Maria, wer bist du?
Christophe Costi
Fontis Verlag
„Warum beten die Katholiken eigentlich Maria an? Ist das nicht Totenbeschwörung?“ – Diese und viele andere Fragen habe ich schon oft mit meiner lieben Freundin Dagmar, ihrem Mann Patrick oder meiner Schwägerin gestellt, die allesamt Teil der Katholischen Kirche sind. Oft wurde mir dabei erklärt, dass Maria nicht „angebetet“ sondern „verehrt“ wird und dies ein großer Unterschied sei. Auch die Frage nach „Heiligen-Verehrung“ oder ob Marien-Erscheinungen nicht schon fast okkult sind, haben mich immer wieder beschäftigt und mit anderen zum Austausch und Dialog geführt. Ganz verstanden oder nachvollziehen konnte ich die Antworten dabei nicht immer. Auch deshalb habe ich das Buch „Maria, wer bist du?“ mit großem Interesse gelesen: Ich wollte klare Argumente, Quellen und Erklärungen für diese meine Fragen bekommen.
Der evangelisch-lutherische Theologe und Pastor Christophe Costi geht in seinem Buch auf viele Fragen in einem der großen „Problemfelder“ der Konfessionen ein. Dabei bringt er viele verschiedene (historische) Quellen beider Seiten, diskutiert quasi beim Schreiben mit diesen und manchmal sogar mit sich selbst. In fast jedem Kapitel sorgte er bei mir dadurch für AHA-Momente. So erklärt er beispielsweise gleich zu Beginn, dass die „unbefleckten Empfängnis“ keineswegs die Bezeichnung für eine Schwangerschaft ohne sexuellen Kontakt sei, sondern dass dies den Glauben bezeichnet, dass Maria als einzige Frau der Menschheit ohne Erbsünde lebte. Costi arguementiert nicht nur mit verschiedenen Quellen sondern auch mit der Bibel. Dabei stellt er genau die selben Fragen, die mich als Leserin immer wieder bewegen und be- bzw. widerlegt mit denselben Argumenten, die ich mit meiner Bibelkenntnis durch Bibelschule und durch mein Studium der evangelischen Religionspädagoik und Gemeindediakonie bringen würde. Die Gegenargumente überzeugen mich nicht immer, gleichzeitig erweitern sie meinen Horizont und regen zum Nachdenken an. Letztendlich stellt auch Costi sich immer wieder die Frage: „Würde mir ein Zacken aus der himmlischen Krone brechen, wenn…?“ Diese Frage stellt sich bei manchen Themen zurecht, bei anderen Themen ist es dann doch nicht so leicht. Zum Beispiel bei der Frage „Ist Maria wirklich in den Himmel aufgefahren?“ und ob Marienerscheinungen real oder sogar okkult sind. An anderer Stelle fragt er sich aber: „Hilft sie (Maria) mir, Jesus mehr zu lieben und mich ihm mehr hinzugeben? Hilft sie, dass der Heilige Geist mehr Raum in meinem Leben hat?“ Immer wieder zeigt er auf, dass DIES das eigentliche Herz der katholischen Lehre in Bezug auf Maria ist, sie auf Jesus hinweisen soll. Hier weist er aber auch zurecht darauf hin, dass dieses Ziel manchmal aus den Augen verloren wird, und Maria bei den Gläubigen den selben- oder sogar einen höheren Platz als Jesus einnimmt.
Gleichzeitig muss ich mich selbst fragen: Ist es nicht in allen Konfessionen und Denominationen diese Falle: Dass bestimmte Rituale ursprünglich einen guten Sinn machten, dass ein richtiges Herz und Hingabe an Jesus dahinter steckten, sie aber von Menschen irgendwann missbraucht oder umgedeutet wurden? Wie oft wird das Vaterunser runtergeleiert ohne sich bewusst zu machen, was es bedeutet? Wie oft nehmen wir das Abendmahl ein, um dann zwei Stunden später das Leben weiter zu leben wie zuvor? Die Falle, dass die tiefe Bedeutung und das eigentliche Herz, Jesus in den Mittelpunkt zu stellen und ihn anzubeten, oft auf Abwege gerät haben doch tatsächlich alle und manche tappen auch immer wieder hinein.
Ich persönlich habe eine neue, weitere Sichtweise durch dieses Buch bekommen. Viele Argumente und Handlungen kann ich besser nachvollziehen und verstehe nun auch, wo die katholische Praxis der Marienverehrung seinen Ursprung hat. Mir gefällt, wie offen und wertschätzend Costi bei seiner Argumentation vorgeht: Ohne Verurteilung oder Abwertung, dafür offen, fragend und immer auch mit Bezug auf die Bibel. Dabei lässt er auch der Leserschaft die Möglichkeit, einen eigenen Standpunkt zu finden. Ich selbst kann jetzt nicht sagen, dass ich alles so praktizieren würde und Maria nun verehre oder mich vor einem Bildnis verneige….aber ich muss sagen, dass alle Argumente und Erklärungen mich zumindest dahin geführt haben, eine neue Perspektive in Betracht zu ziehen und zuzustimmen wenn gesagt wird, dass Maria nicht eine einfache Frau war, wie du und ich. Ich muss einmal mehr eingestehen, dass sie eine gewisse Art von Bewunderung verdient hat – so wie ich auch andere Personen bewundere oder mir ein Beispiel an ihnen nehme. Ich sehe vieles nun anders und kann gewisse Dinge stehen lassen und mir sogar eine „Scheibe davon abschneiden“.
Am besten finde ich die Empfehlung von Dr. Johannes Hartl, welche Costi am Ende des Buches zitiert: „Vielleicht würde sich Jesus freuen, wenn wir zu ihm kommen und fragen: ‚Welche Beziehung möchtest du, dass wir zu deiner Mutter haben?‘ Es ist die Aufgabe Jesu, uns zu zeigen, welchen Platz seine Mutter in unserem Leben haben soll und welche Gnaden er uns durch seine Mutter geben will.“
Wer dieses Buch mit einem offenen Herzen, unvoreingenommen und mit dem Wunsch nach Verständnis liest, dürfte – egal mit welchem Konfessionshintergrund – nicht enttäuscht werden.
Genau das ist es, was ich selbst tun möchte!
Schlagwort: Religion
Schon wieder eine neue?
„Schon wieder eine neue Bibel?“ – das könnte man mich fragen, hab ich doch erst vor einigen Wochen die MENGE-Übersetzung angepriesen. Wer aber aufmerksam meinen Beitrag dazu gelesen hat weiß, dass ich es liebe, immer wieder neue Übersetzungen und Ausgaben zu lesen. Ich wechsele da auch gerne mal durch. Heute erhielt ich ein neues Rezensions-Exemplar der „Hoffnung für Alle“, genauer der „Breathe“-Edition. Und ich möchte gleich vorweg sagen: Nur, weil es ein Rezensions-Exemplar ist, bedeutet es nicht, dass ich blind Werbung mache und Dinge anpreise, die ich nicht wirklich gut finde. Ich bin ehrlich. War ich schon immer und ich denke jeder, der mich kennt oder schon öfter Predigten von mir gehört – oder Beiträge gelesen hat, weiß das.
Ich bin also auch ehrlich, was diese Ausgabe angeht:-)
Das Schöne ist: Das WORT GOTTES ändert sich nicht. Die Wahrheit, die tiefe Liebe Gottes zu den Menschen, seine Geschichte mit dem Menschen und mit seinem Volk – sie ändert sich nicht. Sie lässt sich nicht bewerten. Bei Bibeln geht es rein um die Art der Übersetzung, des Formats, der Gestaltung oder auch der Anhänge. Ist die Bibel gut lesbar? Ist die Wortwahl entsprechend der Zielgruppe? Ist sie handlich oder schwer, lädt sie zum Lesen und Vertiefen ein? Ist sie geeignet für das einfache Lesen oder besser zum Arbeiten? – Das sind alles Fragen, die ich in meiner Rezension berücksichtige und – wie auch bei Kirchen – ist meine Meinung: Die Auswahl ist riesig. Der Kern sollte nicht verändert sein. Jeder finde das, was für ihn am besten passt und ihn oder sie in ihrer Beziehung zu Gott wachsen lässt.
Die Menge-Bibel war daher für all jene ansprechend und empfehlenswert, die sich gerne in der Wortwahl verlieren -die die alte Sprache lieben und gerne über einzelne Formulierungen nachdenken, vielleicht sogar meditieren.
Die „Hoffnung für Alle“ ist das nicht. Sie ist aber für alle LeserInnen gut und empfehlenswert, die das Wort Gottes leicht verständlich lesen möchten, die die Sprache der Zeit sprechen. Diese Ausgabe der „Breathe Edition“ ist zudem noch für alle LeserInnen geeignet, die sich nicht in Markierungen oder Notizen verlieren möchten, sondern einfach lesen möchten.
Genauere Details findest du hier:
Die Übersetzung
“Man muss den Leuten aufs Maul schauen”, sagte Luther bereits und laut Herausgeber dieser Bibel ist es auch heute noch Motto jeder Bibelübersetzung. Die “Hoffnung für Alle” Übersetzung soll Menschen ansprechen, die die Sprache dieser Zeit sprechen. Das Wort Gottes ist deshalb auch in dieser Ausgabe für den Leser leicht verständlich gemacht und verzichtet daher möglichst auf altmodische Begriffe. Durch Fußnoten und Hinweise auf Erklärungen im hinteren Teil der Bibel wird das Verstehen des Textes ebenfalls erleichtert.
Die Anhänge
Die Wörter, die kulturell, soziologisch, historisch oder theologisch bedingt trotzdem Fragen aufwerfen könnten, werden im hinteren Teil dieser Bibel, unter “Sacherklärungen” knapp und dennoch ausreichend erklärt. Im Biblischen Personen -und Ortsverzeichnis kann der Leser zudem zusätzlich weitere Informationen erhalten. Eine Zeittafel gibt einen Überblick über historische Entwicklungen zur Zeit des Ersten- und Neuen Testaments und auch drei Karten (davon zwei über die Reise des Apostel Paulus) im Anhang helfen beim Verständnis. Die Gestaltung der Zeittafel finde ich persönlich sehr gelungen, da sie in verschiedene Abschnitte mit entsprechenden Überschriften unterteilt ist und die Spalten “Israel” und “Zeitgeschichte” beinhaltet, was einen schnellen und einfachen Überblick ermöglicht.
Das Papier
Die Seiten sind auf 30g/qm ThinOpaque-Papier gedruckt, was die Bibel trotz Gesamt-Ausgabe recht handlich macht, gleichzeitig aber leider das Markieren oder Unterstreichen nur mit einem sehr dünnen Holzstift ermöglicht. Alle anderen Stiftarten würden auf der Rückseite durchschimmern oder durchdrücken, was dann das Lesen erschwert und die Gesamterscheinung unordentlich und chaotisch wirken ließe. Gleichzeitig ist die Auswahl des sehr dünnen Papiers der Grund dafür, dass diese Bibel gut und einfach in einer Tasche mitgenommen werden kann, ohne dieses Buch als Last zu empfinden.
Das Cover
Die Covergestaltung ist vermutlich der größte (und manchmal auch einzige) Unterschied zu anderen aktuellen Ausgaben der “Hoffnung für Alle”. Dieses Cover ist sehr hell gestaltet und zeigt einen wehenden, leichten Vorhang, ein großes Fenster und den Teil eines leeren Raumes. “Breathe” (Atmen) heißt diese Edition und der Name scheint passend. Beim Aufschlagen der Bibel atme ich automatisch durch, spüre Leichtigkeit und Sehnsucht gleichzeitig. Dies ermöglicht mir eine Offenheit beim Lesen – wie ein leerer Raum, der mit frischem Wind durchweht, durchgelüftet und aufgeräumt wird.
Fazit
Alles in allem eine schöne, ansprechende Bibel für alle, die das Wort Gottes gerne in moderner Sprache und verständlich lesen und auf das “Arbeiten” mit Markern oder Stiften verzichten können.
Die Stimme des Königs
Titel: Die Stimme des Königs – Eine dramatische Reise nach Hause
Autor: Brad Huebert
Verlag: Neufeld Verlag
Lesezeit: Je nach eigenem Tempo 3-5 Stunden
Geeignet für: Methapher- und Geschichtenliebende Leser, die sich herausfordern lassen möchten, Glaubens- und Gottesbilder zu hinterfragen
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Es gibt Bücher, die ich sehe oder geschenkt bekomme und die dann erst mal im Bücherregal landen. Nicht, weil sie mich nicht interessieren oder ansprechen, sondern weil ich dieses Bauchgefühl habe, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist es zu lesen…und dann, Monate oder Jahre später, ziehe ich es aus dem Regal und weiß: JETZT ist die Zeit.
So war es auch mit diesem Buch. Mein Bruder war begeistert davon, hat sogar das Hörbuch dazu aufgenommen, und hatte es mir zum Geburtstag geschenkt. Als ich im letzten Jahr für den Urlaub packte, hatte ich das Gefühl, ich sollte es einpacken. Eigentlich hatte ich keine Lust. Ich wollte nichts „frommes“ lesen und packte es nur widerwillig ein – um es 10 Tage später in Frankreich dann doch aus dem Koffer zu holen. Ich wachte an dem Morgen auf und wusste, HEUTE ist der Tag es zu lesen. Also setzte ich mich in den Garten der Ferienwohnung und las. Las. Las. Schluckte, bekam Tränen in die Augen, las weiter und klappte es nach drei Stunden zu – seufzend und dankbar. Warum?
Der Untertitel ist „Eine dramatische Reise nach Hause“ und er könnte nicht treffender sein. Ich hatte das Gefühl, meine eigene, innere Reise darin zu lesen und schließlich nach Hause zu finden.
Brad Huebert erzählt das Abenteuer eines Mannes (Ivan), der für sich alleine im Wohnzimmer die Entscheidung trifft, sein Leben ab sofort ganz Gott hinzugeben. Als er sein Gebet spricht, geschieht plötzlich etwas und er findet sich in einer anderen Welt wieder. Genauer gesagt in einem Königreich. Dort wird ihm gleich zu Beginn die Frage gestellt: „Alte oder neue Stadt“ – ohne zu wissen, welche Frage eigentlich dahinter steckt, trifft er eine Entscheidung und kommt in eine Stadt, in der Menschen nach bestimmten Regeln leben und in der ihr Leben danach ausgerichtet ist, dem König (Gott selbst) zu begegnen. Ivan vermisst sein altes Leben, seine Familie und versucht doch, in dieser neuen Welt des „Glaubens“ anzukommen. Er trifft auf Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als den König zu sehen. Ivan bezieht eine Wohnung und strebt immer mehr – so wie alle anderen Bewohner dieser Stadt – danach, alles zu tun was notwendig ist, um Gott so nah wie möglich zu kommen. Dabei ist nicht nur das „BUCH“ notwendig, das er zu jeder Zeit bei sich tragen und intensiv lesen – ja verinnerlichen muss, auch die Teilnahme an Versammlungen ist dabei wichtig. Er möchte immer weiter auf den Gipfel, höher und näher an den König und je näher er ihm kommt, desto mehr scheint es umsonst zu geben. Quellen, aus denen er zu jeder Zeit trinken kann, wenn er Durst hat zum Beispiel – aber warum scheint er immer mehr Durst zu bekommen, je mehr er trinkt? Seine Zweifel, seine Müdigkeit, seine Kraft werden dabei immer weniger. Schließlich findet er sich in einem Kampf wieder, ausgerüstet mit allem, was andere sagen, was notwendig sei um den Feind zu bekämpfen – bis er schließlich erschöpft, verzweifelt und kraftlos zusammenbricht. Um sich dann…erneut in einer imaginären Stadt wieder zu finden, wo alles anders zu sein scheint. Die Menschen sind dort so fröhlich, freier und gelassener. Warum? Wieder hört der Mann davon, was notwendig oder nicht notwendig sei um dem König zu begegnen und ihm nahe zu sein – aber warum wiederspricht das alles dem, was die Menschen in der anderen Stadt zuvor gesagt und getan hatten?
In diesem Buch wird das eigene Glaubensleben auf – ja vielleicht sogar wach gerüttelt. Was bedeutet es, wenn die Bibel oder Christen vom „Neuen Bund“ reden? Wie lebt es sich in diesem neuen Bund? Ist Glaube und die Nähe zu Gott wirklich mit so vielem Bestreben und „Regeln“ verbunden oder ist es vielleicht doch viel einfacher, ihm zu begegnen? Brad Huebert schafft es, den Leser ganz persönlich mit hineinzunehmen in diese Fragen, den eigenen Glauben und das Gottesbild zu hinterfragen, ohne zu ver- oder zu beurteilen.
Im Epilog erst fragt er ganz direkt: „Was fangen Sie nun mit all dem an?“
Mich hat „Die Stimme des Königs“ tief bewegt, wach gerüttelt und sogar beschämt. Gleichzeitig aber ermutigt und mich in eine neue Freiheit geführt.
Kein Wunder, dass ich es bereits mehrfach verschenkt habe und froh bin, dass es wieder „Nachschub“ gibt. Ein Buch, das in jedem Regal stehen und immer wieder gelesen und mit allen Fragen und Gedanken in Erinnerung gerufen werden sollte.
Tipp: „Die Stimme des Königs“ gibt es mit der Stimme meines Bruders Oliver Gentina kostenlos auf Youtube und Spotify zu hören.
Workshop „Alltag mit dem Heiligen Geist“
ALLTAG MIT DEM HEILIGEN GEIST
Am Wochenende hielt ich einen Workshop zum Thema „Wie kann ich meinen Alltag mit dem Heiligen Geist bzw. mit Gott gestalten?“
Hier ein Exzerpt für alle, die es interessiert:)
Versagt oder Gewonnen?
„Ich habe versagt“ – diese Antwort hätte ich vor ein paar Jahren noch auf die Frage gegeben, ob ich meine 40-Tage-Bibellese-Challenge durchgehalten habe. „Ich hab es nicht geschafft“, könnte ich auch sagen. Aber ich habe beschlossen auf diese Frage anders zu antworten: „Ich habe sie nicht durchgehalten und trotzdem habe ich gewonnen.“
Weiterlesen „Versagt oder Gewonnen?“Whatever is noble….
„Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen.“
Dieser Ratschlag hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Aufgrund einer starken Erkältung und Nebenhölenentzundung, war ich in den letzten Wochen Zuhause im Bett. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich die gesamte Zeit damit verbracht habe zu schlafen und geistlich wertvolle Literatur in mich aufzusaugen. Aber ich bin ehrlich: Die Zeit war aufgeteilt zwischen einem tatsächlich geistlich wertvollem Buch, Spotify Playlisten, TV Serien, Schlafen und….Instagram. Die Mischung von all dem hat mich dazu gebracht, etwas zu bemerken und für mich zu reflektieren:
Weiterlesen „Whatever is noble….“Dein Platz
(Blogbeitrag bei Esthers Töchter)
Es gibt Fragen, die in meinem Leben irgendwie immer wieder auftauchen.
Eine Frage, die ich mir schon vor vielen Jahren einmal stellte ist: „Wo ist mein Platz?“
Diese Frage war meist darauf bezogen, wo ich mich irgendwie positiv einbringen konnte.
Vielleicht kennst du diese Frage auch in genau dieser Art. Vielleicht drückt sie sich aber auch bei dir anders aus. Denn wenn ich mir genauer Gedanken über diese Frage mache, steckt noch etwas Tieferes darin und der tiefe Kern kann sich in verschiedenen Fragen verstecken:
„Was soll ich machen?“
„Was sind meine Talente die ich einbringen kann?“
„Wo werde ich gebraucht?“
„Wo mache ich einen Unterschied?“
Für mich steckte darin aber auch die Frage nach der Individualität und Identität. „Wo ist mein Platz“ könnte auch so ausgedrückt werden: „Wo in diesem Puzzle ist MEINE Lücke, wo ich als fehlendes Puzzlestück hineinpasse?“
Immer wieder stellte ich mir diese Frage, wo ICH, Desi, einen ganz individuellen Beitrag leisten kann um die Welt ein Stückchen besser zu machen.
Aber es steckt, wie gesagt so viel mehr dahinter:
Der Wunsch nach Bedeutsamkeit.
Der Wunsch nach Wertschätzung.
Der Wunsch danach, relevant und erkannt zu werden.
Der Wunsch, einen Sinn zu machen in dieser Welt und zu spüren, warum ich bin.
Ich befinde mich derzeit in meinem Sabbatjahr und verbringe ganz bewusst viel Zeit mit Lesen, Beten, Nachdenken, Schreiben und damit, in der Stille ins Gespräch mit Gott zu gehen und ihm die verschiedensten Fragen zu stellen und – und das ist das, was so oft nicht passiert ist vorher – auf die Antworten zu warten und gegebenenfalls sogar mit ihm zu diskutieren.
Und vor einigen Wochen stellte ich ihm wieder genau diese Frage: „Gott, wo ist nächstes Jahr mein Platz?“ – denn ich würde so langsam gerne wissen, wie es nächstes Jahr bei mir und mit mir weiter geht. Ob ich wieder in den alten „Job“ zurück kehre oder etwas ganz anderes mache. Wie ich mich in der Kirche neu oder wieder einbringen kann…
Ich stellte also diese Frage und ich spürte in mir plötzlich diese Antwort.
Einen Satz, der mir, obwohl er mir bekannt vor kam, ganz neu bewusst wurde und mir Gänsehaut verpasste.
Es war die Antwort, die Gott mir mitten ins Herz gab: „Dein Platz ist…auf meinem Schoß!“
Und ich hatte dieses Bild vor Augen von mir – gar nicht mal als Kind, sondern als 36 Jährige Frau, die auf dem Schoß Gottes sitzt – wie ein verliebter Teenager auf dem Schoß des Freundes.
Und mir wurde neu bewusst: Mein erster Platz, der Platz an dem ich relevant bin, an dem ich mich einbringe, an dem ich genau rein passe und für den ich bestimmt bin ist in erster Linie der Platz, der Gott am nächsten ist: Sein Schoß – meinen Kopf an seine Brust angelehnt und seinen Herzschlag hörend.
Genau das ist es: HIER an diesem Platz möchte ich meine Sorgen und Ängste zu allererst vorbringen.
An diesem Platz möchte ich mich ausweinen (nicht bei 20 Leuten, die damit nicht umgehen können).
An diesem Platz bekomme ich gute Ratschläge, Lob, echte Liebe, echte Wertschätzung und gleichzeitig liebevolle Ermahnung, Weisung und gleichzeitig Verständnis aus erster Hand.
An diesem Platz mache ich einen Unterschied, weil ich hier alles abgebe, was belastet und den Herzschlag dessen spüre, der mich geschaffen hat.
HIER ist mein Platz und DANN lege ich los. Ich setze das, was ich gehört habe um. Ich gehe, befreit von meinen Sorgen, wieder in den Alltag.
Ich bringe mich DANN dort ein, wo ich den Herzschlag Gottes weiterhin spüre und höre, denn DORT weiß ich, was zu tun ist.
„Dein Platz ist auf meinem Schoß!“
So bekannt dieser Satz auf der einen Seite ist, so neu und wahr ist er für mich geworden.
Ich möchte dich ermutigen, mit genau dieser Frage zu Gott zu gehen. Stelle ihm die Frage: WO IST MEIN PLATZ?
Und dann gehe in die Stille, setze dich in Gedanken auf den Schoß Gottes, wenn DIES auch dein Platz ist. Vielleicht ist dein Platz auch zu seinen Füßen, neben ihm, an seiner Hand, stehend an seiner rechten Seite….wo auch immer. Aber nimm dir Zeit, deinen Platz in seinem Thronsaal zu suchen, nimm ihn immer wieder ein und suche Gemeinschaft mit ihm. Denn DAS ist die Bestimmung, die wir in erster Linie haben – Gemeinschaft mit ihm.
Und dann ….klappt es auch mit der Welt😊
WER IST ER? oder: „Die Frage, die niemand beantworten kann, außer DIR selbst“
Wer ist Gott für dich?
Diese Frage ist mir damals mal im Religionsunterricht gestellt worden. Im ersten Moment dachte ich, ich hätte sofort eine Antwort. Doch als ich damit begann, verschiedene Assoziationen aufzuzählen merkte ich, dass hinter dieser Person unendlich viele Charaktereigenschaften stecken, die ich damals schon oft gehört hatte und glaubte, auch erlebt zu haben.
Wer ist Gott für mich?
Diese Frage stelle ich mir derzeit immer wieder und ich vermute, es hat damit zu tun, dass ich das Gefühl habe, Gott selbst stellt mir diese Frage: „Wer bin ICH für DICH?“
Und je mehr ich darüber nachdenke und versuche, eine Antwort zu finden, desto mehr spüre und merke ich, wie sehr ich genau das gemacht habe, was ich eigentlich gar nicht mag. Dass ich das gemacht habe, von dem ich mich derzeit befreien will: Ich habe Gott eine Rolle zugeordnet. Ich habe ihm sogar verschiedene Rollen zugeordnet, die mit Erwartungen verknüpft waren. Das Problem: Oft sind diese Rollenbilder und die damit verbundenen Erwartungen vor allem übernommen worden. „Man sagt, Gott ist…“
Und so traurig es klingt, aber ich behaupte, die Frage „Wer ist Gott für dich?“ kann in den seltensten Fällen aufgrund einer persönlichen Beziehung beantwortet werden.
Ich selbst habe gemerkt, wie meine Antworten auf diese Frage immer wieder (wenn auch nicht immer) eher meiner Logik, meines Wissens herstammten, als dass sie auf meinen eigenen Erfahrungen und mein eigenes Erleben dieses Gottes beruhen.
Wer ist dieser Gott?
Wenn ich sage „Ein liebender Vater“ – dann mag das für manche Menschen stimmen, weil sie es selbst so empfinden, aber hat jeder, der diese Antwort gibt oder es in einer Predigt sagt, auch selbst diese Erfahrung gemacht? Es gehört eine starke und innige Beziehung dazu, um so eine Aussage treffen zu können, oder?!
Was würde ein Kind antworten, das seinen Vater nicht kennt, ihn nur selten sieht und das versucht, das Leben irgendwie selbstständig zu meistern? Wenn alle Menschen drum herum sagen „Dein Vater ist ein liebender Vater“ – würde es diese Aussage aus voller Überzeugung sagen können, wenn es größer ist?
Und wenn das Kind in inniger Beziehung zum Vater lebt, es erlebt hat, wie dieser Vater sich immer wieder Zeit für das Kind nimmt, sich voll und ganz für alles interessiert, wenn er es ermutigt, fördert, unterstützt, liebevoll ermahnt und gleichzeitig Freiheiten lässt zum eigenen Erleben – würde es dann nicht mit voller Überzeugung selbst sagen: „Mein Vater ist der beste Vater ever. Er liebt mich so sehr und das weiß ich“ – auch wenn alle Leute im Dorf das nicht bejahen könnten, weil sie diesen Mann weder kennen lernen möchten, noch sich für ihn interessieren?
In einer Predigt von Bill Johnson hörte ich vor Kurzem diesen Satz:
„Without him, we can’t. Without us, he won’t“.
(Ohne ihn können wir nichts. Ohne uns, möchte er nichts!)
Dieser Satz macht deutlich, dass es sich bei Gott um eine Person handelt, die sich eine Beziehung wünscht und dass wir, so wie es die Bibel sagt, nach seinem Ebenbild geschaffen sind. Unser Innerstes zieht es zu diesem Gott, der ein Stück von sich selbst in uns hineingelegt hat, der seinen Geist durch seinen Atem in uns hineinhauchte. Und Gott zieht es auf die selbe Weise zu uns. Es braucht eine Beziehung, viel mehr als ein theologisches Studium, ein Bibelkommentar oder eine Religiöse Person, die uns beschreiben will, wer Gott ist. Denn erst in einer Beziehung kann ich für mich die Frage nach der Persönlichkeit, nach dem Charakter, nach der Identität einer anderen Person selbst beantworten.
Wenn jemand jemanden fragt, wer Desirée Rosemann ist, fallen die Aussagen sicher unterschiedlich aus. Für die einen bin ich die „Pastorin“, für andere eine „Nachbarin“ oder „Die Mama von…“. Ganz schlimm fand ich es, als ich eine Zeit lang immer als „Die Frau von Nathanael“ vorgestellt wurde oder, wenn ich mich selbst vorstellte, erst ein Fragezeichen kam und dann die Reaktion „Ah, die Frau von Nathanael“. Gleichzeitig war es klar: Man kannte mich noch nicht. Und alles, was man mit mir in Verbindung brachte, war eben, dass ich den selben Ehering am Finger trug, wie mein Ehemann. Ich glaube, Gott wünscht sich so viel mehr als einfach nur eine Rolle zugewiesen zu bekommen. Und er wünscht sich auch, so wie ich damals, dass man ihn kennen lernt und aufgrund der eigenen Erfahrung und der eigenen Beziehung zu ihm, diese Frage beantwortet.
Wer ist Gott für dich?
Diese Frage wird sich immer wieder stellen und ich glaube, sie wird zeitlebens immer wieder neu beantwortet.
Für mich ist Gott jetzt in diesem Moment eine geduldige, liebevolle Person, die gleichzeitig schon gespannt darauf ist, wie ich reagiere, wenn ich wieder einmal neue Facetten von ihm kennen lerne. Geduldig, weil er nicht drängt, sondern wartet, bis ich mal wieder merke, dass ich ohne ihn nicht kann, aber dass ich auch ohne ihn nicht will.
Wer ist Gott für dich?
Finde es heraus, in dem du IHN suchst.
Die 10 Gebote vs. die 10 Geschenke
Die „gut gemeinten Ratschlägen“ von Merkel, Söder und…Gott
Seit drei Wochen herrscht das sogenannte „Kontaktverbot“ in Deutschland. Obwohl „herrschen“ würde ich das nicht nennen. Sagen wir: Die Politik wollte Führung übernehmen, das Beste für das Volk und die Menschheit schützen und hat dafür „Regeln“ aufgestellt, die aber für manche Menschen nach bereits wenigen Tagen eher als „gute Ratschläge“ gesehen wurden. Manche hielten sich an gar nichts, andere halten sich bisher an alle Regeln, einige suchen Kompromisse und eigene Lösungen.
Ich gebe zu: Ich bin ein Mensch, der sich gerne an Regeln hält. Weiterlesen „Die „gut gemeinten Ratschlägen“ von Merkel, Söder und…Gott“







