„Hallo!“
Sie hat dich bemerkt. Dabei hattest du versucht, dich nicht auffällig zu verhalten. Hattest versucht, nicht wahrgenommen zu werden.
Du wolltest einfach weg hier. Ungesehen. Ungehört. Nicht von allen. Aber von ihr!
Du dachtest, es wäre längst alles gut. Du hattest dich arrangiert mit deinem Leben. Wolltest sie einfach nicht mehr in deinem Umfeld haben. Den Namen nicht mehr hören. Sie nicht mehr sehen müssen. Dann…ja dann wäre doch alles gut.
Dann wäre alles vergeben.
Vergessen?! Vielleicht nicht. Aber der Entschluss zu vergeben, der war da. Und du dachtest auch, es wäre tatsächlich so gewesen. Du hättest ihr vergeben. Aber dann…
Dann hast du sie gesehen. Mal wieder. Einfach so lief sie auf der selben Straßenseite. Kam dir entgegen. Schaute auch erst weg. Sie schien verunsichert. Wusste nicht, wie sie reagieren sollte – aber dann hatte sie ein bewusstes „HALLO“ gesagt. Den Blickkontakt gesucht. Wie konnte sie es wagen?
Und du? Du merktest, dass es noch lange nicht gut war. Konntest nichts sagen. Wolltest nichts sagen. Du wolltest einfach vorbei. Raus, aus dieser Situation. Am liebsten raus aus dieser Stadt, so lange sie sich hier aufhalten würde.
Du hattest dich dazu entschieden so zu tun, als würdest du sie nicht kennen.
Dabei kennst du sie. Oder besser: Du dachtest, dass du sie kennen würdest.
Sie dachte, dass du sie kennen würdest. Ihr dachtet es beide. Und dann?
Sagte sie etwas, tat etwas, handelte so, wie es nicht in dein Bild von ihr passte.
Du fühltest dich verletzt, beleidigt, gedemütigt, ignoriert von ihr. Von ihr, die doch behauptete eine Freundin zu sein.
Sie dachte, du würdest sie kennen. Ihr Herz, ihre Verletzlichkeit, ihren Frust aber auch ihre Liebe. Sie dachte, du könntest ihr handeln anders deuten, verstehen, nachvollziehen, würdest erkennen, wie sie es meinte. Würdest verstehen, wie sie kämpfte und um Verständnis rang. Würdest vertrauen und glauben, dass sie es nicht so meinte, wie du es verstanden hattest. Würdest ihre Erklärung glauben und ihre Entschuldigung annehmen.
Aber das konntest du nicht. Nicht mehr oder noch nie?
Es passte nicht mehr zusammen.
Und nun. Du dachtest, du hättest vergeben. Dachtest, es wäre gut.
Aber das ist es nicht.
Du kanntest sie nicht. Du willst sie nicht kennen.
Also drehst du dich weg. Starrst in die andere Richtung und gehst vorbei.
Vielleicht fühlt sie sich nun verletzt, beleidigt, gedemütigt, ignoriert von dir.
Aber vielleicht auch nicht.
Vielleicht ist es eines Tages gut.
Vielleicht kannst du ihr eines Tages wieder in ihre Augen blicken.
Vergeben. Vergebung annehmen.
Vergessen? Vielleicht nicht.
Aber vielleicht wirst du eines Tages mit anderen Augen zurück blicken und wieder glauben und vertrauen können, dass es ihr leid tut und dass sie vergeben hat.
Dass ein „Hallo!“ einfach nur das Zeichen dafür ist, dass es okay ist. Dass der Entschluss zu vergeben immer mehr ins Herz gesackt ist.
Dass es nicht mehr so sein wird, wie früher – aber dass es gut sein wird und man sich nicht mehr aus dem Weg geht.
Vielleicht willst du sie irgendwann doch noch einmal oder zum ersten Mal kennen lernen.
Schlagwort: Vergebung
Der Wert einer „Zweierschaft“
Gerade habe ich mein Gespräch mit einer lieben Freundin beendet und lächle.
Ich bin begeistert zu sehen, welche tiefen Themen man in einem 1,5 Stunden langen Gespräch miteinander bereden kann und vor allem, was da so alles ans Tageslicht kommt. Vor allem aber begeistert es mich zu sehen, wie viel sich in den letzten Jahren bei uns geändert hat. Wie viele Berge wir schon im bildlichen Sinne erklommen haben, welche Täler durchquert und welche Hürden gemeistert.
Beschütze dein Herz
Dies ist eine kurze Zusammenfassung meiner Predigt. Falls du lieber die gesamte Predigt hören oder sehen möchtest, klicke hier!
Sprüche 4,23: “Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.”
Dieser Vers begleitete mich in den letzten Jahren immer wieder und vor allem in den Jahren 2019 und 2020 wurde mir dieser Vers zu einem Schatz.
Wusstest du, dass das mit „Herz“ in diesem Kontext viel mehr gemeint ist, als das Organ?
Weiterlesen „Beschütze dein Herz“FREI-TAG
Es ist Freitag.
DER Freitag.
Es ist der Freitag, an dem ich daran erinnert werde, wie sehr du gelitten hast.
Ich sehe deine schmerzverzerrten Augen, die gleichzeitig voller Liebe sind.
Ich sehe Filme, Bilder, Theater-Szenen, in denen du diese Last trägst.
Diese Last, dieses Kreuz, dass nicht nur real, sondern auch ein Symbol ist.
Und ich werde daran erinnert, was mir von Kleinauf erklärt wurde:
Das alles ist MEINETWEGEN passiert.
Dieses Kreuz sei Symbol für MEINE Fehler, meine SCHULD und für das, was mich von dir trennt.
Ich sehe dieses Kreuz mit diesem Verständnis und ich sehe deinen Blick.
Und ich kann es kaum ertragen.
Mein Blick will sich abwenden und aus Entsetzen wird Wut.
„Ich habe dich nicht darum gebeten“ schreit meine Seele.
Der Drang in mir einzuspringen wird groß.
Was mir die Untreue eines Pastors über wahre Liebe zeigte
Gerade hörte ich (mal wieder) von einer Nachricht, die viel in mir auslöste:
Gestern noch scherzte ich im Austausch über die Präsidentenwahl mit einem Freund, dass ich bei der nächsten Wahl am liebsten eine bestimmte Person als Kandidat sehen würde.
Einen Pastor, der in den USA und darüber hinaus sehr bekannt ist und lange ein Vorbild war – nein sogar noch IST.
Heute musste ich in seinem persönlichen Instagram Post sein Statement dazu lesen, dass er seine Aufgabe als Pastor ab sofort nicht mehr wahrnehmen kann und wird, weil er seiner Frau bzw. seiner Familie untreu war. Der Schritt, nun eben nicht mehr als Pastor zu arbeiten ist für viele eine logische Konsequenz und nachvollziehbar.
Sein Statement ist so, wie alles, was er bisher öffentlich gesagt oder auch geschrieben hat: Ehrlich, reumütig, reflektierend und konsequent: Er schreibt: „Wenn du die Berufung als Pastor akzeptierst,
musst du so leben, dass du dieses Mandat ehrst, dass es die Kirche ehrt und
dass es Gott ehrt. Wenn das nicht passiert, muss eine Veränderung
stattfinden.“ Er schreibt unter anderem weiter, dass er in den
letzten Jahren nicht ausreichend auf seinen eigenen Geist geachtet hat, dass er seine eigene Seele nicht gut gefüllt hat und Hilfe nicht angenommen hat, wo sie notwendig war. Und weiter „Wenn du aus einer Leere leitest, triffst du
Entscheidungen, die echte und schmerzhafte Konsequenzen haben.“ usw.
Warum schreibe ich, dass er für mich nach wie vor ein Vorbild ist?
Weil er nach wie vor ehrlich zu seinen Fehlern steht, um Vergebung bittet, seine Konsequenzen zieht und ehrlich mit allem umgeht.
Und ich habe für mich erkannt: Die Gefahr oder die Schwierigkeit für
mich (und bestimmt auch für viele andere) ist, durch diesen Fehler, den er begangen hat, nicht alles, was er bis hierhin gesagt, gepredigt, geschrieben und gelehrt hat, in Frage zu stellen.
Den Fehler nicht schwerer und gleich zu gewichten, wie alles andere oder sogar schwerer als die PERSON und den MENSCHEN.
Meiner Meinung nach ist das genau das, was wir aber kennen: Jemand verletzt, jemand macht einen Fehler und schon ist er abgeschrieben und man möchte am liebsten alles, was mit der Person in Verbindung steht, aus dem Leben entfernen. Aber so möchte ich nicht sein!
Ich möchte immer mehr danach streben zu LIEBEN. Wenn ich die Bibel anschaue, dann steht da viel, was das genau bedeutet: Geduldig sein, sanftmütig sein, vergeben, nicht eifersüchtig sein, das Beste für den Anderen wünschen… Wenn ich daran glaube, dass Jesus mir alles vergeben hat und ich diese Vergebung annehmen darf – und wenn ich das Ziel habe, Jesus ähnlicher zu werden und mit seinem Blick der Liebe zu sehen, dann möchte ich mich auch dazu entschließen, den Schmerz Gottes zu spüren: Und dieser Schmerz ist anders als unser Schmerz.
Der Schmerz Gottes gilt auch den Menschen, die direkt oder indirekt von dem Fehler betroffen sind.
Der Schmerz Gottes gilt aber auch dem „Täter“ und dem „Opfer“ gleichermaßen. Das ist für uns unbekannt – denn wir stehen meist auf der Seite des Opfers. Verständlich, denn wir wollen Gerechtigkeit!
Seit ich mich dazu entschlossen habe, merke ich, wie ich nicht auf das Vorbild oder die Person wütend bin, sondern wütend, weil ich sehe, welche Auswirkungen es auf die Herzen von Menschen und auf alles Gute, was die Person gesagt und bewirkt hatte, hat. Ich fühle den Schmerz für die Ehefrau aber gleichzeitig den Schmerz für IHN und den Schmerz für die Frau, mit der er die Ehe gebrochen hat.
Ich glaube an eine geistliche Welt und an einen Kampf darin und ich
entscheide mich zu sehen und zu verstehen was es heißt, wenn Paulus uns in der Bibel warnt „Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen,
sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Epheser 6,12 – Luther Übersetzung).
Wie gesagt, ich STREBE danach. Das heißt, dass ich selbst es auch oft nicht hinbekomme. Mein Gerechtigkeitssinn ist doch sehr stark ausgeprägt…Aber ich möchte an den Punkt kommen, wo ich mit Gottes Herzen sehe und handle. Wo ich seinen Schmerz spüre und aushalten kann. An den Punkt, wo ich FÜR die Betrogenen UND die Betrüger bete. An den Punkt, wo ich sogar MEHR für diejenigen im Gebet kämpfe, die selbst aus Gottes Gegenwart gehen – ob kurz oder lang. Ich möchte an den Punkt kommen, wo ich Menschen, die aufgrund von Verletzungen oder sogar falschen Einstellungen handeln und verletzten nicht beschimpfe oder verjage, sondern zumindest innerlich mitleide, um sie trauere und für sie bete. Das heißt NICHT, dass das Fehlverhalten, die Tat oder was auch immer dadurch gutgeheißen oder gar entschuldigt wird. Aber es bedeutet, dass ich der Tat nicht erlaube, meinen Schmerz zu benutzen um Hass zu entwickeln.
Das ist schwer. Das ist hart. Und ich wünsche mir nicht, dass ich darin getestet werde, indem ich selbst so verletzt werde und ich hoffe, bete und kämpfe dafür, dass ich selbst nicht verletze -..und doch gehe ich den mutigen Schritt und sage: ICH STREBE NACH DIESEM LIEBENDEN HERZEN GOTTES.
Ich glaube, wenn wir das endlich verstehen und alle danach streben, dass wir uns mit dieser vollkommenen Liebe füttern, dass diese Liebe den Schmerz und Verletzungen zulässt und aushält – dann könnte diese Welt so viel anders aussehen. Denn dann würde „Rache“ gar nicht existieren.
HeartDeeds Impuls: Der schmutzige Spiegel
Kennst du das?
Du wachst auf, gehst ins Bad, duschst und schaust danach in den Spiegel um zu sehen, wie zufrieden du heute mit dir bist.
Brust raus, Bauch rein. Zur Seite drehen. Die Männer spannen gerne noch ihre Muskeln an… Weiterlesen „HeartDeeds Impuls: Der schmutzige Spiegel“




