Autor: Desirée Rosemann

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

„Ich seh in dein Herz, sehe Gute Zeiten, schlechte Zeiten“…unglaublich, dass dieser Titelsong mir gleich mal in die Erinnerung kommt, wenn ich diese vier Wörter eingebe, dabei habe ich diese Serie in den 90ern kaum geschaut…trotzdem passt die Zeile extrem gut zu dem, was mich derzeit beschäftigt.
Freunde von uns sind derzeit im Urlaub. In Südafrika. In Kapstadt.
Wer schon länger zu meiner Leserschaft gehört weiß, dass Kapstadt für zwei Jahre meine „Heimat“ war und ich seit dem einen Teil meines Herzens dort gelassen habe. Ich lebe nun seit 9 Jahren in Bayern, direkt an der österreichischen Grenze und ich habe einige Freunde und Bekannte, in die in der Zwischenzeit Südafrika besucht haben. Aber in den letzten Tagen und Wochen, in denen ich die Status-Bilder unserer Freunde täglich sehe, ist es anders als sonst: Ich habe wieder „Heimweh“. Ich sehe die Menschen auf den Bildern, den Tafelberg, an einem Sonntag sogar meine ehemalige church – und Erinnerungen kommen hoch. Heute sind unsere Freunde an ihrer letzten Unterkunft nach ihrem Roadtrip angekommen und es stellt sich heraus, dass das Hotel gerade mal zwei Straßen neben einer unserer „Zuhause“ von damals liegt. „Kannst du mich noch einmal mit an den Strand nehmen?“ habe ich heute meiner Freundin geschrieben, „da habe ich jeden Morgen meine Zeit mit Gott verbracht!„. Seit Tagen kämpfe ich wieder mit den (falschen) Gedanken: „DAMALS, in Südafrika, war alles besser!“ Ich hatte Gedanken wie „Die Menschen dort sind dankbarer. Sie schätzen das Leben und das, was man tut, mehr. Sie sind wertschätzender. Höflicher. Hier ist ALLES blöd. ALLE Menschen sind undankbar. ALLE erwarten zu viel. Für ALLE bist du der Depp vom Dienst. ALLE haben ZU VIEL Erwartungen…Ja, FRÜHER, DORT war ALLES BESSER!“ Und was passierte? Ich wurde traurig. Müde. Lustlos. Motivationslos und vor allem getäuscht! Denn sind wir mal ehrlich: DA war auch nicht ALLES besser! Da waren auch nicht ALLE wertschätzender oder netter oder liebevoller -auch ICH nicht!
Dort gab es auch Herausforderungen, wenn auch andere: Ein leerer Kühlschrank immer wieder. Ein leerer Tank und ein leeres Konto. Es gab Menschen, die zu mir in die Kleiderkammer für Bedürftige kamen, und mich als NAZI und Rassist beschimpften, nur weil ich mich an die Regel hielt und jedem die selbe Anzahl an Decken und Kleidung gab und niemandem einen Vorteil gab. Ich hatte damit zu kämpfen, mit Freude zu dienen und Entscheidungen meiner Leiter zu akzeptieren, ich war müde und ich hatte immer wieder Flohstiche, als ich aus dem Township kam. Wir hatten immer wieder stundenweise keinen Strohm und im Winter war es nass und kalt und wir hatten keine richtige Heizung. Es gab Tage, an denen ich weinend an den Strand ging, mit Gott haderte und kämpfte. Einmal, gegen Ender unserer zwei Jahre dort, lief ich im Nebel am frühen Morgen am Strand herum und weinte, weil ich nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Aber was habe ich in meiner Erinnerung? Das Lachen der Kinder, die freudestrahlend auf mich zugerannt kommen. Die Freundschaften und die Beziehungen, die ich dort aufgebaut habe. Die warmen Sommertage, an denen ich morgens am Strand die Bibel las und den Blick auf den Tafelberg genoss. Ich denke meistens an die GUTEN Zeiten. War wirklich ALLES besser und ALLES gut? Ich muss schmunzeln – Nein! Auch dort nicht. Aber ich hatte eine andere Einstellung: Ich hatte mich entschieden zu gehen. Ich hatte alles aufgegeben und Dinge, die mir lieb und kostbar waren, verkauft um den Schritt nach Afrika zu gehen. Ich hatte es mich etwas kosten lassen und deshalb habe ich es damals nicht angezweifelt- nicht bereut und nicht aufgegeben. Mein HERZ hat die guten Zeiten behalten – auch wenn schlechte dabei waren.
„Kannst du mich noch einmal mit an den Strand nehmen?“ habe ich meiner Freundin geschrieben
und dann… bin ich aus dem Haus gegangen, mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren und habe den Untersberg und den Watzmann angeschaut – die Berge, die ich fast vor meiner Haustür habe. Die Berge, die von grünen, blühenden Wiesen umgeben sind. Die Berge, die ich unbedingt sehen wollte, als ich damals in Kapstadt auf dem Bett lag und weinte…“Ich würde so gerne mal in die Berge. Nach Bayern oder Österreich. Auf eine Alm. Die Kuhglocken hören und wandern…das wäre sooo schön!“ genau das hatte ich damals meinem Mann in Kapstadt gesagt, als ich müde und ausgelaugt von der „Arbeit“ in der Kirche und den Townships war. Noch nicht ahnend, dass ich einmal genau das bekommen würde. Gott hatte mich auch damals gehört und vermutlich geschmunzelt, weil er seinen Plan schon hatte. Ich darf mich neu entscheiden, im HIER und JETZT zu sein und das zu genießen, was ich habe. Täglich, wenn ich möchte – weil auch HIER viele GUTE ZEITEN auf mich warten.

Die Stimme des Königs

Die Stimme des Königs

Titel: Die Stimme des Königs – Eine dramatische Reise nach Hause
Autor: Brad Huebert
Verlag: Neufeld Verlag
Lesezeit: Je nach eigenem Tempo 3-5 Stunden
Geeignet für: Methapher- und Geschichtenliebende Leser, die sich herausfordern lassen möchten, Glaubens- und Gottesbilder zu hinterfragen
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Es gibt Bücher, die ich sehe oder geschenkt bekomme und die dann erst mal im Bücherregal landen. Nicht, weil sie mich nicht interessieren oder ansprechen, sondern weil ich dieses Bauchgefühl habe, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist es zu lesen…und dann, Monate oder Jahre später, ziehe ich es aus dem Regal und weiß: JETZT ist die Zeit.
So war es auch mit diesem Buch. Mein Bruder war begeistert davon, hat sogar das Hörbuch dazu aufgenommen, und hatte es mir zum Geburtstag geschenkt. Als ich im letzten Jahr für den Urlaub packte, hatte ich das Gefühl, ich sollte es einpacken. Eigentlich hatte ich keine Lust. Ich wollte nichts „frommes“ lesen und packte es nur widerwillig ein – um es 10 Tage später in Frankreich dann doch aus dem Koffer zu holen. Ich wachte an dem Morgen auf und wusste, HEUTE ist der Tag es zu lesen. Also setzte ich mich in den Garten der Ferienwohnung und las. Las. Las. Schluckte, bekam Tränen in die Augen, las weiter und klappte es nach drei Stunden zu – seufzend und dankbar. Warum?
Der Untertitel ist „Eine dramatische Reise nach Hause“ und er könnte nicht treffender sein. Ich hatte das Gefühl, meine eigene, innere Reise darin zu lesen und schließlich nach Hause zu finden.
Brad Huebert erzählt das Abenteuer eines Mannes (Ivan), der für sich alleine im Wohnzimmer die Entscheidung trifft, sein Leben ab sofort ganz Gott hinzugeben. Als er sein Gebet spricht, geschieht plötzlich etwas und er findet sich in einer anderen Welt wieder. Genauer gesagt in einem Königreich. Dort wird ihm gleich zu  Beginn die Frage gestellt: „Alte oder neue Stadt“ – ohne zu wissen, welche Frage eigentlich dahinter steckt, trifft er eine Entscheidung und kommt in eine Stadt, in der Menschen nach bestimmten Regeln leben und in der ihr Leben danach ausgerichtet ist, dem König (Gott selbst) zu begegnen. Ivan vermisst sein altes Leben, seine Familie und versucht doch, in dieser neuen Welt des „Glaubens“ anzukommen. Er trifft auf Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als den König zu sehen. Ivan bezieht eine Wohnung und strebt immer mehr – so wie alle anderen Bewohner dieser Stadt – danach, alles zu tun was notwendig ist, um Gott so nah wie möglich zu kommen. Dabei ist nicht nur das „BUCH“ notwendig, das er zu jeder Zeit bei sich tragen und intensiv lesen – ja verinnerlichen muss, auch die Teilnahme an Versammlungen ist dabei wichtig. Er möchte immer weiter auf den Gipfel, höher und näher an den König und je näher er ihm kommt, desto mehr scheint es umsonst zu geben. Quellen, aus denen er zu jeder Zeit trinken kann, wenn er Durst hat zum Beispiel – aber warum scheint er immer mehr Durst zu bekommen, je mehr er trinkt? Seine Zweifel, seine Müdigkeit, seine Kraft werden dabei immer weniger. Schließlich findet er sich in einem Kampf wieder, ausgerüstet mit allem, was andere sagen, was notwendig sei um den Feind zu bekämpfen – bis er schließlich erschöpft, verzweifelt und kraftlos zusammenbricht. Um sich dann…erneut in einer imaginären Stadt wieder zu finden, wo alles anders zu sein scheint. Die Menschen sind dort so fröhlich, freier und gelassener. Warum? Wieder hört der Mann davon, was notwendig oder nicht notwendig sei um dem König zu begegnen und ihm nahe zu sein – aber warum wiederspricht das alles dem, was die Menschen in der anderen Stadt zuvor gesagt und getan hatten?
In diesem Buch wird das eigene Glaubensleben auf – ja vielleicht sogar wach gerüttelt. Was bedeutet es, wenn die Bibel oder Christen vom „Neuen Bund“ reden? Wie lebt es sich in diesem neuen Bund? Ist Glaube und die Nähe zu Gott wirklich mit so vielem Bestreben und „Regeln“ verbunden oder ist es vielleicht doch viel einfacher, ihm zu begegnen? Brad Huebert schafft es, den Leser ganz persönlich mit hineinzunehmen in diese Fragen, den eigenen Glauben und das Gottesbild zu hinterfragen, ohne zu ver- oder zu beurteilen.
Im Epilog erst fragt er ganz direkt: „Was fangen Sie nun mit all dem an?“
Mich hat „Die Stimme des Königs“ tief bewegt, wach gerüttelt und sogar beschämt. Gleichzeitig aber ermutigt und mich in eine neue Freiheit geführt.
Kein Wunder, dass ich es bereits mehrfach verschenkt habe und froh bin, dass es wieder „Nachschub“ gibt. Ein Buch, das in jedem Regal stehen und immer wieder gelesen und mit allen Fragen und Gedanken in Erinnerung gerufen werden sollte.

Tipp: „Die Stimme des Königs“ gibt es mit der Stimme meines Bruders Oliver Gentina kostenlos auf Youtube und Spotify zu hören.

„Du trägst keine Liebe in dir…“ oder „Wenn ich keine Liebe hätte…“

„Du trägst keine Liebe in dir…“ oder „Wenn ich keine Liebe hätte…“

„Wenn ich in den unterschiedlichsten Sprachen der Welt, ja, sogar in der Sprache der Engel reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie ein dröhnender Gong oder ein lärmendes Becken. Wenn ich in Gottes Auftrag prophetisch reden kann, alle Geheimnisse Gottes weiß, seine Gedanken erkennen kann und einen Glauben habe, der Berge versetzt, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nichts. Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenke und für meinen Glauben das Leben opfere, aber ich habe keine Liebe, dann nützt es mir gar nichts.“ (Die Bibel, 1. Korinther 13,1-3)

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Sätze schon gelesen oder gehört habe, in den letzten Tagen trafen sie mich wieder einmal tief.
Ich nehme viel wahr. Spüre, wenn die Atmosphäre angespannt ist, merke, wenn das Mindset einer Gemeinschaft immer mehr in eine andere Richtung geht oder jemand mit mir nicht im Klaren ist. Ich höre heraus, ob ein „HALLO!“ freundlich und offen ist, oder es gezwungen freundlich klingen soll, damit man höflich bleibt… An sich ist das kein großes Problem, aber es wird anstrengend, wenn ich mein Herz, meine Liebe, mein Handeln davon beeinflussen lasse. Vor allem, wenn ich dadurch verunsichert werde… Das passiert mir leider immer wieder. Gerade heute ist mir im privaten Rahmen zuhause deutlich geworden, dass meine Liebe beeinflusst wurde, durch Umstände, die mich seit einigen Tagen beschäftigen und die ich wahrnehme. Auch in der Kirche passiert es mir immer wieder, dass die Liebe für Menschen und für Gott beeinflusst wird durch das, was ich dort wahrnehme.
Wir, als Leiter einer Kirche, haben Visionen, Ideen und vor allem den Wunsch, Menschen mit Gott in Berührung zu bringen. Wir möchten unseren Auftrag, den Jesus seinen Jüngern gegeben hat, ausführen: Menschen zu Jüngern zu machen, sie zu lehren, was Jesus gelehrt hat, sie zu taufen…mit der Perspektive Ewigkeit. Mit der Perspektive, dass es einen Gott gibt, der sich um uns sorgt, der Anteil haben möchte an unserem Leben…und dafür gehen wir ALL-IN, wie man so schön sagt. Und dann…wenn ich den Eindruck habe, dass dieser Blick, diese Motivation, diese Sehnsucht nicht mehr bei den Menschen andockt, wenn ich das Gefühl habe, dass „Kirche“ lästig wird, zu „viel“, zu „was auch immer“, dann hat das Einfluss auf meine Motivation und blöderweise auch auf meine Liebe…“Du trägst keine Liebe in dir, nicht für mich und für irgendwen.“ – dieser Song aus meiner Teenagerzeit von „ECHT“ taucht dann immer wieder in meinen Gedanken auf. Trage ich noch Liebe in mir? Für wen?

Und ich stelle mir fragen und überlege, was andere Menschen so denken…

Warum tue ich das, was ich tue?
Weil mir langweilig ist?
Warum machen wir die Veranstaltungen in unserer Kirche?
Weil ich mich selbst-verwirklichen möchte?
Warum predige ich?
Weil ich mich selbst gerne reden höre?
Warum bieten wir Kaffee und eine willkommens-Atmosphäre in unserer Kirche?
Weil wir Geld einnehmen wollen?
Warum treffen wir Entscheidungen, die vielleicht nicht allen Mitarbeitern schmecken?
Weil wir sie ärgern wollen?

„KIRCHE“ kann für viele zum To-do werden. Und wenn es zum To-do wird, verlieren wir den Blick.
Irgendwann geht der Blick von Jesus weg, über das To-Do dann zu uns. Wo bleiben ICH? Warum hat DAS Team jetzt ein Budget freigegeben bekommen, was ICH aber für MEIN TEAM wollte?
Warum soll ICH jetzt wieder helfen? Soll der DER ANDERE mal was machen…Warum wurde MEINE IDEE nicht genommen?
Es geht irgendwann um das ICH und dann…geht das Vertrauen verloren. In die Leiterschaft, in die Begabungen…und in vieles mehr. Vor allem aber wird der Auftrag und das gemeinsame Ziel vergessen. Der Ton untereinander wird harsch, Erwartungen an den anderen größer, der Rückzug deutlicher…und bei mir als Pastorin der Druck, es allen recht machen zu wollen, stärker, der Schmerz im Mama-Herz heftiger („Du verstehst es vielleicht nicht, aber vertrau mir!“), die Angst, etwas falsch zu machen größer und die Liebe – weniger. Dabei beginnt und endet es bei mir! Es sollte mich nicht negativ beeinflussen, wenn ANDERE die Liebe vielleicht nicht mehr im Blick haben und alles nur noch aus To-do-gefühl machen. Ich möchte nicht, dass es MEIN Ziel beeinflusst.
Die Verse vom Apostel Paulus könnten für mich heute so klingen:
Wenn ich mit einem Doktor-Titel der Theologie Predigten Wissenschaftlich und fundiert vorbereiten würde und ich hätte keine Liebe, würden die Worte nicht im Herz ankommen. Wenn ich für Menschen in der Gemeinde faste und bete und ich hätte keine Liebe, hätte das Gebet weniger Kraft. Wenn ich morgens früh aufstünde um den Aufbau für den Gottesdienst zu unterstützen und ich hätte keine Liebe – würde es mich ermüden. Wenn ich Entscheidungen in Budget- und Terminfragen treffen müsste und ich hätte keine Liebe, wäre Kirche reines Management. Würde ich Entscheidungen meiner Leiter zwar hinnehmen aber ich hätte keine Liebe und kein Vertrauen, würde ich Neid und Eifersucht herrschen lassen.“ Und so weiter.

Warum tue ich das, was ich tue?
Warum habe ich damals damit angefangen?
Und wie sieht es jetzt gerade mit meiner Liebe aus?

Ist meine Liebe BEDINGUNGSLOS und UNBEEINFLUSSBAR oder ist sie abhängig von dem Maß der Liebe anderer?
Diese Frage stelle ich mir ganz persönlich heute.
Und diese Frage, darfst du dir auch gerne stellen.
Ich möchte, dass sich etwas ändert und ich wieder mit voller Hingabe und Liebe das tue, was ich tue.
Darum entscheide ich mich heute, mich unter dem Baum des Lebens nieder zu lassen und Liebe, Geduld, Freundlichkeit, Freude, Sanftmut, Mitgefühl und Vision zu empfangen – denn nur so möchte ich durchhalten!

Lebensweg oder „Wohin schaue ich?“

Lebensweg oder „Wohin schaue ich?“

Leben.
Ein Weg.
Viele Schritte.
Mit welchem Fokus?
Wohin schaue ich?
Auf das, was andere tun?
Wie weit SIE gekommen sind?
Auf das, was SIE erreicht haben?
Bin ich motiviert durch IHRE Ziele?
Wohin schaue ich?
Nach unten?
Gehe ich Schritt für Schritt ohne zu wissen, wohin es mich führt?
Betrachte ich die Art meines Gangs?
Schaue ich auf die wunden Füße?
Auf die Schmerzen und die Blasen, die sich auf dem Lebensweg entwickelt haben?
Wohin schaue ich?
Nach oben?
Nichts ahnend, was kommt?
Bin ich ein „Hans-guck-in-die-Luft“?
Stolpere. Falle. Weine, weil ich gehofft hatte, getragen zu werden?
Wohin schaue ich?
Wo ist mein Fokus?
Auf diesem Weg.
Mit meinen Schritten.
In diesem Leben.
Ich schaue nach vorne.
Ich habe Jesus im Fokus.
Um dann am Ende, das Ziel zu erreichen.
Um weiter gehen zu können.
Auf dem Lebensweg – der nicht mehr endet.

Finde Frieden im Stress: Deine Reise ins Land der Ruhe

Finde Frieden im Stress: Deine Reise ins Land der Ruhe

Ich liebe es festzustellen, dass nicht nur ich mir aussuche, welche Bücher ich wann lese, sondern dass der Heilige Geist das perfekte Timing kennt. Bei diesem Buch war es auch so. Das Jahr ist nun schon fast drei komplette Monate alt und ich finde mich fast wöchentlich in einem Strudel von To-Dos, selbst erstellten Deadlines und dem Seufzen, wenn ich meinen Terminkalender anschaue. Dabei wollte ich doch gerade in diesem Jahr bewusster, ruhiger und entspannter Leben. Ich wollte meinen Fokus auf das Thema „Prophetie“ legen, mehr Zeit in der Ruhe haben um bewusst zu beten, zu hören und aufzuschreiben, was Gott mir sagt und das dann alles mit meinem Mann für die Kirche zu besprechen und zu prüfen. Außerdem wollte ich diese Zeiten auch dafür nutzen, Predigten vorzubereiten und ich wollte bestimmte Bereiche in der church durch prophetische Eindrücke prägen. Aber: Dafür benötige ich weniger Todos und mehr Zeit zum HÖREN. Es läuft anders als gedacht…Vieles muss aufgeholt werden, die Kirche wächst stätig und vieles muss angepasst und verändert werden – wir befinden uns in einer Art Umbruch. Gerade JETZT möchte ich aus der Ruhe heraus aktiv sein und nicht einfach reagieren und abarbeiten…

Dein Land der Ruhe“ kam daher gerade recht. Ich saß in den letzten 10 Tagen täglich da, las, pausierte, machte Notizen, reflektierte und betete. Meine Vorstellung von einem „netten Buch, das ein paar Inspirationen zum Ruhezeiten-Nehmen gibt“, wurde umgeworfen. Stattdessen beschreibt die Theologin und Coachin Cornelia Schmid quasi eine Reise zu dem Land der Ruhe, welches wir in der Gegenwart Jesu finden. Diese Reise ist dabei auch eine Reise durch die Bibel – Gottes Geschichte mit dem Menschen, seine Verheißungen an Abraham, ein Land zu besitzen, in dem Gottes Volk zur Ruhe kommen wird, die lange Wüstenzeit von Israel, weil sie sich von Gott entfernten, über Jesus, der zusagte, dass jeder, der „mühselig und beladen ist“ zu ihm kommen darf um Ruhe zu finden.
Sie erklärt, was der Gedanke von „Sabbat“ ist und zeigt auf, wie wir selbst in Stress, im Alltag und in turbolenten Zeiten Ruhe und Frieden finden können: Der Schlüssel ist der GEIST! (Nicht gleichzusetzen mit der Seele). Und dann zeigt sie auch noch verschiedene „Werkzeuge“ auf, die man im Glaubensleben nutzen kann, um Ruhe zu finden, in Gottes Gegenwart einzutauchen und die Seele Seele sein zu lassen, während der Geist auftankt, sich stärkt und ruht.
Die Autorin nutzt immer wieder Bibelstellen, persönliche Beispiele, Zeugnisse und Beispiele aus ihren Coaching-Seminaren, wodurch ich mich sehr abgeholt fühlte.
Ich beobachte, wie ich seit Tagen achtsamer mit meinen Gefühlen umgehe: Reagiert die Seele oder der Geist? Warum? Wie kann ich meine Seele beruhigen? Und dann gehe ich ins Gebet und bitte den Heiligen Geist, mir aufzuzeigen, wo ich vergeben darf, wo ich loslassen darf, wo ich meine Seele beruhigen darf. Ich suche die Gegenwart Gottes, statt selbst zu „werkeln“…nur ein kleines Resultat des Buches.

Ein Hinweis aber: Es lässt sich nicht so leicht einfach mal eben durchlesen. Ich ermutige dazu, wie ich, immer wieder Pausen zu machen, Sätze zu unterstreichen oder abzuschreiben, darüber nachzudenken und die Reflektionsfragen zu nutzen. Was ich schön fände, wäre eine Art „Arbeitsheft“ oder „Werkbuch“ oder zumindest ein anderes Format mit breiterem Rand um sich Notizen machen zu können…Jedes Kapitel ist „gehaltvoll“ aber genau deshalb auch lesenswert und bereichernd.

Fasten – warum eigentlich?

Fasten – warum eigentlich?

Vorgestern war ich mit einem Teil meines „Ladies-Ministry“-Teams Essen.
In einem meiner Lieblingsrestaurants – dort gibt es asiatisches, leckeres und vor allem VIEL Essen. Welcome to Paradise:-)
Ja, ich weiß, es ist offiziell Fastenzeit – (M)ein Glück, dass wir in unserer church erst nächste Woche mit dem gemeinsamen Fasten beginnen. Bis dahin haben wir Vorbereitungszeit.
Ich habe schon öfter auf verschiedene Art gefastet, aber noch nie habe ich es „vorbereitet“. 10 Tage Vorbereitung in Begleitung mit einem Buch – 10 Tage kleine Inputs und Anregungen um sich zunächst einmal bewusst zu machen, warum man fasten möchte, wie man fasten möchte, wie lange man fasten möchte…und ich muss sagen, ich bin begeistert und motivierter als je zuvor.
Ich faste nicht, weil ich mal wieder abnehmen möchte oder weil mein Darm mal wieder bei 0 starten soll.
Ich faste auch nicht, weil wir das in der Kirche jedes Jahr so machen und ich als Pastorin da voran gehen muss.
Ich faste für verschiedene Dinge – weil es mir guttut, zurück zur Ruhe zu kommen. Weg von Ablenkungen, die ich gerne als Ausreden dafür verwende, nicht genug Zeit im Gebet, im Bibellesen oder einfach in der Stille bei Gott verbringen zu können…Wie oft kommt es vor, dass ich sage: „Ich schaue heute Abend noch ein bisschen die Serie weiter. Ich muss einfach mal abschalten!“ Wie unlogisch eigentlich.
Jetzt habe ich beschlossen zu fasten. Auf Dinge zu verzichten, die mir Zeit und Ruhe rauben. Auf Nahrungsmittel, die ich gerne in mich hineinstopfe, weil mein Körper Energie benötigt oder einfach Zucker, weil „alles soooo anstrengend ist“.
Wenn mein Magen knurrt, dann ist das mein Wecker zum Gebet. Und ich nehme meine Gebetsanliegen hervor: Menschen, für dich bete. Themen, die mich belasten. Krankheiten, wo Heilung benötigt wird.
Es ist meine Erinnerung, innezuhalten und meine Kraft bei meinem Schöpfer abzuholen, der gesagt hat, dass ER mich erfrischen möchte, wenn ich müde und belastet bin.
Ich schleppe also den Kram vom Alltag, die schwierigen Gespräche, die Worte, die mich trafen, die Fragen und Lösungsvorschläge täglich mehrmals ans Kreuz. Zu meinem Gott. „Was soll ich tun? Kannst du das für mich erledigen?“ Es ist eine Unterbrechung meiner alten Routine, alles selbst erledigen zu müssen.
Ich faste, weil ich diese „Routine“ verändern und vertiefen möchte: Die Routine nicht aus eigener Kraft zu handeln, sondern in meiner Schwäche – und die werde ich definitiv empfinden – zu Gott zu gehen und IHN machen zu lassen.
Ich möchte meinen Geist stärken, meinen Glauben, meine Beziehung zu Gott und „wach“ sein für das, was im Ungesehenen passiert. Um dann noch kraftvoller zu beten, meine Stimme zu erheben und dazu dankbar zu sein für das, was ich im Überfluss habe.
Fasten- das bedeutet zurück zur Quelle zu gehen. Die Quelle, die ein Leben im Überfluss hat. Die meine Seele erfrischt. Die stark ist in meiner Schwäche. Es bedeutet: Weniger ICH – Mehr Gott.
Und deshalb ist es mir vor zwei Tagen auch gelungen, auf das Dessert zu verzichten – obwohl es „nur“ eine Banane im Teigmantel (also praktisch Obst) gewesen wäre. (Ach, wie leicht man sich doch selbst hintergehen kann…) Aber ich bin in dieser Vorbereitungswoche stark geblieben – keine Süßigkeiten, kein Dessert. Und ab nächster Woche geht es dann richtig los. Ich bin gespannt und vor allem erwartungsvoll.

Worte Voller Leben

Worte Voller Leben

Worte voller Leben – Zeitlose Weisheiten für das Hier und Jetzt
Armin Jans
adeo Verlag

*Rezensionsexemplar*

25 Persönlichkeiten, 5 Themenbereiche, unendlich viele Möglichkeiten, um über das Leben, den Glauben – das Hier und Jetzt nachzudenken.
Der Theologe und PR Berater Armin Jans hat in diesem Buch nicht nur wertvolle Zitate von bedeutenden Personen wie Hildegard von Bingen, Ignatius von Loyola, Rainer Maria Rilke oder Thomas von Aquin gesammelt und wiedergegeben – er hat zu jedem Zitat auch tiefgründige Kurzimpulse und Gedanken formuliert. „Diese Worte eignen sich dazu, sie bewusst zu verinnerlichen und wirken zu lassen“, schreibt Jans im Vorwort und genau das rate ich jedem und jeder Leser:in. Kein Zitat, kein Wort, keine Formulierung scheint zufällig oder unbedacht, sondern sorgfältig ausgewählt. Jeder Gedanke ließ mich beim Lesen innehalten und darüber nachdenken. Dieses Buch ist kein Andachtsbuch – kein „Ich lese mal kurz ein paar Seiten“-Werk. Es ist ein Schatz an Gedanken und Worten, die sich der/die LeserIn auf der Zunge zergehen lassen kann. Es ist eine Mischung aus Weisheitsliteratur, Philosophie und praktischer Theologie: Zitate, die von Menschen aus mehreren Jahrhunderten stammen, werden mit der Bibel in Verbindung gebracht und durch Gedanken von Jans ins Hier und Jetzt gesetzt. Wer sich darauf einlässt, kann dadurch sein Glaubensleben nicht nur ergänzen, sondern bereichern.
Ein Buch, das dazu einlädt, sich Zeiten zum Nachdenken und Vertiefen zu nehmen – oder, wie ich, mit einem Gesprächspartner über das Gelesene Wort zu philosophieren.

5 Minuten Auszeiten für Mamas

5 Minuten Auszeiten für Mamas

5 Minuten Gott und ich – Auszeiten für vielbeschäftigte Mamas
SCM Verlag


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„Bin ich genug?“, „Ich schaffe das alles nicht!“, „Niemand sieht, was ich eigentlich tue!“, „Mama ist ein 24-Stunden-Job!“ – Diese Gedanken kennen vermutlich einige andere Mamas auch. Ich ertappte mich- vor allem als meine Tochter noch kleiner war, immer wieder dabei, mir kaum bis gar keine Zeiten zu nehmen, in denen ich innehalte, bete und höre, was Gott mir zu sagen hat.
Das kleine Büchlein „5 Minuten Gott und ich – Auszeiten für vielbeschäftigte Mamas“ ist genau hier hilfreich. 50 Impulse, oder wie es in der Einleitung heißt, „Türöffner“, bestehend aus einem Bibelvers, einem Zitat oder Gedanken und einem Gebet, laden dazu ein, kurz zwischen Wäschewaschen, dem Job, dem Windeln-wechseln oder einfach während der Zeit auf dem Spielplatz, für wenigstens 5 Minuten innezuhalten und über Zusagen Gottes nachzudenken. Und plötzlich wird einem wieder bewusst, dass man nicht allein ist. Dass man die Last nicht alleine tragen muss. Dass man nicht nur leisten muss. Dass alles seine Zeit hat. Dass es wichtig ist, bei Jesus aufzutanken und nicht alles aus eigener Kraft zu tun.
Die „Türöffner“ sind sehr kurz und ja – man kann, wenn man möchte, eine „Alibi-Andacht“ daraus machen: In 30 Sekunden drüber lesen, Buch wieder zuschlagen und dann weiter machen wie vorher. Sie sind eben keine ausführlichen Andachten oder Predigten – und genau das ist so ansprechend: Es sind Impulse, denen ich persönlich nachgehen darf. Ich darf den Vers oder das Zitat nachwirken lassen. Darüber nachdenken und dadurch einen Raum der Begegnung mit Gott betreten. Und dann? Dann darf GOTT diesen Raum füllen – wenn ich den Türöffner nutze und dann entscheide, diesen Raum zu betreten. Das liegt natürlich bei jedem selbst.
„5 Minuten Gott und ich“ ist meiner Meinung nach vor allem ein tolles Geschenk und somit vielleicht auch ein toller Türöffner für ein Gespräch oder eine neue Freundschaft zwischen Mamas:-)

  1. Rezensionsexemplar des Verlags ↩︎
Der unbeliebte Besuch – eine Kurzgeschichte

Der unbeliebte Besuch – eine Kurzgeschichte

Der unbeliebte Besuch (Desirée Rosemann)

Stumm saß die Mutter mit ihren beiden Kindern beim Abendessen.
Niemand vermochte etwas zu sagen.
Die Küchenuhr tickte stetig, wie sie es immer tat.
Obwohl es sich anfühlte, als wäre die Zeit stehen geblieben, war sie ein Zeugnis
dafür, dass sich die Welt noch immer drehte. Dass das Leben weiter ging. Zumindest
für die drei Personen, die dort am Tisch saßen.
Die warme Kürbissuppe dampfte in der großen Suppenschüssel.
Ein Klopfen an der Tür durchschnitt die Stille.
Es klopfte einmal.
Zweimal.
Noch ein drittes Mal. Doch niemand wollte öffnen.
„Bitte, lasst mich herein“, tönte eine dumpfe Stimme von draußen. „Ich wurde
gerufen euch beizustehen.“
Niemand traute sich aufzustehen.
Niemand wollte den Gast hereinlassen.
Fragend blickte die junge Tochter ihre Mutter an. „Wollen wir nicht nachschauen, wer
da ist?“ fragte ihr Blick.
„Ich möchte nicht öffnen! Heute nicht!“ sagte die Mutter schließlich.
Als ob nichts geschehen wäre, begann sie, die Teller mit der dampfenden Suppe zu
befüllen.
Sogar den Vierten. Den, der vor einem leeren Stuhl stand. „Esst! Es hilft ja nix!“
sprach sie, schnitt vier Scheiben Brot ab, verteilte sie neben die Teller und begann zu
essen.
Mit langsamen Schritten entfernte sich der Besuch von der Haustür. Die Regel
besagte, dass die Menschen zu einem frühen Zeitpunkt nicht bedrängt werden
dürften. Bliebe die Tür verschlossen, müsste sie weiterziehen und es ein anderes
Mal behutsam versuchen.
Doch hier war sie schon oft gewesen. Heimlich wurde sie bereits vor einigen Wochen
von der Tochter und dem Sohn eingelassen. Die Mutter aber ignorierte das Klopfen
jedes Mal.
Sie kannte den Ton, den das Klopfen an diese Tür verursachte, nur zu gut. Heute
war ihr letzter Versuch.
„Nicht mehr lange“, dachte sie sich, „und du wirst nach mir schreien!“
Sie ließ ihre Schultern hängen. Sie wusste, was es bedeutete, wenn der Ruf nach ihr
sich in ein verzweifeltes Schreien verwandelte.
Wenn die Tür nicht bereits offenstand.
Wenn der Ruf zu einem Schrei wurde, durfte sie nicht zögern. Sie musste sofort
kommen. Es war genau dieser Gang. Dieser plötzliche, schnelle Gang, der am
schmerzhaftesten war. Es bedeutete, dass ihr Gepäck dann mit einem Mal größer
und schwerer wurde. Sie wusste, dass sie dann länger verweilen musste, bis sie
entweder aus dem Haus gejagt wurde oder liebevoll verabschiedet und zu einem
weiteren Besuch eingeladen wurde.
Es war nur ein kleines Stück zur nächsten Stadt, in die sie zu einem weiteren Haus
geschickt wurde. Langsam machte sie sich auf den Weg.
Es wurde dunkel. Die meisten Fenster waren bereits in warmes Licht
gehüllt. Aus manchen Häusern vernahm sie Kindergeschrei, hier und dort bellte ein
Hund. Ein Spaziergänger kam ihr entgegen. Als er sie bemerkte, wechselte er die Straßenseite.
„Keine Angst“, flüsterte sie leiste, „du stehst derzeit nicht auf meiner Liste.“
Als sie schließlich das Haus, das sie nun betreten sollte, schon von weitem erkannte
zögerte sie. Sie sah, wie zwei Männer das Haus verließen. Mit hängenden Schultern
hatten sie ihre Hüte wieder aufgesetzt und stiegen gerade in ihr Auto. Als sie davon
gefahren waren, ging sie näher zum Haus. Schlich langsam zur Tür und klopfte
behutsam.
Niemand öffnete.
Auch nicht, nach dem dritten Klopfen.
Kopfschüttelnd ging sie weiter. Sie würde in wenigen Stunden wieder kommen und
es noch einmal versuchen.
Sie war müde, so unendlich müde. Die schweren Lasten, die auf ihrem Rücken
lagen, durften nur kurz abgelegt werden und doch wusste sie, sie musste nun eine
kurze Pause einlegen, bevor es weiter ging.
Viel zu lange war sie schon unterwegs, viel zu viel hatte sie zu tragen.
Es war ihre Berufung.
Es war ihre Berufung zu tragen, auszuhalten und weiterzuziehen.
Weiterzuziehen, wohin sie gerufen wurde. Anzuklopfen.
Zu warten.
Zu bitten.
Geduldig zu sein.
Und wieder weiterzuziehen.
Dann, wenn sie nicht eingelassen wurde, aber auch dann, wenn ihre Zeit abgelaufen
war und das nächste Zuhause auf sie wartete.
Sie setzte sich auf eine kleine Holzbank am Waldrand und atmete tief ein.
Etwas ließ sie spüren, dass sie genau hier zu dieser Zeit ihre Pause einhalten sollte.
Gerade versuchte sie genauer hinzuhören um herauszufinden, ob sie einen Ruf aus
der Ferne überhört hatte, als ein älterer Mann des Weges entlang kam.
Kurz musterte er sie und deutete an, weiterzugehen. Doch dann hielt er kurz inne,
drehte sich noch einmal herum und entschloss sich, sich neben sie zu setzen.
Sie sagte nichts und schaute ihn nur an. „ER muss es selbst zulassen!“ sagte sie zu
sich selbst.
Schweigend saßen sie da.
Der Wind ließ die Blätter der Linden und Eichen im Herbstwind rascheln. Nur noch
wenige Amseln sangen ihr Abendlied, während die Umrisse der Bäume langsam
immer dunkler wurden.
In der Ferne erklang eine Kirchturmuhr.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal….
Bevor sie weiter mitzählen konnte, wurde der Glockenklang von einem Schluchzen
unterbrochen.
Es war so weit.
Er ließ es zu.
Er ließ SIE zu.
Schweigend legte sie ihren Arm um seine Schultern. Sie sagte nichts. Und er weinte.
Bitterlich.
Sie reichte ihm ein Taschentuch und blickte ihm sanft dabei in die Augen.

„Es ist schon so lange her…“ stammelte er, „….ich hatte gehofft, den Schmerz zu
vergessen. Und nun sitzt du hier. Ich spürte, dass ich mich setzen muss und es ist
alles wieder da.“
„Ich weiß.“ Ihr Stimme klang sanft und mitfühlend. Sie selbst starrte zu Boden.
„Warum? Warum jetzt?“
„Weil du JETZT so weit bist.“
Sie schaute ihn nun direkt an.
„Damals hast du mich nicht hereingelassen, wie so viele. Du hast versucht mich zu
ignorieren. Manchmal durfte ich für ein paar Sekunden in deine Nähe, aber dann
hast du die Türe fest verschlossen, gingst wieder deinem Alltag nach und ich musste
warten, bis ich wieder den Auftrag bekam, deine Nähe zu suchen um dir die
Möglichkeit zu lassen, mich zu finden.“
„Es tut so weh!“ Er begann wieder zu weinen. „Ich vermisse sie so sehr. Sie war
mein Ein und Alles. Wir waren so glücklich und plötzlich….ist nichts mehr, wie es
war.“
„Ich weiß.“ Sie seufzte.
Sie kannte das alles zu gut. Sie kannte den Schmerz. Sie kannte die Verzweiflung
und sie kannte die Fragen. Sie kannte jede einzelne der quälenden Fragen.
Und doch war es nicht ihre Aufgabe zu antworten. Es war nicht ihre Aufgabe zu
rechtfertigen oder zu begründen. Ihre schwere Aufgabe war es, die Gefühle der
Menschen mitzutragen. Dazu war sie da. Und sie konnte es gut.
Sie war dafür geschaffen.
Sie wusste, wie hart und kantig sich die Wut anfühlt.
Sie wusste, wie es ist, kaum Luft zum Atmen zu haben.
Sie kannte die Schwere der Schuldgefühle und die Enge der Ungewissheit.
Ihre Aufgabe war nicht leicht und doch war es IHRE Aufgabe. Es war das, was sie
am besten konnte: Mittragen. Mitleiden. Mitfühlen. Und das tat sie nun gerade in
diesem Moment.
An diesem Ort, an den sie gerufen wurde. An dem sie spürte, dass sie da sein
musste.
Sie saß auf dieser Waldbank, hielt diesen Mann im Arm und stützte ihn, während er
dasaß, weinte und seine jahrelange Last stückchenweise abgab.
Es war nur ein Anfang, das wusste sie. Und doch war es der erste Schritt.
Zu lange hatte er sie ignoriert. Zu lange hatte er versucht, seinen Weg ohne sie zu
gehen und seinen schweren Rucksack zu tragen. Und nun war der Zeitpunkt da, an
dem er ihr endlich Anteil gab.
Noch eine Weile saßen sie da, bis der Mann etwas ruhiger wurde und das letzte
Taschentuch in ihre Hände legte.
„Wirst du wieder kommen?“
In seinem Blick war eine Mischung von Hoffnung und Angst zugleich wahrzunehmen.
„Ja“, antwortete sie, „ich komme immer wieder. Ich werde in deiner Nähe sein, denn
du wirst mich brauchen. Manchmal wirst du mich von weitem sehen und weglaufen.
Manchmal wirst du mich wahrnehmen und es kommt über dich, so wie heute. Aber
manchmal, wenn du mich bewusst einlädst und mir die Tür öffnest, werde ich
behutsam eintreten und mich neben dich setzen und dir helfen. Ich werde deine Wut
aushalten, deinen Tränen mitweinen und bittersüße Erinnerungen hervorrufen. Ich
werde deine Hand halten, wenn du es brauchst, dir Einsamkeit verschaffen, wenn du
es wünschst. Ich bin nicht der wünschenswerteste Geselle, das weiß ich wohl, aber
auch wenn jeder mich aus seinem Leben verbannen möchte, werde ich von jedem
gebraucht. Ich werde wiederkommen, wenn du mich lässt. Wir werden uns eines Tages
immer mehr aneinander gewöhnt haben und dann, wenn du mich gut kennst
und annimmst, werde ich seltener kommen. Meine Besuche werden weniger
schmerzhaft und je öfter ich da war, desto weniger werden wir gemeinsam weinen,
desto tiefer werden die Seufzer und desto süßer die Erinnerungen.“
„Ich werde dich einladen. Bald. Ich brauche nur etwas Zeit.“ Mit einem langen Blick
verabschiedete er sich und ging weiter.
Als ob er es sehen könnte, nickte sie. Sie wusste es und sie war geduldig.
Sie blickte in die Ferne, lud ihre Lasten wieder auf ihren Rücken – die Lasten, die so
schwer waren und doch zu ihr gehörten. Ein Ruf ereilte sie. Wieder ein Ruf voller
Schmerz. Ein Kind rief ihren Namen und sie hörte ihn nun sehr deutlich: „TRAUER!“
und sie wusste, eine offene Tür wartete auf sie.

Trauer ist ein Teil unseres Lebens. Trotzdem versuchen wir immer wieder, Trauer
nicht zuzulassen. Wir verschließen die Tür, denn wir wissen: Mit Trauer ist Schmerz
verbunden. Trauer tut weh. Sie wiegt schwer und sie ist nicht der wünschenswerteste
Gast in unserem Leben.
Trotzdem wird sie früher oder später an die Tür klopfen. Es ist gut, sie hinein zu
lassen und einzuladen, denn es ist schmerzhafter, wenn der Ruf unserer Seele zu
einem entsetzlichen Geschrei wird, der die Trauer mit allen Lasten der
Vergangenheit auf einmal zu sich zu zieht.

Geistlich Wachsen Extrem

Geistlich Wachsen Extrem

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100 Bibelverse, 100 kurze Impulse auf 223 Seiten. Klingt im ersten Moment viel, ist es aber nicht. Im Gegenteil. Susanna Bigger schafft es, knapp und auf den Punkt kleine Impulse zu geben, die das Glaubensleben in Schwung bringen. Dieses „Andachtsbuch“ ist für jeden: Man kann sich in Ruhe hinsetzen, Zeit nehmen, den Impuls lesen und die Fragen von Susanne in Ruhe reflektieren – oder auch nur 5 Minuten nutzen, um sich einen Impuls für den Tag abzuholen…es ist jedem selbst überlassen.

Die Überschrift gibt schon einen Hinweis, worum es geht und ermöglicht es, auch spezifisch nach einem Impuls, passend zu einer aktuellen Situation, zu suchen. Egal, ob „So entdeckst du Gottes Weisheit“, „Lass die Neider Neider sein!“ oder „Warte nicht auf einen Titel!“ – die Themen stechen, wie das ganze Buch, ins Auge und ermöglichen es, schnell einen entsprechenden Gedanken zu vertiefen.
Jeder Impuls wird dann durch einen Bibelvers eingeleitet, enthält eine kurze, persönliche Anekdote, eine Frage zum Nachdenken, eine Ermutigung für einen Action-Step und schließlich ein Gebet. So liebe ich das: Strukturiert, praktisch, fokussiert und vor allem anregend zum Nachdenken und aktiv werden. Was ich persönlich auch sehr ansprechend finde ist die Abwechslung der Anreden im Gebet: Gott ist dreieinig und deshalb spricht Susanna Bigger diesen dreieinigen Gott im Gebet unterschiedlich an. Oftmals mit „Lieber Vater“ oder „Lieber Gott“, manchmal aber eben auch mit „Jesus“ oder „Heiliger Geist“ – auch je nachdem, worum es im Impuls zuvor ging und welche Person Gottes angesprochen wird.
Was ich interessant finde ist, dass es ein „Andachtsbuch“ ist, das nicht, wie die meisten, 52 Impulse (einen für jede Woche) oder 30 Impulse (einen pro Tag in einem Monat) oder gar 365 Impulse enthält, sondern genau 100. Eine runde und schöne Zahl, die mein ausgeprägtes Struktur und Planungsdenken positiv herausgefordert hat: Ich persönlich lese nicht täglich darin, bin aber genau wegen dieser Offenheit (nicht „Ein Andachtsbuch für 1 Monat“) flexibel und motiviert, immer wieder hineinzuschauen und mir eine Idee, eine Motivation, einen Gedanken für den Tag abzuholen.
Wie gut, dass das Cover frech und durch das Pink sehr auffallend ist: Egal wo ich es hinlege – ich kann es nicht übersehen und werde aufgefordert, hineinzuschauen!