Schlagwort: Kirche

Das Flehen um Vergebung und Buße

(Ein Ausschnitt aus meinem aktuellen Schreib-Projekt)


Bill Hybels, Brian Houston, Carl Lenz, Shaun Bolz…die Liste der Namen von geistlichen Leitern, die in den letzten Jahren mit Skandalen und Fehlverhalten Schlagzeilen in der christlichen Medienlandschaft machten, werden immer mehr. So auch die Kommentare in den sozialen Medien. Die Stimmen derer, die ihre (ungefragte) Meinung dazu äußern möchten, die Forderungen von harten Konsequenzen und Aussagen wie “Christen sind alles Heuchler!” werden lauter. Der Aufstieg und der “Hype” über christliche Führungskräfte wird höher, der Fall bei Fehlverhalten umso tiefer.
Seit zehn Jahren leite ich, gemeinsam mit meinem Mann, eine Freikirche in Österreich und seit zehn Jahren wird meine Furcht davor, etwas falsch zu machen, das Ziel aus den Augen zu verlieren, oder einen Menschen ungewollt zu verletzten oder zu verstören größer, die Freude am Dienst weniger. Der Grund? Die Reaktion der Menschen bei Fehlern und das (Ver-)Urteilen von Christen.

Ich möchte direkt eins klarstellen: Viele Dinge, die gelaufen sind, sind verstörend und schlimm!
Menschen wurden verletzt, missbraucht und teils traumatisiert. Ich sage NICHT, dass Fehlverhalten in irgendeiner Weise zu rechtfertigen oder abzutun ist. Das gleich einmal vorweg.
Was ich aber mit Bauschmerzen beobachte ist, dass, sobald ein Politiker, ein geistlicher Leiter oder eine Person in einer Führungsposition einen Fehler macht, die (christliche) Welt sofort Konsequenzen wie Absetzungen, Rücktritt, Suspendierung etc. fordert und zusätzlich durch „Steinigung“ den Menschen daran hindert, einen Prozess der Buße und Wiederherstellung zu gehen.
Bevor eine Person umkehren kann und GOTT sein Urteil überhaupt sagen kann, haben Menschen schon dafür gesorgt, dass die Person kein Wort mehr sagen kann. Sie wird nicht mehr ernst genommen.
JA – in manchen Fällen ist es wichtig, dass eine Person (erstmal) aus dem Amt genommen wird, um vor weiteren Schäden zu schützen.
Nun wurden an mich aber auch Fragen gestellt wie: „Darf ich das Buch von diesem Pastor noch lesen?“ oder ich werde gefragt, ob Prophetien, die in der Vergangenheit von jemandem, der ein klares Fehlverhalten an den Tag gelegt hat, noch ernst genommen werden dürfen…
Solche Fragen treffen mich. ALLES wird in Frage gestellt. Alles, was aufgebaut wurde, wird niedergerissen mit dem Glauben, es im Sinne Gottes zu tun…Ist das so?

König David, Simon Petrus, Saulus von Tarsus…die Liste der Namen von geistlichen Leitern der Bibel, die vor einigen Tausend Jahren mit Skandalen und Fehlverhalten Schlagzeilen in der Bibel machten, werden immer mehr, je länger ich darüber nachdenke.
Hat nicht König David, trotz seines Reichtums und schöner Frauen um sich, eine verheiratete Frau heimlich beobachtet, während sie (vermutlich mit wenig Bekleidung) draußen in der Sonne lag? Dabei blieb es nicht. Er begehrte diese Frau. Er holte sie an den Hof und schlief mit ihr.
Einige Wochen (oder Monate?) später, meldete sich diese Frau (sie hieß übrigens Bathseba) bei ihm und sagte: “Ich bin übrigens schwanger! Von dir!”
Und wieder tat David etwas, was nicht in Ordnung war:
Er rief ihren Mann (Uria) aus dem Heer zurück und ermutigte ihn, mit seiner Frau zu schlafen. Er verkaufte es ihm als besondere Ehre und als “notwendig”, damit er vom Kriegstreiben abschalten konnte. Eigentlich wollte David dadurch aber verhindern, dass sein Ehebruch dadurch auffallen würde. Er wollte die Welt glauben lassen, dass Uria der eigentliche Vater des Kindes war. Und dann? Geht es noch weiter: Als Uria nicht nachhause gehen wollte, um mit seiner Frau zu schlafen, weil er sich in der Pflicht sah, gemeinsam mit seinem Heer zu kämpfen, ließ David ihn an die vorderste Front stellen, damit er getötet werden würde, und er freie Bahn bei Batseba hatte. Der große König David hat gestalked, die Ehe gebrochen, gelogen, manipuliert und sogar eine Tötung veranlasst. Hat er sofort Buße getan? Nein! Es musste erst ein Prophet kommen, der ihn auf seine Fehler hinwies. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass es einige Zeit gedauert hatte, bis David seine Fehler erkannte, bekannte und Buße tat. Und ich bin überzeugt davon, dass einige Menschen am Hof von alle dem wussten.

Nun stell dir vor, Gott oder einflussreiche Menschen hätten daraufhin gesagt: “Alles, was David bisher getan, gesagt und aufgebaut hat, muss vernichtet werden! Lasst uns die Psalmen und Lieder verbrennen, die er geschrieben hat. Ihm ist nicht zu trauen. Er hat massive Fehler begangen und er DARF nicht mehr in einer Führungsposition sein! Wir berufen einen neuen König und alles, was David bisher gesagt und getan hat, muss ausgelöscht werden!” Das nennt man übrigens Cancel Culture…
Lasst uns einfach mal alle Geschichten und Psalmen von David aus der Bibel weg denken. Und dann machen wir weiter so:
Simon Petrus. Stell dir vor, an dem Tag, an dem er Jesus dreimal verleugnet hat, hätte man alles, was er bis dahin gesagt hätte, ausradiert. Alle Wunder, die er erlebt hat, hätte man aus den Erzählungen gelöscht und er hätte keine weitere Chance bekommen, seine Fehler einzusehen und Buße zu tun. Angenommen, Jesus hätte ihm niemals vergeben! Jesus wäre ihm nicht noch einmal begegnet, nach der Auferstehung. Er hätte alles, was er ihm zuvor zugesprochen hatte, wieder weggenommen, weil er nicht würdig war!
Es gäbe große Teile der Apostelgeschichte nicht. Es gäbe keine Wundererzählungen wie der Fischfang. Es gäbe keine Katholische Kirche…
Genauso bei Paulus! Denn Saulus hat Christen verfolgt. Er hat sie nicht nur einsperren und foltern, sondern sogar töten lassen. Liest man die ersten Briefe von ihm, erkennt man noch eine recht überhebliche Haltung. Erst später liest man ein sehr demütiges Herz aus seinen Worten heraus. Aber in manchen Briefen schreibt er doch tatsächlich Sätze wie “Ich wünschte, ihr könntet das alles so machen, wie ich es kann!” Also mal ehrlich: Die rebellische Desirée in mir würde sich ungern von jemandem wie IHN leiten lassen.

Du verstehst vielleicht, wo ich hin möchte:
Die Bibel ist voll von Menschen, die enttäuscht, gelogen, gemordet und gesündigt haben. Würden wir alles in Frage stellen, was sie zuvor getan und gesagt haben, es gäbe keine Bibel. Denn die Bibel – Gottes Geschichte mit den Menschen – ist ein Weg der Gnade, der Vergebung und der tausend Chancen von Gott mit den Menschen. WEIL Gott gnädig war, WEIL er mehr als zweite Chancen gab, weil er vergibt und weil Jesus es vorgelebt hat, ist die Geschichte Gottes mit den Menschen nicht zu ende.
Wer sind WIR, dass wir anklagen könnten?! Wer sind WIR, dass wir Verurteilung über die Liebe stellen, die wir alle doch nötig haben?
Sage ich damit, dass man alles durchgehen lassen muss? Dass es keine Konsequenzen geben darf? Nein, das meine und sage ich damit auf keinen Fall. Es braucht Aufarbeitung, es braucht Buße und Sühne. Es braucht Einsehen und Umkehr. Es braucht aber auch Vergebung und die Einsicht, dass NIEMAND ohne Schuld ist und dass wir ALLE Gnade nötig haben.

Es ist notwendig, Gottes Herz noch einmal aufzuzeigen und zu sehen!
Gott ist ein gerechter Gott. Keine Schuld ist vor ihm verborgen. Gott ruft dazu auf, Buße zu tun. Zu ihm umzukehren. Und wenn wir das tun, gilt Gnade vor Recht. Wenn wir das tun, gilt Liebe vor Hass.

Es ist ein schmaler Grat: Wir sollen geistliche Leiter in Verantwortung ehren – aber nicht vergöttern. Wir sollen uns unterordnen – aber nicht manipulieren lassen.
Geistliche Leiter sollen sich bemühen, ein vorbildliches Leben zu führen. Sie sollen nah an Gottes Herz sein und brauchen SEINE Gegenwart und Leitung, gleichzeitig sind aber auch sie in dieser Welt, die voll mit Ablenkung und Versuchungen ist.
Ich wünsche mir so sehr, dass der Leib Christi miteinander leidet – mit Opfern leidet, mit Tätern leidet, die gefallen sind. Ich wünsche mir, dass der Leib Christi sich als einen Leib erkennt – dessen Haupt Jesus Christus ist. Und ich wünsche mir, dass, wenn ein Glied am Leib verletzt ist, abstirbt oder fault, alles dafür getan wird, dass HEILUNG passiert und gefördert wird für ALLE Glieder – unabhängig der Funktion oder Wichtigkeit, anstatt immer mehr zu verstümmeln.

Wir als Kirche sollen einander in LIEBE ermahnen, gleichzeitig aber auch trösten und ermutigen.
Was mich derzeit bestürzt ist zu sehen, wie die Menschheit immer mehr darauf ausgerichtet ist, andere zu beurteilen, zu verurteilen und mundtot zu machen!
Die Erwartung, dass vor allem Menschen in bestimmten Positionen perfekt sein müssen, ist enorm. Alle anderen müssen perfekt sein. Niemand darf sich was zu schulden kommen lassen -außer man selbst.
Dadurch entsteht nicht nur ein Druck, es entsteht Misstrauen, Verachtung und Enttäuschung.
Ist es das, was Gott möchte? Ist es so, wie er handeln würde? Darf er noch selbst zu Wort kommen?

Wann ist die Kirche, wann sind wir, bereit zu vergeben und das zu leben, was wir predigen und selbst so dringend nötig haben: Vergebung, Gnade und Umkehr!
Ich bete für alle, die betroffen sind und ich bitte gleichzeitig um Gebet, um Gnade, um Vergebung.

Wozu Kirche?!

Wozu Kirche?!

„Daraufhin forschten die Propheten, wann und wie dies eintreffen sollte. Gott ließ sie wissen, dass diese Offenbarungen nicht ihnen selbst galten, sondern euch. Nun sind sie euch verkündet worden, und zwar von denen, die euch die rettende Botschaft gebracht haben. Gott hat sie dazu durch den Heiligen Geist bevollmächtigt, den er vom Himmel zu ihnen sandte. Diese Botschaft ist so einzigartig, dass selbst die Engel gern mehr davon erfahren würden.“ (1. Petrus 1,11-12)

„Darum seid bereit und stellt euch ganz und gar auf das Ziel eures Glaubens ein. Lasst euch nichts vormachen, seid besonnen und richtet all eure Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit, die er euch in vollem Ausmaß an dem Tag erweisen wird, wenn Jesus Christus für alle sichtbar kommt.“ (1. Petrus 1,13)

Seit ein paar Tagen beschäftigt mich mal wieder die Frage: „Wozu eigentlich Kirche?“. Ich frage mich das nicht für mich – sondern für einen Freund:-)
Im Ernst: Ich persönlich BRAUCHE Kirche und die Gemeinschaft im Glauben – obwohl ich an sich Ruhe, Zeit und möglichst wenig Menschen um mich brauche, spüre ich trotzdem immer wieder in Fragen hinein, die andere Menschen haben könnten. Ausgelöst wurde die Frage bei mir, als ich innerhalb kurzer Zeit Einladungen zu Online-Angeboten bekam: Eine Smallgroup mit Input, ein Magazin mit verschiedenen Impulsen, Podcasts, Inspiration, Online-Workshop etc. etc. und ich fragte mich: Worin sehen oder finden Menschen heute noch den Sinn von Kirche, wenn es doch alles zu jeder Zeit online abrufbar ist? Welche Erwartungen haben sie? Welche Erwartungen hast du?
Ist die Erwartung an Kirche, dass man am Sonntag guten Worship von einer Band bekommt? – Warum dann nicht einfach eine Spotify Playlist laufen lassen?
Erwarte ich eine gute Predigt und Impulse? – Die Landschaft der Podcasts und Impuls-Geber im World Wide Web scheint doch grenzenlos!
Suche ich Gemeinschaft? – Kann ich doch in einer Kleingruppe mit meinen engsten Freunden haben, die am besten noch genauso denken wie ich und möglichst wenig Anlass zu Diskussionen geben…
Ist Kirche noch zeitgemäß?
Für manche ist Kirche langweilig. Für manche eine reine Show. Für manche reines Abrackern im Dienst der anderen – für manche eine nette Unterhaltung und eine Abwechslung im Alltag…
Was ist Kirche für dich?
Für mich ist Kirche notwendiger denn je. Warum?
Ich schaue zurück und voraus gleichzeitig.

1. Kirche ist unser Auftrag!
Jesus sammelte verschiedene Menschen um sich. Jeder hatte seine Eigenarten. Da waren Frauen und Männer mit verschiedenen Hintergründen, Begabungen und Berufungen. Und doch bekamen am Ende alle einen Auftrag: Sie sollten aus ihrer Komfortzone, aus ihrem „inner Circle“ hinaus gehen und Menschen lehren, ihnen beibringen, was Jesus gelehrt hatte und sie taufen. Niemand von ihnen tat das alleine. Nicht einmal Jesus. Petrus sammelte Begleiter um sich, Paulus tat das auch. Als Jesus noch unter seinen Jüngern war und sie aussandte, schickte er sie immer zu zweit aus. Sie sollten sich gegenseitig Zeugen sein, unterstützen und halten. Und er sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“. Wir sind nicht für langfristige Isolation oder Alleingänge geschaffen – sondern zur Ergänzung und Unterstützung untereinander. Und wenn dann noch die unterschiedlichen Geistesgaben dazu kommen…uhuhuuu!

2. Kirche bereitet uns vor
Jesus hatte seinen Jüngern angekündigt, dass die „Endzeit“ nicht leicht werden wird. Im Gegenteil. Jeder wird sich gegen jeden stellen. Naturkatastrophen zunehmen, Kriege und Streitereien an der Tagesordnung sein. Familienmitglieder werden gegeneinander kämpfen und falsche Zeugen werden aussagen.
Und dann? Dann wünsche ich mir, nicht alleine in einem Zimmer zu sitzen. Ich wünsche mir, dass ich die Wahrheiten kenne, dass ich in all den Fake-Videos und Stimmen unterscheiden kann, was wahr und was falsch ist. Ich wünsche mir, dass ich Menschen an meiner Seite habe, die mich an das erinnern, was ich glaube, was ich weiß, was ich erlebt und erfahren habe. Sie können mich daran erinnern, weil ich meine Erlebnisse und meine Gebetsanliegen – auch die Wunder – mit ihnen geteilt habe. Und ich kann wiederum sie ermutigen. Wir können uns helfen, unterstützen und vor allem unsere geistlichen Gaben einbringen – prophetische Eindrücke teilen, Worte der Ermutigung, Worte der Weisheit. Wir können Hände auflegen und Heilung aussprechen. Wir können uns gegenseitig stärken und Halt bieten, wenn alles um uns herum zerfällt. Wir können uns an die Perspektive Ewigkeit erinnern und uns stärken durchzuhalten bis zum Ende.

3. In der Kirche werden Geistesgaben ausgegossen

Wie oben schon erwähnt, sagte Jesus, dass er selbst mitten unter uns sein würde. Das ist er durch den Heiligen Geist. Im Neuen Testament erklärt der Apostel Paulus die verschiedenen „Geistesgaben“ – Begabungen, die der Heilige Geist den Menschen unterschiedlich schenkt und die dazu da sind, um Gottes Wirken sichtbar zu machen. Diese Gaben sind vielfältig und unterstützend. Je mehr Menschen diese unterschiedlichen Gaben einbringen, desto gesünder und funktionierender der „Leib Christi“.
Der Heilige Geist kann wirken und Menschen werden erfüllt, wenn er wirkt.

Es geht um so viel mehr!
Warum Kirche also HEUTE wichtig ist? Weil es unser Auftrag ist, uns gegenseitig zu stärken und auszurüsten für die Zeiten, die auf uns zukommen. Es geht nicht um Show oder um nette Abwechslung. Es geht um unsere Seelen und unseren Geist. Es geht um die Zukunft. Es geht darum, dass wir den Himmel auf diese Erde holen – im Geist spürbar, in der Seele heilbar und am Körper wahrnehmbar – auch wenn alles andere dagegenspricht. Ist es anstrengend? Ja! Ist es sinnlos? Nein!
Bedeutet es, dass ich immer wieder an meine Grenzen komme? Ja!
Ist es unbequem? OH JA.
Aber es lohnt sich!
Ich wünsche mir so sehr, dass DAS der Grund ist, warum Menschen die Gottesdienste und Kirchenangebote aufsuchen: Um den Himmel auf Erden zu erleben und sich darin zu verwurzeln – egal was kommt.
DAS ist der Grund, warum ICH Teil einer Kirche bin.
Das ist das, was mich antreibt. Es ist mein Herzschlag. Es ist der Gegenpuls der Zeit!

Eine letzte Ermutigung
Ich möchte dich ermutigen, am kommenden Sonntag in eine Kirche zu gehen. Mit offenem Herzen und offenem Geist. Mit einem offenen Notizbuch und einer vollen Tintenpatrone. Und dann – einmal mehr oder neu zu sagen: Gott, was willst du mir mitgeben? Was darf ich heute lernen? Und: „Wo möchtest du mich heute gebrauchen als Teil dieser Gemeinschaft – um mich selbst und andere im Glauben zu stärken und auszurüsten?“

„Wie ein neugeborenes Kind nach Milch schreit, so sollt ihr nach der unverfälschten Lehre unseres Glaubens verlangen. Dann werdet ihr im Glauben wachsen und das Ziel, eure endgültige Rettung, erreichen.“ (1. Petrus 2,2)

Fasten – warum eigentlich?

Fasten – warum eigentlich?

Vorgestern war ich mit einem Teil meines „Ladies-Ministry“-Teams Essen.
In einem meiner Lieblingsrestaurants – dort gibt es asiatisches, leckeres und vor allem VIEL Essen. Welcome to Paradise:-)
Ja, ich weiß, es ist offiziell Fastenzeit – (M)ein Glück, dass wir in unserer church erst nächste Woche mit dem gemeinsamen Fasten beginnen. Bis dahin haben wir Vorbereitungszeit.
Ich habe schon öfter auf verschiedene Art gefastet, aber noch nie habe ich es „vorbereitet“. 10 Tage Vorbereitung in Begleitung mit einem Buch – 10 Tage kleine Inputs und Anregungen um sich zunächst einmal bewusst zu machen, warum man fasten möchte, wie man fasten möchte, wie lange man fasten möchte…und ich muss sagen, ich bin begeistert und motivierter als je zuvor.
Ich faste nicht, weil ich mal wieder abnehmen möchte oder weil mein Darm mal wieder bei 0 starten soll.
Ich faste auch nicht, weil wir das in der Kirche jedes Jahr so machen und ich als Pastorin da voran gehen muss.
Ich faste für verschiedene Dinge – weil es mir guttut, zurück zur Ruhe zu kommen. Weg von Ablenkungen, die ich gerne als Ausreden dafür verwende, nicht genug Zeit im Gebet, im Bibellesen oder einfach in der Stille bei Gott verbringen zu können…Wie oft kommt es vor, dass ich sage: „Ich schaue heute Abend noch ein bisschen die Serie weiter. Ich muss einfach mal abschalten!“ Wie unlogisch eigentlich.
Jetzt habe ich beschlossen zu fasten. Auf Dinge zu verzichten, die mir Zeit und Ruhe rauben. Auf Nahrungsmittel, die ich gerne in mich hineinstopfe, weil mein Körper Energie benötigt oder einfach Zucker, weil „alles soooo anstrengend ist“.
Wenn mein Magen knurrt, dann ist das mein Wecker zum Gebet. Und ich nehme meine Gebetsanliegen hervor: Menschen, für dich bete. Themen, die mich belasten. Krankheiten, wo Heilung benötigt wird.
Es ist meine Erinnerung, innezuhalten und meine Kraft bei meinem Schöpfer abzuholen, der gesagt hat, dass ER mich erfrischen möchte, wenn ich müde und belastet bin.
Ich schleppe also den Kram vom Alltag, die schwierigen Gespräche, die Worte, die mich trafen, die Fragen und Lösungsvorschläge täglich mehrmals ans Kreuz. Zu meinem Gott. „Was soll ich tun? Kannst du das für mich erledigen?“ Es ist eine Unterbrechung meiner alten Routine, alles selbst erledigen zu müssen.
Ich faste, weil ich diese „Routine“ verändern und vertiefen möchte: Die Routine nicht aus eigener Kraft zu handeln, sondern in meiner Schwäche – und die werde ich definitiv empfinden – zu Gott zu gehen und IHN machen zu lassen.
Ich möchte meinen Geist stärken, meinen Glauben, meine Beziehung zu Gott und „wach“ sein für das, was im Ungesehenen passiert. Um dann noch kraftvoller zu beten, meine Stimme zu erheben und dazu dankbar zu sein für das, was ich im Überfluss habe.
Fasten- das bedeutet zurück zur Quelle zu gehen. Die Quelle, die ein Leben im Überfluss hat. Die meine Seele erfrischt. Die stark ist in meiner Schwäche. Es bedeutet: Weniger ICH – Mehr Gott.
Und deshalb ist es mir vor zwei Tagen auch gelungen, auf das Dessert zu verzichten – obwohl es „nur“ eine Banane im Teigmantel (also praktisch Obst) gewesen wäre. (Ach, wie leicht man sich doch selbst hintergehen kann…) Aber ich bin in dieser Vorbereitungswoche stark geblieben – keine Süßigkeiten, kein Dessert. Und ab nächster Woche geht es dann richtig los. Ich bin gespannt und vor allem erwartungsvoll.

Geistlich Wachsen Extrem

Geistlich Wachsen Extrem

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100 Bibelverse, 100 kurze Impulse auf 223 Seiten. Klingt im ersten Moment viel, ist es aber nicht. Im Gegenteil. Susanna Bigger schafft es, knapp und auf den Punkt kleine Impulse zu geben, die das Glaubensleben in Schwung bringen. Dieses „Andachtsbuch“ ist für jeden: Man kann sich in Ruhe hinsetzen, Zeit nehmen, den Impuls lesen und die Fragen von Susanne in Ruhe reflektieren – oder auch nur 5 Minuten nutzen, um sich einen Impuls für den Tag abzuholen…es ist jedem selbst überlassen.

Die Überschrift gibt schon einen Hinweis, worum es geht und ermöglicht es, auch spezifisch nach einem Impuls, passend zu einer aktuellen Situation, zu suchen. Egal, ob „So entdeckst du Gottes Weisheit“, „Lass die Neider Neider sein!“ oder „Warte nicht auf einen Titel!“ – die Themen stechen, wie das ganze Buch, ins Auge und ermöglichen es, schnell einen entsprechenden Gedanken zu vertiefen.
Jeder Impuls wird dann durch einen Bibelvers eingeleitet, enthält eine kurze, persönliche Anekdote, eine Frage zum Nachdenken, eine Ermutigung für einen Action-Step und schließlich ein Gebet. So liebe ich das: Strukturiert, praktisch, fokussiert und vor allem anregend zum Nachdenken und aktiv werden. Was ich persönlich auch sehr ansprechend finde ist die Abwechslung der Anreden im Gebet: Gott ist dreieinig und deshalb spricht Susanna Bigger diesen dreieinigen Gott im Gebet unterschiedlich an. Oftmals mit „Lieber Vater“ oder „Lieber Gott“, manchmal aber eben auch mit „Jesus“ oder „Heiliger Geist“ – auch je nachdem, worum es im Impuls zuvor ging und welche Person Gottes angesprochen wird.
Was ich interessant finde ist, dass es ein „Andachtsbuch“ ist, das nicht, wie die meisten, 52 Impulse (einen für jede Woche) oder 30 Impulse (einen pro Tag in einem Monat) oder gar 365 Impulse enthält, sondern genau 100. Eine runde und schöne Zahl, die mein ausgeprägtes Struktur und Planungsdenken positiv herausgefordert hat: Ich persönlich lese nicht täglich darin, bin aber genau wegen dieser Offenheit (nicht „Ein Andachtsbuch für 1 Monat“) flexibel und motiviert, immer wieder hineinzuschauen und mir eine Idee, eine Motivation, einen Gedanken für den Tag abzuholen.
Wie gut, dass das Cover frech und durch das Pink sehr auffallend ist: Egal wo ich es hinlege – ich kann es nicht übersehen und werde aufgefordert, hineinzuschauen!

Der Wert einer „Zweierschaft“

Der Wert einer „Zweierschaft“

Gerade habe ich mein Gespräch mit einer lieben Freundin beendet und lächle.
Ich bin begeistert zu sehen, welche tiefen Themen man in einem 1,5 Stunden langen Gespräch miteinander bereden kann und vor allem, was da so alles ans Tageslicht kommt. Vor allem aber begeistert es mich zu sehen, wie viel sich in den letzten Jahren bei uns geändert hat. Wie viele Berge wir schon im bildlichen Sinne erklommen haben, welche Täler durchquert und welche Hürden gemeistert.

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Identität als (Nicht-)Mutter

Ich habe gerade auf dem Herzen, diese Message mit euch zu teilen.
Ich habe schon mal darüber geschrieben, aber irgendwie drängt es mich gerade, noch einmal dieses Thema zu teilen.
Vielleicht ist jemand da, der es heute hören soll.
Ich hielt diese Predigt am Mutter-Tag. Ein Tag, an dem die Mamas, die Mama sind, geehrt werden für alles, was sie tun und sind. Es ist aber auch der Tag, der für die, die keine Mutter sind, obwohl sie es gerne wären, schmerzhaft sein kann.

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Von Schafen, Hirten und Schäferhunden

Von Schafen, Hirten und Schäferhunden

Als ich Kind war, war eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel „das verlorene Schaf“. Ich hatte ein süßes Kinderbuch, in dem diese Geschichte nicht nur wunderschön erzählt – sondern auch mit sehr niedlichen Bildern illustriert wurde. Ich liebte dieses Bild: Ich bin das kleine Schäfchen. Eins von einer großen Herde und da ist dieser Jesus, der mich so sehr liebt, dass er für mich alles stehen und liegen lässt und nach mir sucht…

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Whatever is noble….

Whatever is noble….

„Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“

Dieser Ratschlag hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Aufgrund einer starken Erkältung und Nebenhölenentzundung, war ich in den letzten Wochen Zuhause im Bett. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich die gesamte Zeit damit verbracht habe zu schlafen und geistlich wertvolle Literatur in mich aufzusaugen. Aber ich bin ehrlich: Die Zeit war aufgeteilt zwischen einem tatsächlich geistlich wertvollem Buch, Spotify Playlisten, TV Serien, Schlafen und….Instagram. Die Mischung von all dem hat mich dazu gebracht, etwas zu bemerken und für mich zu reflektieren:

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Prinzessin oder Königin?

Prinzessin oder Königin?

(Dieser Post ist mein Teil einer Predigt vom 21.03.2021). Du findest den Link zur Predigt HIER

Vor zwei Wochen saßen meine 4-jährige Tochter und ich am Frühstückstisch und philosophierten ein bisschen. Wir redeten über Gott und die Welt und stellten uns die verschiedensten Fragen. Was man halt mit 4-jährigen so macht:)

Und meine Tochter fragte mich plötzlich:

“Mama, ich bin als Königin geboren worden, oder?! Oder als Prinzessin?”

Jetzt muss man bei dieser Frage erwähnen, dass wir unserer Tochter schon immer versuchen zu erklären, dass Gott der KÖNIG ist und wir seine Kinder sind. Also eine für uns recht normale Frage im Kontext “Ein Kind Gottes sein”.

Ich: “Naja, als Königskind meinst du?”

Sie: Nein, ich bin eine Königin UND eine Prinzessin! Ich bin beides!”

Diese Aussage brachte mich zum schmunzeln und dann merkte ich, was für eine Wahrheit darin steckt. 

Weiterlesen „Prinzessin oder Königin?“

Was mir die Untreue eines Pastors über wahre Liebe zeigte

Gerade hörte ich (mal wieder) von einer Nachricht, die viel in mir auslöste:
Gestern noch scherzte ich im Austausch über die Präsidentenwahl mit einem Freund, dass ich bei der nächsten Wahl am liebsten eine bestimmte Person als Kandidat sehen würde.
Einen Pastor, der in den USA und darüber hinaus sehr bekannt ist und lange ein Vorbild war – nein sogar noch IST.

Heute musste ich in seinem persönlichen Instagram Post sein Statement dazu lesen, dass er seine Aufgabe als Pastor ab sofort nicht mehr wahrnehmen kann und wird, weil er seiner Frau bzw. seiner Familie untreu war. Der Schritt, nun eben nicht mehr als Pastor zu arbeiten ist für viele eine logische Konsequenz und nachvollziehbar.
Sein Statement ist so, wie alles, was er bisher öffentlich gesagt oder auch geschrieben hat: Ehrlich, reumütig, reflektierend und konsequent: Er schreibt: „Wenn du die Berufung als Pastor akzeptierst,
musst du so leben, dass du dieses Mandat ehrst, dass es die Kirche ehrt und
dass es Gott ehrt. Wenn das nicht passiert, muss eine Veränderung
stattfinden.“ Er schreibt unter anderem weiter, dass er in den
letzten Jahren nicht ausreichend auf seinen eigenen Geist geachtet hat, dass er seine eigene Seele nicht gut gefüllt hat und Hilfe nicht angenommen hat, wo sie notwendig war. Und weiter „Wenn du aus einer Leere leitest, triffst du
Entscheidungen, die echte und schmerzhafte Konsequenzen haben.“ usw.

Warum schreibe ich, dass er für mich nach wie vor ein Vorbild ist?
Weil er nach wie vor ehrlich zu seinen Fehlern steht, um Vergebung bittet, seine Konsequenzen zieht und ehrlich mit allem umgeht.

Und ich habe für mich erkannt: Die Gefahr oder die Schwierigkeit für
mich (und bestimmt auch für viele andere) ist, durch diesen Fehler, den er begangen hat, nicht alles, was er bis hierhin gesagt, gepredigt, geschrieben und gelehrt hat, in Frage zu stellen.

Den Fehler nicht schwerer und gleich zu gewichten, wie alles andere oder sogar schwerer als die PERSON und den MENSCHEN.

Meiner Meinung nach ist das genau das, was wir aber kennen: Jemand verletzt, jemand macht einen Fehler und schon ist er abgeschrieben und man möchte am liebsten alles, was mit der Person in Verbindung steht, aus dem Leben entfernen. Aber so möchte ich nicht sein!

Ich möchte immer mehr danach streben zu LIEBEN. Wenn ich die Bibel anschaue, dann steht da viel, was das genau bedeutet: Geduldig sein, sanftmütig sein, vergeben, nicht eifersüchtig sein, das Beste für den Anderen wünschen… Wenn ich daran glaube, dass Jesus mir alles vergeben hat und ich diese Vergebung annehmen darf – und wenn ich das Ziel habe, Jesus ähnlicher zu werden und mit seinem Blick der Liebe zu sehen, dann möchte ich mich auch dazu entschließen, den Schmerz Gottes zu spüren: Und dieser Schmerz ist anders als unser Schmerz.

Der Schmerz Gottes gilt auch den Menschen, die direkt oder indirekt von dem Fehler betroffen sind.
Der Schmerz Gottes gilt aber auch dem „Täter“ und dem „Opfer“ gleichermaßen. Das ist für uns unbekannt – denn wir stehen meist auf der Seite des Opfers. Verständlich, denn wir wollen Gerechtigkeit!

Seit ich mich dazu entschlossen habe, merke ich, wie ich nicht auf das Vorbild oder die Person wütend bin, sondern wütend, weil ich sehe, welche Auswirkungen es auf die Herzen von Menschen und auf alles Gute, was die Person gesagt und bewirkt hatte, hat. Ich fühle den Schmerz für die Ehefrau aber gleichzeitig den Schmerz für IHN und den Schmerz für die Frau, mit der er die Ehe gebrochen hat.

Ich glaube an eine geistliche Welt und an einen Kampf darin und ich
entscheide mich zu sehen und zu verstehen was es heißt, wenn Paulus uns in der Bibel warnt „Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen,
sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Epheser 6,12 – Luther Übersetzung).

Wie gesagt, ich STREBE danach. Das heißt, dass ich selbst es auch oft nicht hinbekomme.  Mein Gerechtigkeitssinn ist doch sehr stark ausgeprägt…Aber ich möchte an den Punkt kommen, wo ich mit Gottes Herzen sehe und handle. Wo ich seinen Schmerz spüre und aushalten kann. An den Punkt, wo ich FÜR die Betrogenen UND die Betrüger bete. An den Punkt, wo ich sogar MEHR für diejenigen im Gebet kämpfe, die selbst aus Gottes Gegenwart gehen – ob kurz oder lang. Ich möchte an den Punkt kommen, wo ich Menschen, die aufgrund von Verletzungen oder sogar falschen Einstellungen handeln und verletzten nicht beschimpfe oder verjage, sondern zumindest innerlich mitleide, um sie trauere und für sie bete.  Das heißt NICHT, dass das Fehlverhalten, die Tat oder was auch immer dadurch gutgeheißen oder gar entschuldigt wird. Aber es bedeutet, dass ich der Tat nicht erlaube, meinen Schmerz zu benutzen um Hass zu entwickeln.
Das ist schwer. Das ist hart. Und ich wünsche mir nicht, dass ich darin getestet werde, indem ich selbst so verletzt werde und ich hoffe, bete und kämpfe dafür, dass ich selbst nicht verletze -..und doch gehe ich den mutigen Schritt und sage: ICH STREBE NACH DIESEM LIEBENDEN HERZEN GOTTES.

Ich glaube, wenn wir das endlich verstehen und alle danach streben, dass wir uns mit dieser vollkommenen Liebe füttern, dass diese Liebe den Schmerz und Verletzungen zulässt und aushält – dann könnte diese Welt so viel anders aussehen. Denn dann würde „Rache“ gar nicht existieren.