Kategorie: Allgemein

BE READY

Vor wenigen Tagen fand ich mich mit Tränen in den Augen im Schlafzimmer. Ich hörte die Berichte über den Krieg in der Ukraine, wartete auf Nachricht von einer Pastorin, die sich auf der Flucht befand und packte Taschen mit Kleidung zusammen. Ich wollte etwas tun. Fühlte mich hilflos und überwältigt.
Mein Handy zeigte neue Nachrichten an. Ich hatte noch einiges an Aufgaben für die Kirche zu erledigen und wusste nicht, was ich tun sollte: Zwei Inputs mussten noch geschrieben werden (Thema: „Die dreieinigkeit Gottes“ und „Geistlicher Kampf!“), am Abend hatte ich noch ein Meeting und der Vision-Sunday in unserer church stand an. Ich setzte mich aufs Bett und hatte keine Ahnung, warum ich mich überhaupt an meine Aufgaben setzen sollte. Was macht es für ein Sinn? Tatsächlich hörte ich mich selbst halblaut die Frage stellen, warum ich das alles machte. Ist es wichtig, weiter Pläne zu schmieden? Kann ich hier sitzen und einen Kurs für die nächsten Wochen vorbereiten, wenn ein paar Hundert Kilometer weiter Krieg herrscht?
Mein Mann betrat das Zimmer, fragte, wie es mir geht. Ich öffnete den Mund und es sprudelte aus mir heraus:
„Wir müssen am Sonntag den Menschen klar machen, dass es gerade jetzt wichtig ist, Vision zu haben. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir lernen Gottes Stimme zu hören. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir Kirche sind. Beten. Worshippen und der geistlichen und irrdischen Welt sagen, wer Gott ist. Gerade jetzt, wo die Bedrohung von allen Seiten zu sein scheint, müssen wir Menschen darauf aufmerksam machen, dass der Schöpfer des Universums eine Beziehung mit uns will und dass wir eine andere Perspektive brauchen. Das Leben hier ist endlich. Aber haben wir den Blick auf das, was danach kommt?“ Und ich hörte, wie ich zu mir selbst predigte. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich meine geistliche Brille abgesetzt hatte. Ich sah das, was derzeit passierte. Ich sah nicht das, was einmal kommen würde. War mir nicht mehr bewusst, was ich glaubte? Worauf ich eigentlich vorbereitet sein musste?
Jesus warnte seine Jünger vor dem, was noch kommen würde. Gott warnte mich vor einiger Zeit und sagte: „SEI READY!“. Ich weiß jetzt neu, was es bedeutet. Ich tue derzeit alles, um selbst vorbereitet zu sein – praktisch. Aber auch geistlich. Ich will ready sein für das, was kommt. Und ich will ready sein für die Ewigkeit.

Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass ich jeden Tag schaue, was dran ist und dass ich vorausplanen. Wir haben seit ein paar Monaten angefangen, uns Notfall-Materialien anzuschaffen.
Ich bete, worshippe und lese die Bibel. Versuche zu hören und schreibe auf, was Gott mir sagt – und ich lese, was er mir bereits gesagt oder gezeigt hat. (Tipp: IMMER aufschreiben. Du kannst noch Jahre später davon zähren.)
Ich schaue, was ich tun kann, um andere vorzubereiten und ihnen zu helfen.
Ich lerne Bibelstellen auswendig um sie im Kopf statt auf dem Handy oder im Bibleserver zu haben. Denn ich brauche immer wieder Ermutigung und Hoffnung, die ich aus Gottes Wort schöpfen kann.

Das ist das, was meiner Meinung nach richtig und wichtig ist: Nicht einfach weiter machen wie zuvor. Aber auch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nicht nur auf mich selbst fokussiert sein aber auch nicht nur auf andere.
Zu hören, was die NEWS sagen, aber auch zu hören, was Gott sagt.
Um dann, egal was kommt, nicht überwältigt zu sein, sondern so gut es geht, bereit zu sein.
Beispiel? Ich hatte vor einigen Monaten das Gefühl, mir einen Dutch Oven wünschen zu sollen. Nicht, dass ich unbedingt damit kochen wollen würde. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich ihn für Notsituationen holen soll. Mit einem Dutch Oven kann ich über Kohle und Feuer kochen – also auch dann, wenn es mal einen Stromausfall geben sollte. Wenige Wochen später gab es Warnungen, dass man sich für eventuelle Blackouts vorbereiten solle. Das war im Dezember. Nun haben wir März. Zwar geht es derzeit mehr um Energie aus Öl. Und doch bin ich innerlich ruhiger und denke, dass auch ein Blackout schneller bevorstehen könnte, als gedacht.
Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion mit einem Freund, der sehr visionär ist. Er war davon überzeugt, dass es in wenigen Jahren viele Berufe und Läden nicht mehr benötigen würde. Stattdessen würde alles nur noch digital über Handy laufen. Für mich eine tragische Vorstellung. Nur drei Wochen später gab es erneute Cyber-Angriffe und die Lage scheint angespannter als zuvor. Für mich wieder eine Lehre, mich nicht nur auf Digitales, Smartphones und Clouds zu verlassen. Es kann alles schneller anders kommen, als man dachte.

Praktische Tipps:
Damit es auch mal Praktisch wird:
Was kannst du anschaffen für Notsituationen?
– Warme Schlafsäcke
– Wenn du Kamin/Feuerstelle hast: Dutch Oven, Feuerholz, Brikkets
– Gaskocher und Gaskartuschen
– Bargeld als Reserve
– Trinkwasser
– Konserven und Lebensmittel (Mehl, Trockenhefe, Konservendosen, Zucker, Öl, Salz…)
– Benzinreserve
– Medikamente (Verbandskasten, Erste-Hilfe-Set, Schmerzmittel, Desinfektionsmittel)
– Batterien, Solar-Taschenlampe
– Bibel (ein richtiges Buch zum Blättern:-))

– Kerzen, Teelichter
– Feuerzeug/Streichhölzer

Seit etwa einer Woche hatte ich mich auf den heutigen Nachmittag gefreut: Nachdem die letzten zwei Wochen gefüllt waren mit To-Dos außerordentlichen Terminen, hatte ich meiner Tochter versprochen, heute Nachmittag gemeinsam ihr Faschingskostüm zu basteln und außerdem noch die neuen Bügelperlen auszuprobieren. Ich liebe es, mit ihr kreativ zu sein und zu basteln und hatte extra noch ein paar Bastelmaterialien besorgt und mir überlegt, was ihr Freude machen könnte. Nach dem Mittagessen ruhte ich mich noch kurz aus und kam dann voller Motivation in ihr Zimmer. „So, jetzt kann’s los gehen. Was magst du machen?“ fragte ich. Sie kam mir mit hängenden Schultern entgegen, trug einen ausgeliehenen Schulranzen auf dem Rücken (sie geht noch in den Kindergarten) und sagte: „Och menno. Ich mag aber noch Schule weiterspielen.“ Na toll. „Ok,“ sag ich, „dann mach ich was anderes und du kannst dann kommen, wenn du basteln magst.“ Nach zehn Minuten saß sie bei mir am Tisch. Ich hatte schon alles vorbereitet. Sie wiederum nahm die Bügelperlen, setzte sich an die Ecke des Tisches und bat mich, bitte nicht zu schauen, was sie mache. Ich könne ja schon mal die Feenflügel basteln. So ging das dann über eine Stunde. Zwischendurch saß sie dann im Wohnzimmer auf dem Sessel, hörte ihr Hörspiel, während sie die Bügelperlen alleine machte und kam erst, als sie sah, dass ich etwas traurig drein schaute. Zudem fragte sie ständig, wann denn endlich Papa von der Arbeit käme, er hätte ihr versprochen, nochmal in das Bastelgeschäft zu fahren, damit sie sich vom Taschengeld etwas kaufen könne… Das Ende vom Nachmittag war dann, dass sie netterweise noch ein paar Blumen auf ihre von mir gebastelten Flügel malte, ich alles wieder aufräumte und nicht wusste, ob ich sauer, traurig oder glücklich sein sollte. Sauer, weil ICH wieder fast alles alleine gemacht hatte, traurig, weil ich mich so auf die gemeinsame Zeit mit ihr gefreut hatte oder glücklich darüber, dass sie zufrieden und glücklich ist und sich so gerne und gut selbst beschäftigt…
Da hatte ich mich bemüht, mir Gedanken gemacht und wollte einfach gerne Zeit mit meiner Tochter verbringen und einen Mama-Tochter Nachmittag gestalten und dann…war sie darauf fokussiert, dass Papa endlich kommt und es reichte ihr, irgendwo in meiner Nähe zu sein und sich alleine zu beschäftigen.
„Mh“, dachte ich…und plötzlich wurde mir klar, dass es Gott ganz genau so geht und das jeden Tag. Ich spürte plötzlich, wie er grinste und sagte. „Ja, das kenne ich!“ Er hat alles vorbereitet für mich. Er freut sich auf die Zeit mit mir. Er macht sich Gedanken darüber, was mir Freude macht und ich? Renne mit meinen Todos durch die Gegend, beschäftige mich mit meinen eigenen Vorhaben und wenn ich da sitze und mit ihm reden will, sind meine Gedanken schon beim nächsten Treffen…
Ich hab draus gelernt – und ich werde was ändern. Auch, wenn Gott sich über mich freut, wenn ich selbst klar komme – er liebt die Gemeinschaft mir. In diesem Sinne: Einen schönen Abend dir und ihm und mir:)

Ihr Kinderlein kommet…

Ihr Kinderlein kommet…

Wenn ich an Weihnachten in meiner Kindheit denke, erinnere ich mich daran, wie ich mit meinen Geschwistern im Zimmer meines Bruders saß und Fernsehen schaute, während im Wohnzimmer meine Eltern dem „Christkind“ halfen, die Geschenke zu richten. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelte dann ein Glöckchen und meine Eltern standen an der Wohnzimmertür und sangen „Ihr Kinderlein kommet“. Aufgeregt rannten wir zum Baum und wurden dann erstmal wieder zur Ruhe gerufen. Erst noch die Geschichte hören. Erst noch ein Flötenlied oder ein Gedicht. Erst noch kurz Besinnlich werden…und dann ging die Geschenkpapierschlacht los….
Vor einigen Tagen hörte ich den Song „Something about Christmas time“ von Bryan Adams und meine Ohren wurden hellhörig bei der Zeile „To see the joy in the children’s eyes“ („Wenn man die Freude in den Kinderaugen sieht“) und ich musste genau an die oben beschriebene Szenerie denken.
Und ich dachte an meine Tochter und über das Strahlen in ihrem Gesicht, wenn sie nur von Weihnachten redet…und ich wurde stutzig.
Ich fragte mich, warum ich nicht mehr so ein Leuchten in den Augen habe an Weihnachten. Warum strahle ich nicht? Warum verschwindet diese Freude und diese Vorfreude, wenn man weiß, wer hinter dem Christkind steckt und wenn man alles hat, was man so braucht? Wenn man sich die Welt anschaut und denkt: „Da ist so viel Not und ich hab eine Wunschliste mit Dingen, die niemand braucht.“? Und ich fragte mich, ob meine Freude über Weihnachten vielleicht an falsche Umstände geknüpft war….

Was würde von meiner Freude bleiben, wenn ich nicht zum Weihnachtsgottesdienst gehen könnte? Was wäre übrig, wenn ich alleine wäre. Ohne Christbaum. Ohne Geschenke….ohne Lebkuchen, Weihnachtsgans und Traditionen?
Jesus meinte einmal „Werdet wie die Kinder“. Und ich wünsche mir für mich, dass ich wieder dieses Strahlen und diese Freude wie die Kinder bekomme. Nicht, weil es Geschenke gibt. Nicht, weil alles schön dekoriert ist. Nicht einmal, weil ich meine Lieben um mich habe. Sondern weil Weihnachten ist. Die geweihte Nacht. Die heilige Nacht. Die Nacht, die zeigt, wer Gott ist.
Es ist das Fest, an dem wir feiern, dass GOTT Mensch wurde um Beziehung zwischen ihm und uns wieder herzustellen. Und ich merke für mich einmal mehr: Die Traditionen, die einst dazu geschaffen wurden, dieses Fest gebührend zu feiern, diesen GOTT gebührend zu feiern und dieses Zeichen der Liebe in den Mittelpunkt zu stellen – diese Traditionen sind in den Vordergrund gerückt. Der immergrüne Baum sollte die Hoffnung ausdrücken, die durch Jesus existiert. Der Christstollen sollte in der Fastenzeit ein besonderes Essen sein, das Jesus in Windeln darstellt. Die Kerzen sollten das Licht symbolisieren, das Jesus selbst ist. Es waren Traditionen, die symbolisch unterstreichen sollten, was wir da feiern. Und nun haben sie den eigentlichen Grund verdrängt oder noch schlimmer: Sie sind verschwunden und alles was blieb, ist Konsum.
Vor einigen Wochen war ich mit meiner Tochter auf einem Kinderkleidermarkt. Wir fanden ein schönes, festliches Kleid mit etwas Tüll und Glitzer. Ich kaufte es und sagte: „Schau mein Schatz, das kannst du an Weihnachten anziehen!“ Die Verkäuferin und ihre Freundinnen schauten mich verwundert an. „Was zieht’s IHR denn an Weihnachten an?“ Ich antwortete nur „Naja, der höchste christliche Feiertag. Da machen wir uns festlich!“ und sie schüttelten nur den Kopf und nuschelten was von Jogginghose und Kaputzenpulli. Ich bin sicher, hätte ich gefragt, ob sie ihre Weihnachtsgeschenke schon beisammen haben, hätten sie genickt.
Ich liebe die Tradition, das Haus zu schmücken. Ich liebe die weihnachtliche Atmosphäre. Ich bin tatsächlich ein kitschiger Weihnachtsfan. Ich liebe die roten Kugeln, den Duft, die Musik, den Kamin….aber ich liebe vor allem diesen Jesus, der da auf die Welt kam. Der Mensch wurde um zu zeigen, dass er uns nah sein will und vor allem um Dinge klar zu stellen, die wir Menschen falsch verstanden haben. Er kam um LIEBE zu zeigen, die ÜBER Tradition und Gesetz steht. Er kam um zu zeigen, was GNADE bedeutet und Gerechtigkeit im Sinne Gottes. DAS ist es, was ich feiern möchte. Und deshalb will ich das Haus offen und feierlich gestalten. DESHALB möchte ich mich fein anziehen um den Ehrengast zu feiern. DESHALB möchte ich, dass das Christkind – (JESUS) die Geschenke bringt, denn ER ist es, der uns segnet und ein Segen sein lässt. ER beschenkt uns und versorgt uns.

Ich wünsche mir, dass diese Freude größer ist als die Freude über Gemeinschaft, Essen und Geschenke. Ich wünsche mir, täglich so voller Freude und mit großen Augen zum Thron Gottes zu rennen, wie ich als Kind zur Krippe unter dem Baum gerannt bin. Und die Geschenke und den Segen Gottes so zu empfangen und auszupacken, wie ich als Kind die Geschenke aufgerissen und empfangen habe, die unter dem Baum lagen. Ich wünsche mir, dass ich es kaum erwarten kann, SEINE Ankunft zu feiern, wenn er wieder kommt. Wann auch immer das sein wird.

„Eigenlob“ – riecht gut!

„Eigenlob“ – riecht gut!

Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion zum Thema „Selbstlob“.
Ein heikles Thema, das mich seit längerem begleitet.
Ein Thema, bei dem sich in meinem Leben einiges tut.

Vor ein paar Jahren noch diskutierte ich regelmäßig mit meinem Mann über verschiedene Menschen im TV, die Sprüche machten wie „Das hab ich gut gemacht!“ oder „Das kann ich besser!“ Ok – ich gebe zu, meistens handelte es sich dabei um Fernsehköche (So hab ich mir Kochen beigebracht – also bitte nicht verurteilen:-)). Während mein Mann sie cool fand und sie feierte, konnte ich mit ihnen gar nichts anfangen, bezeichnete sie als „arrogant“ und „selbstverliebt“.

Ich erinnere mich an eine Konferenz, auf der eine Pastorin auf die Bühne kam, die ich bisher einfach nicht leiden konnte. Ich konnte und wollte ihr nicht länger als 10 Minuten zuhören. Es ging einfach nicht. Ich hatte eine tiefe Abneigung gegen sie. Sie war mir zu „tussig“, „zu weiblich“, „zu arrogant“ und was weiß ich noch, was ich so alles an Vokabular fand um gegen sie zu verwenden. Doch auf dieser Konferenz hatte ich keine große Möglichkeit mehr, rechtzeitig aus der Halle zu kommen. Ich saß ziemlich in der Mitte einer langen Reihe und das auch noch recht weit vorne. Also ließ ich es über mir ergehen.
Nach 15 Minuten beschloss ich, zuzuhören.
Nach 20 Minuten musste ich wegen ihres Humors lachen.
Nach 30 Minuten wollte ich mehr hören.
Nach 40 Minuten stand ich auf und applaudierte, als sie die Bühne verließ.
Nach 45 Minuten erkannte ich: Die Frau ist total cool. Und lustig. Und hey, die sagt echt gute und tiefgründige Dinge. Und ich begann zu reflektieren und nachzudenken.
Willst du wissen, was ich mir eingestehen musste? Ich wäre gerne so selbstbewusst wie sie. Aber weil ich unterbewusst merkte, dass ich es nicht bin, war es leichter, eine Abneigung aufzubauen als zu reflektieren und zu erkennen, dass ich nur neidisch bin.
Sie schien sich keine Gedanken zu machen, ob nun jemand über ihre Witze lacht oder nicht. Ob jemand sie tussig fand oder nicht. Sie war sie selbst. Sie war authentisch. Und ich….war zu sehr damit beschäftig zu überlegen, wie ich am wenigsten auffalle, wie ich anderen am besten gefalle und wie ich am wenigsten verurteilt werde und dazu passe.

Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die es einfach nicht schaffen, gut über sich selbst zu reden oder OK mit sich selbst zu sein. Sich hinzustellen und zu sagen „Tadaaaa. Hier bin ICH.“
Ich kenne das. Bei der Diskussion letztens ging es darum, ob meine kleine Tochter über sich selbst sagen darf „Ich bin toll!“
Du musst wissen: Wir sprechen unserer Tochter bewusst täglich Wahrheiten zu. Wir sagen bewusst zu ihr jeden Abend: „DU bist einzigartig. Du bist schön. Du bist wunderbar gemacht. Du bist talentiert. Du bist geliebt…“ und vieles mehr. Warum? Weil sie in ihrem Leben noch oft genug andere Dinge hören wird von Menschen, sie sie nicht kennen, die sie verletzen wollen und die einfach negativ sind. Es wird so kommen. Wenn sie aber innerlich stabil ist und schon von Beginn an gehört hat, was WIR sagen und was GOTT über sie sagt, wird es hoffentlich nicht ganz so zerstörerisch wie es manchmal der Fall ist.

Die Person sagte zu mir in der Diskussion „Eigenlob stinkt!“- ein Satz, der das Leben der Person sehr geprägt hat. Was sagt dieser Satz aus? „Du darfst nicht stolz auf dich sein!“ Warum ist das so?
Ich habe für mich erkannt, dass dieses Denken einen kaputt macht. Denn was passiert?
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, etwas zu leisten, was dein Dasein rechtfertigt.
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, von anderen zu hören, dass du gut bist.
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, andere entweder möglichst klein zu halten, damit du selbst dich groß fühlst.
oder
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, andere anzuhimmeln und auf einen Sockel zu stellen, weil du es gewohnt bist, ein Opfer zu sein.
Keiner dieser Wege ist gesund und erfüllend.
Aber was, wenn du verstehst, dass du einzigartig bist. Das ist ein Fakt.
Was, wenn du für dich annimmst, dass du Talente hast?
Wenn es ein Fakt ist, dass du einzigartig bist, weil DU genau SO Dinge tun und vollbringen kannst, die andere nicht auf die selbe Art tun können?

Dann wäre das Leben kein Wettkampf und keine Qual. Du müsstest dich nicht mehr anpassen und jeden Abend unzufrieden ins Bett gehen.
Du würdest nicht um dich schauen und tausend mal überlegen, ob diese Hose zu altbacken ist oder ob sie dir trotzdem steht.
Sondern dann wäre das Leben DEINE Bühne. DU wärst der Hauptdarsteller deiner Lebensgeschichte.
Ein Hauptdarsteller, der genau weiß, dass nur er diese Person sein kann, die für diese Story gebraucht wird. Ein Hauptdarsteller, der genau so authentisch sein soll, wie er ist, weil das niemand sonst kann.
Ein Hauptdarsteller, der selbstbewusst sagen kann „Hierfür bin genau ICH die richtige Person. Ich weiß, was ich kann und ich werde es einsetzen!“
Und du könntest am Ende deines Lebens vielleicht nicht die Schlüpfer und Teddybären von der Bühne kratzen, aber vielleicht kämst du dann in deine Künstlergarderobe, die geschmückt ist mit Blumensträußen und einem großen Banner, das sagt: „Willkommen zurück Zuhause“. Und auf dem Tisch liegt eine Karte deines Regisseurs, darauf steht:
„Gut gemacht, mein wunderbares Kind. Du bist mein Meisterstück! Und niemand hätte dieses Stück so grandios vollenden können, wie du!“

Himmel und Erde

Himmel und Erde

Mama, wann sterben wir endlich?“ fragte mich meine Tochter in den letzten Wochen und Monaten immer wieder. Und immer wieder muss ich schlucken…es ist gar nicht so leicht, einer 4-Jährigen auf der einen Seite hoffnungsvoll und positiv vom Himmel zu erzählen, an den man glaubt und der wundervoll sein soll und gleichzeitig klar zu machen, dass man, obwohl da alles soooo viel besser sein soll, eigentlich gar nicht daran denken möchte, dass einer von unserer Familie bald sterben könnte….

Tatsächlich stellte sie diese Frage nicht aus Angst, sondern weil sie sich mit ihrer kindlich unbeschwerten Art einfach vorstellt, dass da alles schön ist bei Jesus. Sie hat das, was wir ja hoffen und glauben einfach für sich aufgenommen und hält nun daran fest. Und dann kommt diese Frage und ich bin peinlich berührt und weiß nicht, was ich sagen soll…“ähm…Ja…im Himmel IST alles schöner, aber ich bin froh dass ich dich habe und wäre auch froh, wenn du noch ein bisschen bei mir bleiben würdest!“ war mein erstes Antwortgestotter. Bis ich mich selbst mehr mit diesem Thema „Himmel“ und „Sterben“ beschäftigte.

In der aktuellen Situation ist es leicht, in den Gedankenstrudel reinzukommen und diese Sehnsucht nach der „besseren Welt“ zu bekommen. Davor versuche ich mich seit Jahren zu bewahren, denn ich weiß aus der Vergangenheit, wie stark diese Sehnsucht werden kann. Zu stark. Man kann wegdriften von Zuversicht, Perspektive und vor allem Lebenssinn und dann….ist es zu spät und es kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Was kann man tun?

Man kann die Frage und das Thema komplett verdrängen. Aber hilfreich ist es nicht. Ich habe einen anderen Weg gefunden:

Ich beschäftigte mich mit dem Thema, ging mit Gott ins Gespräch und stellte die Frage anders: Die Frage lautete nicht „Wann sterbe ich (endlich)?“ sondern „Warum bin ich (noch) hier?“ Und diese Frage möchte ich mir jetzt, wo der Corona-Koller langsam immer stärker wird (ja, nach 10 Monaten wird es sogar mir langsam zu einsam😊) bewusster stellen.

Nicht mit einem negativen und depressivem Klang, sondern mit dem Blick nach oben: „Herr, warum bin ich (noch) hier?“ Wenn ich noch hier bin, dann aus einem bestimmten Grund. Auch wenn derzeit alles eingeengt und perspektivlos erscheint. Auch wenn ich vielleicht nicht mehr so aktiv sein kann wie vorher und kaum noch Leute treffe – ich lebe und das ist gut so!

Genau das versuche ich meiner Tochter zu antworten und wenn ich die folgenden Sätze ausspreche höre ich, wie Gott MIR genauso antwortet: „Ich freue mich auch auf den Himmel. Aber DU bist ein Geschenk. Als du geboren wurdest, hab ich mich so sehr gefreut! Du bist gewollt und nicht ohne Grund hier. Gott hat noch was vor mit dir und solange er dich nicht zu sich holt, hat es einen Grund! Also freu dich über die Zeit hier, denn die Ewigkeit ist noch laaaaange. HIER bist du für uns ein Segen und für viele andere. Frag Gott doch einfach, womit er dich hier noch beschenken möchte und was er mit dir vor hat!“

Mir haben diese Konversationen mit meiner Tochter sehr geholfen. Ich möchte selbst wieder öfter und noch mehr nachfragen, was MEIN Grund ist, warum ich hier bin. Was hat Gott mit mir vor? Was darf / kann / soll ich noch erleben, tun, lernen?

Auch jetzt, wo wir in unserem Landkreis seit Wochen Zuhause sitzen und wenige direkte Kontakte haben wird es einen Grund geben, warum ich hier bin.

Ich habe die letzten Monate genutzt um bei mir selbst in die Tiefe zu gehen, mein Herz zu durchforsten und zu schauen, wie es darin aussieht und ich habe viel Zeit im Gebet und vor allem beim Zuhören verbracht. So konnte ich in den letzten Wochen mehreren Frauen Eindrücke und Bilder weitergeben, die ich von Gott für sie aufs Herz bekommen habe. Ich habe gesagt bekommen, dass es viel bewirkt hat und sie dadurch sehr berührt wurden.

Ich merke, dass es gut und wichtig war, dass ich die letzten Monate viel Zeit damit verbracht habe, meine Sinne für das Reden Gottes zu sensibilisieren und meine Beziehung zu diesem Gott zu vertiefen. So kann ich auch jetzt ein Segen sein und etwas bewirken, in dem ich prophetische Worte und Ermutigungen per Sprachnachrichten versende.

Du bist noch hier! Und das ist gut so! Gott kann und möchte dir auch jetzt begegnen und du kannst auch jetzt ein Segen für diese Welt sein. Wie? Finde es heraus, frage deinen Schöpfer, der dich bewusst und mit Vision geschaffen hat und der genau wusste, dass diese Zeit jetzt kommen wird. Du bist hier! Du lebst! Du machst Sinn! Nutze es!

„Ich will so bleiben wie ich bin!?“

„Ich will so bleiben wie ich bin!?“

(Beitrag auf Estherstoechter.wordpress.com)

Während ich am Laptop sitze um diesen Blogpost zu schreiben, stopfe ich eine Handvoll M&Ms in mich rein. Die Gelben mit Erdnüssen.

Tatsächlich kam mir die Idee für den Inhalt dieses Textes in dem Moment, als ich zum Wiederholten mal in die offene Tüte griff und mit mir selbst kämpfte. Denn eigentlich wollte ich keine Süßigkeiten essen. Meine App auf dem Handy, die meine Kalorien zählt hat es mir verboten, denn das Mittagessen war ein bisschen zu groß geraten….Aber wie so oft finde ich selbst wieder Argumente, warum ich diese Hand voll nun doch in meinen weit aufgesperrten Mund stopfe: „Ich lass mir doch von einer App nicht sagen, was ich tun oder lassen darf!“ oder „Ach, jetzt hab ich mir gerade neue Klamotten im Sale schon für den Sommer geleistet, dann wäre Abnehmen ja jetzt eh blöd!“ oder ganz einfach „Ich wollte ja noch einen Blogeintrag machen – dann hab ich wenigstens ein Thema!“

Vielleicht kennst du das auch, dieses Streiten mit sich selbst oder, wie man im Fachjargon sagt, „Selbstverarsche“. Denn es war ja nicht die APP die mir gesagt hat, dass ich abnehmen soll, sondern ich selbst hatte mich endlich mal wieder motiviert genug gefühlt, ein bisschen mehr auf meine Ernährung zu achten und dem Winterspeck ein bisschen Einhalt zu gebieten. Blöd nur, dass ich genau aus diesem Grund dann auch sagen kann, dass ich jetzt einfach nach drei Tagen das Experiment „Jeanstragen ohne rote Ränder am Bauch“ abbreche. Ich bin Weltmeisterin darin mich selbst von etwas abzubringen, nachdem ich endlich mal den Mut und die Motivation gebündelt habe um einen Next Step zu gehen. Und dann bin ich auch die Weltmeisterin im drüber jammern, dass ich es nicht durchgezogen habe.

Es gibt viele Argumente, die mich dazu bringen mein Vorhaben, ein paar Kilos abzunehmen, zu ignorieren: „Mein Mann liebt mich wie ich bin!“, „Gott liebt mich, wie ich bin“, „Es kommt auf die inneren Werte an“ und und und. Und dann kommt der alte Werbeslogan von einer Ernährungsmarke in den Kopf „Ich will so bleiben wie ich bin – DU DARFST!“

Und irgendwie stimmen die Argumente ja auch. Aber gleichzeitig weiß ich, dass ich selbst ja nicht da stehen bleiben will und mich zurücklehnen möchte. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass ich immer einen Grund zum Kämpfen brauche oder alles anstrengend sein muss im Leben. Aber es geht darum zu verstehen, dass ich auf der einen Seite natürlich von meinem Mann geliebt werde und dass ich auch von Gott geliebt bin -aber gleichzeitig geht es mir selbst doch auch darum, dass ich gesund lebe, mich wohlfühle. Dass ich so bleiben DARF wie ich bin, aber es nicht MUSS.

Dieser Zwiespalt beschäftigt mich schon mein ganzes Leben: „Gott liebt dich, wie du bist!“ höre ich seit meiner Kindheit. Warum dann verändern? Warum dann abnehmen oder Verletzungen verarbeiten? Warum vergeben und versöhnen? Warum an sich arbeiten – wenn Gott mich doch so geschaffen hat und mich liebt?

Und dann fangen die Argumente an und tatsächlich wirken die kritischen Nachfragen schwerer und man ist kurz davor, die Hand, die gefüllt ist mit den M&Ms, mit Frust, mit Rachegedanken, mit Zweifeln, mit Wut und allem drum und dran wieder in den Mund zu stopfen, sich zurück zu lehnen und einfach zufrieden zu sein mit sich selbst.

Ich habe aber eins gelernt: Ich bin nicht zufrieden mit mir selbst. Denn ich habe immer wieder gemerkt, dass der innere Frieden und die Ruhe DANN da sind, wenn ich verstehe und weiß, dass ich geliebt bin und trotzdem Verletzungen und Verhaltensweisen in und an mir habe, die nicht dem ursprünglichen Gedanken Gottes entsprechen, sondern die entstanden sind in diesem Leben, in dieser Welt die alles andere als Perfekt oder „Das Paradies auf Erden“ ist.

Ich selbst entscheide, was ich in mich „reinstopfe“ – das gilt für das Essen, als auch für die Gedanken. Die Schokolade steht im Regal – manchmal habe ich sie selbst gekauft, manchmal wurde sie mir geschenkt oder mein Mann hat sie besorgt. Sie ist da. Aber sie ist noch nicht in meinem Mund. Und sie ist auch nicht immer und grundsätzlich schlecht. Die Frage ist, ob ich selbst die Kontrolle habe und die Verantwortung übernehme, wenn ich sie öffne und esse.

Verletzungen und der Schmerz der dadurch entsteht – auch sie existieren in unserem Leben manchmal, weil wir sie selbst zufügen, manchmal weil sie uns zugefügt werden und manchmal sogar, weil sie aus anderen Generationen weitergegeben werden. Aber die Frage ist, ob du die Kontrolle hast und den Schmerz in dich hineinstopfst, weil es einfacher ist, sich zurück zu lehnen weil man eben so ist, wie man ist, oder ob es dran ist, aufzustehen, den Schmerz zu betrachten und zu entscheiden, ihn nicht rein zu lassen. Der Schmerz, die Verletzungen können schnell Verhaltensmuster verursachen, die noch mehr Verletzungen hervorrufen oder sogar Verbitterung bewirken. Man macht zu. Man wehrt sich. Man zieht sich zurück

Das ist nicht das Leben, das Gott sich gedacht hat. Jesus selbst sagte einmal, dass er das Leben in der Fülle bereit hält für uns. Eine gesunde Fülle. Eine Fülle, die nicht so ist, wie wenn man gerade 500 Gramm M&Ms in sich reingestopft hat, sondern die Fülle, wie nach einer gesunden, leckeren Bowl. Das ist sein ZIEL für uns. „Sünde“ bedeutet „Ziel verfehlt“. Trage ich weiterhin Verletzungen und Dinge mit mir rum, die mich davon abbringen, mit Frieden und Ruhe ein Leben in der gesunden Fülle zu leben – dann ist das genau so, wie wenn ich mich täglich vollstopfe mit ungesundem Zeug: Ich lehne mich zurück und werde dicker und dicker und irgendwann platz ich!

Ich habe nun runtergeschluckt. Und ich verurteile mich nicht. Ich hab mein Ziel, heute keine Süßigkeiten zu essen, verfehlt. Schade, aber nicht zu ändern. Ich entschließe mich also, den Rest des Tages standhaft zu bleiben. Nicht, weil es eine Regel ist, die ich einhalten soll, sondern weil ICH für mich weiß, dass es langfristig besser ist, wenn ich bedachter esse und mir genüsslich ein Stück Schokolade gönne, wenn es dran ist.

Ich habe in meinem Leben viele Ziele verfehlt – immer wieder. Ich lehne mich nicht zurück und belüge mich, in dem ich sage „Ist doch egal“, aber ich mach mich auch nicht fertig. Ich stehe auf, schaue mir an, was genau es war. Ich bete, dass mir Gott zeigt, wo der Ursprung meiner Verletzungen und Verhaltensmuster liegt, ich bearbeite es mit ihm, geb es ab und versuche, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Ich möchte dich heute ermutigen, die Balance für dich zu finden

Verurteile dich nicht, mach dich nicht fertig. Aber bleib auch nicht resignierend stehen. Gott liebt dich, wie du bist. Aber du musst nicht so bleiben, sondern kannst dich immer mehr zu der Person verändern, die er von Anfang an in dir gesehen hat und immer noch sieht: Rein, kostbar und von unbegrenztem Wert.

„FREE THE TREE“

Unser Garten war einmal von einer Hecke umgeben. Die Betonung liegt auf WAR.
Auch die drei Obstbäume die auf der Wiese stehen, waren bestimmt einmal wunderschön und brachten viele leckere Früchte im Sommer. Leider ist von der Hecke nicht mehr viel zu sehen. Nur vertrocknete Zweige schauen noch heraus aus einem Meer von Efeu.

Über Jahre hat sich der Efeu ausgebreitet und nicht nur die Hecke erstickt, sondern auch zum Teil die Obstbäume. Leckere Äpfel oder Pflaumen gab es keine mehr, denn sowohl Stamm als auch Zweige waren eingeengt und überwuchert.

Als ich am Sonntag entspannt unter einem der Bäume in meiner Hängematte lag, konnte ich plötzlich nicht anders: Ich sprang auf, ging in de Schuppen, holte Werkzeug, bat meinen Mann eine Leiter zu bringen und nahm mich dem armen Baum an. Kommando „Get free für die Bäume“ wurde ausgerufen und je mehr ich den Baum befreite, desto freier fühlte ich mich selbst. In ca. 30 Minuten war der Baum von den engen Schnüren befreit, der Rasen mit Efeu übersät und ich mit Rinde und diversen Insekten verziert. Diese 30 Minuten waren aber so gefüllt mit Gedanken, dass ich an diesem Sonntag meine zweite Predigt bekam:) Das befreien des Baumes und wie ich da dran gegangen bin, konnte ich voll auf mein Leben übertragen.

Am Anfang wuchsen die kleinen Efeu-Ranken unscheinbar und man nahm sie nicht als „gefährlich“ wahr. Im Gegenteil: Eine Freundin sagte direkt beim Anblick des Gartens: „Wie cool. Wenn du mal ne Tischdeko benötigst, kannst du einfach den Efeu aus dem Garten nutzen.“ Ja, Efeu an sich ist nicht gefährlich und sogar irgendwie romantisch und schön. Das Problem hier war, dass es sich um OBSTbäume handelte. Der Efeu krabbelte immer weiter den Stamm hoch, wurde immer stärker und machte sich irgendwann so breit, dass die Rranken in den Stamm hineinwuchsen. Irgendwann ist war es so eng und so überfüllt, dass der Baum selbst sich nicht mehr voll entfalten konnte. Die Kraft schwindete, die Äste konnten nicht mehr richtig ausschlagen. Es kamen keine Früchte mehr und der Baum begann schon an manchen Zweigen abzusterben. 

Bei uns wachsen manchmal so kleine Gedanken langsam und unscheinbar unseren Gedankenstamm hoch. Erst unscheinbar, dann vielleicht sogar wahrgenommen aber nicht wirklich als Bedrohung gesehen. Aber was, wenn diese negativen Gedanken sich einfach weiter ausbreiten? 
Ich kenne das aus eigener Erfahrung sehr gut: Negativ Gedanken, Zweifel und schlecht vermittelte Kritik fressen sich in unseren Stamm, nagen sich fest, wachsen, werden stärker, schnüren uns irgendwann immer mehr ein und das selbstbewusste, starke „ICH“ kann nicht wachsen. Die Entfaltung ist gestoppt und langsam aber stetig, sterben Teile ab und es kommen keine guten Früchte mehr…Tatsächlich fühlte sich mein Kopf und meine Gedanken schon öfter so überwältigt von schlechten Gedanken über mich selbst, dass das Bild einer Baumkrone voller Efeu hier sehr gut passt.

Aber man kann es angehen. So wie ich den Efeu beseitigt habe.
Was ich gelernt habe:

1. Man braucht das richtige Werkzeug

Ich begann zuerst mit mit einer kleinen Gartenschere, die dicken Efeu-Haupt-stränge durchtrennen zu wollen. Ein enormer Kraftakt. Ich kam nicht durch und tat dem Stamm des Baumes dabei oft nicht gut. Mein Mann brachte mir drauf eine andere Gartenschere, die eher einer langen Zange glich. Die Hebelwirkung war anders und so konnte ich auch die dicksten Stränge ganz einfach durchtrennen und vom Baumstamm lösen.

2. Kleine Schritte
Wenn der Strang zu stark ist, zerstückel ihn in kleine Teile. Man muss nicht gleich ALLES schaffen. Aber es ist schon mal gut, manche Gedanken erstmal zu teilen. Stück für Stück die Ranke zu verkleinern und somit erstmal von der Kraftquelle abzutrennen. Manchmal kann man nicht direkt nachverfolgen, WO der Ursprung dieser Lügen oder Gedanken ist. Dann fange bei dem an, was dir auffällt, kappe es vom Rest ab. Und DANN verfolge weiter, wenn du merkst, dass da wieder etwas wächst.

3. Kappe den Weg zur Quelle
Ich habe gelesen, dass man manchmal die Wurzel gar nicht erst entfernen kann. Aber man kann das Wachstum verhindern, in dem man sofort die neuen Sprosse entfernt, sobald sie auftauchen. So wird der Wachstum immer mehr verhindert und irgendwann wächst die Pflanze einfach nicht weiter.  Wenn du merkst, die Wurzel kann gerade nicht geortet werden – checke einfach, wenn wieder ein Gedanke weiter wachsen will und „schneide“ ihn direkt ab.

4. Entsorge richtig

So wie ich die Schubkarren beladen habe und alle Ranken entsorgte, muss und darf ich auch meine abgekappten Gedanken und Lügen, von denen ich mich trennen will, zur „Grünabfall-Stelle“ bringen. Das ist bei mir Jesus. Ich bringe es hin, schmeiss es vor seine Füße und sage: „Bitteschön. Einmal verbrennen!“ Klar kann ich es auch theoretisch alles neben dem Baum einfach liegen lassen. Aber dann müsste ich ständig drauf schauen und die schöne Ansicht des Baumes erinnert mich jedes Mal neu an alles, wovon ich ihn gerade erst befreit habe.

5. Hole Hilfe

Ich bin bei dem Baum nur bis zu einer bestimmten Höhe gekommen. Weiter traute ich mich nicht. Mein Mann hat den letzten Part übernommen, denn wir wollten es komplett durchziehen. Gemeinsam haben wir es geschafft.

 

6. Manchmal ist es weniger als man denkt

Vor allem am Ende wurde mir eines bewusst: Es sah nach SEHR Viel aus. Die Krone schien noch sehr voll. Tatsächlich waren es aber nur ZWEI Ranken, die sich da am Ende noch austobten. Es waren keine 30, obwohl es 

danach aussah. Man musste nur an zwei Hauptsträngen ziehen und langsam löste sich das komplette Geflecht.

Diese Aktion hat mich ermutigt, immer wieder meine Gedanken, wie diesen Baum, anzuschauen.

Ich will mir regelmäßig meine Zeit in der Gedanken-Hängematte gönnen, wo ich meinen „Baum“ anschaue und prüfe, wo sich wieder etwas breit machen will, was nicht haben möchte. Und ich bin sicher: Manche Stränge werde ich Anfangs vielleicht einfach wachsen lassen. Aber ich habe sie im Auge und checke regelmäßig, wie viel Platz sie einnehmen und wie stark sie

 werden, damit ich schnell reagieren kann, wenn der Baum in Gefahr ist.