Kategorie: Impulse

Advent – Warten auf die Ankunft (von Weihnachten)

Advent – Warten auf die Ankunft (von Weihnachten)

Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud“ – so beginnt ein altes Weihnachtslied, das ich zwar lange nicht gehört habe, mir aber immer noch in Erinnerung ist…
Wir befinden uns mitten in der Advents-Zeit. Kinderaugen leuchten heute wie damals – nur, dass sie „damals“ vor Schaufenstern leuchteten – heute vor dem noch heller leuchtenden Bildschirmen der Online-Shops. Wir finden uns wieder, inmitten von vorweihnachtlichen Ritualen und Bräuchen. Wir versuchen, schon vorab den Stress nicht über die Besinnlichkeit kommen zu lassen und fokussieren uns darauf, die nächsten paar Wochen die wichtigsten Dinge zu erledigen und zwischendurch zur Ruhe zu kommen, damit die Festtage schön, gesellig, ruhig, friedvoll…werden. Denn wir feiern…WEIHNACHTEN. Die Heilige Nacht. Die Nacht, in der Christus der Retter geboren wurde…wohoo!!!!
Ich vermute, dass die meisten Menschen den GRUND für Weihnachten tatsächlich noch kennen – auch, wenn es längst hauptsächlich um Geld geht. Geld ausgeben und einnehmen für Bratwurst, Glühwein, Striezel und natürlich Geschenke.
Und trotzdem feiern wir. Wir feiern und warten aufs Feiern.
Wir warten.
Im Advent. Die Zeit der „Ankunft“ Christi.
Heute frage ich mich, ob wir wirklich auf CHRISTUS warten – oder eher auf den Heiligen Abend. Darauf, dass es was feines zu Essen gibt. Darauf, dass man sieht, wie sich ein anderer über das Geschenk freut. Vielleicht auch darauf, dass man Verwandte, die man lange nicht gesehen hat, endlich wieder an einem Tisch hat. Ja, darauf freue ich mich auch. Darauf warte ich auch und bereit mich darauf vor.
Aber mal ehrlich: Wenn Christus selbst nun kurz vor der Bescherung vor der Tür stehen würde…wenn er in dem Moment, als du den Festtagsbraten aus dem Ofen holst und alle am Tisch sitzen, klopfen würde und sagen würde: „Schön, dass ihr so lange gewartet habt. Da bin ich! Auf geht’s! Gema!“ – wie würden wir reagieren?
Mit den Augen rollen?
Darum bitten, nochmal nach dem Essen wieder zu kommen?
Würden wir ihn einladen, mit zu essen und dann bitte lieber mal bei den Nachbarn zu klingeln, die ihn ja nicht kennen und so gar nicht christlich sind?
Maranatha!“ – Herr, komm(t) bald! Das ist ein aramäischer Ausruf, den es in der Bibel scheinbar nur ein einziges Mal gibt. Er drückt zum einen aus, dass Jesus bald wieder kommt. Aber er kann auch den Wunsch danach äußern. Ich ertappe mich immer wieder dabei, diesen Wunsch im Gebet zu sagen. Ich habe mir sogar eine Kette mit diesem Schriftzug gekauft. Ich möchte mich darauf besinnen, dass wir vielleicht nicht mehr viel Zeit haben. Und ich möchte keine Panik machen oder bekommen – aber die Tatsache, dass die Christenverfolgung weltweit zunimmt ist nicht zu leugnen. Immer mehr Kirchen werden auch in Deutschland angegriffen – verbal aber auch ganz praktisch durch Vandalismus. Religionsfreiheit für alle – aber bitte nicht für die konservativen Christen. Meinungsfreiheit für alle – aber bitte nur für die, die die selbe Meinung wie „ich“ haben…Herr, komm(t) bald! Ich wünsche es mir. Aber bin ich ready?
Bin ich ERWARTUNGSVOLL? Lebe ich den Advent täglich und warte auf die Ankunft, die Wiederkunft Jesu?
Die Bibelstelle, in der Paulus diesen Begriff „Maranatha“ benutzt, ist übrigens sehr spannend. Er schreibt im dichten Kontext nicht einmal von seiner Sehnsucht danach. Er warnt viel mehr. Er schreibt:
„Und hier noch mein Gruß an euch, den ich, Paulus, mit eigener Hand schreibe. Wer den Herrn nicht liebt, den soll Gottes Urteil treffen! Unser Herr, komm! (Maranatha!) Die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit euch!“ (1. Korinther 16,21-23)
Wow! Mit der Wiederkunft Jesu wird nicht einfach nur alles gut. ER wird (auch) zum Gericht kommen. ER wird urteilen. ER wird aussortieren und fragen: „Liebst du mich?“, bevor es zu ihm in die Ewigkeit geht.
Ich möchte dann sagen können: „Oh ja! Ich habe schon mein ganzes Leben auf dich gewartet!“
Wie möchtest du die restliche Advents-Zeit verbringen? Wartest du auf Weihnachten oder auf die Ankunft von Christus?

Wie wir kämpfen sollten

Vor einigen Wochen war ich in Texas.
Ich lernte dort eine Frau kennen, mit der ich mich über die sehr lockeren Regelungen bezüglich Besitz und Nutzung von Waffen in ihrem Bundesstaat austauschte. Sie erzählte mir stolz, wie sicher sie sich fühle. Zum einen, weil sie durch ihre langjährige Erfahrung beim Militär wisse, wie man mit Waffen umginge, zum Anderen, weil in ihrer Nachbarschaft viele Leute lebten, die wüssten, wie man sich verteidigte. „Im Falle eines Krieges oder einer Bedrohung währen wir in unserer Nachbarschaft super safe. Wir wissen, wie wir uns verteidigen.“
„Verteidigung“ ist ein Thema, das mich in den letzten Tagen generell beschäftigt.
Seit zwei Tagen bekomme ich auf Instagram nur noch Meldungen und Meinungen zum Tod von Charlie Kirk angezeigt. Ich muss zugeben, dass ich, als ich die Meldung in den Nachrichten sah, während ich in Nordamerika war, erstmal schauen musste, wer denn Charlie Kirk ist. Ich hab vorher noch nie von ihm gehört und wusste daher nichts über ihn. Umso erstaunter war ich, wieviele Menschen auch in Deutschland plötzlich RIP Posts machten, sagten, wie sehr sie trauern  – entweder sind sie alle einfach dem Hype gefolgt oder ich bin die einzige, die keine Ahnung hatte.

Wie komme ich jetzt dazu, auch etwas zu diesem Menschen zu sagen? Mir ist etwas aufgefallen, woraus ich lernen möchte und hoffe, dass wir alle darüber nachdenken…
Wofür war Charlie Kirk bekannt? Er suchte die Debatte. Er war scheinbar nicht zu feige, um sich den schwierigen Fragen zu stellen, sich hinzusetzen und zu streiten und für Werte und seine Meinung einzustehen. Er stellte sich denen, die auf der einen Seite für Meinungsfreiheit kämpfen, die sich gegen „Schubladen“ und Kategoriesierungen stellen und gleichzeitig seine Meinung nicht akzeptierten und IHN in verschiedene Kategorien steckten: Rechtspopulist, Homophober, Rassist und was weiß ich. Interessant also, dass sich das extreme Verhalten der „Gegner“ hier genau dem widerspricht, wofür sie kämpfen, nämlich dass verschiedene Meinungen gelten und stehen gelassen werden sollen und man sein und glauben kann, was man will…scheinbar allerdings nur, solange es DAS ist, was SIE glauben und sein wollen…
Was mich aber am meisten zum Nachdenken brachte ist folgender Gedanke: Was würde Jesus tun? Bzw. Was hat Jesus getan? Wie ist das „richtige“ Verhalten und die Antwort der Christen?
Alles scheint lauter, extremer und aggressiver zu werden. „Die kleine Gruppe ist so laut und macht so viel Lärm – warum sind `Wir`so leise?“, „Die Kirche muss lauter werden!“, „WIR müssen für unsere Werte kämpfen!“ – all das sind Gedanken, die ich selbst immer wieder hatte oder die mir durch diverse Posts entgegenprasselten. Und ich fragte mich: „Ist das der JESUS-Weg?“

Müssen wir kämpfen? Revolutionieren? Müssen wir es auf dieselbe Art wie alle anderen tun? Laut werden? Argumente bringen? Die Debatte anfeuern und uns groß machen?
Interessanter Weise dachten das die Jünger damals schon. Sie hatten die Schnauze voll von den Römern. Wollten Gerechtigkeit. Israel hoffte auf DEN Retter. DEN Messias. Und als Jesus auftauchte, bekamen sie Hoffnung. Sie wollten und erwarteten, dass ER aufsteht, einen Aufruhr startet, vielleicht einen Krieg anzettelt, den ER dann gewinnt. Petrus schlug mit dem Schwert auf einen Wachmann ein, wollte mit allen Mitteln kämpfen. Und was machte Jesus? Er heilte das Ohr dieses Wachmanns. Er erdultete alles still. Er antwortete ruhig und geduldig, gab Zitate aus der Tora wieder, um den Schriftgelehrten zu antworten. Aber er handelte so anders, als die Jünger es gedacht haben. Anders, als die Israeliten gedacht haben. Er sagte zwar, dass er gekommen ist, um das Schwert zu bringen, aber es war eine andere Art von Schwert, als Petrus dachte.
Im Epheserbrief wird das Schwert als Teil der geistlichen Waffenrüstung benannt und steht symbolisch für das „WORT Gottes“.
Ich frage mich, ob wir wirklich verstanden haben, wie wir Jesus-Like kämpfen können und sollten: Mit dem WORT Gottes in die GEISTLICHE Welt. Es ist ein geistlicher Kampf der Werte, ein Kampf der Ideologien. Menschlich kämpfen würde bedeuten: Wir gehen auf die Straße. Wir demonstrieren! Wir machen Flaggen, posten, kommentieren, verurteilen, stecken in Schubladen, kategorisieren, bringen Argumente über Argumente. Aber wie ich am Anfang schon gesagt habe: Die Argumente machen keinen Sinn und sind unlogisch, weil hier nicht mit Logik gekämpft wird.


Wir brauchen als Christen einen anderen Blick und der geht über diese Welt hinaus. Jesus hatte diesen Blick. Er betete. Er sagt: „Liebt eure Feinde“, er sagte „Halte die andere Wange hin!“ – er betete, er klagte und er weinte, weil GOTT den Überblick hat. GOTT wird richten. GOTT wird urteilen.
Ich glaube, dass ich derzeit immer mehr lernen und einsehen darf, wofür ich meine Energie und meine Gaben nutzen soll. Und das ist nicht, einen Streit zu gewinnen oder radikal für etwas einzustehen und zu kämpfen. Menschen werden dadurch nicht erleben, dass Gott LIEBE ist. Dass ER allmächtig ist und dass er kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten. Ich möchte daher erstmal IHN fragen, was ich tun, sagen und auch lassen soll. Und IHM vertrauen, dass ER früher oder später für Gerechtigkeit sorgen wird. Ich muss das, Gott sei Dank, nicht tun.
Bevor wir den Mund aufmachen, bevor wir andere verurteilen oder ihnen irgendwas wünschen – sollten wir damit zu Gott gehen. Und IHN urteilen und richten lassen. Und bis Jesus wieder kommt alles daran setzen, dass genau diese Menschen, die wir menschlich anschauen und (vielleicht auch menschlich zu recht) verurteilen, lernen zu lieben und ihnen mit Geduld, in Frieden, mit Freude, mit Freundlichkeit etc. entgegentreten können.


Bedeutet dass, das wir alles zulassen sollen? NEIN – aber es bedeutet, dass wir mit Gebet und in Wahrheit und Geist kämpfen, in dem wir unsere geistliche Wafffenrüstung anziehen und mit Vollmacht und Autorität beten. Den Heiligen Geist einladen zu wirken. Dass wir Erkenntnis und Offenbarung lösen im Namen Jesu, dass wir unsere Herzen und Gedanken von Gott schützen lassen und dass wir Hass, den Geist des Todes, Jähzorn, Verblendung und so vieles mehr im Namen Jesu BINDEN. Wir dürfen den Heiligen Geist bitten uns zu zeigen, was wir beten dürfen und wir dürfen und sollten die Vollmacht nutzen, die Jesus seinen Jüngern und damit auch uns gegeben hat. Ansonsten…kämpfen wir gegen Windmühlen und werden bald müde und verletzt am Boden liegen.

Wenn Gott klar sagt, dass ich diskutieren soll und ER mir Weisheit dazu gibt, dann kann ich das tun. Wenn er sagt, wie und ob ich kämpfen soll, dann ok. Charlie Kirk hatte die Gabe und den Willen, seine Werte (und die vieler anderer) zu verteidigen und in den Dialog zu gehen. Man wollte ihn mundtot machen -und doch hat es Gott umgedreht und die Stimme Kirks ist nun lauter und bekannter als zuvor. Seine Argumente und Werte haben mehr Befürworter und Unterstützer als zuvor. Die Stimmung ist aufgeheizt-nun heißt es, sich zu beruhigen, mit Gott ins Gespräch zu gehen und lauter zu beten und mit IHM in den Dialog zu gehen, damit es nicht ausartet!

Bücher: Hinterlassene Nachrichten

Bücher: Hinterlassene Nachrichten

Wien im Juli 2025. Es ist Sommer – aber es fühlt sich nicht so an. Der Himmel ist bedeckt, die Luft schwül, die Straßen nass vom Regen. Es ist kein perfekter Sommertag – aber ein perfekter Tag, sich die Nationalbibliothek – genauer gesagt den „Prunksaal“ anzuschauen. Leider dachten sich das auch viele andere Besucher – schnell wird mir klar: Dass ich in aller Seelenruhe in diesem ehrfurchterregenden Saal sitze und alles auf mich wirken lassen kann – das ist nur eine Illusion. Ich freue mich trotzdem.
Mein Mann hatte schon vorab Tickets besorgt, um mir eine Freude zu machen und wir stiefeln die alten Stiegen hinauf in den großen Saal.
Über 200 000 Bücher aus dem 15.-18. Jahrhundert befinden sich darin. Parallel gibt es eine Ausstellung über die politische Geschichte Österreichs. Sicher auch interessant, für mich heute aber nicht der Fokus. Ich möchte eintauchen in diese Atmosphäre und staune.

Umberto Eco – ich bezeichne ihn gerne als „Literarischen Wundermenschen“, hat zahlreiche Vorträge und Aufsätze geschrieben, in denen er sich über die Liebe zu Büchern, zu Worten, zur Schrift und zur Geschichte äußert. Vor allem aber macht er deutlich, wie wichtig Schriftwerke sind. Während ich in dieser Nationalbibliothek – zwischen all den vielen Büchern (und Influencern) stand, kamen mir direkt mehrere Sätze von ihm in den Sinn. Unter anderem auch dieser: „Jeder Autor, der nicht bloß des Geldes wegen schrieb, sondern aus Liebe zum eigenen Werk, wußte, daß er seinem Buch eine Nachricht anvertraute, die noch in Jahrhunderten lesbar sein würde.“ (U. Eco, 2011, dtv, Die Kunst des Bücherliebens., S.21)
Ich fragte mich, welche Nachrichten, welche Gedanken, welche Poesie, wissenschaftliche Erkenntnisse, Philosophien wohl in diesem Raum steckten. In all diesen Büchern. Die so nah und gleichzeitig so weit entfernt in diesen Regalen standen.
Und dann sah ich auf die vielen Menschen in diesem Raum und erkannte, dass die eine Hälfte mit der Ausstellung beschäftigt war, während die andere Hälfte nach dem perfekten Spot für ein tolles Foto suchte -nicht etwa von den Büchern oder der kunstvollen Stuckarbeit oder den Fresken – sondern vor allem von sich selbst. Im Mittelpunkt.

Ich setzte mich auf einen Stuhl und versuchte, meine Gedanken zu fassen.
Was bleibt?
Was bleibt, wenn wir einmal gehen? Wenn ich einmal gehe?
Welche Nachricht hinterlasse ich? Welche Nachricht möchte ich hinterlassen?
Was hinterlasse ich?
Fotos, auf denen ich lächle? Materielles?
Bleiben Worte, die ich sagte oder Gedanken, die ich aufschrieb?

Warum lese ich?
Um mich abzulenken? Um als intellektuell zu gelten? Um zu lernen?
Warum kaufe ich Bücher?
Um meine Regale präsentieren zu können? Um Schriftsteller zu unterstützen? Um mich zu bilden?
Oder, um Menschen kennen zu lernen? Die, die schrieben. Die, die ihre Nachrichten, ihre Gedanken, ihre Poesie, ihre Geschichten hinterließen, damit ihr Innerstes, ihre Fragen, ihre Erkenntnisse Ausdruck finden?
Sehe ich Bücher und Schriftwerke als Staubfänger oder als Schatz – als Teil eines Lebens eines Menschen?

Viele Fragen, die mich seit dem beschäftigen und ermutigen.
Sie ermutigen mich, einmal mehr zu schätzen, was in diesen Büchern steckt. Zu schätzen, dass ein Mensch sich Zeit nahm um etwas zu hinterlassen. Eine Nachricht.
Zu schätzen, dass ich dadurch nachdenken, reflektieren und lernen darf.
Und dass ich selbst schreiben darf – als Frau. Frei.
Ich darf etwas hinterlassen – ob Menschen eines Tages das, was ich schreibe, lesen und darüber nachdenken oder ob es ihnen egal ist – das kann ich nicht beeinflussen.
Aber ich kann für mich entscheiden, warum ich lese und warum ich schreibe: Weil ich lernen möchte.

Warum liest du?

Wozu Kirche?!

Wozu Kirche?!

„Daraufhin forschten die Propheten, wann und wie dies eintreffen sollte. Gott ließ sie wissen, dass diese Offenbarungen nicht ihnen selbst galten, sondern euch. Nun sind sie euch verkündet worden, und zwar von denen, die euch die rettende Botschaft gebracht haben. Gott hat sie dazu durch den Heiligen Geist bevollmächtigt, den er vom Himmel zu ihnen sandte. Diese Botschaft ist so einzigartig, dass selbst die Engel gern mehr davon erfahren würden.“ (1. Petrus 1,11-12)

„Darum seid bereit und stellt euch ganz und gar auf das Ziel eures Glaubens ein. Lasst euch nichts vormachen, seid besonnen und richtet all eure Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit, die er euch in vollem Ausmaß an dem Tag erweisen wird, wenn Jesus Christus für alle sichtbar kommt.“ (1. Petrus 1,13)

Seit ein paar Tagen beschäftigt mich mal wieder die Frage: „Wozu eigentlich Kirche?“. Ich frage mich das nicht für mich – sondern für einen Freund:-)
Im Ernst: Ich persönlich BRAUCHE Kirche und die Gemeinschaft im Glauben – obwohl ich an sich Ruhe, Zeit und möglichst wenig Menschen um mich brauche, spüre ich trotzdem immer wieder in Fragen hinein, die andere Menschen haben könnten. Ausgelöst wurde die Frage bei mir, als ich innerhalb kurzer Zeit Einladungen zu Online-Angeboten bekam: Eine Smallgroup mit Input, ein Magazin mit verschiedenen Impulsen, Podcasts, Inspiration, Online-Workshop etc. etc. und ich fragte mich: Worin sehen oder finden Menschen heute noch den Sinn von Kirche, wenn es doch alles zu jeder Zeit online abrufbar ist? Welche Erwartungen haben sie? Welche Erwartungen hast du?
Ist die Erwartung an Kirche, dass man am Sonntag guten Worship von einer Band bekommt? – Warum dann nicht einfach eine Spotify Playlist laufen lassen?
Erwarte ich eine gute Predigt und Impulse? – Die Landschaft der Podcasts und Impuls-Geber im World Wide Web scheint doch grenzenlos!
Suche ich Gemeinschaft? – Kann ich doch in einer Kleingruppe mit meinen engsten Freunden haben, die am besten noch genauso denken wie ich und möglichst wenig Anlass zu Diskussionen geben…
Ist Kirche noch zeitgemäß?
Für manche ist Kirche langweilig. Für manche eine reine Show. Für manche reines Abrackern im Dienst der anderen – für manche eine nette Unterhaltung und eine Abwechslung im Alltag…
Was ist Kirche für dich?
Für mich ist Kirche notwendiger denn je. Warum?
Ich schaue zurück und voraus gleichzeitig.

1. Kirche ist unser Auftrag!
Jesus sammelte verschiedene Menschen um sich. Jeder hatte seine Eigenarten. Da waren Frauen und Männer mit verschiedenen Hintergründen, Begabungen und Berufungen. Und doch bekamen am Ende alle einen Auftrag: Sie sollten aus ihrer Komfortzone, aus ihrem „inner Circle“ hinaus gehen und Menschen lehren, ihnen beibringen, was Jesus gelehrt hatte und sie taufen. Niemand von ihnen tat das alleine. Nicht einmal Jesus. Petrus sammelte Begleiter um sich, Paulus tat das auch. Als Jesus noch unter seinen Jüngern war und sie aussandte, schickte er sie immer zu zweit aus. Sie sollten sich gegenseitig Zeugen sein, unterstützen und halten. Und er sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“. Wir sind nicht für langfristige Isolation oder Alleingänge geschaffen – sondern zur Ergänzung und Unterstützung untereinander. Und wenn dann noch die unterschiedlichen Geistesgaben dazu kommen…uhuhuuu!

2. Kirche bereitet uns vor
Jesus hatte seinen Jüngern angekündigt, dass die „Endzeit“ nicht leicht werden wird. Im Gegenteil. Jeder wird sich gegen jeden stellen. Naturkatastrophen zunehmen, Kriege und Streitereien an der Tagesordnung sein. Familienmitglieder werden gegeneinander kämpfen und falsche Zeugen werden aussagen.
Und dann? Dann wünsche ich mir, nicht alleine in einem Zimmer zu sitzen. Ich wünsche mir, dass ich die Wahrheiten kenne, dass ich in all den Fake-Videos und Stimmen unterscheiden kann, was wahr und was falsch ist. Ich wünsche mir, dass ich Menschen an meiner Seite habe, die mich an das erinnern, was ich glaube, was ich weiß, was ich erlebt und erfahren habe. Sie können mich daran erinnern, weil ich meine Erlebnisse und meine Gebetsanliegen – auch die Wunder – mit ihnen geteilt habe. Und ich kann wiederum sie ermutigen. Wir können uns helfen, unterstützen und vor allem unsere geistlichen Gaben einbringen – prophetische Eindrücke teilen, Worte der Ermutigung, Worte der Weisheit. Wir können Hände auflegen und Heilung aussprechen. Wir können uns gegenseitig stärken und Halt bieten, wenn alles um uns herum zerfällt. Wir können uns an die Perspektive Ewigkeit erinnern und uns stärken durchzuhalten bis zum Ende.

3. In der Kirche werden Geistesgaben ausgegossen

Wie oben schon erwähnt, sagte Jesus, dass er selbst mitten unter uns sein würde. Das ist er durch den Heiligen Geist. Im Neuen Testament erklärt der Apostel Paulus die verschiedenen „Geistesgaben“ – Begabungen, die der Heilige Geist den Menschen unterschiedlich schenkt und die dazu da sind, um Gottes Wirken sichtbar zu machen. Diese Gaben sind vielfältig und unterstützend. Je mehr Menschen diese unterschiedlichen Gaben einbringen, desto gesünder und funktionierender der „Leib Christi“.
Der Heilige Geist kann wirken und Menschen werden erfüllt, wenn er wirkt.

Es geht um so viel mehr!
Warum Kirche also HEUTE wichtig ist? Weil es unser Auftrag ist, uns gegenseitig zu stärken und auszurüsten für die Zeiten, die auf uns zukommen. Es geht nicht um Show oder um nette Abwechslung. Es geht um unsere Seelen und unseren Geist. Es geht um die Zukunft. Es geht darum, dass wir den Himmel auf diese Erde holen – im Geist spürbar, in der Seele heilbar und am Körper wahrnehmbar – auch wenn alles andere dagegenspricht. Ist es anstrengend? Ja! Ist es sinnlos? Nein!
Bedeutet es, dass ich immer wieder an meine Grenzen komme? Ja!
Ist es unbequem? OH JA.
Aber es lohnt sich!
Ich wünsche mir so sehr, dass DAS der Grund ist, warum Menschen die Gottesdienste und Kirchenangebote aufsuchen: Um den Himmel auf Erden zu erleben und sich darin zu verwurzeln – egal was kommt.
DAS ist der Grund, warum ICH Teil einer Kirche bin.
Das ist das, was mich antreibt. Es ist mein Herzschlag. Es ist der Gegenpuls der Zeit!

Eine letzte Ermutigung
Ich möchte dich ermutigen, am kommenden Sonntag in eine Kirche zu gehen. Mit offenem Herzen und offenem Geist. Mit einem offenen Notizbuch und einer vollen Tintenpatrone. Und dann – einmal mehr oder neu zu sagen: Gott, was willst du mir mitgeben? Was darf ich heute lernen? Und: „Wo möchtest du mich heute gebrauchen als Teil dieser Gemeinschaft – um mich selbst und andere im Glauben zu stärken und auszurüsten?“

„Wie ein neugeborenes Kind nach Milch schreit, so sollt ihr nach der unverfälschten Lehre unseres Glaubens verlangen. Dann werdet ihr im Glauben wachsen und das Ziel, eure endgültige Rettung, erreichen.“ (1. Petrus 2,2)

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

„Ich seh in dein Herz, sehe Gute Zeiten, schlechte Zeiten“…unglaublich, dass dieser Titelsong mir gleich mal in die Erinnerung kommt, wenn ich diese vier Wörter eingebe, dabei habe ich diese Serie in den 90ern kaum geschaut…trotzdem passt die Zeile extrem gut zu dem, was mich derzeit beschäftigt.
Freunde von uns sind derzeit im Urlaub. In Südafrika. In Kapstadt.
Wer schon länger zu meiner Leserschaft gehört weiß, dass Kapstadt für zwei Jahre meine „Heimat“ war und ich seit dem einen Teil meines Herzens dort gelassen habe. Ich lebe nun seit 9 Jahren in Bayern, direkt an der österreichischen Grenze und ich habe einige Freunde und Bekannte, in die in der Zwischenzeit Südafrika besucht haben. Aber in den letzten Tagen und Wochen, in denen ich die Status-Bilder unserer Freunde täglich sehe, ist es anders als sonst: Ich habe wieder „Heimweh“. Ich sehe die Menschen auf den Bildern, den Tafelberg, an einem Sonntag sogar meine ehemalige church – und Erinnerungen kommen hoch. Heute sind unsere Freunde an ihrer letzten Unterkunft nach ihrem Roadtrip angekommen und es stellt sich heraus, dass das Hotel gerade mal zwei Straßen neben einer unserer „Zuhause“ von damals liegt. „Kannst du mich noch einmal mit an den Strand nehmen?“ habe ich heute meiner Freundin geschrieben, „da habe ich jeden Morgen meine Zeit mit Gott verbracht!„. Seit Tagen kämpfe ich wieder mit den (falschen) Gedanken: „DAMALS, in Südafrika, war alles besser!“ Ich hatte Gedanken wie „Die Menschen dort sind dankbarer. Sie schätzen das Leben und das, was man tut, mehr. Sie sind wertschätzender. Höflicher. Hier ist ALLES blöd. ALLE Menschen sind undankbar. ALLE erwarten zu viel. Für ALLE bist du der Depp vom Dienst. ALLE haben ZU VIEL Erwartungen…Ja, FRÜHER, DORT war ALLES BESSER!“ Und was passierte? Ich wurde traurig. Müde. Lustlos. Motivationslos und vor allem getäuscht! Denn sind wir mal ehrlich: DA war auch nicht ALLES besser! Da waren auch nicht ALLE wertschätzender oder netter oder liebevoller -auch ICH nicht!
Dort gab es auch Herausforderungen, wenn auch andere: Ein leerer Kühlschrank immer wieder. Ein leerer Tank und ein leeres Konto. Es gab Menschen, die zu mir in die Kleiderkammer für Bedürftige kamen, und mich als NAZI und Rassist beschimpften, nur weil ich mich an die Regel hielt und jedem die selbe Anzahl an Decken und Kleidung gab und niemandem einen Vorteil gab. Ich hatte damit zu kämpfen, mit Freude zu dienen und Entscheidungen meiner Leiter zu akzeptieren, ich war müde und ich hatte immer wieder Flohstiche, als ich aus dem Township kam. Wir hatten immer wieder stundenweise keinen Strohm und im Winter war es nass und kalt und wir hatten keine richtige Heizung. Es gab Tage, an denen ich weinend an den Strand ging, mit Gott haderte und kämpfte. Einmal, gegen Ender unserer zwei Jahre dort, lief ich im Nebel am frühen Morgen am Strand herum und weinte, weil ich nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Aber was habe ich in meiner Erinnerung? Das Lachen der Kinder, die freudestrahlend auf mich zugerannt kommen. Die Freundschaften und die Beziehungen, die ich dort aufgebaut habe. Die warmen Sommertage, an denen ich morgens am Strand die Bibel las und den Blick auf den Tafelberg genoss. Ich denke meistens an die GUTEN Zeiten. War wirklich ALLES besser und ALLES gut? Ich muss schmunzeln – Nein! Auch dort nicht. Aber ich hatte eine andere Einstellung: Ich hatte mich entschieden zu gehen. Ich hatte alles aufgegeben und Dinge, die mir lieb und kostbar waren, verkauft um den Schritt nach Afrika zu gehen. Ich hatte es mich etwas kosten lassen und deshalb habe ich es damals nicht angezweifelt- nicht bereut und nicht aufgegeben. Mein HERZ hat die guten Zeiten behalten – auch wenn schlechte dabei waren.
„Kannst du mich noch einmal mit an den Strand nehmen?“ habe ich meiner Freundin geschrieben
und dann… bin ich aus dem Haus gegangen, mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren und habe den Untersberg und den Watzmann angeschaut – die Berge, die ich fast vor meiner Haustür habe. Die Berge, die von grünen, blühenden Wiesen umgeben sind. Die Berge, die ich unbedingt sehen wollte, als ich damals in Kapstadt auf dem Bett lag und weinte…“Ich würde so gerne mal in die Berge. Nach Bayern oder Österreich. Auf eine Alm. Die Kuhglocken hören und wandern…das wäre sooo schön!“ genau das hatte ich damals meinem Mann in Kapstadt gesagt, als ich müde und ausgelaugt von der „Arbeit“ in der Kirche und den Townships war. Noch nicht ahnend, dass ich einmal genau das bekommen würde. Gott hatte mich auch damals gehört und vermutlich geschmunzelt, weil er seinen Plan schon hatte. Ich darf mich neu entscheiden, im HIER und JETZT zu sein und das zu genießen, was ich habe. Täglich, wenn ich möchte – weil auch HIER viele GUTE ZEITEN auf mich warten.

„Du trägst keine Liebe in dir…“ oder „Wenn ich keine Liebe hätte…“

„Du trägst keine Liebe in dir…“ oder „Wenn ich keine Liebe hätte…“

„Wenn ich in den unterschiedlichsten Sprachen der Welt, ja, sogar in der Sprache der Engel reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie ein dröhnender Gong oder ein lärmendes Becken. Wenn ich in Gottes Auftrag prophetisch reden kann, alle Geheimnisse Gottes weiß, seine Gedanken erkennen kann und einen Glauben habe, der Berge versetzt, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nichts. Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenke und für meinen Glauben das Leben opfere, aber ich habe keine Liebe, dann nützt es mir gar nichts.“ (Die Bibel, 1. Korinther 13,1-3)

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Sätze schon gelesen oder gehört habe, in den letzten Tagen trafen sie mich wieder einmal tief.
Ich nehme viel wahr. Spüre, wenn die Atmosphäre angespannt ist, merke, wenn das Mindset einer Gemeinschaft immer mehr in eine andere Richtung geht oder jemand mit mir nicht im Klaren ist. Ich höre heraus, ob ein „HALLO!“ freundlich und offen ist, oder es gezwungen freundlich klingen soll, damit man höflich bleibt… An sich ist das kein großes Problem, aber es wird anstrengend, wenn ich mein Herz, meine Liebe, mein Handeln davon beeinflussen lasse. Vor allem, wenn ich dadurch verunsichert werde… Das passiert mir leider immer wieder. Gerade heute ist mir im privaten Rahmen zuhause deutlich geworden, dass meine Liebe beeinflusst wurde, durch Umstände, die mich seit einigen Tagen beschäftigen und die ich wahrnehme. Auch in der Kirche passiert es mir immer wieder, dass die Liebe für Menschen und für Gott beeinflusst wird durch das, was ich dort wahrnehme.
Wir, als Leiter einer Kirche, haben Visionen, Ideen und vor allem den Wunsch, Menschen mit Gott in Berührung zu bringen. Wir möchten unseren Auftrag, den Jesus seinen Jüngern gegeben hat, ausführen: Menschen zu Jüngern zu machen, sie zu lehren, was Jesus gelehrt hat, sie zu taufen…mit der Perspektive Ewigkeit. Mit der Perspektive, dass es einen Gott gibt, der sich um uns sorgt, der Anteil haben möchte an unserem Leben…und dafür gehen wir ALL-IN, wie man so schön sagt. Und dann…wenn ich den Eindruck habe, dass dieser Blick, diese Motivation, diese Sehnsucht nicht mehr bei den Menschen andockt, wenn ich das Gefühl habe, dass „Kirche“ lästig wird, zu „viel“, zu „was auch immer“, dann hat das Einfluss auf meine Motivation und blöderweise auch auf meine Liebe…“Du trägst keine Liebe in dir, nicht für mich und für irgendwen.“ – dieser Song aus meiner Teenagerzeit von „ECHT“ taucht dann immer wieder in meinen Gedanken auf. Trage ich noch Liebe in mir? Für wen?

Und ich stelle mir fragen und überlege, was andere Menschen so denken…

Warum tue ich das, was ich tue?
Weil mir langweilig ist?
Warum machen wir die Veranstaltungen in unserer Kirche?
Weil ich mich selbst-verwirklichen möchte?
Warum predige ich?
Weil ich mich selbst gerne reden höre?
Warum bieten wir Kaffee und eine willkommens-Atmosphäre in unserer Kirche?
Weil wir Geld einnehmen wollen?
Warum treffen wir Entscheidungen, die vielleicht nicht allen Mitarbeitern schmecken?
Weil wir sie ärgern wollen?

„KIRCHE“ kann für viele zum To-do werden. Und wenn es zum To-do wird, verlieren wir den Blick.
Irgendwann geht der Blick von Jesus weg, über das To-Do dann zu uns. Wo bleiben ICH? Warum hat DAS Team jetzt ein Budget freigegeben bekommen, was ICH aber für MEIN TEAM wollte?
Warum soll ICH jetzt wieder helfen? Soll der DER ANDERE mal was machen…Warum wurde MEINE IDEE nicht genommen?
Es geht irgendwann um das ICH und dann…geht das Vertrauen verloren. In die Leiterschaft, in die Begabungen…und in vieles mehr. Vor allem aber wird der Auftrag und das gemeinsame Ziel vergessen. Der Ton untereinander wird harsch, Erwartungen an den anderen größer, der Rückzug deutlicher…und bei mir als Pastorin der Druck, es allen recht machen zu wollen, stärker, der Schmerz im Mama-Herz heftiger („Du verstehst es vielleicht nicht, aber vertrau mir!“), die Angst, etwas falsch zu machen größer und die Liebe – weniger. Dabei beginnt und endet es bei mir! Es sollte mich nicht negativ beeinflussen, wenn ANDERE die Liebe vielleicht nicht mehr im Blick haben und alles nur noch aus To-do-gefühl machen. Ich möchte nicht, dass es MEIN Ziel beeinflusst.
Die Verse vom Apostel Paulus könnten für mich heute so klingen:
Wenn ich mit einem Doktor-Titel der Theologie Predigten Wissenschaftlich und fundiert vorbereiten würde und ich hätte keine Liebe, würden die Worte nicht im Herz ankommen. Wenn ich für Menschen in der Gemeinde faste und bete und ich hätte keine Liebe, hätte das Gebet weniger Kraft. Wenn ich morgens früh aufstünde um den Aufbau für den Gottesdienst zu unterstützen und ich hätte keine Liebe – würde es mich ermüden. Wenn ich Entscheidungen in Budget- und Terminfragen treffen müsste und ich hätte keine Liebe, wäre Kirche reines Management. Würde ich Entscheidungen meiner Leiter zwar hinnehmen aber ich hätte keine Liebe und kein Vertrauen, würde ich Neid und Eifersucht herrschen lassen.“ Und so weiter.

Warum tue ich das, was ich tue?
Warum habe ich damals damit angefangen?
Und wie sieht es jetzt gerade mit meiner Liebe aus?

Ist meine Liebe BEDINGUNGSLOS und UNBEEINFLUSSBAR oder ist sie abhängig von dem Maß der Liebe anderer?
Diese Frage stelle ich mir ganz persönlich heute.
Und diese Frage, darfst du dir auch gerne stellen.
Ich möchte, dass sich etwas ändert und ich wieder mit voller Hingabe und Liebe das tue, was ich tue.
Darum entscheide ich mich heute, mich unter dem Baum des Lebens nieder zu lassen und Liebe, Geduld, Freundlichkeit, Freude, Sanftmut, Mitgefühl und Vision zu empfangen – denn nur so möchte ich durchhalten!

Fasten – warum eigentlich?

Fasten – warum eigentlich?

Vorgestern war ich mit einem Teil meines „Ladies-Ministry“-Teams Essen.
In einem meiner Lieblingsrestaurants – dort gibt es asiatisches, leckeres und vor allem VIEL Essen. Welcome to Paradise:-)
Ja, ich weiß, es ist offiziell Fastenzeit – (M)ein Glück, dass wir in unserer church erst nächste Woche mit dem gemeinsamen Fasten beginnen. Bis dahin haben wir Vorbereitungszeit.
Ich habe schon öfter auf verschiedene Art gefastet, aber noch nie habe ich es „vorbereitet“. 10 Tage Vorbereitung in Begleitung mit einem Buch – 10 Tage kleine Inputs und Anregungen um sich zunächst einmal bewusst zu machen, warum man fasten möchte, wie man fasten möchte, wie lange man fasten möchte…und ich muss sagen, ich bin begeistert und motivierter als je zuvor.
Ich faste nicht, weil ich mal wieder abnehmen möchte oder weil mein Darm mal wieder bei 0 starten soll.
Ich faste auch nicht, weil wir das in der Kirche jedes Jahr so machen und ich als Pastorin da voran gehen muss.
Ich faste für verschiedene Dinge – weil es mir guttut, zurück zur Ruhe zu kommen. Weg von Ablenkungen, die ich gerne als Ausreden dafür verwende, nicht genug Zeit im Gebet, im Bibellesen oder einfach in der Stille bei Gott verbringen zu können…Wie oft kommt es vor, dass ich sage: „Ich schaue heute Abend noch ein bisschen die Serie weiter. Ich muss einfach mal abschalten!“ Wie unlogisch eigentlich.
Jetzt habe ich beschlossen zu fasten. Auf Dinge zu verzichten, die mir Zeit und Ruhe rauben. Auf Nahrungsmittel, die ich gerne in mich hineinstopfe, weil mein Körper Energie benötigt oder einfach Zucker, weil „alles soooo anstrengend ist“.
Wenn mein Magen knurrt, dann ist das mein Wecker zum Gebet. Und ich nehme meine Gebetsanliegen hervor: Menschen, für dich bete. Themen, die mich belasten. Krankheiten, wo Heilung benötigt wird.
Es ist meine Erinnerung, innezuhalten und meine Kraft bei meinem Schöpfer abzuholen, der gesagt hat, dass ER mich erfrischen möchte, wenn ich müde und belastet bin.
Ich schleppe also den Kram vom Alltag, die schwierigen Gespräche, die Worte, die mich trafen, die Fragen und Lösungsvorschläge täglich mehrmals ans Kreuz. Zu meinem Gott. „Was soll ich tun? Kannst du das für mich erledigen?“ Es ist eine Unterbrechung meiner alten Routine, alles selbst erledigen zu müssen.
Ich faste, weil ich diese „Routine“ verändern und vertiefen möchte: Die Routine nicht aus eigener Kraft zu handeln, sondern in meiner Schwäche – und die werde ich definitiv empfinden – zu Gott zu gehen und IHN machen zu lassen.
Ich möchte meinen Geist stärken, meinen Glauben, meine Beziehung zu Gott und „wach“ sein für das, was im Ungesehenen passiert. Um dann noch kraftvoller zu beten, meine Stimme zu erheben und dazu dankbar zu sein für das, was ich im Überfluss habe.
Fasten- das bedeutet zurück zur Quelle zu gehen. Die Quelle, die ein Leben im Überfluss hat. Die meine Seele erfrischt. Die stark ist in meiner Schwäche. Es bedeutet: Weniger ICH – Mehr Gott.
Und deshalb ist es mir vor zwei Tagen auch gelungen, auf das Dessert zu verzichten – obwohl es „nur“ eine Banane im Teigmantel (also praktisch Obst) gewesen wäre. (Ach, wie leicht man sich doch selbst hintergehen kann…) Aber ich bin in dieser Vorbereitungswoche stark geblieben – keine Süßigkeiten, kein Dessert. Und ab nächster Woche geht es dann richtig los. Ich bin gespannt und vor allem erwartungsvoll.

Der unbeliebte Besuch – eine Kurzgeschichte

Der unbeliebte Besuch – eine Kurzgeschichte

Der unbeliebte Besuch (Desirée Rosemann)

Stumm saß die Mutter mit ihren beiden Kindern beim Abendessen.
Niemand vermochte etwas zu sagen.
Die Küchenuhr tickte stetig, wie sie es immer tat.
Obwohl es sich anfühlte, als wäre die Zeit stehen geblieben, war sie ein Zeugnis
dafür, dass sich die Welt noch immer drehte. Dass das Leben weiter ging. Zumindest
für die drei Personen, die dort am Tisch saßen.
Die warme Kürbissuppe dampfte in der großen Suppenschüssel.
Ein Klopfen an der Tür durchschnitt die Stille.
Es klopfte einmal.
Zweimal.
Noch ein drittes Mal. Doch niemand wollte öffnen.
„Bitte, lasst mich herein“, tönte eine dumpfe Stimme von draußen. „Ich wurde
gerufen euch beizustehen.“
Niemand traute sich aufzustehen.
Niemand wollte den Gast hereinlassen.
Fragend blickte die junge Tochter ihre Mutter an. „Wollen wir nicht nachschauen, wer
da ist?“ fragte ihr Blick.
„Ich möchte nicht öffnen! Heute nicht!“ sagte die Mutter schließlich.
Als ob nichts geschehen wäre, begann sie, die Teller mit der dampfenden Suppe zu
befüllen.
Sogar den Vierten. Den, der vor einem leeren Stuhl stand. „Esst! Es hilft ja nix!“
sprach sie, schnitt vier Scheiben Brot ab, verteilte sie neben die Teller und begann zu
essen.
Mit langsamen Schritten entfernte sich der Besuch von der Haustür. Die Regel
besagte, dass die Menschen zu einem frühen Zeitpunkt nicht bedrängt werden
dürften. Bliebe die Tür verschlossen, müsste sie weiterziehen und es ein anderes
Mal behutsam versuchen.
Doch hier war sie schon oft gewesen. Heimlich wurde sie bereits vor einigen Wochen
von der Tochter und dem Sohn eingelassen. Die Mutter aber ignorierte das Klopfen
jedes Mal.
Sie kannte den Ton, den das Klopfen an diese Tür verursachte, nur zu gut. Heute
war ihr letzter Versuch.
„Nicht mehr lange“, dachte sie sich, „und du wirst nach mir schreien!“
Sie ließ ihre Schultern hängen. Sie wusste, was es bedeutete, wenn der Ruf nach ihr
sich in ein verzweifeltes Schreien verwandelte.
Wenn die Tür nicht bereits offenstand.
Wenn der Ruf zu einem Schrei wurde, durfte sie nicht zögern. Sie musste sofort
kommen. Es war genau dieser Gang. Dieser plötzliche, schnelle Gang, der am
schmerzhaftesten war. Es bedeutete, dass ihr Gepäck dann mit einem Mal größer
und schwerer wurde. Sie wusste, dass sie dann länger verweilen musste, bis sie
entweder aus dem Haus gejagt wurde oder liebevoll verabschiedet und zu einem
weiteren Besuch eingeladen wurde.
Es war nur ein kleines Stück zur nächsten Stadt, in die sie zu einem weiteren Haus
geschickt wurde. Langsam machte sie sich auf den Weg.
Es wurde dunkel. Die meisten Fenster waren bereits in warmes Licht
gehüllt. Aus manchen Häusern vernahm sie Kindergeschrei, hier und dort bellte ein
Hund. Ein Spaziergänger kam ihr entgegen. Als er sie bemerkte, wechselte er die Straßenseite.
„Keine Angst“, flüsterte sie leiste, „du stehst derzeit nicht auf meiner Liste.“
Als sie schließlich das Haus, das sie nun betreten sollte, schon von weitem erkannte
zögerte sie. Sie sah, wie zwei Männer das Haus verließen. Mit hängenden Schultern
hatten sie ihre Hüte wieder aufgesetzt und stiegen gerade in ihr Auto. Als sie davon
gefahren waren, ging sie näher zum Haus. Schlich langsam zur Tür und klopfte
behutsam.
Niemand öffnete.
Auch nicht, nach dem dritten Klopfen.
Kopfschüttelnd ging sie weiter. Sie würde in wenigen Stunden wieder kommen und
es noch einmal versuchen.
Sie war müde, so unendlich müde. Die schweren Lasten, die auf ihrem Rücken
lagen, durften nur kurz abgelegt werden und doch wusste sie, sie musste nun eine
kurze Pause einlegen, bevor es weiter ging.
Viel zu lange war sie schon unterwegs, viel zu viel hatte sie zu tragen.
Es war ihre Berufung.
Es war ihre Berufung zu tragen, auszuhalten und weiterzuziehen.
Weiterzuziehen, wohin sie gerufen wurde. Anzuklopfen.
Zu warten.
Zu bitten.
Geduldig zu sein.
Und wieder weiterzuziehen.
Dann, wenn sie nicht eingelassen wurde, aber auch dann, wenn ihre Zeit abgelaufen
war und das nächste Zuhause auf sie wartete.
Sie setzte sich auf eine kleine Holzbank am Waldrand und atmete tief ein.
Etwas ließ sie spüren, dass sie genau hier zu dieser Zeit ihre Pause einhalten sollte.
Gerade versuchte sie genauer hinzuhören um herauszufinden, ob sie einen Ruf aus
der Ferne überhört hatte, als ein älterer Mann des Weges entlang kam.
Kurz musterte er sie und deutete an, weiterzugehen. Doch dann hielt er kurz inne,
drehte sich noch einmal herum und entschloss sich, sich neben sie zu setzen.
Sie sagte nichts und schaute ihn nur an. „ER muss es selbst zulassen!“ sagte sie zu
sich selbst.
Schweigend saßen sie da.
Der Wind ließ die Blätter der Linden und Eichen im Herbstwind rascheln. Nur noch
wenige Amseln sangen ihr Abendlied, während die Umrisse der Bäume langsam
immer dunkler wurden.
In der Ferne erklang eine Kirchturmuhr.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal….
Bevor sie weiter mitzählen konnte, wurde der Glockenklang von einem Schluchzen
unterbrochen.
Es war so weit.
Er ließ es zu.
Er ließ SIE zu.
Schweigend legte sie ihren Arm um seine Schultern. Sie sagte nichts. Und er weinte.
Bitterlich.
Sie reichte ihm ein Taschentuch und blickte ihm sanft dabei in die Augen.

„Es ist schon so lange her…“ stammelte er, „….ich hatte gehofft, den Schmerz zu
vergessen. Und nun sitzt du hier. Ich spürte, dass ich mich setzen muss und es ist
alles wieder da.“
„Ich weiß.“ Ihr Stimme klang sanft und mitfühlend. Sie selbst starrte zu Boden.
„Warum? Warum jetzt?“
„Weil du JETZT so weit bist.“
Sie schaute ihn nun direkt an.
„Damals hast du mich nicht hereingelassen, wie so viele. Du hast versucht mich zu
ignorieren. Manchmal durfte ich für ein paar Sekunden in deine Nähe, aber dann
hast du die Türe fest verschlossen, gingst wieder deinem Alltag nach und ich musste
warten, bis ich wieder den Auftrag bekam, deine Nähe zu suchen um dir die
Möglichkeit zu lassen, mich zu finden.“
„Es tut so weh!“ Er begann wieder zu weinen. „Ich vermisse sie so sehr. Sie war
mein Ein und Alles. Wir waren so glücklich und plötzlich….ist nichts mehr, wie es
war.“
„Ich weiß.“ Sie seufzte.
Sie kannte das alles zu gut. Sie kannte den Schmerz. Sie kannte die Verzweiflung
und sie kannte die Fragen. Sie kannte jede einzelne der quälenden Fragen.
Und doch war es nicht ihre Aufgabe zu antworten. Es war nicht ihre Aufgabe zu
rechtfertigen oder zu begründen. Ihre schwere Aufgabe war es, die Gefühle der
Menschen mitzutragen. Dazu war sie da. Und sie konnte es gut.
Sie war dafür geschaffen.
Sie wusste, wie hart und kantig sich die Wut anfühlt.
Sie wusste, wie es ist, kaum Luft zum Atmen zu haben.
Sie kannte die Schwere der Schuldgefühle und die Enge der Ungewissheit.
Ihre Aufgabe war nicht leicht und doch war es IHRE Aufgabe. Es war das, was sie
am besten konnte: Mittragen. Mitleiden. Mitfühlen. Und das tat sie nun gerade in
diesem Moment.
An diesem Ort, an den sie gerufen wurde. An dem sie spürte, dass sie da sein
musste.
Sie saß auf dieser Waldbank, hielt diesen Mann im Arm und stützte ihn, während er
dasaß, weinte und seine jahrelange Last stückchenweise abgab.
Es war nur ein Anfang, das wusste sie. Und doch war es der erste Schritt.
Zu lange hatte er sie ignoriert. Zu lange hatte er versucht, seinen Weg ohne sie zu
gehen und seinen schweren Rucksack zu tragen. Und nun war der Zeitpunkt da, an
dem er ihr endlich Anteil gab.
Noch eine Weile saßen sie da, bis der Mann etwas ruhiger wurde und das letzte
Taschentuch in ihre Hände legte.
„Wirst du wieder kommen?“
In seinem Blick war eine Mischung von Hoffnung und Angst zugleich wahrzunehmen.
„Ja“, antwortete sie, „ich komme immer wieder. Ich werde in deiner Nähe sein, denn
du wirst mich brauchen. Manchmal wirst du mich von weitem sehen und weglaufen.
Manchmal wirst du mich wahrnehmen und es kommt über dich, so wie heute. Aber
manchmal, wenn du mich bewusst einlädst und mir die Tür öffnest, werde ich
behutsam eintreten und mich neben dich setzen und dir helfen. Ich werde deine Wut
aushalten, deinen Tränen mitweinen und bittersüße Erinnerungen hervorrufen. Ich
werde deine Hand halten, wenn du es brauchst, dir Einsamkeit verschaffen, wenn du
es wünschst. Ich bin nicht der wünschenswerteste Geselle, das weiß ich wohl, aber
auch wenn jeder mich aus seinem Leben verbannen möchte, werde ich von jedem
gebraucht. Ich werde wiederkommen, wenn du mich lässt. Wir werden uns eines Tages
immer mehr aneinander gewöhnt haben und dann, wenn du mich gut kennst
und annimmst, werde ich seltener kommen. Meine Besuche werden weniger
schmerzhaft und je öfter ich da war, desto weniger werden wir gemeinsam weinen,
desto tiefer werden die Seufzer und desto süßer die Erinnerungen.“
„Ich werde dich einladen. Bald. Ich brauche nur etwas Zeit.“ Mit einem langen Blick
verabschiedete er sich und ging weiter.
Als ob er es sehen könnte, nickte sie. Sie wusste es und sie war geduldig.
Sie blickte in die Ferne, lud ihre Lasten wieder auf ihren Rücken – die Lasten, die so
schwer waren und doch zu ihr gehörten. Ein Ruf ereilte sie. Wieder ein Ruf voller
Schmerz. Ein Kind rief ihren Namen und sie hörte ihn nun sehr deutlich: „TRAUER!“
und sie wusste, eine offene Tür wartete auf sie.

Trauer ist ein Teil unseres Lebens. Trotzdem versuchen wir immer wieder, Trauer
nicht zuzulassen. Wir verschließen die Tür, denn wir wissen: Mit Trauer ist Schmerz
verbunden. Trauer tut weh. Sie wiegt schwer und sie ist nicht der wünschenswerteste
Gast in unserem Leben.
Trotzdem wird sie früher oder später an die Tür klopfen. Es ist gut, sie hinein zu
lassen und einzuladen, denn es ist schmerzhafter, wenn der Ruf unserer Seele zu
einem entsetzlichen Geschrei wird, der die Trauer mit allen Lasten der
Vergangenheit auf einmal zu sich zu zieht.

Zwei Nächte im Lesehotel

Zwei Nächte im Lesehotel

Es ist Juni 2024! Schon am Parkplatz weht mir ein zarter Lavendelduft entgegen. Ich atme tief ein und bin dankbar: zum 40. Geburtstag haben mir mehrere Frauen einen Gutschein für das Lesehotel in Bad Goisern bei Hallstadt geschenkt und nun ist der Tag gekommen, an dem ich ihn einlösen kann: Zwei Nächte (eine davon ist auch eine Freundin mitgekommen) in einem Hotel, in dem alles für eine gemütliche Leseauszeit gegeben ist: Bücher, Bücher und Bücher, Zimmer mit Blick auf Berg oder Wald, Lesesessel und vor allem Ruhe. Ich freue mich so sehr.

Während wir unsere kleinen Koffer aus dem Auto holen, hören wir aus der Ferne einige Kuhglocken, aus der Nähe Vögel und als wir den kleinen Weg vom Paktplatz zum Hoteleingang hinauflaufen, stimmt das Summen der Bienen, die sich am Klee auf der Wiese und den leuchtenden Lavendelblüten am Weg erfreuen mit ein.

Wir öffnen die Hoteltür, stellen unsere Schuhe in den Eingangsbereich und checken mit dem Handy ein. Vorab habe ich bereits alle Informationen per Mail erhalten. Obwohl wir somit ganz selbstständig unser Zimmer beziehen könnten, begrüßt uns eine freundliche Mitarbeiterin des Hauses. Sie zeigt uns die einzelnen Räume, erklärt uns, wie und wo wir ganz einfach selbstständig Getränke und Snacks buchen und bezahlen können und führt uns zu unserem Zimmer. Auf dem Weg über das Treppenhaus kommen wir bereits an zahlreichen Büchern vorbei, die den kompletten Aufgang zieren.

Die Tür zum Zimmer öffnet sich-alle Zimmer sind nach einem Verlag benannt-sehr passend und kreativ, wie ich finde- und ich staune: Nicht nur das Bücherregal vor mir erfreut mich, nicht nur die schöne Bad-Ecke oder dass es ein abgetrenntes WC gibt, sondern auch der Ausblick: Vom Balkon aus sieht man über eine wunderschöne Wiese, auf die Berge und den Hallstädter See.

Wir packen die Koffer aus und schlendern gemütlich durchs Haus: zwei große Lesezimmer gibt es-eines etwas dunkler, dafür gemütlich mit großen Sitzsäcken, Leselampem und natürlich großen und voll bestückten Bücherregalen, daneben ein zweites, sehr helles Zimmer mit Sesseln, Sitzsäcken, vielen Büchern und einem schönen Ausblick auf den See und die Berge. Direkt daneben: der Speisesaal, der ebenfalls mit diversen Büchern zum Lesen einlädt, während man in Ruhe isst oder einen Kaffee genießt.

Wir lassen erstmal alles auf uns wirken und entscheiden uns dann, einen Spaziergang zu machen: Direkt neben dem Hotel gibt es zahlreiche Wanderwege, die gut ausgeschildert sind. Danach holen wir uns einen Kaffee und nehmen auf einer der schönen Lesebänke im Garten Platz. Und dann tun wir das, wofür wir genau hierher gekommen sind: Wir lesen:)

Am Abend geht’s zum köstlichen 3-Gang Menü in den Speiseraum. Ein bisschen unbeholfen fühlen wir uns schon: Zur selben Zeit sind nur zwei Gäste, Alleinreisende, beim Essen: Sie lesen schweigend und scheinen die Ruhe zu genießen. Meine Freundin und ich versuchen möglichst wenig und vor allem nur flüsternd zu sprechen. Vielleicht bin ich zu „mitfühlend“-aber es scheint mir irgendwie unangebracht zu reden…

Nach dem Essen geht’s aufs Zimmer. Reden, Lesen und vor allem die Ruhe genießen, bis wir das Licht ausschalten und einschlafen.

Am nächsten Morgen ist es neblig und regnerisch. Wir stehen gemütlich auf, frühstücken im Speiseraum und freuen uns, dass langsam die Sonne durchbricht. Wir machen einen Ausflug nach Bad Ischl, schlendern durch die Straßen, trinken Kaffee und fahren anschließend an den See. Den privaten See-Zugang, den Hotelgäste nutzen dürfen, nehmen wir nicht in Anspruch aber es ist definitiv ein netter Bonus, den ich beim nächsten Besuch nutzen werde.

Nachdem sich meine Freundin verabschiedet, (ich bleibe eine weitere Nacht alleine dort) , schnappe ich mir meinen Roman und lege mich wieder in den Garten. Leider ist es plötzlich gar nicht mehr so ruhig: auf dem Balkon sitzen einige Männer, scheinbar aus Asien, lachen, rauchen und telefonieren. Ich versuche es zu ignorieren aber es ist nicht möglich. Enttäuscht gehe ich auf mein Zimmer und lese dort weiter. Ich habe Hunger aber versuche, das Abendessen hinauszuzögern bis ich höre, dass die besagte Gruppe im Speiseraum fertig ist. Ich setze mich an den Tisch aber die Ruhe ist trotzdem nicht da-jetzt weiß ich wieder, warum ich am Abend zuvor nur flüstern wollte… immer noch sind ein paar Männer am Tisch und erzählen und lachen laut, die anderen Gäste ziehen sich entweder zurück oder erzählen ebenfalls in normaler Lautstärke. Ich traue mich zu fragen, ob ich draußen essen darf, was mir erlaubt wird, und genieße das köstliche Essen neben den Lavendelbüschen.

Später am Abend ziehe ich mich in einen der Leseräume zurück und ziehe ein Buch aus dem Regal. Es ist ruhig. Das tut so gut…

Ich schlafe spät aber entspannt ein und freue mich über den nächsten Morgen, an dem die Sonne langsam über der Wiese vor dem Haus aufgeht.

Der Checkout läuft sehr einfach, nachdem ich auch das Frühstück draußen einnehme. Meine Tochter und mein Mann holen mich ab, trinken noch einen Kaffee und einen Apfelsaft und es geht zurück in den Alltag.

Ich bin gespannt, wann ich mir diese Auszeit zum nächsten Mal gönnen werde und freue mich schon drauf!

Unbezahlte Werbung!!!!

Ich habe für diese Empfehlung keinerlei Begünstigung oder Bezahlung erhalten. Diese Empfehlung ist rein privat!

Lesehotel: https://www.hallstatt-hideaway-mountain.com

Mehr Fotos findest du auf meinem Instagram-Profil „Tag.sicht“

Von verfaulten Äpfeln

Von verfaulten Äpfeln

Vor Kurzem ging ich in der Dachsteinregion im Schnee spazieren und stieß auf diese zwei Apfelbäume.

Sie waren noch voller Äpfel und der Boden war übersät von verfaulten Früchten. Der schmelzende Schnee hatte sie ans Licht gebracht. Ich blieb eine Zeit stehen und dachte nach: Wie oft versäumen wir es in unserem Leben zu erkennen, dass die „Ernte“ schon längst reif ist?

Vielleicht warten wir auf einen perfekten Zeitpunkt oder wir denken gar nicht erst darüber nach, ob schon was gewachsen ist. Und jammern dann, dass sich nichts in unserem Leben verändert oder tut. Wir suchen nach dem Sinn von dem was wir tun, warten, wollen „Früchte“ sehen und versäumen es, genau hin zuschauen und die Früchte die schon lange da sind, zu ernten und zu genießen, bevor wir weiter aussäen. Manche sind so sehr mit säen und Pflanzen beschäftigt, dass sie vergessen auch zu genießen was bereits gewachsen ist?! Sie lassen ihre Früchte, ihre Erzeugnisse, ihre Gaben, ihr Potential verfaulen…?! Mühsam geht es immer weiter oder man resigniert „es hat ja doch keinen Wert!“

Aber was, wenn doch?! Was, wenn du aufstehst und mal überprüfst, was aus alle dem geworden ist, was du investiert hast? Aus deinen Gebeten, deinen Gesprächen, deinen Ratschlägen, deinen Liebesbeweisen, deinem Investment, deinen schlaflosen Nächten in denen du gebetet oder gearbeitet hast? Es war sicher nicht umsonst und wird es auch nicht sein! Wer säht, wird ernten! Es ist ein Prinzip-ein Gutes:)

Schau an, was schon alles gewachsen und gelungen ist in deinem Leben, teile es, freue dich daran, sei dankbar dafür und dann säe dadurch weiter aus! Es wird Frucht bringen! Die du auch genießen darfst!

Und vielleicht ist heute der perfekte Tag um einer Person Danke zu sagen oder ihr zu helfen: ihr zu sagen wo sie gesät hat und nun Fürchte betrachten kann! Vielleicht hat jemand Anteil an etwas Gutem in deinem Leben? Weil die Person für dich da war, dich ermutigt hat, dich gefördert hat, dir geholfen hat?!

Du bist ein Produkt einer Aussaat und du selbst hast Einfluss und säst durch dein Sein, dein Handeln, dein Beten- schau hin! Lass es nicht verfaulen! Genieße es und dann geht’s weiter:)