Monat: Juli 2020

Dein Platz

Dein Platz

(Blogbeitrag bei Esthers Töchter)

Es gibt Fragen, die in meinem Leben irgendwie immer wieder auftauchen.

Eine Frage, die ich mir schon vor vielen Jahren einmal stellte ist: „Wo ist mein Platz?“

Diese Frage war meist darauf bezogen, wo ich mich irgendwie positiv einbringen konnte.

Vielleicht kennst du diese Frage auch in genau dieser Art. Vielleicht drückt sie sich aber auch bei dir anders aus. Denn wenn ich mir genauer Gedanken über diese Frage mache, steckt noch etwas Tieferes darin und der tiefe Kern kann sich in verschiedenen Fragen verstecken:

„Was soll ich machen?“
„Was sind meine Talente die ich einbringen kann?“
„Wo werde ich gebraucht?“
„Wo mache ich einen Unterschied?“

Für mich steckte darin aber auch die Frage nach der Individualität und Identität. „Wo ist mein Platz“ könnte auch so ausgedrückt werden: „Wo in diesem Puzzle ist MEINE Lücke, wo ich als fehlendes Puzzlestück hineinpasse?“

Immer wieder stellte ich mir diese Frage, wo ICH, Desi, einen ganz individuellen Beitrag leisten kann um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Aber es steckt, wie gesagt so viel mehr dahinter:
Der Wunsch nach Bedeutsamkeit.
Der Wunsch nach Wertschätzung.
Der Wunsch danach, relevant und erkannt zu werden.
Der Wunsch, einen Sinn zu machen in dieser Welt und zu spüren, warum ich bin.

Ich befinde mich derzeit in meinem Sabbatjahr und verbringe ganz bewusst viel Zeit mit Lesen, Beten, Nachdenken, Schreiben und damit, in der Stille ins Gespräch mit Gott zu gehen und ihm die verschiedensten Fragen zu stellen und – und das ist das, was so oft nicht passiert ist vorher – auf die Antworten zu warten und gegebenenfalls sogar mit ihm zu diskutieren.

Und vor einigen Wochen stellte ich ihm wieder genau diese Frage: „Gott, wo ist nächstes Jahr mein Platz?“ – denn ich würde so langsam gerne wissen, wie es nächstes Jahr bei mir und mit mir weiter geht. Ob ich wieder in den alten „Job“ zurück kehre oder etwas ganz anderes mache. Wie ich mich in der Kirche neu oder wieder einbringen kann…

Ich stellte also diese Frage und ich spürte in mir plötzlich diese Antwort.

Einen Satz, der mir, obwohl er mir bekannt vor kam, ganz neu bewusst wurde und mir Gänsehaut verpasste.

Es war die Antwort, die Gott mir mitten ins Herz gab: „Dein Platz ist…auf meinem Schoß!“

Und ich hatte dieses Bild vor Augen von mir – gar nicht mal als Kind, sondern als 36 Jährige Frau, die auf dem Schoß Gottes sitzt – wie ein verliebter Teenager auf dem Schoß des Freundes.

Und mir wurde neu bewusst: Mein erster Platz, der Platz an dem ich relevant bin, an dem ich mich einbringe, an dem ich genau rein passe und für den ich bestimmt bin ist in erster Linie der Platz, der Gott am nächsten ist: Sein Schoß – meinen Kopf an seine Brust angelehnt und seinen Herzschlag hörend.

Genau das ist es: HIER an diesem Platz möchte ich meine Sorgen und Ängste zu allererst vorbringen.

An diesem Platz möchte ich mich ausweinen (nicht bei 20 Leuten, die damit nicht umgehen können).

An diesem Platz bekomme ich gute Ratschläge, Lob, echte Liebe, echte Wertschätzung und gleichzeitig liebevolle Ermahnung, Weisung und gleichzeitig Verständnis aus erster Hand.

An diesem Platz mache ich einen Unterschied, weil ich hier alles abgebe, was belastet und den Herzschlag dessen spüre, der mich geschaffen hat.

HIER ist mein Platz und DANN lege ich los. Ich setze das, was ich gehört habe um. Ich gehe, befreit von meinen Sorgen, wieder in den Alltag.

Ich bringe mich DANN dort ein, wo ich den Herzschlag Gottes weiterhin spüre und höre, denn DORT weiß ich, was zu tun ist.

„Dein Platz ist auf meinem Schoß!“

So bekannt dieser Satz auf der einen Seite ist, so neu und wahr ist er für mich geworden.

Ich möchte dich ermutigen, mit genau dieser Frage zu Gott zu gehen. Stelle ihm die Frage: WO IST MEIN PLATZ?

Und dann gehe in die Stille, setze dich in Gedanken auf den Schoß Gottes, wenn DIES auch dein Platz ist. Vielleicht ist dein Platz auch zu seinen Füßen, neben ihm, an seiner Hand, stehend an seiner rechten Seite….wo auch immer. Aber nimm dir Zeit, deinen Platz in seinem Thronsaal zu suchen, nimm ihn immer wieder ein und suche Gemeinschaft mit ihm. Denn DAS ist die Bestimmung, die wir in erster Linie haben – Gemeinschaft mit ihm.

Und dann ….klappt es auch mit der Welt😊

WER IST ER? oder: „Die Frage, die niemand beantworten kann, außer DIR selbst“

WER IST ER? oder: „Die Frage, die niemand beantworten kann, außer DIR selbst“

Wer ist Gott für dich?

Diese Frage ist mir damals mal im Religionsunterricht gestellt worden. Im ersten Moment dachte ich, ich hätte sofort eine Antwort. Doch als ich damit begann, verschiedene Assoziationen aufzuzählen merkte ich, dass hinter dieser Person unendlich viele Charaktereigenschaften stecken, die ich damals schon oft gehört hatte und glaubte, auch erlebt zu haben.

Wer ist Gott für mich? 

Diese Frage stelle ich mir derzeit immer wieder und ich vermute, es hat damit zu tun, dass ich das Gefühl habe, Gott selbst stellt mir diese Frage: „Wer bin ICH für DICH?“

Und je mehr ich darüber nachdenke und versuche, eine Antwort zu finden, desto mehr spüre und merke ich, wie sehr ich genau das gemacht habe, was ich eigentlich gar nicht mag. Dass ich das gemacht habe, von dem ich mich derzeit befreien will: Ich habe Gott eine Rolle zugeordnet. Ich habe ihm sogar verschiedene Rollen zugeordnet, die mit Erwartungen verknüpft waren. Das Problem: Oft sind diese Rollenbilder und die damit verbundenen Erwartungen vor allem übernommen worden. „Man sagt, Gott ist…“

Und so traurig es klingt, aber ich behaupte, die Frage „Wer ist Gott für dich?“ kann in den seltensten Fällen aufgrund einer persönlichen Beziehung beantwortet werden.

Ich selbst habe gemerkt, wie meine Antworten auf diese Frage immer wieder (wenn auch nicht immer) eher meiner Logik, meines Wissens herstammten, als dass sie auf meinen eigenen Erfahrungen und mein eigenes Erleben dieses Gottes beruhen.

Wer ist dieser Gott?

Wenn ich sage „Ein liebender Vater“ – dann mag das für manche Menschen stimmen, weil sie es selbst so empfinden, aber hat jeder, der diese Antwort gibt oder es in einer Predigt sagt, auch selbst diese Erfahrung gemacht? Es gehört eine starke und innige Beziehung dazu, um so eine Aussage treffen zu können, oder?!

Was würde ein Kind antworten, das seinen Vater nicht kennt, ihn nur selten sieht und das versucht, das Leben irgendwie selbstständig zu meistern? Wenn alle Menschen drum herum sagen „Dein Vater ist ein liebender Vater“ – würde es diese Aussage aus voller Überzeugung sagen können, wenn es größer ist?

Und wenn das Kind in inniger Beziehung zum Vater lebt, es erlebt hat, wie dieser Vater sich immer wieder Zeit für das Kind nimmt, sich voll und ganz für alles interessiert, wenn er es ermutigt, fördert, unterstützt, liebevoll ermahnt und gleichzeitig Freiheiten lässt zum eigenen Erleben – würde es dann nicht mit voller Überzeugung selbst sagen: „Mein Vater ist der beste Vater ever. Er liebt mich so sehr und das weiß ich“ – auch wenn alle Leute im Dorf das nicht bejahen könnten, weil sie diesen Mann weder kennen lernen möchten, noch sich für ihn interessieren?

In einer Predigt von Bill Johnson hörte ich vor Kurzem diesen Satz:

„Without him, we can’t. Without us, he won’t“.
(Ohne ihn können wir nichts. Ohne uns, möchte er nichts!)

Dieser Satz macht deutlich, dass es sich bei Gott um eine Person handelt, die sich eine Beziehung wünscht und dass wir, so wie es die Bibel sagt, nach seinem Ebenbild geschaffen sind. Unser Innerstes zieht es zu diesem Gott, der ein Stück von sich selbst in uns hineingelegt hat, der seinen Geist durch seinen Atem in uns hineinhauchte. Und Gott zieht es auf die selbe Weise zu uns. Es braucht eine Beziehung, viel mehr als ein theologisches Studium, ein Bibelkommentar oder eine Religiöse Person, die uns beschreiben will, wer Gott ist. Denn erst in einer Beziehung kann ich für mich die Frage nach der Persönlichkeit, nach dem Charakter, nach der Identität einer anderen Person selbst beantworten.

Wenn jemand jemanden fragt, wer Desirée Rosemann ist, fallen die Aussagen sicher unterschiedlich aus. Für die einen bin ich die „Pastorin“, für andere eine „Nachbarin“ oder „Die Mama von…“. Ganz schlimm fand ich es, als ich eine Zeit lang immer als „Die Frau von Nathanael“ vorgestellt wurde oder, wenn ich mich selbst vorstellte, erst ein Fragezeichen kam und dann die Reaktion „Ah, die Frau von Nathanael“. Gleichzeitig war es klar: Man kannte mich noch nicht. Und alles, was man mit mir in Verbindung brachte, war eben, dass ich den selben Ehering am Finger trug, wie mein Ehemann. Ich glaube, Gott wünscht sich so viel mehr als einfach nur eine Rolle zugewiesen zu bekommen. Und er wünscht sich auch, so wie ich damals, dass man ihn kennen lernt und aufgrund der eigenen Erfahrung und der eigenen Beziehung zu ihm, diese Frage beantwortet.

Wer ist Gott für dich?

Diese Frage wird sich immer wieder stellen und ich glaube, sie wird zeitlebens immer wieder neu beantwortet.

Für mich ist Gott jetzt in diesem Moment eine geduldige, liebevolle Person, die gleichzeitig schon gespannt darauf ist, wie ich reagiere, wenn ich wieder einmal neue Facetten von ihm kennen lerne. Geduldig, weil er nicht drängt, sondern wartet, bis ich mal wieder merke, dass ich ohne ihn nicht kann, aber dass ich auch ohne ihn nicht will.

Wer ist Gott für dich?

Finde es heraus, in dem du IHN suchst.

 

 

Ein Tag im Kunst-Workshop mit Adrienne Egger

Ein Tag im Kunst-Workshop mit Adrienne Egger

„Wie siehst du dich selbst?“ – Diese Frage sprang mir mitten ins Gesicht, als ich einen Flyer für einen Kunst Workshop in die Finger bekam.

Die Künstlerin Adrienne Egger aus Salzburg lud zu einem Kreativ-Tag ein, bei dem es darum ging, ein Selbstportrait zu malen und dabei zu entdecken, was in einem steckt.

Mein erster Impuls „Wow – da will ich mit machen“ wurde ganz schnell von meinen Selbstzweifeln überrollt. Ich kenne mich inzwischen selbst gut genug um zu wissen, dass ich es mir selbst nicht leicht machen würde. Ich neige dazu, mir generell zu hohe Ziele zu setzen und diese dann auch perfekt erreichen zu wollen. Und jetzt ging es auch noch um ein Selbstportrait. In meinen Gedanken waren das Scheitern und die Frustration schon vorprogrammiert: Ich mache nicht ohne Grund selten Selfies von mir… Also wartete ich und wartete und entschied schließlich, mich NICHT anzumelden. Die Angst vor Frust über mein Nicht-Können war zu groß. Weiterlesen „Ein Tag im Kunst-Workshop mit Adrienne Egger“