es vor seine Füße und sage: „Bitteschön. Einmal verbrennen!“ Klar kann ich es auch theoretisch alles neben dem Baum einfach liegen lassen. Aber dann müsste ich ständig drauf schauen und die schöne Ansicht des Baumes erinnert mich jedes Mal neu an alles, wovon ich ihn gerade erst befreit habe.

5. Hole Hilfe
Ich bin bei dem Baum nur bis zu einer bestimmten Höhe gekommen. Weiter traute ich mich nicht. Mein Mann hat den letzten Part übernommen, denn wir wollten es komplett durchziehen. Gemeinsam haben wir es geschafft. Wenn du deinen „inneren Garten“ aufräumen willst, suche dir eine Person, die gemeinsam mit dir ins Gebet geht. Du musst nicht alleine dadurch!

6. Manchmal ist es weniger als man denkt
Vor allem am Ende wurde mir eines bewusst: Es sah nach SEHR Viel aus. Die Krone schien noch sehr voll. Tatsächlich waren es aber nur ZWEI Ranken, die sich da am Ende noch austobten. Es waren keine 30, obwohl es danach aussah. Man musste nur an zwei Hauptsträngen ziehen und langsam löste sich das komplette Geflecht.

Diese Aktion hat mich ermutigt, immer wieder meine Gedanken, wie diesen Baum, anzuschauen.

Ich will mir regelmäßig meine Zeit in der Gedanken-Hängematte gönnen, wo ich meinen inneren Garten und „Baum“ anschaue und prüfe, wo sich wieder etwas breit machen will, was ich nicht haben möchte. Und ich bin sicher: Manche Stränge werde ich Anfangs vielleicht einfach wachsen lassen. Aber ich habe sie im Auge und checke regelmäßig mit meinem Jesus, wie viel Platz sie einnehmen und wie stark sie werden, damit ich schnell reagieren kann, wenn der Baum in Gefahr ist.

Du kannst den Heiligen Geist bitten, dir dabei zu helfen. „Heiliger Geist, gibt es in meinem Leben Lügen über dich oder mich, die ich glaube? Lügen, die mich daran hindern, ICH zu sein und ein Segen für andere zu sein? Dann zeig mir bitte, was diese Lügen sind. Zeige mir, wo ich in meinem Leben begonnen habe, diese Lügen zu glauben? Gibt es Personen, denen ich vergeben soll? Bitte vergib mir, dass ich diese Lügen geglaubt habe und zeige mir deine Wahrheit!“