Leben.
Ein Weg.
Viele Schritte.
Mit welchem Fokus?
Wohin schaue ich?
Auf das, was andere tun?
Wie weit SIE gekommen sind?
Auf das, was SIE erreicht haben?
Bin ich motiviert durch IHRE Ziele?
Wohin schaue ich?
Nach unten?
Gehe ich Schritt für Schritt ohne zu wissen, wohin es mich führt?
Betrachte ich die Art meines Gangs?
Schaue ich auf die wunden Füße?
Auf die Schmerzen und die Blasen, die sich auf dem Lebensweg entwickelt haben?
Wohin schaue ich?
Nach oben?
Nichts ahnend, was kommt?
Bin ich ein „Hans-guck-in-die-Luft“?
Stolpere. Falle. Weine, weil ich gehofft hatte, getragen zu werden?
Wohin schaue ich?
Wo ist mein Fokus?
Auf diesem Weg.
Mit meinen Schritten.
In diesem Leben.
Ich schaue nach vorne.
Ich habe Jesus im Fokus.
Um dann am Ende, das Ziel zu erreichen.
Um weiter gehen zu können.
Auf dem Lebensweg – der nicht mehr endet.
Schlagwort: Tod
Der unbeliebte Besuch – eine Kurzgeschichte
Der unbeliebte Besuch (Desirée Rosemann)
Stumm saß die Mutter mit ihren beiden Kindern beim Abendessen.
Niemand vermochte etwas zu sagen.
Die Küchenuhr tickte stetig, wie sie es immer tat.
Obwohl es sich anfühlte, als wäre die Zeit stehen geblieben, war sie ein Zeugnis
dafür, dass sich die Welt noch immer drehte. Dass das Leben weiter ging. Zumindest
für die drei Personen, die dort am Tisch saßen.
Die warme Kürbissuppe dampfte in der großen Suppenschüssel.
Ein Klopfen an der Tür durchschnitt die Stille.
Es klopfte einmal.
Zweimal.
Noch ein drittes Mal. Doch niemand wollte öffnen.
„Bitte, lasst mich herein“, tönte eine dumpfe Stimme von draußen. „Ich wurde
gerufen euch beizustehen.“
Niemand traute sich aufzustehen.
Niemand wollte den Gast hereinlassen.
Fragend blickte die junge Tochter ihre Mutter an. „Wollen wir nicht nachschauen, wer
da ist?“ fragte ihr Blick.
„Ich möchte nicht öffnen! Heute nicht!“ sagte die Mutter schließlich.
Als ob nichts geschehen wäre, begann sie, die Teller mit der dampfenden Suppe zu
befüllen.
Sogar den Vierten. Den, der vor einem leeren Stuhl stand. „Esst! Es hilft ja nix!“
sprach sie, schnitt vier Scheiben Brot ab, verteilte sie neben die Teller und begann zu
essen.
Mit langsamen Schritten entfernte sich der Besuch von der Haustür. Die Regel
besagte, dass die Menschen zu einem frühen Zeitpunkt nicht bedrängt werden
dürften. Bliebe die Tür verschlossen, müsste sie weiterziehen und es ein anderes
Mal behutsam versuchen.
Doch hier war sie schon oft gewesen. Heimlich wurde sie bereits vor einigen Wochen
von der Tochter und dem Sohn eingelassen. Die Mutter aber ignorierte das Klopfen
jedes Mal.
Sie kannte den Ton, den das Klopfen an diese Tür verursachte, nur zu gut. Heute
war ihr letzter Versuch.
„Nicht mehr lange“, dachte sie sich, „und du wirst nach mir schreien!“
Sie ließ ihre Schultern hängen. Sie wusste, was es bedeutete, wenn der Ruf nach ihr
sich in ein verzweifeltes Schreien verwandelte.
Wenn die Tür nicht bereits offenstand.
Wenn der Ruf zu einem Schrei wurde, durfte sie nicht zögern. Sie musste sofort
kommen. Es war genau dieser Gang. Dieser plötzliche, schnelle Gang, der am
schmerzhaftesten war. Es bedeutete, dass ihr Gepäck dann mit einem Mal größer
und schwerer wurde. Sie wusste, dass sie dann länger verweilen musste, bis sie
entweder aus dem Haus gejagt wurde oder liebevoll verabschiedet und zu einem
weiteren Besuch eingeladen wurde.
Es war nur ein kleines Stück zur nächsten Stadt, in die sie zu einem weiteren Haus
geschickt wurde. Langsam machte sie sich auf den Weg.
Es wurde dunkel. Die meisten Fenster waren bereits in warmes Licht
gehüllt. Aus manchen Häusern vernahm sie Kindergeschrei, hier und dort bellte ein
Hund. Ein Spaziergänger kam ihr entgegen. Als er sie bemerkte, wechselte er die Straßenseite.
„Keine Angst“, flüsterte sie leiste, „du stehst derzeit nicht auf meiner Liste.“
Als sie schließlich das Haus, das sie nun betreten sollte, schon von weitem erkannte
zögerte sie. Sie sah, wie zwei Männer das Haus verließen. Mit hängenden Schultern
hatten sie ihre Hüte wieder aufgesetzt und stiegen gerade in ihr Auto. Als sie davon
gefahren waren, ging sie näher zum Haus. Schlich langsam zur Tür und klopfte
behutsam.
Niemand öffnete.
Auch nicht, nach dem dritten Klopfen.
Kopfschüttelnd ging sie weiter. Sie würde in wenigen Stunden wieder kommen und
es noch einmal versuchen.
Sie war müde, so unendlich müde. Die schweren Lasten, die auf ihrem Rücken
lagen, durften nur kurz abgelegt werden und doch wusste sie, sie musste nun eine
kurze Pause einlegen, bevor es weiter ging.
Viel zu lange war sie schon unterwegs, viel zu viel hatte sie zu tragen.
Es war ihre Berufung.
Es war ihre Berufung zu tragen, auszuhalten und weiterzuziehen.
Weiterzuziehen, wohin sie gerufen wurde. Anzuklopfen.
Zu warten.
Zu bitten.
Geduldig zu sein.
Und wieder weiterzuziehen.
Dann, wenn sie nicht eingelassen wurde, aber auch dann, wenn ihre Zeit abgelaufen
war und das nächste Zuhause auf sie wartete.
Sie setzte sich auf eine kleine Holzbank am Waldrand und atmete tief ein.
Etwas ließ sie spüren, dass sie genau hier zu dieser Zeit ihre Pause einhalten sollte.
Gerade versuchte sie genauer hinzuhören um herauszufinden, ob sie einen Ruf aus
der Ferne überhört hatte, als ein älterer Mann des Weges entlang kam.
Kurz musterte er sie und deutete an, weiterzugehen. Doch dann hielt er kurz inne,
drehte sich noch einmal herum und entschloss sich, sich neben sie zu setzen.
Sie sagte nichts und schaute ihn nur an. „ER muss es selbst zulassen!“ sagte sie zu
sich selbst.
Schweigend saßen sie da.
Der Wind ließ die Blätter der Linden und Eichen im Herbstwind rascheln. Nur noch
wenige Amseln sangen ihr Abendlied, während die Umrisse der Bäume langsam
immer dunkler wurden.
In der Ferne erklang eine Kirchturmuhr.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal….
Bevor sie weiter mitzählen konnte, wurde der Glockenklang von einem Schluchzen
unterbrochen.
Es war so weit.
Er ließ es zu.
Er ließ SIE zu.
Schweigend legte sie ihren Arm um seine Schultern. Sie sagte nichts. Und er weinte.
Bitterlich.
Sie reichte ihm ein Taschentuch und blickte ihm sanft dabei in die Augen.
„Es ist schon so lange her…“ stammelte er, „….ich hatte gehofft, den Schmerz zu
vergessen. Und nun sitzt du hier. Ich spürte, dass ich mich setzen muss und es ist
alles wieder da.“
„Ich weiß.“ Ihr Stimme klang sanft und mitfühlend. Sie selbst starrte zu Boden.
„Warum? Warum jetzt?“
„Weil du JETZT so weit bist.“
Sie schaute ihn nun direkt an.
„Damals hast du mich nicht hereingelassen, wie so viele. Du hast versucht mich zu
ignorieren. Manchmal durfte ich für ein paar Sekunden in deine Nähe, aber dann
hast du die Türe fest verschlossen, gingst wieder deinem Alltag nach und ich musste
warten, bis ich wieder den Auftrag bekam, deine Nähe zu suchen um dir die
Möglichkeit zu lassen, mich zu finden.“
„Es tut so weh!“ Er begann wieder zu weinen. „Ich vermisse sie so sehr. Sie war
mein Ein und Alles. Wir waren so glücklich und plötzlich….ist nichts mehr, wie es
war.“
„Ich weiß.“ Sie seufzte.
Sie kannte das alles zu gut. Sie kannte den Schmerz. Sie kannte die Verzweiflung
und sie kannte die Fragen. Sie kannte jede einzelne der quälenden Fragen.
Und doch war es nicht ihre Aufgabe zu antworten. Es war nicht ihre Aufgabe zu
rechtfertigen oder zu begründen. Ihre schwere Aufgabe war es, die Gefühle der
Menschen mitzutragen. Dazu war sie da. Und sie konnte es gut.
Sie war dafür geschaffen.
Sie wusste, wie hart und kantig sich die Wut anfühlt.
Sie wusste, wie es ist, kaum Luft zum Atmen zu haben.
Sie kannte die Schwere der Schuldgefühle und die Enge der Ungewissheit.
Ihre Aufgabe war nicht leicht und doch war es IHRE Aufgabe. Es war das, was sie
am besten konnte: Mittragen. Mitleiden. Mitfühlen. Und das tat sie nun gerade in
diesem Moment.
An diesem Ort, an den sie gerufen wurde. An dem sie spürte, dass sie da sein
musste.
Sie saß auf dieser Waldbank, hielt diesen Mann im Arm und stützte ihn, während er
dasaß, weinte und seine jahrelange Last stückchenweise abgab.
Es war nur ein Anfang, das wusste sie. Und doch war es der erste Schritt.
Zu lange hatte er sie ignoriert. Zu lange hatte er versucht, seinen Weg ohne sie zu
gehen und seinen schweren Rucksack zu tragen. Und nun war der Zeitpunkt da, an
dem er ihr endlich Anteil gab.
Noch eine Weile saßen sie da, bis der Mann etwas ruhiger wurde und das letzte
Taschentuch in ihre Hände legte.
„Wirst du wieder kommen?“
In seinem Blick war eine Mischung von Hoffnung und Angst zugleich wahrzunehmen.
„Ja“, antwortete sie, „ich komme immer wieder. Ich werde in deiner Nähe sein, denn
du wirst mich brauchen. Manchmal wirst du mich von weitem sehen und weglaufen.
Manchmal wirst du mich wahrnehmen und es kommt über dich, so wie heute. Aber
manchmal, wenn du mich bewusst einlädst und mir die Tür öffnest, werde ich
behutsam eintreten und mich neben dich setzen und dir helfen. Ich werde deine Wut
aushalten, deinen Tränen mitweinen und bittersüße Erinnerungen hervorrufen. Ich
werde deine Hand halten, wenn du es brauchst, dir Einsamkeit verschaffen, wenn du
es wünschst. Ich bin nicht der wünschenswerteste Geselle, das weiß ich wohl, aber
auch wenn jeder mich aus seinem Leben verbannen möchte, werde ich von jedem
gebraucht. Ich werde wiederkommen, wenn du mich lässt. Wir werden uns eines Tages
immer mehr aneinander gewöhnt haben und dann, wenn du mich gut kennst
und annimmst, werde ich seltener kommen. Meine Besuche werden weniger
schmerzhaft und je öfter ich da war, desto weniger werden wir gemeinsam weinen,
desto tiefer werden die Seufzer und desto süßer die Erinnerungen.“
„Ich werde dich einladen. Bald. Ich brauche nur etwas Zeit.“ Mit einem langen Blick
verabschiedete er sich und ging weiter.
Als ob er es sehen könnte, nickte sie. Sie wusste es und sie war geduldig.
Sie blickte in die Ferne, lud ihre Lasten wieder auf ihren Rücken – die Lasten, die so
schwer waren und doch zu ihr gehörten. Ein Ruf ereilte sie. Wieder ein Ruf voller
Schmerz. Ein Kind rief ihren Namen und sie hörte ihn nun sehr deutlich: „TRAUER!“
und sie wusste, eine offene Tür wartete auf sie.
Trauer ist ein Teil unseres Lebens. Trotzdem versuchen wir immer wieder, Trauer
nicht zuzulassen. Wir verschließen die Tür, denn wir wissen: Mit Trauer ist Schmerz
verbunden. Trauer tut weh. Sie wiegt schwer und sie ist nicht der wünschenswerteste
Gast in unserem Leben.
Trotzdem wird sie früher oder später an die Tür klopfen. Es ist gut, sie hinein zu
lassen und einzuladen, denn es ist schmerzhafter, wenn der Ruf unserer Seele zu
einem entsetzlichen Geschrei wird, der die Trauer mit allen Lasten der
Vergangenheit auf einmal zu sich zu zieht.
Freudige Demut
Heute feiert die christliche Welt Ostern. Das Fest der Hoffnung. Das Fest der Auferstehung.
Es gibt meines Wissens keine Bemühungen, dieses Fest ausfallen zu lassen oder die Feiertage zu kürzen. Warum auch? Die Welt liebt es zu feiern! Je nachdem, wo man in Deutschland (oder auch in den anderen Ländern) hinfährt, trifft man immer wieder auf Gründe zu feiern: Das Weinfest – Wir feiern die Weinernte. Das Mandelblütenfest – wir feiern die Blüten am Mandelbaum. Das Mai-Fest – wir feiern die Fruchtbarkeit, der Feuerwehr-Hock – wir feiern…die Feuerwehr. Es gibt Gründe über Gründe, das Leben zu feiern und wenn es keinen Grund gibt, dann wird einer gefunden.
Aber wie ist es mit dem Thema „Mahnen und Erinnern“? Da gibt es dann wieder ein kleines Problem. Einen ruhigen Tag – ein Tag mit „Tanzverbot“? So was mögen wir dann doch lieber nicht. Wer will uns denn verbieten zu feiern, zu tanzen und die ernsten Themen zu vergessen?
„Eigenlob“ – riecht gut!
Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion zum Thema „Selbstlob“.
Ein heikles Thema, das mich seit längerem begleitet.
Ein Thema, bei dem sich in meinem Leben einiges tut.
Vor ein paar Jahren noch diskutierte ich regelmäßig mit meinem Mann über verschiedene Menschen im TV, die Sprüche machten wie „Das hab ich gut gemacht!“ oder „Das kann ich besser!“ Ok – ich gebe zu, meistens handelte es sich dabei um Fernsehköche (So hab ich mir Kochen beigebracht – also bitte nicht verurteilen:-)). Während mein Mann sie cool fand und sie feierte, konnte ich mit ihnen gar nichts anfangen, bezeichnete sie als „arrogant“ und „selbstverliebt“.
Ich erinnere mich an eine Konferenz, auf der eine Pastorin auf die Bühne kam, die ich bisher einfach nicht leiden konnte. Ich konnte und wollte ihr nicht länger als 10 Minuten zuhören. Es ging einfach nicht. Ich hatte eine tiefe Abneigung gegen sie. Sie war mir zu „tussig“, „zu weiblich“, „zu arrogant“ und was weiß ich noch, was ich so alles an Vokabular fand um gegen sie zu verwenden. Doch auf dieser Konferenz hatte ich keine große Möglichkeit mehr, rechtzeitig aus der Halle zu kommen. Ich saß ziemlich in der Mitte einer langen Reihe und das auch noch recht weit vorne. Also ließ ich es über mir ergehen.
Nach 15 Minuten beschloss ich, zuzuhören.
Nach 20 Minuten musste ich wegen ihres Humors lachen.
Nach 30 Minuten wollte ich mehr hören.
Nach 40 Minuten stand ich auf und applaudierte, als sie die Bühne verließ.
Nach 45 Minuten erkannte ich: Die Frau ist total cool. Und lustig. Und hey, die sagt echt gute und tiefgründige Dinge. Und ich begann zu reflektieren und nachzudenken.
Willst du wissen, was ich mir eingestehen musste? Ich wäre gerne so selbstbewusst wie sie. Aber weil ich unterbewusst merkte, dass ich es nicht bin, war es leichter, eine Abneigung aufzubauen als zu reflektieren und zu erkennen, dass ich nur neidisch bin.
Sie schien sich keine Gedanken zu machen, ob nun jemand über ihre Witze lacht oder nicht. Ob jemand sie tussig fand oder nicht. Sie war sie selbst. Sie war authentisch. Und ich….war zu sehr damit beschäftig zu überlegen, wie ich am wenigsten auffalle, wie ich anderen am besten gefalle und wie ich am wenigsten verurteilt werde und dazu passe.
Himmel und Erde
Mama, wann sterben wir endlich?“ fragte mich meine Tochter in den letzten Wochen und Monaten immer wieder. Und immer wieder muss ich schlucken…es ist gar nicht so leicht, einer 4-Jährigen auf der einen Seite hoffnungsvoll und positiv vom Himmel zu erzählen, an den man glaubt und der wundervoll sein soll und gleichzeitig klar zu machen, dass man, obwohl da alles soooo viel besser sein soll, eigentlich gar nicht daran denken möchte, dass einer von unserer Familie bald sterben könnte….
Tatsächlich stellte sie diese Frage nicht aus Angst, sondern weil sie sich mit ihrer kindlich unbeschwerten Art einfach vorstellt, dass da alles schön ist bei Jesus. Sie hat das, was wir ja hoffen und glauben einfach für sich aufgenommen und hält nun daran fest. Und dann kommt diese Frage und ich bin peinlich berührt und weiß nicht, was ich sagen soll…“ähm…Ja…im Himmel IST alles schöner, aber ich bin froh dass ich dich habe und wäre auch froh, wenn du noch ein bisschen bei mir bleiben würdest!“ war mein erstes Antwortgestotter. Bis ich mich selbst mehr mit diesem Thema „Himmel“ und „Sterben“ beschäftigte.
In der aktuellen Situation ist es leicht, in den Gedankenstrudel reinzukommen und diese Sehnsucht nach der „besseren Welt“ zu bekommen. Davor versuche ich mich seit Jahren zu bewahren, denn ich weiß aus der Vergangenheit, wie stark diese Sehnsucht werden kann. Zu stark. Man kann wegdriften von Zuversicht, Perspektive und vor allem Lebenssinn und dann….ist es zu spät und es kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Was kann man tun?
Man kann die Frage und das Thema komplett verdrängen. Aber hilfreich ist es nicht. Ich habe einen anderen Weg gefunden:
Ich beschäftigte mich mit dem Thema, ging mit Gott ins Gespräch und stellte die Frage anders: Die Frage lautete nicht „Wann sterbe ich (endlich)?“ sondern „Warum bin ich (noch) hier?“ Und diese Frage möchte ich mir jetzt, wo der Corona-Koller langsam immer stärker wird (ja, nach 10 Monaten wird es sogar mir langsam zu einsam😊) bewusster stellen.
Nicht mit einem negativen und depressivem Klang, sondern mit dem Blick nach oben: „Herr, warum bin ich (noch) hier?“ Wenn ich noch hier bin, dann aus einem bestimmten Grund. Auch wenn derzeit alles eingeengt und perspektivlos erscheint. Auch wenn ich vielleicht nicht mehr so aktiv sein kann wie vorher und kaum noch Leute treffe – ich lebe und das ist gut so!
Genau das versuche ich meiner Tochter zu antworten und wenn ich die folgenden Sätze ausspreche höre ich, wie Gott MIR genauso antwortet: „Ich freue mich auch auf den Himmel. Aber DU bist ein Geschenk. Als du geboren wurdest, hab ich mich so sehr gefreut! Du bist gewollt und nicht ohne Grund hier. Gott hat noch was vor mit dir und solange er dich nicht zu sich holt, hat es einen Grund! Also freu dich über die Zeit hier, denn die Ewigkeit ist noch laaaaange. HIER bist du für uns ein Segen und für viele andere. Frag Gott doch einfach, womit er dich hier noch beschenken möchte und was er mit dir vor hat!“
Mir haben diese Konversationen mit meiner Tochter sehr geholfen. Ich möchte selbst wieder öfter und noch mehr nachfragen, was MEIN Grund ist, warum ich hier bin. Was hat Gott mit mir vor? Was darf / kann / soll ich noch erleben, tun, lernen?
Auch jetzt, wo wir in unserem Landkreis seit Wochen Zuhause sitzen und wenige direkte Kontakte haben wird es einen Grund geben, warum ich hier bin.
Ich habe die letzten Monate genutzt um bei mir selbst in die Tiefe zu gehen, mein Herz zu durchforsten und zu schauen, wie es darin aussieht und ich habe viel Zeit im Gebet und vor allem beim Zuhören verbracht. So konnte ich in den letzten Wochen mehreren Frauen Eindrücke und Bilder weitergeben, die ich von Gott für sie aufs Herz bekommen habe. Ich habe gesagt bekommen, dass es viel bewirkt hat und sie dadurch sehr berührt wurden.
Ich merke, dass es gut und wichtig war, dass ich die letzten Monate viel Zeit damit verbracht habe, meine Sinne für das Reden Gottes zu sensibilisieren und meine Beziehung zu diesem Gott zu vertiefen. So kann ich auch jetzt ein Segen sein und etwas bewirken, in dem ich prophetische Worte und Ermutigungen per Sprachnachrichten versende.
Du bist noch hier! Und das ist gut so! Gott kann und möchte dir auch jetzt begegnen und du kannst auch jetzt ein Segen für diese Welt sein. Wie? Finde es heraus, frage deinen Schöpfer, der dich bewusst und mit Vision geschaffen hat und der genau wusste, dass diese Zeit jetzt kommen wird. Du bist hier! Du lebst! Du machst Sinn! Nutze es!



