Das Flehen um Vergebung und Buße

(Ein Ausschnitt aus meinem aktuellen Schreib-Projekt)


Bill Hybels, Brian Houston, Carl Lenz, Shaun Bolz…die Liste der Namen von geistlichen Leitern, die in den letzten Jahren mit Skandalen und Fehlverhalten Schlagzeilen in der christlichen Medienlandschaft machten, werden immer mehr. So auch die Kommentare in den sozialen Medien. Die Stimmen derer, die ihre (ungefragte) Meinung dazu äußern möchten, die Forderungen von harten Konsequenzen und Aussagen wie “Christen sind alles Heuchler!” werden lauter. Der Aufstieg und der “Hype” über christliche Führungskräfte wird höher, der Fall bei Fehlverhalten umso tiefer.
Seit zehn Jahren leite ich, gemeinsam mit meinem Mann, eine Freikirche in Österreich und seit zehn Jahren wird meine Furcht davor, etwas falsch zu machen, das Ziel aus den Augen zu verlieren, oder einen Menschen ungewollt zu verletzten oder zu verstören größer, die Freude am Dienst weniger. Der Grund? Die Reaktion der Menschen bei Fehlern und das (Ver-)Urteilen von Christen.

Ich möchte direkt eins klarstellen: Viele Dinge, die gelaufen sind, sind verstörend und schlimm!
Menschen wurden verletzt, missbraucht und teils traumatisiert. Ich sage NICHT, dass Fehlverhalten in irgendeiner Weise zu rechtfertigen oder abzutun ist. Das gleich einmal vorweg.
Was ich aber mit Bauschmerzen beobachte ist, dass, sobald ein Politiker, ein geistlicher Leiter oder eine Person in einer Führungsposition einen Fehler macht, die (christliche) Welt sofort Konsequenzen wie Absetzungen, Rücktritt, Suspendierung etc. fordert und zusätzlich durch „Steinigung“ den Menschen daran hindert, einen Prozess der Buße und Wiederherstellung zu gehen.
Bevor eine Person umkehren kann und GOTT sein Urteil überhaupt sagen kann, haben Menschen schon dafür gesorgt, dass die Person kein Wort mehr sagen kann. Sie wird nicht mehr ernst genommen.
JA – in manchen Fällen ist es wichtig, dass eine Person (erstmal) aus dem Amt genommen wird, um vor weiteren Schäden zu schützen.
Nun wurden an mich aber auch Fragen gestellt wie: „Darf ich das Buch von diesem Pastor noch lesen?“ oder ich werde gefragt, ob Prophetien, die in der Vergangenheit von jemandem, der ein klares Fehlverhalten an den Tag gelegt hat, noch ernst genommen werden dürfen…
Solche Fragen treffen mich. ALLES wird in Frage gestellt. Alles, was aufgebaut wurde, wird niedergerissen mit dem Glauben, es im Sinne Gottes zu tun…Ist das so?

König David, Simon Petrus, Saulus von Tarsus…die Liste der Namen von geistlichen Leitern der Bibel, die vor einigen Tausend Jahren mit Skandalen und Fehlverhalten Schlagzeilen in der Bibel machten, werden immer mehr, je länger ich darüber nachdenke.
Hat nicht König David, trotz seines Reichtums und schöner Frauen um sich, eine verheiratete Frau heimlich beobachtet, während sie (vermutlich mit wenig Bekleidung) draußen in der Sonne lag? Dabei blieb es nicht. Er begehrte diese Frau. Er holte sie an den Hof und schlief mit ihr.
Einige Wochen (oder Monate?) später, meldete sich diese Frau (sie hieß übrigens Bathseba) bei ihm und sagte: “Ich bin übrigens schwanger! Von dir!”
Und wieder tat David etwas, was nicht in Ordnung war:
Er rief ihren Mann (Uria) aus dem Heer zurück und ermutigte ihn, mit seiner Frau zu schlafen. Er verkaufte es ihm als besondere Ehre und als “notwendig”, damit er vom Kriegstreiben abschalten konnte. Eigentlich wollte David dadurch aber verhindern, dass sein Ehebruch dadurch auffallen würde. Er wollte die Welt glauben lassen, dass Uria der eigentliche Vater des Kindes war. Und dann? Geht es noch weiter: Als Uria nicht nachhause gehen wollte, um mit seiner Frau zu schlafen, weil er sich in der Pflicht sah, gemeinsam mit seinem Heer zu kämpfen, ließ David ihn an die vorderste Front stellen, damit er getötet werden würde, und er freie Bahn bei Batseba hatte. Der große König David hat gestalked, die Ehe gebrochen, gelogen, manipuliert und sogar eine Tötung veranlasst. Hat er sofort Buße getan? Nein! Es musste erst ein Prophet kommen, der ihn auf seine Fehler hinwies. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass es einige Zeit gedauert hatte, bis David seine Fehler erkannte, bekannte und Buße tat. Und ich bin überzeugt davon, dass einige Menschen am Hof von alle dem wussten.

Nun stell dir vor, Gott oder einflussreiche Menschen hätten daraufhin gesagt: “Alles, was David bisher getan, gesagt und aufgebaut hat, muss vernichtet werden! Lasst uns die Psalmen und Lieder verbrennen, die er geschrieben hat. Ihm ist nicht zu trauen. Er hat massive Fehler begangen und er DARF nicht mehr in einer Führungsposition sein! Wir berufen einen neuen König und alles, was David bisher gesagt und getan hat, muss ausgelöscht werden!” Das nennt man übrigens Cancel Culture…
Lasst uns einfach mal alle Geschichten und Psalmen von David aus der Bibel weg denken. Und dann machen wir weiter so:
Simon Petrus. Stell dir vor, an dem Tag, an dem er Jesus dreimal verleugnet hat, hätte man alles, was er bis dahin gesagt hätte, ausradiert. Alle Wunder, die er erlebt hat, hätte man aus den Erzählungen gelöscht und er hätte keine weitere Chance bekommen, seine Fehler einzusehen und Buße zu tun. Angenommen, Jesus hätte ihm niemals vergeben! Jesus wäre ihm nicht noch einmal begegnet, nach der Auferstehung. Er hätte alles, was er ihm zuvor zugesprochen hatte, wieder weggenommen, weil er nicht würdig war!
Es gäbe große Teile der Apostelgeschichte nicht. Es gäbe keine Wundererzählungen wie der Fischfang. Es gäbe keine Katholische Kirche…
Genauso bei Paulus! Denn Saulus hat Christen verfolgt. Er hat sie nicht nur einsperren und foltern, sondern sogar töten lassen. Liest man die ersten Briefe von ihm, erkennt man noch eine recht überhebliche Haltung. Erst später liest man ein sehr demütiges Herz aus seinen Worten heraus. Aber in manchen Briefen schreibt er doch tatsächlich Sätze wie “Ich wünschte, ihr könntet das alles so machen, wie ich es kann!” Also mal ehrlich: Die rebellische Desirée in mir würde sich ungern von jemandem wie IHN leiten lassen.

Du verstehst vielleicht, wo ich hin möchte:
Die Bibel ist voll von Menschen, die enttäuscht, gelogen, gemordet und gesündigt haben. Würden wir alles in Frage stellen, was sie zuvor getan und gesagt haben, es gäbe keine Bibel. Denn die Bibel – Gottes Geschichte mit den Menschen – ist ein Weg der Gnade, der Vergebung und der tausend Chancen von Gott mit den Menschen. WEIL Gott gnädig war, WEIL er mehr als zweite Chancen gab, weil er vergibt und weil Jesus es vorgelebt hat, ist die Geschichte Gottes mit den Menschen nicht zu ende.
Wer sind WIR, dass wir anklagen könnten?! Wer sind WIR, dass wir Verurteilung über die Liebe stellen, die wir alle doch nötig haben?
Sage ich damit, dass man alles durchgehen lassen muss? Dass es keine Konsequenzen geben darf? Nein, das meine und sage ich damit auf keinen Fall. Es braucht Aufarbeitung, es braucht Buße und Sühne. Es braucht Einsehen und Umkehr. Es braucht aber auch Vergebung und die Einsicht, dass NIEMAND ohne Schuld ist und dass wir ALLE Gnade nötig haben.

Es ist notwendig, Gottes Herz noch einmal aufzuzeigen und zu sehen!
Gott ist ein gerechter Gott. Keine Schuld ist vor ihm verborgen. Gott ruft dazu auf, Buße zu tun. Zu ihm umzukehren. Und wenn wir das tun, gilt Gnade vor Recht. Wenn wir das tun, gilt Liebe vor Hass.

Es ist ein schmaler Grat: Wir sollen geistliche Leiter in Verantwortung ehren – aber nicht vergöttern. Wir sollen uns unterordnen – aber nicht manipulieren lassen.
Geistliche Leiter sollen sich bemühen, ein vorbildliches Leben zu führen. Sie sollen nah an Gottes Herz sein und brauchen SEINE Gegenwart und Leitung, gleichzeitig sind aber auch sie in dieser Welt, die voll mit Ablenkung und Versuchungen ist.
Ich wünsche mir so sehr, dass der Leib Christi miteinander leidet – mit Opfern leidet, mit Tätern leidet, die gefallen sind. Ich wünsche mir, dass der Leib Christi sich als einen Leib erkennt – dessen Haupt Jesus Christus ist. Und ich wünsche mir, dass, wenn ein Glied am Leib verletzt ist, abstirbt oder fault, alles dafür getan wird, dass HEILUNG passiert und gefördert wird für ALLE Glieder – unabhängig der Funktion oder Wichtigkeit, anstatt immer mehr zu verstümmeln.

Wir als Kirche sollen einander in LIEBE ermahnen, gleichzeitig aber auch trösten und ermutigen.
Was mich derzeit bestürzt ist zu sehen, wie die Menschheit immer mehr darauf ausgerichtet ist, andere zu beurteilen, zu verurteilen und mundtot zu machen!
Die Erwartung, dass vor allem Menschen in bestimmten Positionen perfekt sein müssen, ist enorm. Alle anderen müssen perfekt sein. Niemand darf sich was zu schulden kommen lassen -außer man selbst.
Dadurch entsteht nicht nur ein Druck, es entsteht Misstrauen, Verachtung und Enttäuschung.
Ist es das, was Gott möchte? Ist es so, wie er handeln würde? Darf er noch selbst zu Wort kommen?

Wann ist die Kirche, wann sind wir, bereit zu vergeben und das zu leben, was wir predigen und selbst so dringend nötig haben: Vergebung, Gnade und Umkehr!
Ich bete für alle, die betroffen sind und ich bitte gleichzeitig um Gebet, um Gnade, um Vergebung.

Buchrezension „Hirtenzeit“

Buchrezension „Hirtenzeit“

Titel: „Hirtenzeit“
Autor: Daniel Zindel
Verlag: R.Brockhaus

„Liebe Leserin, lieber Leser, ich möchte sie morgen auf eine Bergtour mitnehmen.“ So beginnt die „Hirtenzeit“ von Daniel Zindel. Zu Beginn bereitet er die Leserschaft vor, in dem er eine kurze Skizze der Route gibt, die er in diesem Buch ablaufen möchte. Dabei handelt es sich um eine reale Wandertour, die er in seinem Leben oftmals schon bewandert hat. Während der Tour bleibt er immer wieder mal stehen, hält inne. Durch Ereignisse und verschiedene Situationen, werden Erinnerungen ausgelöst, die der Autor sehr ansprechend erzählt, sodass der Leser zusätzlich mit auf eine Gedankenreise genommen wird. Durch Verknüpfungen dieser mit Geschichten von Bibelfiguren oder christlichen Bekanntheiten, löste er bei mir Gefühle und Gedanken aus. Er blickt zurück, reflektiert, hinterfragt, schaut genau hin. Die Fragen, die er sich dabei stellt, stellt er zeitgleich auch dem Leser. Seine Hauptaussage: Wir sind Hirten unserer Erinnerungen und Gedanken. Manchmal ist es notwendig, sich auf eine Erinnerung, einen Gedanken, zu konzentrieren und besondere Aufmerksamkeit und Pflege zu schenken. Dabei ist es jedoch wichtig, auch die große „Herde“, das große Bild, im Blick zu behalten. Da er immer wieder in seinen Gedanken in die Vergangenheit springt und dadurch seine Erzählung der Wanderung unterbricht, wird zudem auch Spannung erzeugt: Wie reagiert er auf die drohende Gewitterlage? Wird ihm in der Alm die Tür geöffnet oder bleibt er im Regen stehen? So fiel es mir persönlich schwer, das Lesen zu unterbrechen und mir wirklich Zeit zur Reflektion zu nehmen. Die Fragen, die Zindel stellt, sind sehr gut gewählt und gut auf dem „Wanderweg“ eingebettet. Mir persönlich hätte sicher eine andere Art der Formatierung des Textes geholfen, nach jeder Frage (und manchmal waren es recht viele auf einmal), wirklich innehalten zu können oder sie in ein Notizbuch aufzuschreiben, um später noch einmal darauf eingehen zu können.
Zindels Schreibstil ist sehr ansprechend und nachvollziehbar. Die Zitate und Anekdoten sind sehr gewählt und lehrreich.
Obwohl ich (erst) Anfang 40 bin, hat mich das Buch sehr inspiriert und ermutigt, mir immer wieder Auszeiten zum Reflektieren und „Zurückblicken“ zu nehmen, gleichzeitig aber auch Vorrauszuschauen.

„Ich kenn dich nicht!“

„Ich kenn dich nicht!“

„Hallo!“
Sie hat dich bemerkt. Dabei hattest du versucht, dich nicht auffällig zu verhalten. Hattest versucht, nicht wahrgenommen zu werden.
Du wolltest einfach weg hier. Ungesehen. Ungehört. Nicht von allen. Aber von ihr!
Du dachtest, es wäre längst alles gut. Du hattest dich arrangiert mit deinem Leben. Wolltest sie einfach nicht mehr in deinem Umfeld haben. Den Namen nicht mehr hören. Sie nicht mehr sehen müssen. Dann…ja dann wäre doch alles gut.
Dann wäre alles vergeben.
Vergessen?! Vielleicht nicht. Aber der Entschluss zu vergeben, der war da. Und du dachtest auch, es wäre tatsächlich so gewesen. Du hättest ihr vergeben. Aber dann…
Dann hast du sie gesehen. Mal wieder. Einfach so lief sie auf der selben Straßenseite. Kam dir entgegen. Schaute auch erst weg. Sie schien verunsichert. Wusste nicht, wie sie reagieren sollte – aber dann hatte sie ein bewusstes „HALLO“ gesagt. Den Blickkontakt gesucht. Wie konnte sie es wagen?
Und du? Du merktest, dass es noch lange nicht gut war. Konntest nichts sagen. Wolltest nichts sagen. Du wolltest einfach vorbei. Raus, aus dieser Situation. Am liebsten raus aus dieser Stadt, so lange sie sich hier aufhalten würde.
Du hattest dich dazu entschieden so zu tun, als würdest du sie nicht kennen.
Dabei kennst du sie. Oder besser: Du dachtest, dass du sie kennen würdest.
Sie dachte, dass du sie kennen würdest. Ihr dachtet es beide. Und dann?
Sagte sie etwas, tat etwas, handelte so, wie es nicht in dein Bild von ihr passte.
Du fühltest dich verletzt, beleidigt, gedemütigt, ignoriert von ihr. Von ihr, die doch behauptete eine Freundin zu sein.
Sie dachte, du würdest sie kennen. Ihr Herz, ihre Verletzlichkeit, ihren Frust aber auch ihre Liebe. Sie dachte, du könntest ihr handeln anders deuten, verstehen, nachvollziehen, würdest erkennen, wie sie es meinte. Würdest verstehen, wie sie kämpfte und um Verständnis rang. Würdest vertrauen und glauben, dass sie es nicht so meinte, wie du es verstanden hattest. Würdest ihre Erklärung glauben und ihre Entschuldigung annehmen.
Aber das konntest du nicht. Nicht mehr oder noch nie?
Es passte nicht mehr zusammen.
Und nun. Du dachtest, du hättest vergeben. Dachtest, es wäre gut.
Aber das ist es nicht.
Du kanntest sie nicht. Du willst sie nicht kennen.
Also drehst du dich weg. Starrst in die andere Richtung und gehst vorbei.
Vielleicht fühlt sie sich nun verletzt, beleidigt, gedemütigt, ignoriert von dir.
Aber vielleicht auch nicht.
Vielleicht ist es eines Tages gut.
Vielleicht kannst du ihr eines Tages wieder in ihre Augen blicken.
Vergeben. Vergebung annehmen.
Vergessen? Vielleicht nicht.
Aber vielleicht wirst du eines Tages mit anderen Augen zurück blicken und wieder glauben und vertrauen können, dass es ihr leid tut und dass sie vergeben hat.
Dass ein „Hallo!“ einfach nur das Zeichen dafür ist, dass es okay ist. Dass der Entschluss zu vergeben immer mehr ins Herz gesackt ist.
Dass es nicht mehr so sein wird, wie früher – aber dass es gut sein wird und man sich nicht mehr aus dem Weg geht.
Vielleicht willst du sie irgendwann doch noch einmal oder zum ersten Mal kennen lernen.

Advent – Warten auf die Ankunft (von Weihnachten)

Advent – Warten auf die Ankunft (von Weihnachten)

Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud“ – so beginnt ein altes Weihnachtslied, das ich zwar lange nicht gehört habe, mir aber immer noch in Erinnerung ist…
Wir befinden uns mitten in der Advents-Zeit. Kinderaugen leuchten heute wie damals – nur, dass sie „damals“ vor Schaufenstern leuchteten – heute vor dem noch heller leuchtenden Bildschirmen der Online-Shops. Wir finden uns wieder, inmitten von vorweihnachtlichen Ritualen und Bräuchen. Wir versuchen, schon vorab den Stress nicht über die Besinnlichkeit kommen zu lassen und fokussieren uns darauf, die nächsten paar Wochen die wichtigsten Dinge zu erledigen und zwischendurch zur Ruhe zu kommen, damit die Festtage schön, gesellig, ruhig, friedvoll…werden. Denn wir feiern…WEIHNACHTEN. Die Heilige Nacht. Die Nacht, in der Christus der Retter geboren wurde…wohoo!!!!
Ich vermute, dass die meisten Menschen den GRUND für Weihnachten tatsächlich noch kennen – auch, wenn es längst hauptsächlich um Geld geht. Geld ausgeben und einnehmen für Bratwurst, Glühwein, Striezel und natürlich Geschenke.
Und trotzdem feiern wir. Wir feiern und warten aufs Feiern.
Wir warten.
Im Advent. Die Zeit der „Ankunft“ Christi.
Heute frage ich mich, ob wir wirklich auf CHRISTUS warten – oder eher auf den Heiligen Abend. Darauf, dass es was feines zu Essen gibt. Darauf, dass man sieht, wie sich ein anderer über das Geschenk freut. Vielleicht auch darauf, dass man Verwandte, die man lange nicht gesehen hat, endlich wieder an einem Tisch hat. Ja, darauf freue ich mich auch. Darauf warte ich auch und bereit mich darauf vor.
Aber mal ehrlich: Wenn Christus selbst nun kurz vor der Bescherung vor der Tür stehen würde…wenn er in dem Moment, als du den Festtagsbraten aus dem Ofen holst und alle am Tisch sitzen, klopfen würde und sagen würde: „Schön, dass ihr so lange gewartet habt. Da bin ich! Auf geht’s! Gema!“ – wie würden wir reagieren?
Mit den Augen rollen?
Darum bitten, nochmal nach dem Essen wieder zu kommen?
Würden wir ihn einladen, mit zu essen und dann bitte lieber mal bei den Nachbarn zu klingeln, die ihn ja nicht kennen und so gar nicht christlich sind?
Maranatha!“ – Herr, komm(t) bald! Das ist ein aramäischer Ausruf, den es in der Bibel scheinbar nur ein einziges Mal gibt. Er drückt zum einen aus, dass Jesus bald wieder kommt. Aber er kann auch den Wunsch danach äußern. Ich ertappe mich immer wieder dabei, diesen Wunsch im Gebet zu sagen. Ich habe mir sogar eine Kette mit diesem Schriftzug gekauft. Ich möchte mich darauf besinnen, dass wir vielleicht nicht mehr viel Zeit haben. Und ich möchte keine Panik machen oder bekommen – aber die Tatsache, dass die Christenverfolgung weltweit zunimmt ist nicht zu leugnen. Immer mehr Kirchen werden auch in Deutschland angegriffen – verbal aber auch ganz praktisch durch Vandalismus. Religionsfreiheit für alle – aber bitte nicht für die konservativen Christen. Meinungsfreiheit für alle – aber bitte nur für die, die die selbe Meinung wie „ich“ haben…Herr, komm(t) bald! Ich wünsche es mir. Aber bin ich ready?
Bin ich ERWARTUNGSVOLL? Lebe ich den Advent täglich und warte auf die Ankunft, die Wiederkunft Jesu?
Die Bibelstelle, in der Paulus diesen Begriff „Maranatha“ benutzt, ist übrigens sehr spannend. Er schreibt im dichten Kontext nicht einmal von seiner Sehnsucht danach. Er warnt viel mehr. Er schreibt:
„Und hier noch mein Gruß an euch, den ich, Paulus, mit eigener Hand schreibe. Wer den Herrn nicht liebt, den soll Gottes Urteil treffen! Unser Herr, komm! (Maranatha!) Die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit euch!“ (1. Korinther 16,21-23)
Wow! Mit der Wiederkunft Jesu wird nicht einfach nur alles gut. ER wird (auch) zum Gericht kommen. ER wird urteilen. ER wird aussortieren und fragen: „Liebst du mich?“, bevor es zu ihm in die Ewigkeit geht.
Ich möchte dann sagen können: „Oh ja! Ich habe schon mein ganzes Leben auf dich gewartet!“
Wie möchtest du die restliche Advents-Zeit verbringen? Wartest du auf Weihnachten oder auf die Ankunft von Christus?

Ein Buch, das mir einen ganz neuen Horizont bietet! – „Maria, wer bist du?“

Maria, wer bist du?
Christophe Costi
Fontis Verlag


„Warum beten die Katholiken eigentlich Maria an? Ist das nicht Totenbeschwörung?“ – Diese und viele andere Fragen habe ich schon oft mit meiner lieben Freundin Dagmar, ihrem Mann Patrick oder meiner Schwägerin gestellt, die allesamt Teil der Katholischen Kirche sind. Oft wurde mir dabei erklärt, dass Maria nicht „angebetet“ sondern „verehrt“ wird und dies ein großer Unterschied sei. Auch die Frage nach „Heiligen-Verehrung“ oder ob Marien-Erscheinungen nicht schon fast okkult sind, haben mich immer wieder beschäftigt und mit anderen zum Austausch und Dialog geführt. Ganz verstanden oder nachvollziehen konnte ich die Antworten dabei nicht immer. Auch deshalb habe ich das Buch „Maria, wer bist du?“ mit großem Interesse gelesen: Ich wollte klare Argumente, Quellen und Erklärungen für diese meine Fragen bekommen.
Der evangelisch-lutherische Theologe und Pastor Christophe Costi geht in seinem Buch auf viele Fragen in einem der großen „Problemfelder“ der Konfessionen ein. Dabei bringt er viele verschiedene (historische) Quellen beider Seiten, diskutiert quasi beim Schreiben mit diesen und manchmal sogar mit sich selbst. In fast jedem Kapitel sorgte er bei mir dadurch für AHA-Momente. So erklärt er beispielsweise gleich zu Beginn, dass die „unbefleckten Empfängnis“ keineswegs die Bezeichnung für eine Schwangerschaft ohne sexuellen Kontakt sei, sondern dass dies den Glauben bezeichnet, dass Maria als einzige Frau der Menschheit ohne Erbsünde lebte. Costi arguementiert  nicht nur mit verschiedenen Quellen sondern auch mit der Bibel. Dabei stellt er genau die selben Fragen, die mich als Leserin immer wieder bewegen und be- bzw. widerlegt mit denselben Argumenten, die ich mit meiner Bibelkenntnis durch Bibelschule und durch mein Studium der evangelischen Religionspädagoik und Gemeindediakonie bringen würde. Die Gegenargumente überzeugen mich nicht immer, gleichzeitig erweitern sie meinen Horizont und regen zum Nachdenken an. Letztendlich stellt auch Costi sich immer wieder die Frage: „Würde mir ein Zacken aus der himmlischen Krone brechen, wenn…?“ Diese Frage stellt sich bei manchen Themen zurecht, bei anderen Themen ist es dann doch nicht so leicht. Zum Beispiel bei der Frage  „Ist Maria wirklich in den Himmel aufgefahren?“ und ob Marienerscheinungen real oder sogar okkult sind. An anderer Stelle fragt er sich aber: „Hilft sie (Maria) mir, Jesus mehr zu lieben und mich ihm mehr hinzugeben? Hilft sie, dass der Heilige Geist mehr Raum in meinem Leben hat?“ Immer wieder zeigt er auf, dass DIES das eigentliche Herz der katholischen Lehre in Bezug auf Maria ist, sie auf Jesus hinweisen soll. Hier weist er aber auch zurecht darauf hin, dass dieses Ziel manchmal aus den Augen verloren wird, und Maria bei den Gläubigen den selben- oder sogar einen höheren Platz als Jesus einnimmt.
Gleichzeitig muss ich mich selbst fragen: Ist es nicht in allen Konfessionen und Denominationen diese Falle: Dass bestimmte Rituale ursprünglich einen guten Sinn machten, dass ein richtiges Herz und Hingabe an Jesus dahinter steckten, sie aber von Menschen irgendwann missbraucht oder umgedeutet wurden? Wie oft wird das Vaterunser runtergeleiert ohne sich bewusst zu machen, was es bedeutet? Wie oft nehmen wir das Abendmahl ein, um dann zwei Stunden später das Leben weiter zu leben wie zuvor? Die Falle, dass die tiefe Bedeutung und das eigentliche Herz, Jesus in den Mittelpunkt zu stellen und ihn anzubeten, oft auf Abwege gerät haben doch tatsächlich alle und manche tappen auch immer wieder hinein.

Ich persönlich habe eine neue, weitere Sichtweise durch dieses Buch bekommen. Viele Argumente und Handlungen kann ich besser nachvollziehen und verstehe nun auch, wo die katholische Praxis der Marienverehrung seinen Ursprung hat. Mir gefällt, wie offen und wertschätzend Costi bei seiner Argumentation vorgeht: Ohne Verurteilung oder Abwertung, dafür offen, fragend und immer auch mit Bezug auf die Bibel. Dabei lässt er auch der Leserschaft die Möglichkeit, einen eigenen Standpunkt zu finden. Ich selbst kann jetzt nicht sagen, dass ich alles so praktizieren würde und Maria nun verehre oder mich vor einem Bildnis verneige….aber ich muss sagen, dass alle Argumente und Erklärungen mich zumindest dahin geführt haben, eine neue Perspektive in Betracht zu ziehen und zuzustimmen wenn gesagt wird, dass Maria nicht eine einfache Frau war, wie du und ich. Ich muss einmal mehr eingestehen, dass sie eine gewisse Art von Bewunderung verdient hat – so wie ich auch andere Personen bewundere oder mir ein Beispiel an ihnen nehme. Ich sehe vieles nun anders und kann gewisse Dinge stehen lassen und mir sogar eine „Scheibe davon abschneiden“.
Am besten finde ich die Empfehlung von Dr. Johannes Hartl, welche Costi am Ende des Buches zitiert: „Vielleicht würde sich Jesus freuen, wenn wir zu ihm kommen und fragen: ‚Welche Beziehung möchtest du, dass wir zu deiner Mutter haben?‘ Es ist die Aufgabe Jesu, uns zu zeigen, welchen Platz seine Mutter in unserem Leben haben soll und welche Gnaden er uns durch seine Mutter geben will.“
Wer dieses Buch mit einem offenen Herzen, unvoreingenommen und mit dem Wunsch nach Verständnis liest, dürfte – egal mit welchem Konfessionshintergrund – nicht enttäuscht werden.
Genau das ist es, was ich selbst tun möchte!

„Perspektive Ewigkeit“

„Perspektive Ewigkeit“

„Perspektive Ewigkeit“ hat mich bereits durch den Titel sehr angesprochen. „Entdecke einen Lebensstil, der inmitten der Herausforderungen des Alltags Kraft und Hoffnung schenkt“ – der Untertitel weckt Erwartungen und diese wurden- zumindest bei mir- nicht enttäuscht.

Gleich am Anfang nimmt Ronja Aselmann die Leser mit in die herausfordernde Zeit, in der ihr Sohn sich durch eine lange und schwere Krankheit kämpfen musste. Auch Herausforderungen in der Ehe, Verletzungen in Freundschaften, die große Frage nach dem Traumberuf oder das Thema „Kinder“ und „Kirche“ werden beleuchtet. Was mich als Leserin dabei sehr anspricht ist, dass ich mich gut hineinversetzen kann. Denn jede Beleuchtung der Themen findet aus der möglichen Perspektive einer verletzten, herausgeforderten oder frustrierten Person statt, bevor die Autoren dann dazu ermutigen, das große Bild zu sehen und eine neue Perspektive einzunehmen. So fühle ich mich als Leserin verstanden und nehme die Ermutigung und Ratschläge gerne an. „Perspektive Ewigkeit“ bedeutet auch, dass beide Autoren immer wieder den Blick auf die Bibel lenken und auf das große Ziel, das Gott mit dem Menschen hat. Beide schreiben ehrlich und nehmen kein Blatt vor den Mund. Die Tatsache, dass sowohl Ronja als auch Friedmund aus ihren verschiedenen Sichtweisen schreiben, ist sehr angenehm und spricht daher sicherlich eine große Leserschaft (jeden Geschlechts) an. Gleichzeitig ist jedoch genau das manchmal für mich etwas irritierend gewesen. An manchen Stellen ist sofort sichtbar, wer den Abschnitt schreibt, an anderen Stellen wurde es erst nach einigen Sätzen sichtbar. Der Lesefluss war für mich persönlich dadurch nicht ganz stetig. Vielleicht wäre eine sichtbare Abgrenzung durch eine unterschiedliche Formatierung der Texte hilfreich oder eine feste Struktur, nämlich dass zu jedem Kapitel BEIDE nacheinander aus ihrer jeweiligen Sicht schreiben. Vermutlich ist das aber für die wenigsten Leser ein Problem und tatsächlich auch der einzige, minimale „negative“ Punkt von meiner Seite.
Das Buch ist eine ehrliche, liebevolle und gleichzeitig direkte Erinnerung daran, sich nicht in der Opfer-Rolle aufzuhalten, sondern aufzustehen und die Herausforderungen gemeinsam mit Gott anzuschauen und anzugehen.
 Kurzum: Ich wurde einmal mehr ermutigt, Gott in allen Alltagssituationen nicht nur zu suchen, sondern auch einzubeziehen; seine Sichtweise einzunehmen und dadurch vielleicht auch manche Entscheidung anders zu treffen.

Titel: „Perspektive Ewigkeit“
Autoren: Ronja und Friedmund Aselmann
Verlag: Gerth Medien

Eine Anregung zur inneren Debatte und Ermutigung zur Positionierung

Eine Anregung zur inneren Debatte und Ermutigung zur Positionierung

Ein Buchtipp WÄHREND des Lesens

Normalerweise empfehle ich Bücher ja erst, wenn ich sie selbst bereits durchgelesen habe…Heute gibt es aber mal eine Empfehlung für ganze vier Bände, die ich derzeit lese.
Da ich vermutlich noch eine ganze Zeit benötigen werde, bis ich alle vier Bände gelesen habe, gibt es bereits jetzt eine Empfehlung, weil ich schon im ersten Band total begeistert bin:)

Eine kleine Vorgeschichte dazu:
Vor einigen Wochen scrolle ich durch Instagram und sehe einen Post einer christlichen Influencerin. Sie postet von der JESUS25 Konferenz und einem der Redner dort. Ich stutze. Den Namen kenne ich…allerdings habe ich dabei einen 12-Jährigen Jungen vor Augen, der auf Jungschartagen und Teenietagen des evangelischen Gemeinschaftsverbands in Rheinland-Pfalz und Saarland immer wieder zu sehen ist. Meistens dann, wenn die jüngeren Geschwister „meiner“ Clique mit uns gemeinsam dort sind. Könnte es sein….ich recherchiere ein bisschen und schreibe ihn an…und tatsächlich: Es ist derselbe Mensch, nur dass er nun einen Doktor-Titel besitzt, Theologe ist und am Forum Wiedenest unterrichtet. Ich sehe in seinen Posts, dass er für die besagte JESUS25 Konferenz vier Bände mit dem Titel „Christlicher Glaube in den Herausforderungen unserer Zeit“ herausgegeben hat und bekomme noch größere Augen, als ich die Inhalte sehe: Die Bände haben die Titel „Der unveränderte Stellenwert der Heiligen Schrift„, „Die alles entscheidende Bedeutung von Jesus Christus„, „der kostbare Schatz biblischer Ethik“ und „Die gegründete Einheit der evangelikalen Bewegung„. Ich muss nicht lange überlegen und bestelle direkt bei ihm über Instagram.

Zu den Bänden:
Titel: „Christlicher Glaube in den Herausforderungen unserer Zeit“
Vier Bände.
Herausgegeben von Dr. Martin P. Grünholz und Dr. Frank Hinkelmann.
Verlag: Verlag für Glaube, Theologie und Gemeinde (VGTG)

Jeder Band enthält Aufsätze verschiedener Autoren zum entsprechenden Thema des Bandes.
Darunter zum Beispiel Ulrich Parzany, Philipp Bartholomä, Nicola Vollkommer, Rainer Harter oder Dr. Markus Till.
Verschiedene Aspekte, unterschiedliche Sichtweisen, ergänzende Gedanken von Theologen und christlichen „Denkern“ mit unterschiedlichen Hintergründen also.
Da die Bände gezielt für die JESUS25 Konferenz zusammengefasst wurden, ist es nicht verwunderlich, dass die Autoren der verschiedenen Beiträge und Artikeln vor allem aus dem Bereich der evangelischen Landeskirche und dem „evangelikalen Spektrum“ kommen. (Ich persönlich bin derzeit kein großer Fan von Kategorisierungen und Betitelungen, da sie meiner Meinung nach viel zu oft nicht mehr klar definiert und umkonstruiert werden. Der Begriff wird aber im Rahmen dieser Artikel und Konferenz selbst verwendet.)

Jeder Band ist in zwei Teile gegliedert: Im ersten Teil finden sich kürzere und „allgemeinverständlichere“ Beiträge, während im zweiten Teil vor allem wissenschaftliche Artikel zu finden sind.
Ich persönlich finde das sehr bereichernd, da ich es liebe, in ruhigen Zeiten einfach mal „allgemeinverständliche“ Gedanken zu lesen und darüber nachzudenken und es gleichzeitig vermisse, wissenschaftliche Artikel wie im Studium zu lesen. So habe ich die Möglichkeit, mich mit beidem, je nach Zeit und „Hirnaktivität“ auseinander zu setzen:)

Bereits Band 1 „Der unveränderte Stellenwert der Heiligen Schrift“ hat mich begeistert. Denn allein hier tauchen diverse Fragen auf, die unsere christliche Welt aufwühlen. Ist die Bibel vom Heiligen Geist inspiriert oder genau so eingegeben worden? Ist sie nicht doch einfach eine Auflistung von menschlichen Erinnerungen, bestückt mit vielen Fehlern? Wieso wird sie überhaupt als „WORT GOTTES“ bezeichnet? Wie ist dieses Wort Gottes zu verstehen? Ist es Fundament für Fundamentalisten oder können wir es nicht doch mit unserem Verstand umdeuten und dem Zeitgeist anpassen, damit Gott attraktiver wirkt? Diese und viele weitere Fragen werden beleuchtet – aus unterschiedlichen Winkeln.
Und ich als Leserin? Kann mir Gedanken machen. Was sehe ich genauso? Was sehe ich anders? Worauf gründe ich mein Verständnis? Worauf meinen Glauben?

Warum empfehle ich etwas, was ich selbst noch nicht fertig gelesen und durchgearbeitet habe?
Weil diese Artikel und Beiträge zum Dialog ermutigen, zum Nachdenken inspirieren und zur eigenen Positionierung beitragen. In den letzten Jahren tauchen viele Fragen auf. Theologie wird zum Streitthema, Spannungsfelder werden kaum noch ausgehalten – jeder möchte einfach eine klare Antwort- und, wie oben schon erwähnt, Kategorisierungen und Betitelungen werden immer mehr radikalisiert, negativiert und schon fast als Beschimpfung verwendet. Was glauben wir noch? Warum glauben wir? Wo stehen wir als Christen? Vermeiden wir die Herausforderungen unserer Zeit oder gehen wir gar aggressiv damit um? Ist Dialog, Debatte und Positionierung überhaupt noch möglich, ohne dass es in Beschimpfung und Radikalisierung endet? Diese Fragen stelle ich mir. Geben mir die Bände Antwort darauf? Ja und Nein. Sie bieten mir durch die Vielzahl der Artikel und Meinungen die Möglichkeit, meine eigene Meinung zu reflektieren, zu hinterfragen und/oder auch klar zu begründen.

Wie gesagt, bin ich selbst noch am Durcharbeiten und lesen – es braucht (zumindest bei mir) Zeit, das Gelesene sacken zu lassen, Fragen, die durch den Artikel aufkommen zu beleuchten und eben für mich selbst eine Position zu finden. Und doch ermutige ich dazu, diese Bände (einzeln oder alle) zu erwerben und sich Zeit dafür zu nehmen. Zeit – die sich kaum noch jemand nimmt. Zeit, eigene Antworten zu finden, bevor Streitgespräche unreflektiert und vor allem ohne jeglichen Respekt losgetreten werden.

Wer sich also mit den Sichtweisen verschiedener Theologen und Denker auseinandersetzen möchte und dadurch eine eigene Sichtweise vertiefen will, ist mit dieser Reihe gut bedient.

Wo bekommt man die vier Bände?
Die Bände sind für 14,90€ bzw. 15,90€ einzeln (oder auch als „Pack“) im Handel erwerbbar.
Wer alle 4 Bände kaufen möchte, kann dies direkt für 49 Euro inklusive Versand über Martin Grünholz direkt tun. Ansonsten einfach beim Buchhandel deines Vertrauens:-)
(Instagram: Martin P. Grünholz)


Wie wir kämpfen sollten

Vor einigen Wochen war ich in Texas.
Ich lernte dort eine Frau kennen, mit der ich mich über die sehr lockeren Regelungen bezüglich Besitz und Nutzung von Waffen in ihrem Bundesstaat austauschte. Sie erzählte mir stolz, wie sicher sie sich fühle. Zum einen, weil sie durch ihre langjährige Erfahrung beim Militär wisse, wie man mit Waffen umginge, zum Anderen, weil in ihrer Nachbarschaft viele Leute lebten, die wüssten, wie man sich verteidigte. „Im Falle eines Krieges oder einer Bedrohung währen wir in unserer Nachbarschaft super safe. Wir wissen, wie wir uns verteidigen.“
„Verteidigung“ ist ein Thema, das mich in den letzten Tagen generell beschäftigt.
Seit zwei Tagen bekomme ich auf Instagram nur noch Meldungen und Meinungen zum Tod von Charlie Kirk angezeigt. Ich muss zugeben, dass ich, als ich die Meldung in den Nachrichten sah, während ich in Nordamerika war, erstmal schauen musste, wer denn Charlie Kirk ist. Ich hab vorher noch nie von ihm gehört und wusste daher nichts über ihn. Umso erstaunter war ich, wieviele Menschen auch in Deutschland plötzlich RIP Posts machten, sagten, wie sehr sie trauern  – entweder sind sie alle einfach dem Hype gefolgt oder ich bin die einzige, die keine Ahnung hatte.

Wie komme ich jetzt dazu, auch etwas zu diesem Menschen zu sagen? Mir ist etwas aufgefallen, woraus ich lernen möchte und hoffe, dass wir alle darüber nachdenken…
Wofür war Charlie Kirk bekannt? Er suchte die Debatte. Er war scheinbar nicht zu feige, um sich den schwierigen Fragen zu stellen, sich hinzusetzen und zu streiten und für Werte und seine Meinung einzustehen. Er stellte sich denen, die auf der einen Seite für Meinungsfreiheit kämpfen, die sich gegen „Schubladen“ und Kategoriesierungen stellen und gleichzeitig seine Meinung nicht akzeptierten und IHN in verschiedene Kategorien steckten: Rechtspopulist, Homophober, Rassist und was weiß ich. Interessant also, dass sich das extreme Verhalten der „Gegner“ hier genau dem widerspricht, wofür sie kämpfen, nämlich dass verschiedene Meinungen gelten und stehen gelassen werden sollen und man sein und glauben kann, was man will…scheinbar allerdings nur, solange es DAS ist, was SIE glauben und sein wollen…
Was mich aber am meisten zum Nachdenken brachte ist folgender Gedanke: Was würde Jesus tun? Bzw. Was hat Jesus getan? Wie ist das „richtige“ Verhalten und die Antwort der Christen?
Alles scheint lauter, extremer und aggressiver zu werden. „Die kleine Gruppe ist so laut und macht so viel Lärm – warum sind `Wir`so leise?“, „Die Kirche muss lauter werden!“, „WIR müssen für unsere Werte kämpfen!“ – all das sind Gedanken, die ich selbst immer wieder hatte oder die mir durch diverse Posts entgegenprasselten. Und ich fragte mich: „Ist das der JESUS-Weg?“

Müssen wir kämpfen? Revolutionieren? Müssen wir es auf dieselbe Art wie alle anderen tun? Laut werden? Argumente bringen? Die Debatte anfeuern und uns groß machen?
Interessanter Weise dachten das die Jünger damals schon. Sie hatten die Schnauze voll von den Römern. Wollten Gerechtigkeit. Israel hoffte auf DEN Retter. DEN Messias. Und als Jesus auftauchte, bekamen sie Hoffnung. Sie wollten und erwarteten, dass ER aufsteht, einen Aufruhr startet, vielleicht einen Krieg anzettelt, den ER dann gewinnt. Petrus schlug mit dem Schwert auf einen Wachmann ein, wollte mit allen Mitteln kämpfen. Und was machte Jesus? Er heilte das Ohr dieses Wachmanns. Er erdultete alles still. Er antwortete ruhig und geduldig, gab Zitate aus der Tora wieder, um den Schriftgelehrten zu antworten. Aber er handelte so anders, als die Jünger es gedacht haben. Anders, als die Israeliten gedacht haben. Er sagte zwar, dass er gekommen ist, um das Schwert zu bringen, aber es war eine andere Art von Schwert, als Petrus dachte.
Im Epheserbrief wird das Schwert als Teil der geistlichen Waffenrüstung benannt und steht symbolisch für das „WORT Gottes“.
Ich frage mich, ob wir wirklich verstanden haben, wie wir Jesus-Like kämpfen können und sollten: Mit dem WORT Gottes in die GEISTLICHE Welt. Es ist ein geistlicher Kampf der Werte, ein Kampf der Ideologien. Menschlich kämpfen würde bedeuten: Wir gehen auf die Straße. Wir demonstrieren! Wir machen Flaggen, posten, kommentieren, verurteilen, stecken in Schubladen, kategorisieren, bringen Argumente über Argumente. Aber wie ich am Anfang schon gesagt habe: Die Argumente machen keinen Sinn und sind unlogisch, weil hier nicht mit Logik gekämpft wird.


Wir brauchen als Christen einen anderen Blick und der geht über diese Welt hinaus. Jesus hatte diesen Blick. Er betete. Er sagt: „Liebt eure Feinde“, er sagte „Halte die andere Wange hin!“ – er betete, er klagte und er weinte, weil GOTT den Überblick hat. GOTT wird richten. GOTT wird urteilen.
Ich glaube, dass ich derzeit immer mehr lernen und einsehen darf, wofür ich meine Energie und meine Gaben nutzen soll. Und das ist nicht, einen Streit zu gewinnen oder radikal für etwas einzustehen und zu kämpfen. Menschen werden dadurch nicht erleben, dass Gott LIEBE ist. Dass ER allmächtig ist und dass er kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten. Ich möchte daher erstmal IHN fragen, was ich tun, sagen und auch lassen soll. Und IHM vertrauen, dass ER früher oder später für Gerechtigkeit sorgen wird. Ich muss das, Gott sei Dank, nicht tun.
Bevor wir den Mund aufmachen, bevor wir andere verurteilen oder ihnen irgendwas wünschen – sollten wir damit zu Gott gehen. Und IHN urteilen und richten lassen. Und bis Jesus wieder kommt alles daran setzen, dass genau diese Menschen, die wir menschlich anschauen und (vielleicht auch menschlich zu recht) verurteilen, lernen zu lieben und ihnen mit Geduld, in Frieden, mit Freude, mit Freundlichkeit etc. entgegentreten können.


Bedeutet dass, das wir alles zulassen sollen? NEIN – aber es bedeutet, dass wir mit Gebet und in Wahrheit und Geist kämpfen, in dem wir unsere geistliche Wafffenrüstung anziehen und mit Vollmacht und Autorität beten. Den Heiligen Geist einladen zu wirken. Dass wir Erkenntnis und Offenbarung lösen im Namen Jesu, dass wir unsere Herzen und Gedanken von Gott schützen lassen und dass wir Hass, den Geist des Todes, Jähzorn, Verblendung und so vieles mehr im Namen Jesu BINDEN. Wir dürfen den Heiligen Geist bitten uns zu zeigen, was wir beten dürfen und wir dürfen und sollten die Vollmacht nutzen, die Jesus seinen Jüngern und damit auch uns gegeben hat. Ansonsten…kämpfen wir gegen Windmühlen und werden bald müde und verletzt am Boden liegen.

Wenn Gott klar sagt, dass ich diskutieren soll und ER mir Weisheit dazu gibt, dann kann ich das tun. Wenn er sagt, wie und ob ich kämpfen soll, dann ok. Charlie Kirk hatte die Gabe und den Willen, seine Werte (und die vieler anderer) zu verteidigen und in den Dialog zu gehen. Man wollte ihn mundtot machen -und doch hat es Gott umgedreht und die Stimme Kirks ist nun lauter und bekannter als zuvor. Seine Argumente und Werte haben mehr Befürworter und Unterstützer als zuvor. Die Stimmung ist aufgeheizt-nun heißt es, sich zu beruhigen, mit Gott ins Gespräch zu gehen und lauter zu beten und mit IHM in den Dialog zu gehen, damit es nicht ausartet!

Bücher: Hinterlassene Nachrichten

Bücher: Hinterlassene Nachrichten

Wien im Juli 2025. Es ist Sommer – aber es fühlt sich nicht so an. Der Himmel ist bedeckt, die Luft schwül, die Straßen nass vom Regen. Es ist kein perfekter Sommertag – aber ein perfekter Tag, sich die Nationalbibliothek – genauer gesagt den „Prunksaal“ anzuschauen. Leider dachten sich das auch viele andere Besucher – schnell wird mir klar: Dass ich in aller Seelenruhe in diesem ehrfurchterregenden Saal sitze und alles auf mich wirken lassen kann – das ist nur eine Illusion. Ich freue mich trotzdem.
Mein Mann hatte schon vorab Tickets besorgt, um mir eine Freude zu machen und wir stiefeln die alten Stiegen hinauf in den großen Saal.
Über 200 000 Bücher aus dem 15.-18. Jahrhundert befinden sich darin. Parallel gibt es eine Ausstellung über die politische Geschichte Österreichs. Sicher auch interessant, für mich heute aber nicht der Fokus. Ich möchte eintauchen in diese Atmosphäre und staune.

Umberto Eco – ich bezeichne ihn gerne als „Literarischen Wundermenschen“, hat zahlreiche Vorträge und Aufsätze geschrieben, in denen er sich über die Liebe zu Büchern, zu Worten, zur Schrift und zur Geschichte äußert. Vor allem aber macht er deutlich, wie wichtig Schriftwerke sind. Während ich in dieser Nationalbibliothek – zwischen all den vielen Büchern (und Influencern) stand, kamen mir direkt mehrere Sätze von ihm in den Sinn. Unter anderem auch dieser: „Jeder Autor, der nicht bloß des Geldes wegen schrieb, sondern aus Liebe zum eigenen Werk, wußte, daß er seinem Buch eine Nachricht anvertraute, die noch in Jahrhunderten lesbar sein würde.“ (U. Eco, 2011, dtv, Die Kunst des Bücherliebens., S.21)
Ich fragte mich, welche Nachrichten, welche Gedanken, welche Poesie, wissenschaftliche Erkenntnisse, Philosophien wohl in diesem Raum steckten. In all diesen Büchern. Die so nah und gleichzeitig so weit entfernt in diesen Regalen standen.
Und dann sah ich auf die vielen Menschen in diesem Raum und erkannte, dass die eine Hälfte mit der Ausstellung beschäftigt war, während die andere Hälfte nach dem perfekten Spot für ein tolles Foto suchte -nicht etwa von den Büchern oder der kunstvollen Stuckarbeit oder den Fresken – sondern vor allem von sich selbst. Im Mittelpunkt.

Ich setzte mich auf einen Stuhl und versuchte, meine Gedanken zu fassen.
Was bleibt?
Was bleibt, wenn wir einmal gehen? Wenn ich einmal gehe?
Welche Nachricht hinterlasse ich? Welche Nachricht möchte ich hinterlassen?
Was hinterlasse ich?
Fotos, auf denen ich lächle? Materielles?
Bleiben Worte, die ich sagte oder Gedanken, die ich aufschrieb?

Warum lese ich?
Um mich abzulenken? Um als intellektuell zu gelten? Um zu lernen?
Warum kaufe ich Bücher?
Um meine Regale präsentieren zu können? Um Schriftsteller zu unterstützen? Um mich zu bilden?
Oder, um Menschen kennen zu lernen? Die, die schrieben. Die, die ihre Nachrichten, ihre Gedanken, ihre Poesie, ihre Geschichten hinterließen, damit ihr Innerstes, ihre Fragen, ihre Erkenntnisse Ausdruck finden?
Sehe ich Bücher und Schriftwerke als Staubfänger oder als Schatz – als Teil eines Lebens eines Menschen?

Viele Fragen, die mich seit dem beschäftigen und ermutigen.
Sie ermutigen mich, einmal mehr zu schätzen, was in diesen Büchern steckt. Zu schätzen, dass ein Mensch sich Zeit nahm um etwas zu hinterlassen. Eine Nachricht.
Zu schätzen, dass ich dadurch nachdenken, reflektieren und lernen darf.
Und dass ich selbst schreiben darf – als Frau. Frei.
Ich darf etwas hinterlassen – ob Menschen eines Tages das, was ich schreibe, lesen und darüber nachdenken oder ob es ihnen egal ist – das kann ich nicht beeinflussen.
Aber ich kann für mich entscheiden, warum ich lese und warum ich schreibe: Weil ich lernen möchte.

Warum liest du?

Holy Mountain – Der perfekte Wanderführer für das Abenteuer „Jüngerschaft“

Holy Mountain – Der perfekte Wanderführer für das Abenteuer „Jüngerschaft“

„Holy Mountain- Von den Bergen für unsere Jesus-Nachfolge lernen“
Samuel Holzhäuer
Hänssler Verlag

(Rezensions-Exemplar)

In der Schule gehörte ich zu den Schülern, die (vor allem in Mathe) immer wieder die Frage stellten: “Wofür muss ich das lernen?”. Beispiel “Kurvendiskussion” oder die Berechnung von irgendwelchen Brücken – “Ich will doch kein Ingenieur werden” habe ich dann immer gesagt. Wurde ich auch nicht – lernen musste ich es trotzdem, auch wenn es mir in meinem persönlichen Alltag nicht wirklich nützlich war und ich es auch nicht mehr kann. Ich hab’s gelernt, nie angewandt und dadurch irgendwann vergessen.
Wenn ich aber einen “Nutzen” daraus habe, es in meinem Alltag anwenden kann oder es mir auf irgendeine Weise gut tut und mich weiter bringt – dann LIEBE ich es zu lernen.

Ich gehe gerne in die Berge. Man unterstellte mir eine ganze Zeit lang, dass ich Wandern nicht mögen würde – aber auch da: Wenn die Landschaft stimmt, (Wiesen und Wald in guter Balance, Sonne, ein paar Quellen und eine schöne Aussicht schon auf dem Weg zum Ziel) LIEBE ich es, in den Bergen unterwegs zu sein und zu wandern. Nun werde ich es noch mehr lieben! Denn “Holy Mountain” macht Jüngerschaft UND die Berge nicht nur schmackhaft – das Buch hilft mir, die Dinge anders zu sehen, zu deuten und das auf ganz praktische Art und Weise.
Samuel Holzhäuer liebt die Berge und Jesus ist sein Leben – das schreibt er bereits auf den ersten Seiten und das kann man nicht nur lesen sondern auch spüren.
In 14 Kapiteln geht er auf verschiedene Themen der Jesus-Nachfolge ein ( z.B. geistliche Anfechtungen, Ruhezeiten, “das Kreuz auf sich nehmen”, Jesus-Nachfolge in Zeiten des Leids…), betitelt die Kapitel dabei aber nicht mit diesen frommen Worten, sondern passend zum Thema wie in einem Wanderführer (zum Beispiel “Brotzeit und Wanderlust”, “Hüttenzeit” oder “Alpine Gefahr”).
Jedes Kapitel ist logisch aufgebaut und unterteilt durch Erlebnisse während einer Bergtour “Tourentagebuch”, einer Überleitung bzw. Umdeutung auf Alltags-Situationen “Abenteuer Alltag” und wird am Ende durch eine Reflexions-Seite mit einer Frage “Bergschule”, einem kurzen Gedanken mit Bibelvers “Bergrast” und einem Gebet abgeschlossen.
Immer wieder zitiert der Autor Songtexte, Gedichte und Bibelverse und ansprechende Fotos machen Lust auf die nächste Bergtour.
Ein echtes Bonus ist ein QR-Code zu einer passenden Playlist mit verschiedenen christlichen Songs, die man beim Lesen, während der Reflexion oder einfach bei der nächsten Bergtour anhören kann.
Samuel Holzhäuer schafft es, die besonderen Momente in den Bergen ganz praktisch mit der Jesus Nachfolge zu verknüpfen und vor allem Theologie praktisch und spürbar zu machen. Seine Sprach- bzw. Schreibart hat mich beim Lesen direkt mit in die verschiedenen Situationen hineingenommen. Ich konnte mir seine Tourentagebuch-Einträge nicht nur gut vorstellen sondern die ein oder andere Situation fast spüren. Das Buch ist super als tägliches Andachtsbuch geeignet oder zum Mitnehmen auf den nächsten Gipfel.
Wer einen “Wanderführer für die Jüngerschaft” sucht, wird mit diesem Buch nicht nur fündig sondern vor allem bereichert. Ich werde es in jedem Fall weiterschenken und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es bald in einer netten Pension am Dachstein stehen, damit alle Gäste es dort lesen können:-)