Beschütze dein Herz

Beschütze dein Herz

Dies ist eine kurze Zusammenfassung meiner Predigt. Falls du lieber die gesamte Predigt hören oder sehen möchtest, klicke hier!

Sprüche 4,23: “Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.”

Dieser Vers begleitete mich in den letzten Jahren immer wieder und vor allem in den Jahren 2019 und 2020 wurde mir dieser Vers zu einem Schatz.

Wusstest du, dass das mit „Herz“ in diesem Kontext viel mehr gemeint ist, als das Organ?

Der hebräische Begriff steht oft parallel zu näpäs (Seele), ruah (Geist) und kiljah (Niere). Im jüdischen Denken, gehen vom Herzen gehen die seelischen Regungen aus.

In der Bibel finden wir verschiede Stellen, in denen das „HERZ“ vorkommt. Hier bekommen wir einen kleinen Einblick in die Bedeutung des Herzens:

Psalm 42,6: Warum nur bin ich so traurig? Warum ist mein Herz so schwer? Auf Gott will ich hoffen, denn ich weiß: Ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott, er wird mir beistehen!

Psalm 45,2: Mein Herz ist von Freude erfüllt, ein schönes Lied will ich für den König singen. 

Psalm 131,2: Ich bin zur Ruhe gekommen, mein Herz ist zufrieden und still.

Das Herz ist die Summe an Empfindungen. 
Daniela Mailänder schreibt in ihrem Buch „Herzheimat“: “Die weisen hebräischen Denker sehen im Herz den Sitz der Gefühle, das Wohnzimmer der Vernunft und die Schlafstätte des Wünschens und Wollens. Das alles wird von dort aus gesteuert. Wie es um mein Herz bestellt ist, prägt alles an mir: Identität, Charakter, Persönlichkeit. Mein Herz bin im tiefsten Wesen ich selbst.” (Daniela Mailänder, Herzheimat, S. 21)

Zu Beginn des Lebens ist das Herz noch weich und formbar. Aber dann, passiert es: Das Leben und unser Herz erfährt Wunden, Verletzungen, Enttäuschungen oder sogar Zerbruch.

Was macht ein Herz krank, unrein oder zerbrochen?

  • Unerfüllte Hoffnungen (Die Hoffnung auf die Erfüllung eines Traums, Unerfüllter Kinderwunsch, Unerfüllte Liebe, Hoffnung auf innige Freundschaft, Hoffnung auf Loyalität…)
  • Verletzungen und Enttäuschungen durch Menschen

“Mehr als alles andere, behüte dein Herz!” Diesen Satz versuchte auch ich mir zu Herzen zu nehmen – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber eine Sache habe ich missinterpretiert, wie vermutlich viele Menschen:
Ich habe versucht es zu schützen, indem ich es verschlossen habe. Wir verschließen unsere Herzen Menschen und Gott gegenüber, damit es vor weiteren Verletzungen geschützt bleibt.

In der Bibel steht dafür auch oft das Wort “Verstockt”. Damit sind Herzen gemeint, wo Gott nicht mehr ran kommt. Herzen, die verhärtet sind, kalt und unerreichbar.
Und manchmal verschließen wir unser Herz und verstocken. Wir schotten uns ab, lassen niemanden mehr an uns heran und versuchen besser allein klar zu kommen. Das Problem ist: Wenn das Herz nach Verletzungen verschlossen wird- mit all den Wunden und der Unvergebenheit, die da ist, dann schadest du dir selbst mehr als anderen.

Du kannst dein Herz verschließen. Aber es wird dich mürrisch werden lassen, misstrauisch, ängstlich und vielleicht sogar verbittert. Es wird Auswirkungen auf dein Leben haben. Nicht nur seelische, sondern auch körperliche. Nicht nur geistige, sondern auch geistliche.

Menschen verletzen und fügen Wunden hinzu, ja. Aber: DU bist für dein Herz verantwortlich.
Es ist leicht in eine Opferhaltung zu gehen und immer anderen die Schuld zuzuschieben. Das Problem ist: Dir ist damit nicht geholfen. Im Gegenteil. Du wirst kränker!

Endloses Hoffen macht das Herz krank; ein erfüllter Wunsch schenkt neue Lebensfreude(Sprüche 13,12 HFA)

Tatsächlich ist es wissenschaftlich in verschiedenen Studien erwiesen worden, dass verbitterte Menschen und depressive Menschen – also Menschen, die keine Hoffnung mehr haben, die desillusioniert sind- kränker sind und eine höhere Wahrscheinlichkeit haben an einem Herzinfarkt zu sterben, als Menschen, die positiv denken. 

Susan Everson vom Laboratorium für Menschliche Bevölkerungsentwicklung des Instituts für Öffentliche Gesundheit in Berkely Kalifornien wird im Buch „: „Leute, die unter starker Verzweiflung litten, hatten ein 20% höheres Auftreten von Arteriosklerose (Verengung der Arterien) als optimistische Leute. Everson sagt: “Das ist dasselbe erhöhte Risiko wie es jemand, der täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, im Vergleich zu einem Nichtraucher hat.” (Zitiert in Dr. Caroline Leaf, „Beseitige dein mentales Chaos“)

Menschen mit starken Depressionen sterben dreimal wahrscheinlicher an einer Herzkrankheit.

Dr. Caroline Leaf:
“Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass fehlende Hoffnung und der Mangel an Mitteln zur Erfüllung unserer grundlegendsten emotionalen und körperlichen Bedürfnisse einen hohen Preis haben. Angst, Isolation, Schmerz, Ziellosigkeit, Verzweiflung…das sind Symptome einer gebrochenen und leidenden Gesellschaft, und sie können zu einem frühen Tod führen – nicht allein durch Suizid, sondern aufgrund sehr realer Schäden an Herz, Immunsystem, Magen-Darm.Trakt und Gehirn.” (Caroline Leaf, Beseitige dein mentales Chaos, S. 29)

Wenn Verletzungen, Enttäuschung dein Herz krank gemacht haben, wirst du es nach Außen tragen. Du wirst negativ reden. Und je mehr du es aussprichst, desto mehr wird es wiederum deinen Lebensstil bestimmen. Die Folge: Du kannst krank werden.

Dein Herz zu verschließen, ist also dabei nicht hilfreich.

Eine andere Art, die manche Menschen versuchen: Sie geben möglichst vielen Menschen den Schlüssel zum Herzen. Denn: „Vielleicht habe ich es einfach nicht anders verdient!“ oder „Vielleicht ist ja EINE Person dabei, die mir nicht weh tut!“
Ich liebe folgendes Zitat:“Dein Herz soll kein Wirtshaus sein, wo jedermann einkehren und tun kann, was ihm beliebt.”

Wen lässt du in den Herz? Lässt du jeden rein. Teilst du es offen und lässt damit Rambazamba machen?

Man kann von beiden Seiten des Pferdes fallen!

Wer hat den Schlüssel zu deinem Herzen?

Hesekiel 11,19: Ich will ihnen ein ungeteiltes Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus ihrer Brust und gebe ihnen ein lebendiges Herz.  Dann werden sie nach meinen Weisungen leben, meine Gebote achten und sie befolgen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein. Die aber, deren Herz an den widerlichen Götzen und Gebräuchen hängt, werde ich bestrafen. Alles, was sie getan haben, fällt auf sie zurück. Mein Wort gilt!«

Hesekiel 36,26: Mit reinem Wasser besprenge ich euch und wasche so die Schuld von euch ab, die ihr durch euren abscheulichen Götzendienst auf euch geladen habt. Allem, was euch unrein gemacht hat, bereite ich dann ein Ende. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz. Mit meinem Geist erfülle ich euch, damit ihr nach meinen Weisungen lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt. Dann wohnt ihr wieder in dem Land, das ich euren Vorfahren gegeben habe. Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein.

Gott hat diese Sätze zu seinem Volk gesprochen und ich glaube, er spricht sie heute noch zu uns! Du kannst zu ihm kommen, denn er möchte dir ein neues Herz geben. Ein weiches Herz. Eins, dass nicht ständig zerstört wird, aber auch eins, das nicht hart wie Stein ist.

Matthäus 5,8: Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.

Wie kann das praktisch aussehen?

1. Nimm Gott als Kardiologen in Anspruch

Bring dein Herz immer wieder zum Check-up. Mach einen Gesundheitscheck beim Kardiologen: Gibt es Löcher? Schlägt es noch im Rhythmus? Pumpt noch gesundes Blut durch?
Oder ist schon eine Verstopfung da? Hast du schon die Arterien verschlossen, weil du im Strudel der negativen Gedanken und Lügen gefangen bist?

– Gibt es Personen, die Zutritt zu deinem Herzen bekommen haben und einen Teil mitgenommen haben?

– Wo gibt es Verletzungen, die du mit dir herum trägst. Geh mit Gott ins Gespräch darüber.

– Rede mit Gott über deine Wunden und Verletzungen und nimm dir Zeit hinzuhören, was er dazu zu sagen hat.

– Ist dein Herz rein oder belügst du dich vielleicht selbst? Bitte Gott dir zu zeigen, wie dein Herz ausschaut.

Dein Herz zu behüten bedeutet, es dem Schöpfer hinzuhalten und ihn begutachten zu lassen.

2. Lass deine Wunden füllen

Kennst du Kintsugi? Es ist eine japanische, traditionelle Methode um Keramik zu reparieren: Anstatt eine zerbrochene Schale / Tasse / Vase wegzuschmeißen oder mit Kleber zu kitten, füllte man in die sichtbaren Risse Gold.

Die Risse in unserem Herzen, die Wunden – Gott könnte sie einfach wegbügeln. Aber er macht es besser: Er möchte unsere Wunden, unsere Risse, unsere Zerbrochenheit neu ausfüllen. Die Wunden müssen nicht verschwinden und vergessen werden – aber sie können dein Herz zu etwas Neuem und Kostbarem machen.

Psalm 34,18: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Weißt du, ich gehe diesen Schritt seit fast zwei Jahren monatlich- manchmal mehr als einmal. Sobald ich spüre, dass sich in meinem Herzen etwas verhärtet oder etwas schmerzt, gehe ich zu Jesus. Ich frage ihn: 

Was ist da los?

Warum tut es weh? 

Hat es mit der Person zu tun oder mit etwas aus der Vergangenheit? 

Muss ich jemandem vergeben?
Und dann bitte ich um Vergebung.
Gott, muss ich etwas bereinigen?
Denn ich möchte mein Herz nicht verhärten.

In Gottes Liebe ist das Herz behütet und geschützt. Wenn seine Liebe es umhüllt, dann ist das wie eine Gold-Schutzhülle. Nichts kann durch diese Hülle durch. Und wenn doch: Dann lass ich es wieder auffüllen mit seinem Gold.
Damit ich ein reines Herz behalte.

“Ich möchte euch ein neues Herz geben!”
Wie ist das möglich? In dem wir umkehren. Indem wir Gott den Schlüssel für unser Herz zurück geben, denn er ist der einzige, der genau weiß, was darin abgeht. 

BE READY

Vor wenigen Tagen fand ich mich mit Tränen in den Augen im Schlafzimmer. Ich hörte die Berichte über den Krieg in der Ukraine, wartete auf Nachricht von einer Pastorin, die sich auf der Flucht befand und packte Taschen mit Kleidung zusammen. Ich wollte etwas tun. Fühlte mich hilflos und überwältigt.
Mein Handy zeigte neue Nachrichten an. Ich hatte noch einiges an Aufgaben für die Kirche zu erledigen und wusste nicht, was ich tun sollte: Zwei Inputs mussten noch geschrieben werden (Thema: „Die dreieinigkeit Gottes“ und „Geistlicher Kampf!“), am Abend hatte ich noch ein Meeting und der Vision-Sunday in unserer church stand an. Ich setzte mich aufs Bett und hatte keine Ahnung, warum ich mich überhaupt an meine Aufgaben setzen sollte. Was macht es für ein Sinn? Tatsächlich hörte ich mich selbst halblaut die Frage stellen, warum ich das alles machte. Ist es wichtig, weiter Pläne zu schmieden? Kann ich hier sitzen und einen Kurs für die nächsten Wochen vorbereiten, wenn ein paar Hundert Kilometer weiter Krieg herrscht?
Mein Mann betrat das Zimmer, fragte, wie es mir geht. Ich öffnete den Mund und es sprudelte aus mir heraus:
„Wir müssen am Sonntag den Menschen klar machen, dass es gerade jetzt wichtig ist, Vision zu haben. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir lernen Gottes Stimme zu hören. Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir Kirche sind. Beten. Worshippen und der geistlichen und irrdischen Welt sagen, wer Gott ist. Gerade jetzt, wo die Bedrohung von allen Seiten zu sein scheint, müssen wir Menschen darauf aufmerksam machen, dass der Schöpfer des Universums eine Beziehung mit uns will und dass wir eine andere Perspektive brauchen. Das Leben hier ist endlich. Aber haben wir den Blick auf das, was danach kommt?“ Und ich hörte, wie ich zu mir selbst predigte. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich meine geistliche Brille abgesetzt hatte. Ich sah das, was derzeit passierte. Ich sah nicht das, was einmal kommen würde. War mir nicht mehr bewusst, was ich glaubte? Worauf ich eigentlich vorbereitet sein musste?
Jesus warnte seine Jünger vor dem, was noch kommen würde. Gott warnte mich vor einiger Zeit und sagte: „SEI READY!“. Ich weiß jetzt neu, was es bedeutet. Ich tue derzeit alles, um selbst vorbereitet zu sein – praktisch. Aber auch geistlich. Ich will ready sein für das, was kommt. Und ich will ready sein für die Ewigkeit.

Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass ich jeden Tag schaue, was dran ist und dass ich vorausplanen. Wir haben seit ein paar Monaten angefangen, uns Notfall-Materialien anzuschaffen.
Ich bete, worshippe und lese die Bibel. Versuche zu hören und schreibe auf, was Gott mir sagt – und ich lese, was er mir bereits gesagt oder gezeigt hat. (Tipp: IMMER aufschreiben. Du kannst noch Jahre später davon zähren.)
Ich schaue, was ich tun kann, um andere vorzubereiten und ihnen zu helfen.
Ich lerne Bibelstellen auswendig um sie im Kopf statt auf dem Handy oder im Bibleserver zu haben. Denn ich brauche immer wieder Ermutigung und Hoffnung, die ich aus Gottes Wort schöpfen kann.

Das ist das, was meiner Meinung nach richtig und wichtig ist: Nicht einfach weiter machen wie zuvor. Aber auch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nicht nur auf mich selbst fokussiert sein aber auch nicht nur auf andere.
Zu hören, was die NEWS sagen, aber auch zu hören, was Gott sagt.
Um dann, egal was kommt, nicht überwältigt zu sein, sondern so gut es geht, bereit zu sein.
Beispiel? Ich hatte vor einigen Monaten das Gefühl, mir einen Dutch Oven wünschen zu sollen. Nicht, dass ich unbedingt damit kochen wollen würde. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich ihn für Notsituationen holen soll. Mit einem Dutch Oven kann ich über Kohle und Feuer kochen – also auch dann, wenn es mal einen Stromausfall geben sollte. Wenige Wochen später gab es Warnungen, dass man sich für eventuelle Blackouts vorbereiten solle. Das war im Dezember. Nun haben wir März. Zwar geht es derzeit mehr um Energie aus Öl. Und doch bin ich innerlich ruhiger und denke, dass auch ein Blackout schneller bevorstehen könnte, als gedacht.
Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion mit einem Freund, der sehr visionär ist. Er war davon überzeugt, dass es in wenigen Jahren viele Berufe und Läden nicht mehr benötigen würde. Stattdessen würde alles nur noch digital über Handy laufen. Für mich eine tragische Vorstellung. Nur drei Wochen später gab es erneute Cyber-Angriffe und die Lage scheint angespannter als zuvor. Für mich wieder eine Lehre, mich nicht nur auf Digitales, Smartphones und Clouds zu verlassen. Es kann alles schneller anders kommen, als man dachte.

Praktische Tipps:
Damit es auch mal Praktisch wird:
Was kannst du anschaffen für Notsituationen?
– Warme Schlafsäcke
– Wenn du Kamin/Feuerstelle hast: Dutch Oven, Feuerholz, Brikkets
– Gaskocher und Gaskartuschen
– Bargeld als Reserve
– Trinkwasser
– Konserven und Lebensmittel (Mehl, Trockenhefe, Konservendosen, Zucker, Öl, Salz…)
– Benzinreserve
– Medikamente (Verbandskasten, Erste-Hilfe-Set, Schmerzmittel, Desinfektionsmittel)
– Batterien, Solar-Taschenlampe
– Bibel (ein richtiges Buch zum Blättern:-))

– Kerzen, Teelichter
– Feuerzeug/Streichhölzer

FOKUS und WEITSICHT

FOKUS und WEITSICHT

Endzeit – dieses Wort taucht seit einigen Jahren, vermehrt in den letzten Monaten und vor allem in den letzten Tagen in meinen Gedanken auf. Und auch das Thema „Prophetie“ beschäftigt mich in den letzten Jahren immer mehr. Interessanter Weise höre ich bei diesen Themen immer wieder dieselben Reaktionen: „Oh, bei Prophetie bin ich vorsichtig!“ oder „Ach, dass es Zuende geht haben sie schon vor Hunderten von Jahren gedacht. Und wir sind immer noch da!“

Dabei sagt der Begriff END-ZEIT ja schon viel. Es ist nicht ENDE sondern END-ZEIT also geht es um eine Zeitspanne, die ein Ende darstellt. Für mich bedeutet das, dass es natürlich schon lange Kriege, Zerstörung, Umweltkatastrophen etc. gibt und wir uns damit schon lange in dieser Zeitspanne befinden. Es ist wie ein Zeitstrahl, der bei 0 anfängt und bis 100 geht und wir befinden uns einfach immer näher Richtung 100. Die Tatsache, dass es schon immer Katastrophen gab, sollte uns nicht davon abhalten, bestimmte Dinge ernst zu nehmen. Wenn ich die Bibel ernst nehme, kann ich doch nicht auf der einen Seite daran glauben, dass die Welt von Gott geschaffen wurde, dass er selbst Mensch wurde und nach seinem Tod am Kreuz auferstanden ist – aber auf der anderen Seite die Warnungen und Reden über die Endzeit und auch die prophetischen Eindrücke von Propheten wie Hesekiel, Jesaja, Daniel und Johannes ignorieren.

Was ich erschreckend finde ist, dass manche genau das tun, während andere nur noch auf „Das Ende der Welt“ fokussiert sind und das Hier und Jetzt vergessen. Oder dass die einen panisch und depressiv sind, während andere nur noch darauf fokussiert sind, dass sie selbst vorbereitet sind.

Es braucht meiner Meinung nach eine Balance zwischen Fokus und Weitsicht. Eine Balance von „Hier und Jetzt“ und „Was kommen wird“. Es braucht diese Balance um nicht panisch zu werden, wenn man sieht, was derzeit alles in der Welt geschieht und gleichzeitig nicht aus dem Blick zu verlieren, DASS es die Realität ist und wir immer noch hier sind und das nicht ohne Grund.

Jesus hatte meiner Meinung nach genau diese Balance: Er warnte an verschiedenen Stellen vor den „letzten Tagen“. (z.B. in Matthäus 24,15-30).  Er beschreibt, was im Propheten Daniel schon geschrieben stand und sagt, wie schlimm die „letzte Schreckenszeit“ wird. ABER: In Vers 25 steht: „Denkt daran, dass ich es euch vorausgesagt habe! Wenn also die Leute zu euch sagen: ‚Draußen in der Wüste ist er (Jesus)‘, dann glaubt ihnen nicht! Denn der Menschensohn wird für alle sichtbar kommen, wie ein Blitz, der von Ost nach West über den Himmel zuckt. Er wird so sicher zu sehen sein wie die Geier, die hoch über einem verendenen Tier kreisen.“
Mit anderen Worten: Es wird schlimm werden. Es wird kommen, aber lasst euch davon nicht aus der Bahn werfen. Ich warne euch. Ihr wisst bescheid. Keine Panik: Ihr werdet nichts verpassen!
In Kapitel 25 vergleicht er sein Wiederkommen mit einem Hochzeitsfest, an dem zehn Brautjungfern dem Bräutigam entgegen gehen. Während aber fünf von ihnen auf die Wartezeit vorbereitet sind und Reserveöl für ihre Öllampen haben, haben fünf andere nicht vorgesorgt. Sie müssen los um noch einmal Öl zu kaufen, bevor die Lampen ausgehen. In der selben Zeit kommt der Bräutigam, geht mit den anderen fünf, die mit ihren gefüllten Öllampen warteten, zum Fest und die Türen werden verschlossen.

Mich hatte dieses Gleichnis schon als Kind berührt und beschäftigt. Es ist ein liebevoller Hinterntritt, ready zu sein und nicht panisch zu werden. Sich vorzubereiten und zu wissen, DASS die Zeit kommen wird. Jesus war fair: Er warnte die Jünger. Gott war fair: Er warnte uns durch die Propheten. Wir haben also alles, was wir wissen müssen in der Bibel. Wenn wir es ignorieren, sind wir genau wie die fünf Jungfrauen, die alles verpassen.
Es braucht FOKUS auf das Hier und Jetzt: Was ist meine Aufgabe? Was möchte Gott mit und durch mich JETZT HIER bewirken? Und gleichzeitig braucht es Weitblick: Was geschieht derzeit weltweit? Welche Anzeichen gibt es? Wie kann ich im Gebet für andere einstehen? Es braucht FOKUS auf MICH und wie ICH vorbereitet bin und es braucht WEITSICHT auf andere und den Blick auf sie. Ich bete, dass mir diese Balance gelingt und ich anderen helfen kann, diese Balance ebenfalls zu leben.

Seit etwa einer Woche hatte ich mich auf den heutigen Nachmittag gefreut: Nachdem die letzten zwei Wochen gefüllt waren mit To-Dos außerordentlichen Terminen, hatte ich meiner Tochter versprochen, heute Nachmittag gemeinsam ihr Faschingskostüm zu basteln und außerdem noch die neuen Bügelperlen auszuprobieren. Ich liebe es, mit ihr kreativ zu sein und zu basteln und hatte extra noch ein paar Bastelmaterialien besorgt und mir überlegt, was ihr Freude machen könnte. Nach dem Mittagessen ruhte ich mich noch kurz aus und kam dann voller Motivation in ihr Zimmer. „So, jetzt kann’s los gehen. Was magst du machen?“ fragte ich. Sie kam mir mit hängenden Schultern entgegen, trug einen ausgeliehenen Schulranzen auf dem Rücken (sie geht noch in den Kindergarten) und sagte: „Och menno. Ich mag aber noch Schule weiterspielen.“ Na toll. „Ok,“ sag ich, „dann mach ich was anderes und du kannst dann kommen, wenn du basteln magst.“ Nach zehn Minuten saß sie bei mir am Tisch. Ich hatte schon alles vorbereitet. Sie wiederum nahm die Bügelperlen, setzte sich an die Ecke des Tisches und bat mich, bitte nicht zu schauen, was sie mache. Ich könne ja schon mal die Feenflügel basteln. So ging das dann über eine Stunde. Zwischendurch saß sie dann im Wohnzimmer auf dem Sessel, hörte ihr Hörspiel, während sie die Bügelperlen alleine machte und kam erst, als sie sah, dass ich etwas traurig drein schaute. Zudem fragte sie ständig, wann denn endlich Papa von der Arbeit käme, er hätte ihr versprochen, nochmal in das Bastelgeschäft zu fahren, damit sie sich vom Taschengeld etwas kaufen könne… Das Ende vom Nachmittag war dann, dass sie netterweise noch ein paar Blumen auf ihre von mir gebastelten Flügel malte, ich alles wieder aufräumte und nicht wusste, ob ich sauer, traurig oder glücklich sein sollte. Sauer, weil ICH wieder fast alles alleine gemacht hatte, traurig, weil ich mich so auf die gemeinsame Zeit mit ihr gefreut hatte oder glücklich darüber, dass sie zufrieden und glücklich ist und sich so gerne und gut selbst beschäftigt…
Da hatte ich mich bemüht, mir Gedanken gemacht und wollte einfach gerne Zeit mit meiner Tochter verbringen und einen Mama-Tochter Nachmittag gestalten und dann…war sie darauf fokussiert, dass Papa endlich kommt und es reichte ihr, irgendwo in meiner Nähe zu sein und sich alleine zu beschäftigen.
„Mh“, dachte ich…und plötzlich wurde mir klar, dass es Gott ganz genau so geht und das jeden Tag. Ich spürte plötzlich, wie er grinste und sagte. „Ja, das kenne ich!“ Er hat alles vorbereitet für mich. Er freut sich auf die Zeit mit mir. Er macht sich Gedanken darüber, was mir Freude macht und ich? Renne mit meinen Todos durch die Gegend, beschäftige mich mit meinen eigenen Vorhaben und wenn ich da sitze und mit ihm reden will, sind meine Gedanken schon beim nächsten Treffen…
Ich hab draus gelernt – und ich werde was ändern. Auch, wenn Gott sich über mich freut, wenn ich selbst klar komme – er liebt die Gemeinschaft mir. In diesem Sinne: Einen schönen Abend dir und ihm und mir:)

Ihr Kinderlein kommet…

Ihr Kinderlein kommet…

Wenn ich an Weihnachten in meiner Kindheit denke, erinnere ich mich daran, wie ich mit meinen Geschwistern im Zimmer meines Bruders saß und Fernsehen schaute, während im Wohnzimmer meine Eltern dem „Christkind“ halfen, die Geschenke zu richten. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelte dann ein Glöckchen und meine Eltern standen an der Wohnzimmertür und sangen „Ihr Kinderlein kommet“. Aufgeregt rannten wir zum Baum und wurden dann erstmal wieder zur Ruhe gerufen. Erst noch die Geschichte hören. Erst noch ein Flötenlied oder ein Gedicht. Erst noch kurz Besinnlich werden…und dann ging die Geschenkpapierschlacht los….
Vor einigen Tagen hörte ich den Song „Something about Christmas time“ von Bryan Adams und meine Ohren wurden hellhörig bei der Zeile „To see the joy in the children’s eyes“ („Wenn man die Freude in den Kinderaugen sieht“) und ich musste genau an die oben beschriebene Szenerie denken.
Und ich dachte an meine Tochter und über das Strahlen in ihrem Gesicht, wenn sie nur von Weihnachten redet…und ich wurde stutzig.
Ich fragte mich, warum ich nicht mehr so ein Leuchten in den Augen habe an Weihnachten. Warum strahle ich nicht? Warum verschwindet diese Freude und diese Vorfreude, wenn man weiß, wer hinter dem Christkind steckt und wenn man alles hat, was man so braucht? Wenn man sich die Welt anschaut und denkt: „Da ist so viel Not und ich hab eine Wunschliste mit Dingen, die niemand braucht.“? Und ich fragte mich, ob meine Freude über Weihnachten vielleicht an falsche Umstände geknüpft war….

Was würde von meiner Freude bleiben, wenn ich nicht zum Weihnachtsgottesdienst gehen könnte? Was wäre übrig, wenn ich alleine wäre. Ohne Christbaum. Ohne Geschenke….ohne Lebkuchen, Weihnachtsgans und Traditionen?
Jesus meinte einmal „Werdet wie die Kinder“. Und ich wünsche mir für mich, dass ich wieder dieses Strahlen und diese Freude wie die Kinder bekomme. Nicht, weil es Geschenke gibt. Nicht, weil alles schön dekoriert ist. Nicht einmal, weil ich meine Lieben um mich habe. Sondern weil Weihnachten ist. Die geweihte Nacht. Die heilige Nacht. Die Nacht, die zeigt, wer Gott ist.
Es ist das Fest, an dem wir feiern, dass GOTT Mensch wurde um Beziehung zwischen ihm und uns wieder herzustellen. Und ich merke für mich einmal mehr: Die Traditionen, die einst dazu geschaffen wurden, dieses Fest gebührend zu feiern, diesen GOTT gebührend zu feiern und dieses Zeichen der Liebe in den Mittelpunkt zu stellen – diese Traditionen sind in den Vordergrund gerückt. Der immergrüne Baum sollte die Hoffnung ausdrücken, die durch Jesus existiert. Der Christstollen sollte in der Fastenzeit ein besonderes Essen sein, das Jesus in Windeln darstellt. Die Kerzen sollten das Licht symbolisieren, das Jesus selbst ist. Es waren Traditionen, die symbolisch unterstreichen sollten, was wir da feiern. Und nun haben sie den eigentlichen Grund verdrängt oder noch schlimmer: Sie sind verschwunden und alles was blieb, ist Konsum.
Vor einigen Wochen war ich mit meiner Tochter auf einem Kinderkleidermarkt. Wir fanden ein schönes, festliches Kleid mit etwas Tüll und Glitzer. Ich kaufte es und sagte: „Schau mein Schatz, das kannst du an Weihnachten anziehen!“ Die Verkäuferin und ihre Freundinnen schauten mich verwundert an. „Was zieht’s IHR denn an Weihnachten an?“ Ich antwortete nur „Naja, der höchste christliche Feiertag. Da machen wir uns festlich!“ und sie schüttelten nur den Kopf und nuschelten was von Jogginghose und Kaputzenpulli. Ich bin sicher, hätte ich gefragt, ob sie ihre Weihnachtsgeschenke schon beisammen haben, hätten sie genickt.
Ich liebe die Tradition, das Haus zu schmücken. Ich liebe die weihnachtliche Atmosphäre. Ich bin tatsächlich ein kitschiger Weihnachtsfan. Ich liebe die roten Kugeln, den Duft, die Musik, den Kamin….aber ich liebe vor allem diesen Jesus, der da auf die Welt kam. Der Mensch wurde um zu zeigen, dass er uns nah sein will und vor allem um Dinge klar zu stellen, die wir Menschen falsch verstanden haben. Er kam um LIEBE zu zeigen, die ÜBER Tradition und Gesetz steht. Er kam um zu zeigen, was GNADE bedeutet und Gerechtigkeit im Sinne Gottes. DAS ist es, was ich feiern möchte. Und deshalb will ich das Haus offen und feierlich gestalten. DESHALB möchte ich mich fein anziehen um den Ehrengast zu feiern. DESHALB möchte ich, dass das Christkind – (JESUS) die Geschenke bringt, denn ER ist es, der uns segnet und ein Segen sein lässt. ER beschenkt uns und versorgt uns.

Ich wünsche mir, dass diese Freude größer ist als die Freude über Gemeinschaft, Essen und Geschenke. Ich wünsche mir, täglich so voller Freude und mit großen Augen zum Thron Gottes zu rennen, wie ich als Kind zur Krippe unter dem Baum gerannt bin. Und die Geschenke und den Segen Gottes so zu empfangen und auszupacken, wie ich als Kind die Geschenke aufgerissen und empfangen habe, die unter dem Baum lagen. Ich wünsche mir, dass ich es kaum erwarten kann, SEINE Ankunft zu feiern, wenn er wieder kommt. Wann auch immer das sein wird.

Whatever is noble….

Whatever is noble….

„Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“

Dieser Ratschlag hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Aufgrund einer starken Erkältung und Nebenhölenentzundung, war ich in den letzten Wochen Zuhause im Bett. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich die gesamte Zeit damit verbracht habe zu schlafen und geistlich wertvolle Literatur in mich aufzusaugen. Aber ich bin ehrlich: Die Zeit war aufgeteilt zwischen einem tatsächlich geistlich wertvollem Buch, Spotify Playlisten, TV Serien, Schlafen und….Instagram. Die Mischung von all dem hat mich dazu gebracht, etwas zu bemerken und für mich zu reflektieren:

Ich habe mich versucht, in den letzten Monaten bewusst von Diskussionen bzw. öffentlichen Äußerungen bezüglich Impfung und Corona zurück zu halten. Tatsächlich begegneten mir manchmal Leute, die meinten, aggressiv mir gegenüber erklären zu müssen warum sie sich (nicht) impfen lassen – dabei hatte ich nicht einmal gefragt.
Ich höre Argumente von Geimpften, warum sie sich komplett „Save“ fühlen, sich nicht mehr testen und alles genießen, weil sie sich auf der „sicheren Seite“ fühlen und kenne auf der anderen Seite Freunde, die sich nicht impfen lassen wollen, aber immerhin fast täglich testen und somit vielleicht sogar weniger den Virus in Umlauf bringen als Geimpfte die gar nicht testen…Oftmals (NICHT IMMER) geht es aber dabei um das ICH. Ich habe mitbekommen, dass Geimpfte sich nicht mehr mit Ungeimpften treffen wollen, weil DIE ja anstecken könnten. (Interessant, dass es dabei nicht um den Gedanken ging, dass der UNgeimpfte sonst durch den Geimpften ansteckt werden könnte, was vielleicht schlimmer ausgehen könnte….)

Die einen treffen sich, weil sie es dürfen, andere fühlen sich isoliert und verurteilt, weil sie aus gesundheitlichen Gründen oder Bedenken aufgrund von Schwangerschaft einfach noch keine Impfung haben….Und immer wieder fällt mir auf, wie rau, wie aggressiv der Ton wird, wie verurteilend über andere geredet wird. Ich höre, wie beurteilt wird, wer sich wie verhält und sogar Meinungen oder Wertedenken unterstellt werden, obwohl kein Fakt oder „Beweis“ diese Annahme bestätigen.
Ich höre „Es geht um das Gemeinwohl!“ und „Da müssen ALLE AN EINEM STRANG ziehen“, sehe aber, wie unter anderem genau diese Äußerungen und das große Thema „Impfung“ bzw. „3G“ so stark zu leidenschaftlichen Bewertungen und Diskussionen führen, dass es keine Einheit schafft, sondern die Spaltung noch stärker zulässt. Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich als Geimpfter andere mit „Trottel“ oder „Idioten“ beschimpfe als ein Ungeimpfter, der Verschwörungstheorien von sich gibt oder ständig postet, was die Politiker falsch machen oder warum die Impfung „eh nix bringt?“
Beide Verhaltensweisen spalten! Beide Meinungsäußerungen bewirken etwas auf beiden Seiten: Eine Seite fühlt sich angegriffen und kommentiert und begründet, die andere Seite fühlt sich bestätigt und kommentiert und bejaht noch leidenschaftlicher als vorher. Wo ist der gemeinsame Nenner, den man finden könnte? Gibt es einen?

Und ich fragte mich gestern bei einer leidenschaftlichen Diskussion mit sehr lieben Menschen, wo ich stehe. Ich ertappte mich, wie ich bereits auch an den Punkt gelangt war, über Menschen zu sagen: „Die sollten einfach nicht behandelt werden, wenn sie so einen Mist von sich geben und Impfgegner sind!“ oder dass ich wütend wurde, wenn ich an das überlastete Krankenhauspersonal dachte…. Ja, ich habe gemerkt, dass ich bereits auf diesem Zug sitze, der in die eine Richtung fährt und zum Teil Freunde, Verwandte und Bekannte stehen lässt.

Was passiert mit unserem Denken, unserer Sicht auf andere? Was passiert mit unseren Herzen?
Schaffe ich Frieden durch das, was ich sage oder poste oder fördere ich Spaltung und Negativität? Schaue ich das große Bild noch an? Und mit dem großen Bild meine ich nicht „Deutschland“ oder „die Menschheit“ – ich meine das große Bild „LEBEN und das, was danach kommt“!
Ist es mir noch ein Anliegen zu wissen, wie es dem Menschen geht?
Ist es noch mein Wunsch, dass ich Menschen mit den Augen Gottes sehe?
Ist es noch meine größte Frage, ob die Menschen für sich wissen, was nach dem Tod kommt und wo sie hin gehen? Oder ist meine größte Frage, mit wem ich mich an Weihnachten treffe oder besser nicht treffe, ob ich was zu dem Thema sage oder nicht, ob ich den Leuten lieber aus dem Wegen sollte oder nicht?!
Was bewirkt mein Denken?
Mein Denken hat Einfluss auf meinen Umgang mit Menschen. Mein Umgang mit Menschen hat Einfluss darauf, ob und wie sie Gott sehen. Und ob und wie sie Gott sehen hat Einfluss darauf, wo sie ihre Ewigkeit verbringen.

„Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen. Haltet an der Botschaft fest, die ihr von mir gehört und angenommen habt. Richtet euch nach dem, was ich euch gelehrt habe, und lebt nach meinem Vorbild. Dann wird Gott, von dem aller Friede kommt, bei euch sein.“ Dieser Ratschlag ist übrigens aus der Bibel (Philipper 4,8)

Ist mein Verhalten, mein Denken, mein Reden über andere und mit anderen vorbildlich? Ist es gerecht? Ist es liebenswert?
Ich musste mir eingestehen, dass mein Denken bereits spaltend war. Es war immer wieder verurteilend. Bewertend. Nicht vorbildlich und nicht gerecht – und damit ist nicht das menschliche Gerechtigkeitsempfinden gemeint – sondern viel mehr das göttliche.


Ich möchte dazu appellieren und habe mich selbst dazu entschlossen mir selbst in den Hintern zu treten: Ich entscheide mich, die Menschen wieder zu sehen. Menschen als Kinder Gottes. Menschen mit Nöten. Menschen mit Herzen – auch wenn sie vielleicht hart oder kalt oder einfach verletzt sind. Ich möchte, dass mein Verhalten, mein Denken und mein Handeln Positives bewirken (nein – keinen positiven Corona-Test). Ich möchte für mein Herz keinen Unterschied machen, ob sich jemand für oder gegen Impfung entscheidet. Genauso wenig ob er sich für oder gegen Gott entscheidet. Es könnte mir egal sein – ich weiß, wo ich hingehe, wenn ich mal sterbe. Aber belasse ich es dabei – was macht mein Leben dann für einen Sinn? Warum bin ich dann hier?
Was denkt Gott über diese Sache? Was tat Jesus? Zeigte er mit dem Finger auf die Zöllner und sagte „Selbst Schuld – sie kennen die Schriften und sollten wissen, wie sie sich verhalten sollten!“? Nein – er ging zu ihnen und zeigte ihnen Liebe. Er berührte Aussätzige, die von allen religiösen Leitern ausgeschlossen wurden, weil es das Gesetz sagte. Er heilte sie und hatte Mitleid mit ihnen. Er WEINTE um die Stadt Jerusalem und er leidete am Kreuz. Ich glaube, er leidete vorallem weil er die Menschen sah und sie nichts verstanden. Jesus grenzte nicht aus. Er sagte die Wahrheit – knall hart. Er war leidenschaftlich. Und er hatte seine Meinung. Da liegt also nichts Falsches dran. Und trotzdem machte er einen Unterschied zu denen, die nur das Gesetz sahen: Er sah die Menschen. Er sah die Herzen.
Ihm war ihre Haltung und ihre Meinung nicht egal – aber die Menschen an sich auch nicht.

Ich habe meine Meinung zu Impfung. Ich habe eine Sichtweise auf dieses Land, die Menschen und das Weltgeschehen – Ich verstehe nicht immer die Meinung und Begründungen anderer. Ich kann nicht alles nachvollziehen und ja – mich ärgern manche Denkweisen. Und mir sind manche schrägen Meinungen und Überzeugungen auch nicht egal!
Die Frage ist, suche ich das Gespräch zu dem Thema mit dem Ziel, den anderen zu überzeugen? Oder suche ich das Gespräch zu dem Thema mit dem Ziel, mein Gegenüber zu hören und mich auszutauschen? Ich werde nach wie vor versuchen, meinen Beitrag dazu zu leisten, dass dieser Virus sich nicht verbreitet, andere in Gefahr bringt oder das Gesundheitssystem kollabiert. Ich werde nach wie vor bei Kontakten schauen, dass ich getestet bin und auch in Liebe nachfragen, ob der andere getestet ist, damit wenigstens eine kleine Sicherheit besteht. Aber ich möchte nicht vergessen, immer wieder im Gebet zu fragen, wie Gott die Person sieht und wie er mich dazu gebrauchen möchte, ein Segen zu sein. Für mein Gegenüber. Unabhängig welcher Herkunft, Kultur, Religion, Geschlecht, Identitätsdenken, Gesundheits- oder Impfstatus:) Gott helfe mir dabei!

In der Zwischenwelt

Würde mich in diesem Moment jemand fragen, wie es mir geht, könnte ich keine Antwort geben. Ich befinde mich in einer Zwischenwelt. Vielleicht kennst du das auch: Meine Gefühle sagen, dass ich mich miserabel fühle, weil mich eine bestimmte Konversation heute innerlich komplett aufgewühlt hat. Mein Kopf sagt, dass ich mich nicht von diesen ersten Gefühlen leiten lassen sollte – also wird das Hirn angeschaltet und läuft seit Stunden auf hochtouren um die Gefühle zu ordnen und das Gesagte zu selektieren. Was davon wurde gesagt, was davon (falsch) verstanden?
Was von dem, was in meinem Gedächtnis geblieben ist, ist die Wahrheit und was davon ist einfach eine Lüge?

Es gibt diese bestimmten Lebenslügen, die sich als Wahrheit, als Festlegung festsetzen. Das beginnt im Kindesalter schon. Situationen und Handlungen bzw. Reaktionen die das Kind „versteht“ werden abgespeichert und spätere, ähnliche Situationen dann damit verglichen und zum Teil genau so verstanden. Ein Beispiel?
Einer meiner großen Lebenssätze ist gewesen „Es reicht nicht!“ Ich weiß nicht, in welcher Situation sich dieser Satz bei mir eingeprägt hat, aber über Jahre war mein Verständnis bei der kleinsten Kritik, dass ICH nicht genüge oder meine Leistung nicht ausreichend ist.
Ein anderer Satz könnte sein „Das ist falsch“ oder „Du machst alles kaputt!“ Das ist so ein anderer Satz, der unbewusst in mir verankert war. In verschiedenen Situationen in meinem Leben fielen Sätze wie „Jetzt muss ich die Scherben aufkehren!“ oder „Du musst echt aufpassen, was du sagst. Du verletzt damit!“ und auch erst gestern fiel der Satz „Ich weiß, du hast es gut gemeint, aber das hat in mir erstmal alles wieder zerstört!“
Und genau da fing es wieder an, dass in mir etwas passierte. Ist es nicht merkwürdig, dass ich gerade im letzten Jahr ein neues Angebot in der Kirche ins Leben rufen wollte, das „RESTORE“ (Wiederherstellung) heißt? Ein Angebot, wo es darum geht, Verletzungen und Wunden im Leben von Menschen anzuschauen und durch Gott heilen zu lassen und Hoffnungen, Leben und Träume wieder herzustellen? Und nun sitze ich da und muss mich entscheiden: Was ist die Wahrheit? Der Glaube, dass ich immer nur zerstöre? Beziehungen. Träume. Hoffnungen. Motivationen – was auch immer. Dem Gefühl nachgeben, dieses Vorhaben besser sein zu lassen, bevor wieder mehr kaputt geht? Oder gebe ich dem inneren Wunsch nach und gehe weiter, damit ich Zeugin von Heilung und Freisetzung im Leben von anderen werden kann und Werkzeug dafür bin?

Ich wünschte mir, ich wäre bereits an dem Punkt, an dem ich diese Trigger-Sätze einfach ignorieren könnte. Gar nicht darüber nachdenken muss und einfach weiß, was die Wahrheit ist. Aber im Moment bin ich genau in diesem Zwischenraum: Zwischen Wissen und Fühlen. Zwischen schmerzhafter Erinnerung und heilender Zuversicht.

Was auch immer deine Lebenssätze sind, die du von Kleinauf glaubst: Ich möchte dich ermutigen, mit Gott darüber ins Gespräch zu gehen und herauszufinden, was seiner Wahrheit entspricht! Vielleicht helfen dir, wie mir auch, die folgenden Gegenüberstellungen:

„Ich genüge nicht!“ vs. „Du kannst nicht perfekt sein. Aber sei perfekt du selbst, in dem du DU bist!“

„Ich kann nichts!“ vs. „DU kannts nicht alles. Aber das musst du auch nicht. Du kannst lernen und hast bereits zahlreiche Talente!“

„Du bist kühl und unnahbar!“ vs. „Du weißt was es heißt, dich zu schützen. Du darfst trotzdem empathisch sein!“

„Du hast versagt“ vs. „Du darfst Fehler machen, denn ohne Fehler lernt man nichts!“

„Mich nimmt niemand wahr!“ vs. „Ich, Gott, sehe dich und ich sehe dein Herz. Das ist wichtiger als jede sichtbare Leistung“

„Ich leiste nicht genug!“ vs. „Du BIST genug!“

„Die anderen können es besser!“ vs. „Du kannst es einzigartig!“

„Ich zerstöre mehr als ich aufbauen kann“ vs. „Du hast viel gelernt. Du darfst auch mal wieder hinfallen. Dann steh auf und mach weiter!“

„Das war ein Fehler!“ vs. „Das war EIN Fehler, nachdem du HUNDERT Dinge richtig gemacht hast!“

und so weiter…

„Eigenlob“ – riecht gut!

„Eigenlob“ – riecht gut!

Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion zum Thema „Selbstlob“.
Ein heikles Thema, das mich seit längerem begleitet.
Ein Thema, bei dem sich in meinem Leben einiges tut.

Vor ein paar Jahren noch diskutierte ich regelmäßig mit meinem Mann über verschiedene Menschen im TV, die Sprüche machten wie „Das hab ich gut gemacht!“ oder „Das kann ich besser!“ Ok – ich gebe zu, meistens handelte es sich dabei um Fernsehköche (So hab ich mir Kochen beigebracht – also bitte nicht verurteilen:-)). Während mein Mann sie cool fand und sie feierte, konnte ich mit ihnen gar nichts anfangen, bezeichnete sie als „arrogant“ und „selbstverliebt“.

Ich erinnere mich an eine Konferenz, auf der eine Pastorin auf die Bühne kam, die ich bisher einfach nicht leiden konnte. Ich konnte und wollte ihr nicht länger als 10 Minuten zuhören. Es ging einfach nicht. Ich hatte eine tiefe Abneigung gegen sie. Sie war mir zu „tussig“, „zu weiblich“, „zu arrogant“ und was weiß ich noch, was ich so alles an Vokabular fand um gegen sie zu verwenden. Doch auf dieser Konferenz hatte ich keine große Möglichkeit mehr, rechtzeitig aus der Halle zu kommen. Ich saß ziemlich in der Mitte einer langen Reihe und das auch noch recht weit vorne. Also ließ ich es über mir ergehen.
Nach 15 Minuten beschloss ich, zuzuhören.
Nach 20 Minuten musste ich wegen ihres Humors lachen.
Nach 30 Minuten wollte ich mehr hören.
Nach 40 Minuten stand ich auf und applaudierte, als sie die Bühne verließ.
Nach 45 Minuten erkannte ich: Die Frau ist total cool. Und lustig. Und hey, die sagt echt gute und tiefgründige Dinge. Und ich begann zu reflektieren und nachzudenken.
Willst du wissen, was ich mir eingestehen musste? Ich wäre gerne so selbstbewusst wie sie. Aber weil ich unterbewusst merkte, dass ich es nicht bin, war es leichter, eine Abneigung aufzubauen als zu reflektieren und zu erkennen, dass ich nur neidisch bin.
Sie schien sich keine Gedanken zu machen, ob nun jemand über ihre Witze lacht oder nicht. Ob jemand sie tussig fand oder nicht. Sie war sie selbst. Sie war authentisch. Und ich….war zu sehr damit beschäftig zu überlegen, wie ich am wenigsten auffalle, wie ich anderen am besten gefalle und wie ich am wenigsten verurteilt werde und dazu passe.

Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die es einfach nicht schaffen, gut über sich selbst zu reden oder OK mit sich selbst zu sein. Sich hinzustellen und zu sagen „Tadaaaa. Hier bin ICH.“
Ich kenne das. Bei der Diskussion letztens ging es darum, ob meine kleine Tochter über sich selbst sagen darf „Ich bin toll!“
Du musst wissen: Wir sprechen unserer Tochter bewusst täglich Wahrheiten zu. Wir sagen bewusst zu ihr jeden Abend: „DU bist einzigartig. Du bist schön. Du bist wunderbar gemacht. Du bist talentiert. Du bist geliebt…“ und vieles mehr. Warum? Weil sie in ihrem Leben noch oft genug andere Dinge hören wird von Menschen, sie sie nicht kennen, die sie verletzen wollen und die einfach negativ sind. Es wird so kommen. Wenn sie aber innerlich stabil ist und schon von Beginn an gehört hat, was WIR sagen und was GOTT über sie sagt, wird es hoffentlich nicht ganz so zerstörerisch wie es manchmal der Fall ist.

Die Person sagte zu mir in der Diskussion „Eigenlob stinkt!“- ein Satz, der das Leben der Person sehr geprägt hat. Was sagt dieser Satz aus? „Du darfst nicht stolz auf dich sein!“ Warum ist das so?
Ich habe für mich erkannt, dass dieses Denken einen kaputt macht. Denn was passiert?
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, etwas zu leisten, was dein Dasein rechtfertigt.
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, von anderen zu hören, dass du gut bist.
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, andere entweder möglichst klein zu halten, damit du selbst dich groß fühlst.
oder
Du wirst immer und unermüdlich danach streben, andere anzuhimmeln und auf einen Sockel zu stellen, weil du es gewohnt bist, ein Opfer zu sein.
Keiner dieser Wege ist gesund und erfüllend.
Aber was, wenn du verstehst, dass du einzigartig bist. Das ist ein Fakt.
Was, wenn du für dich annimmst, dass du Talente hast?
Wenn es ein Fakt ist, dass du einzigartig bist, weil DU genau SO Dinge tun und vollbringen kannst, die andere nicht auf die selbe Art tun können?

Dann wäre das Leben kein Wettkampf und keine Qual. Du müsstest dich nicht mehr anpassen und jeden Abend unzufrieden ins Bett gehen.
Du würdest nicht um dich schauen und tausend mal überlegen, ob diese Hose zu altbacken ist oder ob sie dir trotzdem steht.
Sondern dann wäre das Leben DEINE Bühne. DU wärst der Hauptdarsteller deiner Lebensgeschichte.
Ein Hauptdarsteller, der genau weiß, dass nur er diese Person sein kann, die für diese Story gebraucht wird. Ein Hauptdarsteller, der genau so authentisch sein soll, wie er ist, weil das niemand sonst kann.
Ein Hauptdarsteller, der selbstbewusst sagen kann „Hierfür bin genau ICH die richtige Person. Ich weiß, was ich kann und ich werde es einsetzen!“
Und du könntest am Ende deines Lebens vielleicht nicht die Schlüpfer und Teddybären von der Bühne kratzen, aber vielleicht kämst du dann in deine Künstlergarderobe, die geschmückt ist mit Blumensträußen und einem großen Banner, das sagt: „Willkommen zurück Zuhause“. Und auf dem Tisch liegt eine Karte deines Regisseurs, darauf steht:
„Gut gemacht, mein wunderbares Kind. Du bist mein Meisterstück! Und niemand hätte dieses Stück so grandios vollenden können, wie du!“

Wohin?

Wohin?

Sie trugen dich schon lange
den ganzen Weg bis hierher
und jetzt spürst du die Müdigkeit,
deine Füße sind schwer
und du fragst dich hat sich der Weg gelohnt?
War es weise zu gehn?
Denn hier, wo du gerade stehst, kannst du den Gipfel nicht sehn.
Sondern nur steile Wände und Steine vor dir
deren Anblick dir noch die letzte Kraft rauben.
Es scheint zu schwer.

Dein Blick geht zurück
und du siehst die Strecke,
Ein ganzes Stück,
das du schon gelaufen bist.
Und du bleibst stehen und schaust nach hinten und fragst dich, ob das jetzt alles ist.
Ob es besser ist wieder umzudrehn
Besser ist, den bekannten Weg zu gehen.
Das zu tun was du damals gut kanntest,
Weil die Umgebung vertraut war und du dich in allem Sicher fühltest.

Dein Blick: Wieder nach vorn,
Mit der Frage wie lange es noch dauert, bis endlich neues Land in Sicht ist
Bis du sagen kannst, dass das hier der Platz ist an dem du angekommen bist.

Was gibt dir Kraft?
Der Blick zurück mit der Entscheidung umzukehren
oder der Blick nach vorne mit der Neugier welche Aussicht auf dich wartet?

Bist du motiviert genug, neue Perspektiven erreichen zu wollen oder zu müde von alledem?
Wo stehst du und was ist dein Antrieb? Bleib nicht zu lange stehen.
Entscheide dich für den Weg weiter oder zurück und dann

gehe mit Entschlossenheit!

Stark-Sein durch Schwach-Sein

Stark-Sein durch Schwach-Sein

Unsicher stand sie vom Tisch auf und stellte ihren leeren Teller, das halb leergetrunkene Glas und das dreckige Besteck auf das Tablett. Sie hasste volle Räume wie diesen. Jeder Stuhl des großen Speisesaals des kleinen Jugendhotels war besetzt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die alle zu dieser frühen Stunde schon extrem lebhaft zu sein schienen. Mit halbvollen Mündern wurden laut diskutierend die Pläne für den Tag geschmiedet, Messer und Gabeln klapperten auf die Teller ein und jeder einzelne Stuhl, der beim Aufstehen oder Hinsetzen bewegt wurde, machte ein quietschendes Geräusch auf dem Boden. Der Lärmpegel und diese Masse an Eindrücken überschritt eindeutig die Toleranz ihrer Nerven und die Tatsache, dass der Tag erst begonnen hatte, beunruhigte sie noch mehr. Sie fühlte sich hier einfach nicht wohl. Klar, es war toll, schon in den ersten Monaten der neuen Arbeitsstelle so interessante Einsätze zu erleben wie diesen – als Aussteller zu einer Messe nach Berlin fahren- klang doch super?! Aber sie selbst war einfach noch nicht ganz angekommen. Angekommen im Team. Angekommen in der neuen Arbeitswelt und…angekommen bei sich selbst.
Sie kämpfte mit ihren Gedanken und ihren Ängsten -fast in jeder Minute des Tages. Auch jetzt, als sie da stand, das Tablett anhob und gemeinsam mit ihren Kollegen Richtung „Geschirr-Rückgabe“ ging. Sie versuchte sich nicht stressen zu lassen und ging bewusst langsam – ihrem Drang so schnell wie möglich die Flucht zu ergreifen entgegensetzend. „Wie überstehe ich diesen Tag mit so vielen Menschen um mich rum? Wie überstehe ich die nächsten TAGE hier?“ – ein lautes „KLIRR“ holte sie aus ihren Gedanken.
Ihr Albtraum war soeben Realität geworden: Der Lärmpegel im Raum verstummt für ein paar Sekunden, die Blicke sind auf sie gerichtet und die Röte steigt ihr ins Gesicht….Ein Albtraum. DER Albtraum.
Das Glas, das eben noch auf ihrem Tablett stand, lag in Scherben auf dem Boden, schön verteilt in einer kleinen Pfütze aus Orangensaft. Das allein wäre nicht das Problem, stünde sie allein in ihrer Küche. Es war mehr als das: Es waren die Stille und die auf sie gerichteten Blicke, die ihr die Luft zum Atmen nahmen. Wie sehr wünschte sie sich, dass diese Pfütze sich in ein Erdloch verwandeln würde, in das sie versinken könnte. Stattdessen ertönte hinter ihr die Stimme ihres Kollegen. Es war der Kollege, der bei allen Menschen gut ankam und dessen Stimme auch bei Lärmpegel zu hören war: Laut, deutlich und mit einem hörbar breitem Grinsen wurde die kurze Stille auch schon gebrochen zuerst mit dem Satz „War ja mal wieder klar!“ und dann mit Gelächter der Kollegen….

Kennst du solche Situationen: Du bist dir unsicher und kämpfst mit Zweifeln, Ängsten oder destruktiven Gedanken und wünschst dir einfach nur jemanden, der dich bestärkt, dich ermutigt oder dir zur Seite steht aber statt dessen kommen Sätze von oben herab?
Ich kenne solche Situationen zu gut. Ich kenne vor allem genau die oben beschriebene Situation sehr gut – ich habe sie selbst erlebt. Nicht nur diese – auch andere Situationen, in denen ich mich in Grund und Boden schämte und dann och einen Satz von „oben“ zu hören bekam. Am Schlimmsten sind aber für mich die Situationen, wo jemand immer wieder vor anderen (!) stichelt oder blöde Kommentare über mich oder mein Verhalten macht – manchmal nur um zu sehen, wann ich endlich an die Decke gehe um mir dann zu sagen, dass du ich mich nicht immer so aufregen soll….


Ich kenne die Situation aber auch von der anderen Seite: Immer wieder habe ich Sprüche losgelassen, die nicht gerade erbauend waren. Damals in der Teenager-Zeit aber selbst in den letzten Jahren immer wieder unbewusst. Was mir dabei aufgefallen ist: Sowohl bei denen, die über MICH oder mir liebe Menschen ständig blöde Sprüche machen als auch bei mir selbst geht es dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine eigene Unsicherheit. Denn: Wie bekommt man das Gefühl stärker, größer, klüger oder besser zu sein als man eigentlich ist? Indem man andere um sich herum, die einem scheinbar bei diesem Vergleich zur Gefahr werden könnten, schwächer, kleiner, dümmer und schlechter scheinen lässt.
Vor Kurzem hatte ich mal wieder so eine Situation, in der jemand meinen Mann vor anderen „gepiesackt“ hat. Nicht einmal, sondern gleich mehrfach. Obwohl es nicht mich persönlich getroffen hat, hat es mich wahnsinnig gemacht und ich begann anfangs, meinen Mann zu verteidigen- bis ich mich schließlich zurückzog, weil ich eigentlich keine Lust auf diese Machtspielchen hatte. Ich musste in meiner Rückzugsphase und in der Nacht darauf aber feststellen, dass ich dieses Verhalten aus eigener Erfahrung gut kenne. Ich nutzte das mal wieder zur Selbst-Reflexion und habe mir erneut das vorgenommen, was ich mir vor einigen Jahren ganz bewusst als Next-Step überlegt hatte: Ich möchte andere Menschen ermutigen, anfeuern und hochheben, damit sie sich nicht so fühlen, wie ich mich oft fühle. Damals schrieb ich für mich auf: „A strong woman is not strong beacuse of putting others down but because she knows about her weaknesses“ (Eine starke Frau ist nicht stark, weil sie andere runter macht, sondern weil sie um ihre Schwächen weiß.)

Vermutlich war das eines der sogenannten „Kettenglieder“ dich mich dazu gebracht haben, offen und ehrlich über meine Ängste, Schwächen und „Baustellen“ zu sprechen. Ist es nicht so viel besser, wenn man merkt, dass es auch anderen so geht? Wenn man sich nicht alleine fühlt „da unten“, sondern von denen, die das genau kennen, hochgehoben werden um eine neue Perspektive zu bekommen?


Was tust du, um dich stärker, klüger, besser zu fühlen?
Machst du andere kleiner, damit du größer wirst
Oder machst du andere größer und wächst dadurch mit ihnen?

Es ist UNSERE Entscheidung.