Monat: Dezember 2021

Ihr Kinderlein kommet…

Ihr Kinderlein kommet…

Wenn ich an Weihnachten in meiner Kindheit denke, erinnere ich mich daran, wie ich mit meinen Geschwistern im Zimmer meines Bruders saß und Fernsehen schaute, während im Wohnzimmer meine Eltern dem „Christkind“ halfen, die Geschenke zu richten. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelte dann ein Glöckchen und meine Eltern standen an der Wohnzimmertür und sangen „Ihr Kinderlein kommet“. Aufgeregt rannten wir zum Baum und wurden dann erstmal wieder zur Ruhe gerufen. Erst noch die Geschichte hören. Erst noch ein Flötenlied oder ein Gedicht. Erst noch kurz Besinnlich werden…und dann ging die Geschenkpapierschlacht los….
Vor einigen Tagen hörte ich den Song „Something about Christmas time“ von Bryan Adams und meine Ohren wurden hellhörig bei der Zeile „To see the joy in the children’s eyes“ („Wenn man die Freude in den Kinderaugen sieht“) und ich musste genau an die oben beschriebene Szenerie denken.
Und ich dachte an meine Tochter und über das Strahlen in ihrem Gesicht, wenn sie nur von Weihnachten redet…und ich wurde stutzig.
Ich fragte mich, warum ich nicht mehr so ein Leuchten in den Augen habe an Weihnachten. Warum strahle ich nicht? Warum verschwindet diese Freude und diese Vorfreude, wenn man weiß, wer hinter dem Christkind steckt und wenn man alles hat, was man so braucht? Wenn man sich die Welt anschaut und denkt: „Da ist so viel Not und ich hab eine Wunschliste mit Dingen, die niemand braucht.“? Und ich fragte mich, ob meine Freude über Weihnachten vielleicht an falsche Umstände geknüpft war….

Was würde von meiner Freude bleiben, wenn ich nicht zum Weihnachtsgottesdienst gehen könnte? Was wäre übrig, wenn ich alleine wäre. Ohne Christbaum. Ohne Geschenke….ohne Lebkuchen, Weihnachtsgans und Traditionen?
Jesus meinte einmal „Werdet wie die Kinder“. Und ich wünsche mir für mich, dass ich wieder dieses Strahlen und diese Freude wie die Kinder bekomme. Nicht, weil es Geschenke gibt. Nicht, weil alles schön dekoriert ist. Nicht einmal, weil ich meine Lieben um mich habe. Sondern weil Weihnachten ist. Die geweihte Nacht. Die heilige Nacht. Die Nacht, die zeigt, wer Gott ist.
Es ist das Fest, an dem wir feiern, dass GOTT Mensch wurde um Beziehung zwischen ihm und uns wieder herzustellen. Und ich merke für mich einmal mehr: Die Traditionen, die einst dazu geschaffen wurden, dieses Fest gebührend zu feiern, diesen GOTT gebührend zu feiern und dieses Zeichen der Liebe in den Mittelpunkt zu stellen – diese Traditionen sind in den Vordergrund gerückt. Der immergrüne Baum sollte die Hoffnung ausdrücken, die durch Jesus existiert. Der Christstollen sollte in der Fastenzeit ein besonderes Essen sein, das Jesus in Windeln darstellt. Die Kerzen sollten das Licht symbolisieren, das Jesus selbst ist. Es waren Traditionen, die symbolisch unterstreichen sollten, was wir da feiern. Und nun haben sie den eigentlichen Grund verdrängt oder noch schlimmer: Sie sind verschwunden und alles was blieb, ist Konsum.
Vor einigen Wochen war ich mit meiner Tochter auf einem Kinderkleidermarkt. Wir fanden ein schönes, festliches Kleid mit etwas Tüll und Glitzer. Ich kaufte es und sagte: „Schau mein Schatz, das kannst du an Weihnachten anziehen!“ Die Verkäuferin und ihre Freundinnen schauten mich verwundert an. „Was zieht’s IHR denn an Weihnachten an?“ Ich antwortete nur „Naja, der höchste christliche Feiertag. Da machen wir uns festlich!“ und sie schüttelten nur den Kopf und nuschelten was von Jogginghose und Kaputzenpulli. Ich bin sicher, hätte ich gefragt, ob sie ihre Weihnachtsgeschenke schon beisammen haben, hätten sie genickt.
Ich liebe die Tradition, das Haus zu schmücken. Ich liebe die weihnachtliche Atmosphäre. Ich bin tatsächlich ein kitschiger Weihnachtsfan. Ich liebe die roten Kugeln, den Duft, die Musik, den Kamin….aber ich liebe vor allem diesen Jesus, der da auf die Welt kam. Der Mensch wurde um zu zeigen, dass er uns nah sein will und vor allem um Dinge klar zu stellen, die wir Menschen falsch verstanden haben. Er kam um LIEBE zu zeigen, die ÜBER Tradition und Gesetz steht. Er kam um zu zeigen, was GNADE bedeutet und Gerechtigkeit im Sinne Gottes. DAS ist es, was ich feiern möchte. Und deshalb will ich das Haus offen und feierlich gestalten. DESHALB möchte ich mich fein anziehen um den Ehrengast zu feiern. DESHALB möchte ich, dass das Christkind – (JESUS) die Geschenke bringt, denn ER ist es, der uns segnet und ein Segen sein lässt. ER beschenkt uns und versorgt uns.

Ich wünsche mir, dass diese Freude größer ist als die Freude über Gemeinschaft, Essen und Geschenke. Ich wünsche mir, täglich so voller Freude und mit großen Augen zum Thron Gottes zu rennen, wie ich als Kind zur Krippe unter dem Baum gerannt bin. Und die Geschenke und den Segen Gottes so zu empfangen und auszupacken, wie ich als Kind die Geschenke aufgerissen und empfangen habe, die unter dem Baum lagen. Ich wünsche mir, dass ich es kaum erwarten kann, SEINE Ankunft zu feiern, wenn er wieder kommt. Wann auch immer das sein wird.

Whatever is noble….

Whatever is noble….

„Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“

Dieser Ratschlag hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Aufgrund einer starken Erkältung und Nebenhölenentzundung, war ich in den letzten Wochen Zuhause im Bett. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich die gesamte Zeit damit verbracht habe zu schlafen und geistlich wertvolle Literatur in mich aufzusaugen. Aber ich bin ehrlich: Die Zeit war aufgeteilt zwischen einem tatsächlich geistlich wertvollem Buch, Spotify Playlisten, TV Serien, Schlafen und….Instagram. Die Mischung von all dem hat mich dazu gebracht, etwas zu bemerken und für mich zu reflektieren:

Ich habe mich versucht, in den letzten Monaten bewusst von Diskussionen bzw. öffentlichen Äußerungen bezüglich Impfung und Corona zurück zu halten. Tatsächlich begegneten mir manchmal Leute, die meinten, aggressiv mir gegenüber erklären zu müssen warum sie sich (nicht) impfen lassen – dabei hatte ich nicht einmal gefragt.
Ich höre Argumente von Geimpften, warum sie sich komplett „Save“ fühlen, sich nicht mehr testen und alles genießen, weil sie sich auf der „sicheren Seite“ fühlen und kenne auf der anderen Seite Freunde, die sich nicht impfen lassen wollen, aber immerhin fast täglich testen und somit vielleicht sogar weniger den Virus in Umlauf bringen als Geimpfte die gar nicht testen…Oftmals (NICHT IMMER) geht es aber dabei um das ICH. Ich habe mitbekommen, dass Geimpfte sich nicht mehr mit Ungeimpften treffen wollen, weil DIE ja anstecken könnten. (Interessant, dass es dabei nicht um den Gedanken ging, dass der UNgeimpfte sonst durch den Geimpften ansteckt werden könnte, was vielleicht schlimmer ausgehen könnte….)

Die einen treffen sich, weil sie es dürfen, andere fühlen sich isoliert und verurteilt, weil sie aus gesundheitlichen Gründen oder Bedenken aufgrund von Schwangerschaft einfach noch keine Impfung haben….Und immer wieder fällt mir auf, wie rau, wie aggressiv der Ton wird, wie verurteilend über andere geredet wird. Ich höre, wie beurteilt wird, wer sich wie verhält und sogar Meinungen oder Wertedenken unterstellt werden, obwohl kein Fakt oder „Beweis“ diese Annahme bestätigen.
Ich höre „Es geht um das Gemeinwohl!“ und „Da müssen ALLE AN EINEM STRANG ziehen“, sehe aber, wie unter anderem genau diese Äußerungen und das große Thema „Impfung“ bzw. „3G“ so stark zu leidenschaftlichen Bewertungen und Diskussionen führen, dass es keine Einheit schafft, sondern die Spaltung noch stärker zulässt. Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich als Geimpfter andere mit „Trottel“ oder „Idioten“ beschimpfe als ein Ungeimpfter, der Verschwörungstheorien von sich gibt oder ständig postet, was die Politiker falsch machen oder warum die Impfung „eh nix bringt?“
Beide Verhaltensweisen spalten! Beide Meinungsäußerungen bewirken etwas auf beiden Seiten: Eine Seite fühlt sich angegriffen und kommentiert und begründet, die andere Seite fühlt sich bestätigt und kommentiert und bejaht noch leidenschaftlicher als vorher. Wo ist der gemeinsame Nenner, den man finden könnte? Gibt es einen?

Und ich fragte mich gestern bei einer leidenschaftlichen Diskussion mit sehr lieben Menschen, wo ich stehe. Ich ertappte mich, wie ich bereits auch an den Punkt gelangt war, über Menschen zu sagen: „Die sollten einfach nicht behandelt werden, wenn sie so einen Mist von sich geben und Impfgegner sind!“ oder dass ich wütend wurde, wenn ich an das überlastete Krankenhauspersonal dachte…. Ja, ich habe gemerkt, dass ich bereits auf diesem Zug sitze, der in die eine Richtung fährt und zum Teil Freunde, Verwandte und Bekannte stehen lässt.

Was passiert mit unserem Denken, unserer Sicht auf andere? Was passiert mit unseren Herzen?
Schaffe ich Frieden durch das, was ich sage oder poste oder fördere ich Spaltung und Negativität? Schaue ich das große Bild noch an? Und mit dem großen Bild meine ich nicht „Deutschland“ oder „die Menschheit“ – ich meine das große Bild „LEBEN und das, was danach kommt“!
Ist es mir noch ein Anliegen zu wissen, wie es dem Menschen geht?
Ist es noch mein Wunsch, dass ich Menschen mit den Augen Gottes sehe?
Ist es noch meine größte Frage, ob die Menschen für sich wissen, was nach dem Tod kommt und wo sie hin gehen? Oder ist meine größte Frage, mit wem ich mich an Weihnachten treffe oder besser nicht treffe, ob ich was zu dem Thema sage oder nicht, ob ich den Leuten lieber aus dem Wegen sollte oder nicht?!
Was bewirkt mein Denken?
Mein Denken hat Einfluss auf meinen Umgang mit Menschen. Mein Umgang mit Menschen hat Einfluss darauf, ob und wie sie Gott sehen. Und ob und wie sie Gott sehen hat Einfluss darauf, wo sie ihre Ewigkeit verbringen.

„Schließlich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen. Haltet an der Botschaft fest, die ihr von mir gehört und angenommen habt. Richtet euch nach dem, was ich euch gelehrt habe, und lebt nach meinem Vorbild. Dann wird Gott, von dem aller Friede kommt, bei euch sein.“ Dieser Ratschlag ist übrigens aus der Bibel (Philipper 4,8)

Ist mein Verhalten, mein Denken, mein Reden über andere und mit anderen vorbildlich? Ist es gerecht? Ist es liebenswert?
Ich musste mir eingestehen, dass mein Denken bereits spaltend war. Es war immer wieder verurteilend. Bewertend. Nicht vorbildlich und nicht gerecht – und damit ist nicht das menschliche Gerechtigkeitsempfinden gemeint – sondern viel mehr das göttliche.


Ich möchte dazu appellieren und habe mich selbst dazu entschlossen mir selbst in den Hintern zu treten: Ich entscheide mich, die Menschen wieder zu sehen. Menschen als Kinder Gottes. Menschen mit Nöten. Menschen mit Herzen – auch wenn sie vielleicht hart oder kalt oder einfach verletzt sind. Ich möchte, dass mein Verhalten, mein Denken und mein Handeln Positives bewirken (nein – keinen positiven Corona-Test). Ich möchte für mein Herz keinen Unterschied machen, ob sich jemand für oder gegen Impfung entscheidet. Genauso wenig ob er sich für oder gegen Gott entscheidet. Es könnte mir egal sein – ich weiß, wo ich hingehe, wenn ich mal sterbe. Aber belasse ich es dabei – was macht mein Leben dann für einen Sinn? Warum bin ich dann hier?
Was denkt Gott über diese Sache? Was tat Jesus? Zeigte er mit dem Finger auf die Zöllner und sagte „Selbst Schuld – sie kennen die Schriften und sollten wissen, wie sie sich verhalten sollten!“? Nein – er ging zu ihnen und zeigte ihnen Liebe. Er berührte Aussätzige, die von allen religiösen Leitern ausgeschlossen wurden, weil es das Gesetz sagte. Er heilte sie und hatte Mitleid mit ihnen. Er WEINTE um die Stadt Jerusalem und er leidete am Kreuz. Ich glaube, er leidete vorallem weil er die Menschen sah und sie nichts verstanden. Jesus grenzte nicht aus. Er sagte die Wahrheit – knall hart. Er war leidenschaftlich. Und er hatte seine Meinung. Da liegt also nichts Falsches dran. Und trotzdem machte er einen Unterschied zu denen, die nur das Gesetz sahen: Er sah die Menschen. Er sah die Herzen.
Ihm war ihre Haltung und ihre Meinung nicht egal – aber die Menschen an sich auch nicht.

Ich habe meine Meinung zu Impfung. Ich habe eine Sichtweise auf dieses Land, die Menschen und das Weltgeschehen – Ich verstehe nicht immer die Meinung und Begründungen anderer. Ich kann nicht alles nachvollziehen und ja – mich ärgern manche Denkweisen. Und mir sind manche schrägen Meinungen und Überzeugungen auch nicht egal!
Die Frage ist, suche ich das Gespräch zu dem Thema mit dem Ziel, den anderen zu überzeugen? Oder suche ich das Gespräch zu dem Thema mit dem Ziel, mein Gegenüber zu hören und mich auszutauschen? Ich werde nach wie vor versuchen, meinen Beitrag dazu zu leisten, dass dieser Virus sich nicht verbreitet, andere in Gefahr bringt oder das Gesundheitssystem kollabiert. Ich werde nach wie vor bei Kontakten schauen, dass ich getestet bin und auch in Liebe nachfragen, ob der andere getestet ist, damit wenigstens eine kleine Sicherheit besteht. Aber ich möchte nicht vergessen, immer wieder im Gebet zu fragen, wie Gott die Person sieht und wie er mich dazu gebrauchen möchte, ein Segen zu sein. Für mein Gegenüber. Unabhängig welcher Herkunft, Kultur, Religion, Geschlecht, Identitätsdenken, Gesundheits- oder Impfstatus:) Gott helfe mir dabei!