Autor: Desirée Rosemann

Ein Date mit mir

Ein Date mit mir

Musstest du dich schon mal so richtig aufraffen um dich mit deinem Ehemann, deiner Frau, deiner besten Freundin oder besten Freund zu treffen?
Egal, ob es jetzt ein Candle-Light-Dinner ist, ein Kinobesuch oder einfach die Verabredung, gemeinsam auf der Couch im Wohnzimmer zu sitzen und einen Film zu schauen?

Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, dass mir das jemals schwer fiel. Für ein Date mit meinem Mann oder für die Einladung meiner besten Freundin würde ich im Normalfall alles andere hinten an stellen. Das liegt vielleicht daran, dass mir „Zweisamkeit“ oder „Ungeteilte Aufmerksamkeit“ sehr wichtig ist.

Kleiner Exkurs: (Falls du schon mal von den 5 Sprachen der Liebe gehört hast, sagt dir das bestimmt etwas. Falls nicht: Es gibt die Theorie, dass jeder Mensch seine Liebe zu anderen auf eine bestimmte Art schwerpunktmäßig ausdrückt. Diese Art wird in dieser Theorie als „Sprache“ bezeichnet und es gibt 5 davon: 
* Geschenke

* Zärtlichkeiten
* Lob und Anerkennung
* Dienen/Helfen
* Ungeteilte Aufmerksamkeit (Zweisamkeit)

Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch eben Liebe durch mind. eine „Hauptsprache“ ausdrückt. Das muss aber nicht zwingend heißen, dass er sich auch nur auf DIESE Art von anderen geliebt fühlt. Person X kann zum Beispiel gerne Geschenke machen und zeigt somit Zuneigung. Wenn ihr aber jemand etwas schenkt, fühlt sie sich nicht unbedingt geliebt. Person X fühlt sich viel eher geliebt, wenn jemand sie lobt und ihr Anerkennung zuspricht. So viel zum kleinen Ausflug. Mehr kannst du selbst nachlesen („Gary Chapman: Die 5 Sprachen der Liebe“)


Jedenfalls: Ich fühle mich vor allem geliebt, wenn jemand, den ich sehr mag, nur mit mir Zeit verbringen möchte. Ich habe in diesem Bezug zwei Dinge gelernt. Heute nehme ich dich in den ersten Punkt mit rein:

  1. Es ist wichtig, dass ich mich selbst so sehr wertschätze, wie ich andere wertschätze!

oder in meinem Fall spezifischer ausgedrückt: Es ist wichtig, dass ich mir selbst genau so ungeteilte Aufmerksamkeit schenke, wie ich sie mir von anderen wünsche.

Um so richtig schön zu provozieren: Es ist wichtig, dass du dich selbst LIEBST!

In der Bibel heißt es ja so schön „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ Meist lieben wir aber die Nächsten mehr als uns selbst. Andere lieben sich selbst zu sehr und vergessen die Anderen. Die Balance ist wichtig.

Ich selbst habe jahrelang keine Zeit alleine verbringen können. Es gab eine Zeit, da bin ich zu Freunden gezogen, wenn mein Mann zu einer Fortbildung musste oder länger unterwegs war. Sobald ich Zuhause war und er noch arbeitete, schaltete ich den Fernsehr, das Radio oder ein Hörspiel an – nur um das Gefühl zu haben, nicht alleine zu sein. Ich kenne einige Leute, die nicht gerne alleine sind. Und wenn sie es sind, sind sie mit ihren Gedanken nicht bei sich, sondern NUR bei anderen: Da wird gechattet, geschrieben oder darüber nachgedacht, was man der anderen Person Gutes tun kann….

Ich habe in den letzten Jahren immer mehr gelernt, Zeit mit mir zu verbringen und diese Zeit und mich selbst auch zu schätzen.

Anstatt darüber nachzudenken, wie ich bei einem Date meinem Mann eine Freude machen kann, habe ich darüber nachgedacht, was MICH freut.

Anstatt für meine Freundin ein Menü zu überlegen, habe ich mir selbst mein Essen nicht einfach auf den Teller geknallt, sondern es schön angerichtet und dekoriert.

Anstatt jemandem einen Brief zu schreiben, habe ich mir selbst einen Brief geschrieben, ihn versiegelt und datiert auf 5 Jahre später…

Die Möglichkeiten sind grenzenlos.
Weißt du, was passiert, wenn ich mehr „Self-Care“ (Selbstsorge) betreibe?Mein Mann ist entspannter und mein Umfeld nimmt mich anders wahr. Warum? Weil ich mein Wohlbefinden und mein Wert-Gefühl nicht davon abhängig mache, ob andere ihre Liebe zu mir auf die Art ausdrücken, wie ich es brauche.

Die Frage ist einfach: „Bist du dir so viel wert, wie andere es dir sind?“
Nicht weniger wert, nicht mehr wert, sondern genau so viel?
Wenn ja- super! Wenn Nein – Nimm dir Zeit für dich, horche in dich rein und mach einen check.
Meine Freundin und ich haben uns vorgenommen uns immer wieder regelmäßig upzudaten: Wie geht es uns? Was fordert uns derzeit heraus? Wo wünschen wir uns Gebet vom anderen? Was klappt derzeit gut?
Warum dich nicht selbst als Freund oder Freundin sehen und dir in regelmäßigen Abständen selbst auch diese Frage stellen?
Lerne dich kennen und lieben – denn du bist liebenswert!

Vielleicht helfen dir manche Fragen dabei:

  • Was macht dir Freude?
  • Was bringt dich zur Ruhe? (Welche Orte, Düfte, Geräusche,…)
  • Was möchtest du mal ausprobieren?
  • Wie machen dir ANDERE eine Freude?

Beim nächsten Post geht es um einen zweiten Schritt, den ich gelernt habe und wer dabei noch eine Rolle spielt! Aber bis dahin: Take (self) care:)

„FREE THE TREE“

Unser Garten war einmal von einer Hecke umgeben. Die Betonung liegt auf WAR.
Auch die drei Obstbäume die auf der Wiese stehen, waren bestimmt einmal wunderschön und brachten viele leckere Früchte im Sommer. Leider ist von der Hecke nicht mehr viel zu sehen. Nur vertrocknete Zweige schauen noch heraus aus einem Meer von Efeu.

Über Jahre hat sich der Efeu ausgebreitet und nicht nur die Hecke erstickt, sondern auch zum Teil die Obstbäume. Leckere Äpfel oder Pflaumen gab es keine mehr, denn sowohl Stamm als auch Zweige waren eingeengt und überwuchert.

Als ich am Sonntag entspannt unter einem der Bäume in meiner Hängematte lag, konnte ich plötzlich nicht anders: Ich sprang auf, ging in de Schuppen, holte Werkzeug, bat meinen Mann eine Leiter zu bringen und nahm mich dem armen Baum an. Kommando „Get free für die Bäume“ wurde ausgerufen und je mehr ich den Baum befreite, desto freier fühlte ich mich selbst. In ca. 30 Minuten war der Baum von den engen Schnüren befreit, der Rasen mit Efeu übersät und ich mit Rinde und diversen Insekten verziert. Diese 30 Minuten waren aber so gefüllt mit Gedanken, dass ich an diesem Sonntag meine zweite Predigt bekam:) Das befreien des Baumes und wie ich da dran gegangen bin, konnte ich voll auf mein Leben übertragen.

Am Anfang wuchsen die kleinen Efeu-Ranken unscheinbar und man nahm sie nicht als „gefährlich“ wahr. Im Gegenteil: Eine Freundin sagte direkt beim Anblick des Gartens: „Wie cool. Wenn du mal ne Tischdeko benötigst, kannst du einfach den Efeu aus dem Garten nutzen.“ Ja, Efeu an sich ist nicht gefährlich und sogar irgendwie romantisch und schön. Das Problem hier war, dass es sich um OBSTbäume handelte. Der Efeu krabbelte immer weiter den Stamm hoch, wurde immer stärker und machte sich irgendwann so breit, dass die Rranken in den Stamm hineinwuchsen. Irgendwann ist war es so eng und so überfüllt, dass der Baum selbst sich nicht mehr voll entfalten konnte. Die Kraft schwindete, die Äste konnten nicht mehr richtig ausschlagen. Es kamen keine Früchte mehr und der Baum begann schon an manchen Zweigen abzusterben. 

Bei uns wachsen manchmal so kleine Gedanken langsam und unscheinbar unseren Gedankenstamm hoch. Erst unscheinbar, dann vielleicht sogar wahrgenommen aber nicht wirklich als Bedrohung gesehen. Aber was, wenn diese negativen Gedanken sich einfach weiter ausbreiten? 
Ich kenne das aus eigener Erfahrung sehr gut: Negativ Gedanken, Zweifel und schlecht vermittelte Kritik fressen sich in unseren Stamm, nagen sich fest, wachsen, werden stärker, schnüren uns irgendwann immer mehr ein und das selbstbewusste, starke „ICH“ kann nicht wachsen. Die Entfaltung ist gestoppt und langsam aber stetig, sterben Teile ab und es kommen keine guten Früchte mehr…Tatsächlich fühlte sich mein Kopf und meine Gedanken schon öfter so überwältigt von schlechten Gedanken über mich selbst, dass das Bild einer Baumkrone voller Efeu hier sehr gut passt.

Aber man kann es angehen. So wie ich den Efeu beseitigt habe.
Was ich gelernt habe:

1. Man braucht das richtige Werkzeug

Ich begann zuerst mit mit einer kleinen Gartenschere, die dicken Efeu-Haupt-stränge durchtrennen zu wollen. Ein enormer Kraftakt. Ich kam nicht durch und tat dem Stamm des Baumes dabei oft nicht gut. Mein Mann brachte mir drauf eine andere Gartenschere, die eher einer langen Zange glich. Die Hebelwirkung war anders und so konnte ich auch die dicksten Stränge ganz einfach durchtrennen und vom Baumstamm lösen.

2. Kleine Schritte
Wenn der Strang zu stark ist, zerstückel ihn in kleine Teile. Man muss nicht gleich ALLES schaffen. Aber es ist schon mal gut, manche Gedanken erstmal zu teilen. Stück für Stück die Ranke zu verkleinern und somit erstmal von der Kraftquelle abzutrennen. Manchmal kann man nicht direkt nachverfolgen, WO der Ursprung dieser Lügen oder Gedanken ist. Dann fange bei dem an, was dir auffällt, kappe es vom Rest ab. Und DANN verfolge weiter, wenn du merkst, dass da wieder etwas wächst.

3. Kappe den Weg zur Quelle
Ich habe gelesen, dass man manchmal die Wurzel gar nicht erst entfernen kann. Aber man kann das Wachstum verhindern, in dem man sofort die neuen Sprosse entfernt, sobald sie auftauchen. So wird der Wachstum immer mehr verhindert und irgendwann wächst die Pflanze einfach nicht weiter.  Wenn du merkst, die Wurzel kann gerade nicht geortet werden – checke einfach, wenn wieder ein Gedanke weiter wachsen will und „schneide“ ihn direkt ab.

4. Entsorge richtig

So wie ich die Schubkarren beladen habe und alle Ranken entsorgte, muss und darf ich auch meine abgekappten Gedanken und Lügen, von denen ich mich trennen will, zur „Grünabfall-Stelle“ bringen. Das ist bei mir Jesus. Ich bringe es hin, schmeiss es vor seine Füße und sage: „Bitteschön. Einmal verbrennen!“ Klar kann ich es auch theoretisch alles neben dem Baum einfach liegen lassen. Aber dann müsste ich ständig drauf schauen und die schöne Ansicht des Baumes erinnert mich jedes Mal neu an alles, wovon ich ihn gerade erst befreit habe.

5. Hole Hilfe

Ich bin bei dem Baum nur bis zu einer bestimmten Höhe gekommen. Weiter traute ich mich nicht. Mein Mann hat den letzten Part übernommen, denn wir wollten es komplett durchziehen. Gemeinsam haben wir es geschafft.

 

6. Manchmal ist es weniger als man denkt

Vor allem am Ende wurde mir eines bewusst: Es sah nach SEHR Viel aus. Die Krone schien noch sehr voll. Tatsächlich waren es aber nur ZWEI Ranken, die sich da am Ende noch austobten. Es waren keine 30, obwohl es 

danach aussah. Man musste nur an zwei Hauptsträngen ziehen und langsam löste sich das komplette Geflecht.

Diese Aktion hat mich ermutigt, immer wieder meine Gedanken, wie diesen Baum, anzuschauen.

Ich will mir regelmäßig meine Zeit in der Gedanken-Hängematte gönnen, wo ich meinen „Baum“ anschaue und prüfe, wo sich wieder etwas breit machen will, was nicht haben möchte. Und ich bin sicher: Manche Stränge werde ich Anfangs vielleicht einfach wachsen lassen. Aber ich habe sie im Auge und checke regelmäßig, wie viel Platz sie einnehmen und wie stark sie

 werden, damit ich schnell reagieren kann, wenn der Baum in Gefahr ist.

 

Entrümpelungs-Kommando

Entrümpelungs-Kommando

(Blogbeitrag auf estherstoechter.wordpress.com)

Hast du schon mal dein Zimmer oder deine Wohnung ausgeräumt?
Ich habe das gerade hinter mir. Wir sind umgezogen. In eine schöne Wohnung, die ziemlich alles hat, was ich mir immer gewünscht hatte.

Ein Punkt, der mir am Anfang aber als Nachteil schien war, dass wir keinen Keller haben, in dem wir unsere vielen „Man könnte es ja nochmal brauchen“-Schätze aufheben konnten. Tatsächlich fanden wir beim Ausmisten unseres Kellers Dinge, die wir seit Jahren nicht angeschaut und somit auch nicht vermisst hatten: Studienunterlagen, alte Geburtstagskarten, sogar Flyer von anderen Kirchen, die mein Mann sich vor 15 JAhren als Inspiration mitgenommen hatte…
So ein Mist. Da konnten wir in den letzten 10 Jahren alles so schön bunkern und in den letzten 4 Jahren einfach in den Keller packen und vergessen und nun mussten wir ALLES in kurzer Zeit ausmisten und uns von so wichtigen Dingen wie den Flyern trennen…

Jetzt, wo ich in der neuen Wohnung sitze, bin ich dankbar und zufrieden, dass wir aufgrund des geringeren Stauraums endlich eine neue Ordnung haben. Es fühlt sich sauber an und ich behaupte, dass es vor allem in meiner Seele irgendwie aufgeräumter ist.

Hast du schon mal deine Seele und dein Herz ausgeräumt?
Ich habe für mich bei diesem Umzug gemerkt, wie viele Dinge in mir unaufgeräumt waren und wie viele Erinnerungen, Verletzungen, Sorgen und „Versicherungen“ ich in mir selbst gebunkert hatte. Alles wurde irgendwann in Kisten verpackt und nahm Platz in mir ein: Alte Freundschaften, der Streit mit der damals besten Freundin der das Ende der Freundschaft bedeutete, Tagebucheinträge in denen ich mir selbst erzähle, wie traurig und frustriert ich bin. Da liegen Sätze, Worte, Verleumdungen die über mich ausgesprochen wurden, Träume und Hoffnungen, die nie in Erfüllung gingen.
Wie oft müllen wir unseren inneren Keller damit zu, bis schließlich kein Platz mehr ist und man nicht mehr erkennen kann, in welcher Kiste die schönen Dinge , die guten Aussagen, die Ermutigungen liegen.
Als ich unseren Keller im Haus ausmistete, fand ich eine kleine Box mit Glückwunschkarten zur Geburt unserer Tochter. Ich hatte alle aufbewahrt und sie lagen seit vier Jahren in dieser Box. Was macht man nun damit? Ich habe sie nie wieder angeschaut und die wichtigsten Segenswünsche hatte ich in ein Fotoalbum geklebt. Ich hätte alle wegschmeißen können. Aber ich sah nochmal alle an, las jedes Wort und plötzlich lag in einer der Glückwunschkarten noch ein 50 Euro Schein, den wir damals ausversehen im Umschlag vergessen hatten.

Mich hat das so ermutigt, beim Aufräumen meines Herzens wirklich Zeit zu nehmen und genau hinzusehen. Vielleicht erinnerst du dich beim Ausmisten deiner Seele an Personen, die auf dem ersten Blick nicht wichtig zu sein scheinen. Wie diese Box mit Glückwünschen. Aber vielleicht lohnt es sich, genau hinzusehen. Vielleicht hat diese eine Person dir diese eine wichtige Sache gesagt, die du jetzt in diesem Moment zu dieser Zeit brauchst. Vielleicht sind in den Kisten deiner Seele unter all dem Müll Dinge vergraben, die immer noch wertvoll und kostbar sind.

Ich möchte dich ermutigen: Nimm dir Zeit, genau hinzusehen.
Öffne die Kisten deiner Seele. 
Was steht auf der Kiste, die vor dir liegt? (Beziehungen? Personen? Träume? Erlebnisse?…)
Hab Mut sie zu öffnen.
Schaue hin und prüfe, was du abgeben magst, was du behalten möchtest.
Nimm jeden „Gegenstand“ bewusst in die Hand und schaue, was er mit dir macht.
Mach das nicht alleine! Lade Gott ein, das mit dir gemeinsam zu tun – denn er kennt dich am besten und er ist der beste Entrümpler und kann deinen Müll kostenlos entsorgen:)

Neue Perspektiven

Neue Perspektiven

Während ich diesen Impuls schreibe, sitze ich in Frankreich auf dem Gelände von Freunden. Wir haben uns für 10 Tage hier her in die Berge zurück gezogen und versuchen eine Balance zwischen „Entspannung“ und „Planung“ hinzubekommen, denn in 14 Tagen ziehen wir in eine neue Wohnung. In die Wohnung, für die wir gerade mal drei Tage vor unserem Urlaub den Zuschlag bekommen haben.

Die letzten Tage gestalteten sich also so, dass wir zwischen kleinen Wanderungen, Pool und Beschäftigung unserer Tochter auch immer wieder Dinge organisierten, Transporter mieteten, Raumgetaltungen auf Millimeter Papier vornahmen, einen neuen Kindergartenplatz organisierten und diverse Dinge auf Ebay Kleinanzeigen reinstellten oder kauften.

Mehrere Nächte lag ich wach, weil mir neue Ideen kamen oder weil ich mir Sorgen machte: „Wie sollen wir alles in so kurzer Zeit schaffen?“, „Was, wenn sich meine Tochter im neuen Kindergarten nicht wohl fühlt?“, „Werden wir uns dort wirklich wohl fühlen?“…

Gerade nachts vergaß ich schnell, dass diese Wohnung für uns eine große Gebetserhörung war. Wir hatten zwei Listen, auf denen wir stehen hatten, was wir uns für die neue Wohnung wünschten. Auf der einen Liste standen die realistischen Mindestanforderungen – das, was wir tatsächlich brauchten und womit wir klar kämen. Die andere Liste nannten wir die „Gott-Liste“, denn dort standen Dinge drauf, die wir uns einfach wünschten, die aber eher unrealistisch waren oder einfach „Zusatz-Wünsche“.

Als wir uns für diese Wohnung bewarben, gab es noch viele andere Bewerber und doch bekamen wir den Zuschlag. Diese Wohnung hatte ziemlich alles, was auf BEIDEN Listen stand. Wir hatten gebetet und vertraut, dass Gott uns das gibt, was wir benötigen und was richtig für uns ist. Und trotzdem lag ich nächtelang wach und machte mir Gedanken. Die Sorgen schwebten immer wieder über meinem Kopf wie dicke Gewitterwolken und alles in mir schrie danach, sich schnell ins innere Häuschen zurückzuziehen, Ohren und Augen zu schließen und abzuwarten, ob sich der Sturm legte oder ob alles zusammenfiel.

Vor wenigen Tagen wurde genau diese Situation Realität: Wir waren im Pool unserer Freunde und ich sah dicke Gewitterwolken, die über dem Hügel auf uns zukamen. Die Vorhersage schien zuzutreffen und so packte ich schnell alles, was draussen rum lag ins Haus und machte mich bereit für den großen Sturm. Nach einer Stunde war immer noch nichts passiert. Die Wolken waren vorüber gezogen. Weil der Himmel wieder etwas klarer wurde, entschieden wir uns, eine kleine Abendwanderung auf den Hausberg zu machen, der direkt gegenüber lag. Als wir oben ankamen konnte ich das Gelände mit unserer Hütte von oben sehen. Ich sah auch den Hügel, über welchem ich die dunklen Wolken gesehen hatte. Der Hügel war von oben so viel kleiner und ich sah, wie weit der Himmel hinter diesem Hügel war. Ich erkannte plötzlich, dass die Wolken, die vom Gelände aus so riesig aussahen, von oben nur klein waren und schnell vorbeizogen.

 

Als ich so da oben stand wurde mir klar, dass dieses Bild gerade eine neue Sichtweise gibt:

Es ist alles eine Frage der Perspektive: Bleibe ich unten in dem kleinen Tal, in dem ich mich befinde, sehe ich die vielen Sorgen-Hügel um mich herum und die Ängste über Probleme scheinen riesig und drohend über diese Hügel zu kommen.

Aber es ist an mir, ob ich da unten bleibe und mich vergrabe und in mein Häuschen zurück ziehe oder ob ich raus gehe, den Berg, der vor mir steht, angehe, hinaufsteige und eine neue Perspektive einnehme. Ich könnte erkennen, dass diese Probleme gar nicht so groß sind, wie sie erscheinen. Dass die Sorgen mich einkesseln wollen, aber dass ICH entscheiden kann ob ich mich innerlich und geistlich vorbereite, meine Wanderschuhe anziehe, Proviant und Regenschutz einpacke und mit festen Schritten diesen Berg bezwinge um dann zu merken, dass es schaffbar, machbar und bezwingbar ist. Und dass ich manchmal die Dinge neu betrachten kann.

Also: Rauf auf den Berg! Ich höre ihn schon rufen:)

 

Dein Platz

Dein Platz

(Blogbeitrag bei Esthers Töchter)

Es gibt Fragen, die in meinem Leben irgendwie immer wieder auftauchen.

Eine Frage, die ich mir schon vor vielen Jahren einmal stellte ist: „Wo ist mein Platz?“

Diese Frage war meist darauf bezogen, wo ich mich irgendwie positiv einbringen konnte.

Vielleicht kennst du diese Frage auch in genau dieser Art. Vielleicht drückt sie sich aber auch bei dir anders aus. Denn wenn ich mir genauer Gedanken über diese Frage mache, steckt noch etwas Tieferes darin und der tiefe Kern kann sich in verschiedenen Fragen verstecken:

„Was soll ich machen?“
„Was sind meine Talente die ich einbringen kann?“
„Wo werde ich gebraucht?“
„Wo mache ich einen Unterschied?“

Für mich steckte darin aber auch die Frage nach der Individualität und Identität. „Wo ist mein Platz“ könnte auch so ausgedrückt werden: „Wo in diesem Puzzle ist MEINE Lücke, wo ich als fehlendes Puzzlestück hineinpasse?“

Immer wieder stellte ich mir diese Frage, wo ICH, Desi, einen ganz individuellen Beitrag leisten kann um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Aber es steckt, wie gesagt so viel mehr dahinter:
Der Wunsch nach Bedeutsamkeit.
Der Wunsch nach Wertschätzung.
Der Wunsch danach, relevant und erkannt zu werden.
Der Wunsch, einen Sinn zu machen in dieser Welt und zu spüren, warum ich bin.

Ich befinde mich derzeit in meinem Sabbatjahr und verbringe ganz bewusst viel Zeit mit Lesen, Beten, Nachdenken, Schreiben und damit, in der Stille ins Gespräch mit Gott zu gehen und ihm die verschiedensten Fragen zu stellen und – und das ist das, was so oft nicht passiert ist vorher – auf die Antworten zu warten und gegebenenfalls sogar mit ihm zu diskutieren.

Und vor einigen Wochen stellte ich ihm wieder genau diese Frage: „Gott, wo ist nächstes Jahr mein Platz?“ – denn ich würde so langsam gerne wissen, wie es nächstes Jahr bei mir und mit mir weiter geht. Ob ich wieder in den alten „Job“ zurück kehre oder etwas ganz anderes mache. Wie ich mich in der Kirche neu oder wieder einbringen kann…

Ich stellte also diese Frage und ich spürte in mir plötzlich diese Antwort.

Einen Satz, der mir, obwohl er mir bekannt vor kam, ganz neu bewusst wurde und mir Gänsehaut verpasste.

Es war die Antwort, die Gott mir mitten ins Herz gab: „Dein Platz ist…auf meinem Schoß!“

Und ich hatte dieses Bild vor Augen von mir – gar nicht mal als Kind, sondern als 36 Jährige Frau, die auf dem Schoß Gottes sitzt – wie ein verliebter Teenager auf dem Schoß des Freundes.

Und mir wurde neu bewusst: Mein erster Platz, der Platz an dem ich relevant bin, an dem ich mich einbringe, an dem ich genau rein passe und für den ich bestimmt bin ist in erster Linie der Platz, der Gott am nächsten ist: Sein Schoß – meinen Kopf an seine Brust angelehnt und seinen Herzschlag hörend.

Genau das ist es: HIER an diesem Platz möchte ich meine Sorgen und Ängste zu allererst vorbringen.

An diesem Platz möchte ich mich ausweinen (nicht bei 20 Leuten, die damit nicht umgehen können).

An diesem Platz bekomme ich gute Ratschläge, Lob, echte Liebe, echte Wertschätzung und gleichzeitig liebevolle Ermahnung, Weisung und gleichzeitig Verständnis aus erster Hand.

An diesem Platz mache ich einen Unterschied, weil ich hier alles abgebe, was belastet und den Herzschlag dessen spüre, der mich geschaffen hat.

HIER ist mein Platz und DANN lege ich los. Ich setze das, was ich gehört habe um. Ich gehe, befreit von meinen Sorgen, wieder in den Alltag.

Ich bringe mich DANN dort ein, wo ich den Herzschlag Gottes weiterhin spüre und höre, denn DORT weiß ich, was zu tun ist.

„Dein Platz ist auf meinem Schoß!“

So bekannt dieser Satz auf der einen Seite ist, so neu und wahr ist er für mich geworden.

Ich möchte dich ermutigen, mit genau dieser Frage zu Gott zu gehen. Stelle ihm die Frage: WO IST MEIN PLATZ?

Und dann gehe in die Stille, setze dich in Gedanken auf den Schoß Gottes, wenn DIES auch dein Platz ist. Vielleicht ist dein Platz auch zu seinen Füßen, neben ihm, an seiner Hand, stehend an seiner rechten Seite….wo auch immer. Aber nimm dir Zeit, deinen Platz in seinem Thronsaal zu suchen, nimm ihn immer wieder ein und suche Gemeinschaft mit ihm. Denn DAS ist die Bestimmung, die wir in erster Linie haben – Gemeinschaft mit ihm.

Und dann ….klappt es auch mit der Welt😊

WER IST ER? oder: „Die Frage, die niemand beantworten kann, außer DIR selbst“

WER IST ER? oder: „Die Frage, die niemand beantworten kann, außer DIR selbst“

Wer ist Gott für dich?

Diese Frage ist mir damals mal im Religionsunterricht gestellt worden. Im ersten Moment dachte ich, ich hätte sofort eine Antwort. Doch als ich damit begann, verschiedene Assoziationen aufzuzählen merkte ich, dass hinter dieser Person unendlich viele Charaktereigenschaften stecken, die ich damals schon oft gehört hatte und glaubte, auch erlebt zu haben.

Wer ist Gott für mich? 

Diese Frage stelle ich mir derzeit immer wieder und ich vermute, es hat damit zu tun, dass ich das Gefühl habe, Gott selbst stellt mir diese Frage: „Wer bin ICH für DICH?“

Und je mehr ich darüber nachdenke und versuche, eine Antwort zu finden, desto mehr spüre und merke ich, wie sehr ich genau das gemacht habe, was ich eigentlich gar nicht mag. Dass ich das gemacht habe, von dem ich mich derzeit befreien will: Ich habe Gott eine Rolle zugeordnet. Ich habe ihm sogar verschiedene Rollen zugeordnet, die mit Erwartungen verknüpft waren. Das Problem: Oft sind diese Rollenbilder und die damit verbundenen Erwartungen vor allem übernommen worden. „Man sagt, Gott ist…“

Und so traurig es klingt, aber ich behaupte, die Frage „Wer ist Gott für dich?“ kann in den seltensten Fällen aufgrund einer persönlichen Beziehung beantwortet werden.

Ich selbst habe gemerkt, wie meine Antworten auf diese Frage immer wieder (wenn auch nicht immer) eher meiner Logik, meines Wissens herstammten, als dass sie auf meinen eigenen Erfahrungen und mein eigenes Erleben dieses Gottes beruhen.

Wer ist dieser Gott?

Wenn ich sage „Ein liebender Vater“ – dann mag das für manche Menschen stimmen, weil sie es selbst so empfinden, aber hat jeder, der diese Antwort gibt oder es in einer Predigt sagt, auch selbst diese Erfahrung gemacht? Es gehört eine starke und innige Beziehung dazu, um so eine Aussage treffen zu können, oder?!

Was würde ein Kind antworten, das seinen Vater nicht kennt, ihn nur selten sieht und das versucht, das Leben irgendwie selbstständig zu meistern? Wenn alle Menschen drum herum sagen „Dein Vater ist ein liebender Vater“ – würde es diese Aussage aus voller Überzeugung sagen können, wenn es größer ist?

Und wenn das Kind in inniger Beziehung zum Vater lebt, es erlebt hat, wie dieser Vater sich immer wieder Zeit für das Kind nimmt, sich voll und ganz für alles interessiert, wenn er es ermutigt, fördert, unterstützt, liebevoll ermahnt und gleichzeitig Freiheiten lässt zum eigenen Erleben – würde es dann nicht mit voller Überzeugung selbst sagen: „Mein Vater ist der beste Vater ever. Er liebt mich so sehr und das weiß ich“ – auch wenn alle Leute im Dorf das nicht bejahen könnten, weil sie diesen Mann weder kennen lernen möchten, noch sich für ihn interessieren?

In einer Predigt von Bill Johnson hörte ich vor Kurzem diesen Satz:

„Without him, we can’t. Without us, he won’t“.
(Ohne ihn können wir nichts. Ohne uns, möchte er nichts!)

Dieser Satz macht deutlich, dass es sich bei Gott um eine Person handelt, die sich eine Beziehung wünscht und dass wir, so wie es die Bibel sagt, nach seinem Ebenbild geschaffen sind. Unser Innerstes zieht es zu diesem Gott, der ein Stück von sich selbst in uns hineingelegt hat, der seinen Geist durch seinen Atem in uns hineinhauchte. Und Gott zieht es auf die selbe Weise zu uns. Es braucht eine Beziehung, viel mehr als ein theologisches Studium, ein Bibelkommentar oder eine Religiöse Person, die uns beschreiben will, wer Gott ist. Denn erst in einer Beziehung kann ich für mich die Frage nach der Persönlichkeit, nach dem Charakter, nach der Identität einer anderen Person selbst beantworten.

Wenn jemand jemanden fragt, wer Desirée Rosemann ist, fallen die Aussagen sicher unterschiedlich aus. Für die einen bin ich die „Pastorin“, für andere eine „Nachbarin“ oder „Die Mama von…“. Ganz schlimm fand ich es, als ich eine Zeit lang immer als „Die Frau von Nathanael“ vorgestellt wurde oder, wenn ich mich selbst vorstellte, erst ein Fragezeichen kam und dann die Reaktion „Ah, die Frau von Nathanael“. Gleichzeitig war es klar: Man kannte mich noch nicht. Und alles, was man mit mir in Verbindung brachte, war eben, dass ich den selben Ehering am Finger trug, wie mein Ehemann. Ich glaube, Gott wünscht sich so viel mehr als einfach nur eine Rolle zugewiesen zu bekommen. Und er wünscht sich auch, so wie ich damals, dass man ihn kennen lernt und aufgrund der eigenen Erfahrung und der eigenen Beziehung zu ihm, diese Frage beantwortet.

Wer ist Gott für dich?

Diese Frage wird sich immer wieder stellen und ich glaube, sie wird zeitlebens immer wieder neu beantwortet.

Für mich ist Gott jetzt in diesem Moment eine geduldige, liebevolle Person, die gleichzeitig schon gespannt darauf ist, wie ich reagiere, wenn ich wieder einmal neue Facetten von ihm kennen lerne. Geduldig, weil er nicht drängt, sondern wartet, bis ich mal wieder merke, dass ich ohne ihn nicht kann, aber dass ich auch ohne ihn nicht will.

Wer ist Gott für dich?

Finde es heraus, in dem du IHN suchst.

 

 

Ein Tag im Kunst-Workshop mit Adrienne Egger

Ein Tag im Kunst-Workshop mit Adrienne Egger

„Wie siehst du dich selbst?“ – Diese Frage sprang mir mitten ins Gesicht, als ich einen Flyer für einen Kunst Workshop in die Finger bekam.

Die Künstlerin Adrienne Egger aus Salzburg lud zu einem Kreativ-Tag ein, bei dem es darum ging, ein Selbstportrait zu malen und dabei zu entdecken, was in einem steckt.

Mein erster Impuls „Wow – da will ich mit machen“ wurde ganz schnell von meinen Selbstzweifeln überrollt. Ich kenne mich inzwischen selbst gut genug um zu wissen, dass ich es mir selbst nicht leicht machen würde. Ich neige dazu, mir generell zu hohe Ziele zu setzen und diese dann auch perfekt erreichen zu wollen. Und jetzt ging es auch noch um ein Selbstportrait. In meinen Gedanken waren das Scheitern und die Frustration schon vorprogrammiert: Ich mache nicht ohne Grund selten Selfies von mir… Also wartete ich und wartete und entschied schließlich, mich NICHT anzumelden. Die Angst vor Frust über mein Nicht-Können war zu groß. Weiterlesen „Ein Tag im Kunst-Workshop mit Adrienne Egger“

Das Dort im Damals und das Hier im Jetzt

Das Dort im Damals und das Hier im Jetzt

Geschrieben im März 2014. 

Wir waren gerade erste wenige Wochen in Kapstadt, wo wir für mehrere Monate in einer Kirche ehrenamtlich arbeiteten und vor allem in Townships tätig waren.
Auch heute, nachdem wir seit 4 1/2 Jahren an einem neuen Ort leben, kenne ich diese Gedanken immer wieder. Damals, zum Zeitpunkt des Verfassens, mit Blick auf Freiburg. Heute mit Blick auf Kapstadt.

Nicht allein – und doch einsam.

Nicht traurig – aber auch nicht fröhlich.

Viele neue Eindrücke, viele neue Menschen.

Und doch hänge ich am Alten fest.

Genug Gründe um glücklich zu sein.

Mehr Gründe um traurig zu sein?

Auf jeden Fall genug Gründe um dankbar zu sein!

Jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde.

Dankbar für die Menschen von Damals.

Dankbar für die Menschen von Heute.

Dankbar für das was war, dankbar für das was ist.

Das Hier ist da, das Jetzt wartet

Zu oft wird es nicht wahrgenommen weil das „Damals“ und das „Dort“ brüllt.

Wie ein Löwe brüllt es in meinem Kopf um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Ich war glücklich.

Das „Dort“ zerrt an dir. Wie ein Kind, das nicht zurückgelassen werden möchte.

Oder zerre ich am „Dort“ um mich wie ein Kind zu fühlen?

Zerre ich am „Dort“ um nicht zurück gelassen zu werden?

„Komm und erlebe mich“ ruft das „Jetzt“ entgegen. Es wartet.

Geduldig. Friedlich und trotzdem in Eile.

Gleich ist er vorbei. Der Moment. Das Hier. Das Jetzt.

Die 10 Gebote vs. die 10 Geschenke

Die 10 Gebote vs. die 10 Geschenke

Ein paar Gedanken, die mir beim Lesen der 10 Gebote in den Sinn kamen:
Die Gebote Gottes an sein Volk waren nicht einfach Regeln, die umzusetzen waren.
Sie waren ein Zeichen!
Sie waren ein Abkommen.
Sie waren ein Vertrag.
Dabei ging es aber nicht darum, ihn zu erfüllen.
Jesus sagte, das wichtigste Gebot sei „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ und das zweiwichtigste „Liebe deinen nächsten, wie dich selbst.“ (Matthäus 22,34-40)

Weiterlesen „Die 10 Gebote vs. die 10 Geschenke“

Zerrissen

Zerrissen

Wie kann man in dieser Welt leben und dabei das Leid ignorieren?
Wie kann man das Leid in dieser Welt sehen, ohne daran zu zerbrechen?
Wie kann man sich danach sehnen, das Herz Gottes zu spüren
und dabei das Herz gleichzeitig schützen, damit es nicht zerschmettert wird?
Wie kann man die Last, die man bei all dem Leid im Inneren verspürt durch Gebet bei Gott abgeben
ohne zu denken, dass man es sich damit wieder zu leicht macht?
Wie kann man diese Welt lieben, wenn man mit all der schönen Natur, den liebevollen Menschen und den Wundern
auch die Zerbrochenheit, die hasserfüllten Menschen und die Zerstörung dieser Wunder betrachtet?
Wie kann ich mein Leben genießen und wertschätzen und gleichzeitig wissen, dass es Menschen gibt, die missbraucht, gefoltert, vernachlässigt, misshandelt und getötet werden?
Wie kann ich mitleiden ohne Dankbarkeit zu verlieren?
Wie kann ich dieses Leben lieben, das mir geschenkt wurde ohne schlechtes Gewissen?
Und wie kann ich gleichzeitig das schwere und kaputte Leben anderer sehen, ohne mich zu vergessen?
Wie sind die Nachrichten zu ertragen?
Wie kann ich hinsehen und doch nicht danach die Augen wieder für lange Zeit verschließen, weil es so weh tut?
Ist es möglich?
Gibt es Grenzen?
Grenzen für unser Ertragen, für unsere Trauer, für unser Mitleid?
Ich weiß es nicht.
Ich spüre es gerade nicht.
Alles was ich weiß, ist dass ich spüren will.
Ich will spüren, wie es sein wird,
ich will hoffen und glauben, dass es einen Tag geben wird, an dem all das vorbei ist.
Dass es eine Welt geben wird, in der Kinder Kinder sein dürfen – unbeschwert, angstfrei und unangetastet.
Dass es ein Leben geben wird, das nicht endet und das man nicht enden möchte – weil es wundervoll ist.
Ohne Tränen. Ohne Leid. Ohne Schmerz. Ohne Angst.
Ich entscheide mich zu hoffen. 
Ich entscheide mich zu glauben.
Ich entscheide mich hinzusehen um dann die Augen zu schließen.
Im Gebet. 
Um alles, was nicht mehr zu (er)tragen ist, abzugeben an den, der zwar noch mehr leidet, noch mehr trauert und noch mehr Schmerz empfindet als ich es tue,
der aber die vollkommene Liebe ist.
Und die vollkommene Liebe vertreibt jede Furcht.
Die vollkommene Liebe erträgt alles.
Die vollkommene Liebe ist sanftmütig.
Die vollkommene Liebe eifert nicht.
Die vollkommene Liebe ist ewig und hält aus – denn die vollkommene Liebe hat den Ewigkeitsblick.