Schlagwort: Gebet

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

„Ich seh in dein Herz, sehe Gute Zeiten, schlechte Zeiten“…unglaublich, dass dieser Titelsong mir gleich mal in die Erinnerung kommt, wenn ich diese vier Wörter eingebe, dabei habe ich diese Serie in den 90ern kaum geschaut…trotzdem passt die Zeile extrem gut zu dem, was mich derzeit beschäftigt.
Freunde von uns sind derzeit im Urlaub. In Südafrika. In Kapstadt.
Wer schon länger zu meiner Leserschaft gehört weiß, dass Kapstadt für zwei Jahre meine „Heimat“ war und ich seit dem einen Teil meines Herzens dort gelassen habe. Ich lebe nun seit 9 Jahren in Bayern, direkt an der österreichischen Grenze und ich habe einige Freunde und Bekannte, in die in der Zwischenzeit Südafrika besucht haben. Aber in den letzten Tagen und Wochen, in denen ich die Status-Bilder unserer Freunde täglich sehe, ist es anders als sonst: Ich habe wieder „Heimweh“. Ich sehe die Menschen auf den Bildern, den Tafelberg, an einem Sonntag sogar meine ehemalige church – und Erinnerungen kommen hoch. Heute sind unsere Freunde an ihrer letzten Unterkunft nach ihrem Roadtrip angekommen und es stellt sich heraus, dass das Hotel gerade mal zwei Straßen neben einer unserer „Zuhause“ von damals liegt. „Kannst du mich noch einmal mit an den Strand nehmen?“ habe ich heute meiner Freundin geschrieben, „da habe ich jeden Morgen meine Zeit mit Gott verbracht!„. Seit Tagen kämpfe ich wieder mit den (falschen) Gedanken: „DAMALS, in Südafrika, war alles besser!“ Ich hatte Gedanken wie „Die Menschen dort sind dankbarer. Sie schätzen das Leben und das, was man tut, mehr. Sie sind wertschätzender. Höflicher. Hier ist ALLES blöd. ALLE Menschen sind undankbar. ALLE erwarten zu viel. Für ALLE bist du der Depp vom Dienst. ALLE haben ZU VIEL Erwartungen…Ja, FRÜHER, DORT war ALLES BESSER!“ Und was passierte? Ich wurde traurig. Müde. Lustlos. Motivationslos und vor allem getäuscht! Denn sind wir mal ehrlich: DA war auch nicht ALLES besser! Da waren auch nicht ALLE wertschätzender oder netter oder liebevoller -auch ICH nicht!
Dort gab es auch Herausforderungen, wenn auch andere: Ein leerer Kühlschrank immer wieder. Ein leerer Tank und ein leeres Konto. Es gab Menschen, die zu mir in die Kleiderkammer für Bedürftige kamen, und mich als NAZI und Rassist beschimpften, nur weil ich mich an die Regel hielt und jedem die selbe Anzahl an Decken und Kleidung gab und niemandem einen Vorteil gab. Ich hatte damit zu kämpfen, mit Freude zu dienen und Entscheidungen meiner Leiter zu akzeptieren, ich war müde und ich hatte immer wieder Flohstiche, als ich aus dem Township kam. Wir hatten immer wieder stundenweise keinen Strohm und im Winter war es nass und kalt und wir hatten keine richtige Heizung. Es gab Tage, an denen ich weinend an den Strand ging, mit Gott haderte und kämpfte. Einmal, gegen Ender unserer zwei Jahre dort, lief ich im Nebel am frühen Morgen am Strand herum und weinte, weil ich nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Aber was habe ich in meiner Erinnerung? Das Lachen der Kinder, die freudestrahlend auf mich zugerannt kommen. Die Freundschaften und die Beziehungen, die ich dort aufgebaut habe. Die warmen Sommertage, an denen ich morgens am Strand die Bibel las und den Blick auf den Tafelberg genoss. Ich denke meistens an die GUTEN Zeiten. War wirklich ALLES besser und ALLES gut? Ich muss schmunzeln – Nein! Auch dort nicht. Aber ich hatte eine andere Einstellung: Ich hatte mich entschieden zu gehen. Ich hatte alles aufgegeben und Dinge, die mir lieb und kostbar waren, verkauft um den Schritt nach Afrika zu gehen. Ich hatte es mich etwas kosten lassen und deshalb habe ich es damals nicht angezweifelt- nicht bereut und nicht aufgegeben. Mein HERZ hat die guten Zeiten behalten – auch wenn schlechte dabei waren.
„Kannst du mich noch einmal mit an den Strand nehmen?“ habe ich meiner Freundin geschrieben
und dann… bin ich aus dem Haus gegangen, mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren und habe den Untersberg und den Watzmann angeschaut – die Berge, die ich fast vor meiner Haustür habe. Die Berge, die von grünen, blühenden Wiesen umgeben sind. Die Berge, die ich unbedingt sehen wollte, als ich damals in Kapstadt auf dem Bett lag und weinte…“Ich würde so gerne mal in die Berge. Nach Bayern oder Österreich. Auf eine Alm. Die Kuhglocken hören und wandern…das wäre sooo schön!“ genau das hatte ich damals meinem Mann in Kapstadt gesagt, als ich müde und ausgelaugt von der „Arbeit“ in der Kirche und den Townships war. Noch nicht ahnend, dass ich einmal genau das bekommen würde. Gott hatte mich auch damals gehört und vermutlich geschmunzelt, weil er seinen Plan schon hatte. Ich darf mich neu entscheiden, im HIER und JETZT zu sein und das zu genießen, was ich habe. Täglich, wenn ich möchte – weil auch HIER viele GUTE ZEITEN auf mich warten.

Die Stimme des Königs

Die Stimme des Königs

Titel: Die Stimme des Königs – Eine dramatische Reise nach Hause
Autor: Brad Huebert
Verlag: Neufeld Verlag
Lesezeit: Je nach eigenem Tempo 3-5 Stunden
Geeignet für: Methapher- und Geschichtenliebende Leser, die sich herausfordern lassen möchten, Glaubens- und Gottesbilder zu hinterfragen
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Es gibt Bücher, die ich sehe oder geschenkt bekomme und die dann erst mal im Bücherregal landen. Nicht, weil sie mich nicht interessieren oder ansprechen, sondern weil ich dieses Bauchgefühl habe, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist es zu lesen…und dann, Monate oder Jahre später, ziehe ich es aus dem Regal und weiß: JETZT ist die Zeit.
So war es auch mit diesem Buch. Mein Bruder war begeistert davon, hat sogar das Hörbuch dazu aufgenommen, und hatte es mir zum Geburtstag geschenkt. Als ich im letzten Jahr für den Urlaub packte, hatte ich das Gefühl, ich sollte es einpacken. Eigentlich hatte ich keine Lust. Ich wollte nichts „frommes“ lesen und packte es nur widerwillig ein – um es 10 Tage später in Frankreich dann doch aus dem Koffer zu holen. Ich wachte an dem Morgen auf und wusste, HEUTE ist der Tag es zu lesen. Also setzte ich mich in den Garten der Ferienwohnung und las. Las. Las. Schluckte, bekam Tränen in die Augen, las weiter und klappte es nach drei Stunden zu – seufzend und dankbar. Warum?
Der Untertitel ist „Eine dramatische Reise nach Hause“ und er könnte nicht treffender sein. Ich hatte das Gefühl, meine eigene, innere Reise darin zu lesen und schließlich nach Hause zu finden.
Brad Huebert erzählt das Abenteuer eines Mannes (Ivan), der für sich alleine im Wohnzimmer die Entscheidung trifft, sein Leben ab sofort ganz Gott hinzugeben. Als er sein Gebet spricht, geschieht plötzlich etwas und er findet sich in einer anderen Welt wieder. Genauer gesagt in einem Königreich. Dort wird ihm gleich zu  Beginn die Frage gestellt: „Alte oder neue Stadt“ – ohne zu wissen, welche Frage eigentlich dahinter steckt, trifft er eine Entscheidung und kommt in eine Stadt, in der Menschen nach bestimmten Regeln leben und in der ihr Leben danach ausgerichtet ist, dem König (Gott selbst) zu begegnen. Ivan vermisst sein altes Leben, seine Familie und versucht doch, in dieser neuen Welt des „Glaubens“ anzukommen. Er trifft auf Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als den König zu sehen. Ivan bezieht eine Wohnung und strebt immer mehr – so wie alle anderen Bewohner dieser Stadt – danach, alles zu tun was notwendig ist, um Gott so nah wie möglich zu kommen. Dabei ist nicht nur das „BUCH“ notwendig, das er zu jeder Zeit bei sich tragen und intensiv lesen – ja verinnerlichen muss, auch die Teilnahme an Versammlungen ist dabei wichtig. Er möchte immer weiter auf den Gipfel, höher und näher an den König und je näher er ihm kommt, desto mehr scheint es umsonst zu geben. Quellen, aus denen er zu jeder Zeit trinken kann, wenn er Durst hat zum Beispiel – aber warum scheint er immer mehr Durst zu bekommen, je mehr er trinkt? Seine Zweifel, seine Müdigkeit, seine Kraft werden dabei immer weniger. Schließlich findet er sich in einem Kampf wieder, ausgerüstet mit allem, was andere sagen, was notwendig sei um den Feind zu bekämpfen – bis er schließlich erschöpft, verzweifelt und kraftlos zusammenbricht. Um sich dann…erneut in einer imaginären Stadt wieder zu finden, wo alles anders zu sein scheint. Die Menschen sind dort so fröhlich, freier und gelassener. Warum? Wieder hört der Mann davon, was notwendig oder nicht notwendig sei um dem König zu begegnen und ihm nahe zu sein – aber warum wiederspricht das alles dem, was die Menschen in der anderen Stadt zuvor gesagt und getan hatten?
In diesem Buch wird das eigene Glaubensleben auf – ja vielleicht sogar wach gerüttelt. Was bedeutet es, wenn die Bibel oder Christen vom „Neuen Bund“ reden? Wie lebt es sich in diesem neuen Bund? Ist Glaube und die Nähe zu Gott wirklich mit so vielem Bestreben und „Regeln“ verbunden oder ist es vielleicht doch viel einfacher, ihm zu begegnen? Brad Huebert schafft es, den Leser ganz persönlich mit hineinzunehmen in diese Fragen, den eigenen Glauben und das Gottesbild zu hinterfragen, ohne zu ver- oder zu beurteilen.
Im Epilog erst fragt er ganz direkt: „Was fangen Sie nun mit all dem an?“
Mich hat „Die Stimme des Königs“ tief bewegt, wach gerüttelt und sogar beschämt. Gleichzeitig aber ermutigt und mich in eine neue Freiheit geführt.
Kein Wunder, dass ich es bereits mehrfach verschenkt habe und froh bin, dass es wieder „Nachschub“ gibt. Ein Buch, das in jedem Regal stehen und immer wieder gelesen und mit allen Fragen und Gedanken in Erinnerung gerufen werden sollte.

Tipp: „Die Stimme des Königs“ gibt es mit der Stimme meines Bruders Oliver Gentina kostenlos auf Youtube und Spotify zu hören.

Von verfaulten Äpfeln

Von verfaulten Äpfeln

Vor Kurzem ging ich in der Dachsteinregion im Schnee spazieren und stieß auf diese zwei Apfelbäume.

Sie waren noch voller Äpfel und der Boden war übersät von verfaulten Früchten. Der schmelzende Schnee hatte sie ans Licht gebracht. Ich blieb eine Zeit stehen und dachte nach: Wie oft versäumen wir es in unserem Leben zu erkennen, dass die „Ernte“ schon längst reif ist?

Vielleicht warten wir auf einen perfekten Zeitpunkt oder wir denken gar nicht erst darüber nach, ob schon was gewachsen ist. Und jammern dann, dass sich nichts in unserem Leben verändert oder tut. Wir suchen nach dem Sinn von dem was wir tun, warten, wollen „Früchte“ sehen und versäumen es, genau hin zuschauen und die Früchte die schon lange da sind, zu ernten und zu genießen, bevor wir weiter aussäen. Manche sind so sehr mit säen und Pflanzen beschäftigt, dass sie vergessen auch zu genießen was bereits gewachsen ist?! Sie lassen ihre Früchte, ihre Erzeugnisse, ihre Gaben, ihr Potential verfaulen…?! Mühsam geht es immer weiter oder man resigniert „es hat ja doch keinen Wert!“

Aber was, wenn doch?! Was, wenn du aufstehst und mal überprüfst, was aus alle dem geworden ist, was du investiert hast? Aus deinen Gebeten, deinen Gesprächen, deinen Ratschlägen, deinen Liebesbeweisen, deinem Investment, deinen schlaflosen Nächten in denen du gebetet oder gearbeitet hast? Es war sicher nicht umsonst und wird es auch nicht sein! Wer säht, wird ernten! Es ist ein Prinzip-ein Gutes:)

Schau an, was schon alles gewachsen und gelungen ist in deinem Leben, teile es, freue dich daran, sei dankbar dafür und dann säe dadurch weiter aus! Es wird Frucht bringen! Die du auch genießen darfst!

Und vielleicht ist heute der perfekte Tag um einer Person Danke zu sagen oder ihr zu helfen: ihr zu sagen wo sie gesät hat und nun Fürchte betrachten kann! Vielleicht hat jemand Anteil an etwas Gutem in deinem Leben? Weil die Person für dich da war, dich ermutigt hat, dich gefördert hat, dir geholfen hat?!

Du bist ein Produkt einer Aussaat und du selbst hast Einfluss und säst durch dein Sein, dein Handeln, dein Beten- schau hin! Lass es nicht verfaulen! Genieße es und dann geht’s weiter:)

Der Schmetterlingseffekt oder „Planänderung“

Der Schmetterlingseffekt oder „Planänderung“

Ich schaue aus dem Fenster.

Bäume und Häuser ziehen schnell an mir vorbei. Der Zug schwankt nur leicht hin und her. Ich bin entspannt. Habe ja noch knapp zwei Stunden Fahrt vor mir. 

Plötzlich eine Durchsage. „Verehrte Fahrgäste. In wenigen Minuten erreichen wir Augsburg Hauptbahnhof. Aufgrund eines Notarzteinsatzes können wir die geplante Strecke nach Ulm nicht befahren. dieser Zug wird daher umgeleitet. Bitte beachten sie, dass wir den Halt in Ulm überspringen müssen und direkt bis Stuttgart durchfahren. Ich wiederhole: dieser Zug wird NICHT in Ulm halten! 

Wir erreichen Augsburg in 3 Minuten. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung rechts.“

Mein Herz schlägt schneller. Ich hätte in Ulm aussteigen müssen. Mein Plan war: Ankunft um 16:45 in Ulm, damit mein Bruder mich dort gegen 17:00 Uhr aufgabeln -und dann mit mir zu meinen Eltern fahren kann…

3 Minuten bis Augsburg. Soll ich aussteigen? Weiterfahren? Gibt es wien Regionalbahn? Ja aber die kommt viel später in Ulm an-mein Bruder müsste lange auf mich warten-aber er will doch nach den geschäftlichen Terminen endlich nachhause:( 

Hektisch versuche ich herauszufinden, wie mein Ziel noch erreicht werden kann, ohne Chaos und Stress zu verursachen. 

Ich versuche ruhig zu bleiben! Um mich herum genervte Reaktionen. Ich entscheide mich, bis Stuttgart weiter zu fahren und kontaktiere meinen Bruder: „Planänderung. Kannst du mich auch in Stuttgart abholen?“

Wir verlassen Augsburg und es geht weiter. Erneut eine Durchsage: die Strecke ist wegen Notarzteinsatz gesperrt. Erneut genervte Reaktionen und die Frage der Kunden an den Schaffner: „wie viel Verspätung müssen wir deshalb in Kauf nehmen?“ die Antwort: ca. 40 Minuten später als geplant, werden wir in Stuttgart ankommen…

Ich schau aus dem Fenster und denke nach… da war vermutlich jemand in einen Notfall verwickelt. Vielleicht ein Unfall auf dem Gleis, vielleicht aber auch ein Suizidversuch. Ich habe vor kurzem gehört, dass täglich irgendwo in Deutschland jemand auf die Gleise springt-meist mit dem Versuch sich umzubringen…wie verzweifelt muss man sein?

Ich überlege, wie oft ich im Zug saß und es wegen einem Notarzteinsatz zu Streckensperrungen kam…Ich erinnere mich sofort an mindestens drei Situationen. Und bei allen waren die Kunden (mich inklusive) genervt. Es wird überlegt, gestresst reagiert und es kommt Wut auf. Mal ehrlich: wer von meinen Lesern war einmal in einer solche Situation involviert und hat nicht innerlich mit den Augen gerollt und gedacht „na toll?!“ wenigstens für eine Sekunde?

Oder hat das ausgesprochen was schon mal jemand im Abteil leise gesagt hat „nur weil DER lebensmüde ist, muss ICH jetzt umplanen!“…?

Ich denke weiter darüber nach und schäme mich ein bisschen. Ja, es ist so: die Kurzschlussreaktion oder auch die Verzweiflung eines Menschen hat Auswirkung auf viele. In dem Fall auf das Streckennetz der Bahn. Dadurch auf die zeitlichen Pläne von Menschen, dadurch vielleicht auf die Wirtschaft, auf Beziehungen, auf Kommunikation oder sonstiges…es könnte wie eine Art „Butterfly Effekt“ sein. Die sogenannte Choastheorie besagt, dass in der Theorie der Flügelschlag eines Schmetterlings an Punkt x einen Tornado an Punkt y auslösen kann…eine Not eines Menschen kann eine Kettenreaktion an Planänderungen auslösen. 

Meine Frage die ich mir stelle: ist das schlimm? Ist diese Person nicht wichtig? Geliebt? Höre ich den Hilfeschrei und die Verzweiflung oder fühle ich mich fremdbestimmt in meiner Planung, weil etwas anders läuft als ich dachte?

Was kann ich tun? Vielleicht einfach durchatmen. Meine Pläne in Gottes Hand legen, drauf vertrauen dass er mich in seiner Hand hat und ein Gebet sprechen für diese Person, die den Notarzt braucht. Den Menschen, der vielleicht noch mehr braucht als einen Notarzt oder einen perfekten Plan. 

Ich entscheide mich, gelassen zu bleiben!

Und während ich für diesen Menschen bete, der irgendwo auf den Gleisen zwischen Augsburg und Ulm ist, kommt Ruhe in mich hinein. 

Und eine Durchsage nach 25 Minuten Umfahrt: „Sehr geehrte Fahrgäste. Soeben wurde uns mitgeteilt dass die Strecke wieder freigegeben wurde. Wir werden daher nun doch, wie geplant Ulm anfahren. Die Umfahrung der Strecke hat eine Verspätung verursacht, wir bitten sie dies zu entschuldigen. Nächster Halt also Ulm.“

Ich lächle, schreibe meinem Bruder und komme um 17:30 Uhr in Ulm an-zeitgleich mit meinem Bruder. 

Du hast mir (nicht) gesagt…

Du hast mir (nicht) gesagt…

Du hast mir nicht gesagt, dass es so hart wird.
Das war auch besser so – denn sonst hätte ich „Nein“ gesagt.

Du hast mir nicht gesagt, dass mich das Gefühl des Allein-seins immer wieder überrollen wird.
Das war auch besser so – sonst würde ich nicht lernen, deine Nähe zu suchen.

Weiterlesen „Du hast mir (nicht) gesagt…“
Himmel und Erde

Himmel und Erde

Mama, wann sterben wir endlich?“ fragte mich meine Tochter in den letzten Wochen und Monaten immer wieder. Und immer wieder muss ich schlucken…es ist gar nicht so leicht, einer 4-Jährigen auf der einen Seite hoffnungsvoll und positiv vom Himmel zu erzählen, an den man glaubt und der wundervoll sein soll und gleichzeitig klar zu machen, dass man, obwohl da alles soooo viel besser sein soll, eigentlich gar nicht daran denken möchte, dass einer von unserer Familie bald sterben könnte….

Tatsächlich stellte sie diese Frage nicht aus Angst, sondern weil sie sich mit ihrer kindlich unbeschwerten Art einfach vorstellt, dass da alles schön ist bei Jesus. Sie hat das, was wir ja hoffen und glauben einfach für sich aufgenommen und hält nun daran fest. Und dann kommt diese Frage und ich bin peinlich berührt und weiß nicht, was ich sagen soll…“ähm…Ja…im Himmel IST alles schöner, aber ich bin froh dass ich dich habe und wäre auch froh, wenn du noch ein bisschen bei mir bleiben würdest!“ war mein erstes Antwortgestotter. Bis ich mich selbst mehr mit diesem Thema „Himmel“ und „Sterben“ beschäftigte.

In der aktuellen Situation ist es leicht, in den Gedankenstrudel reinzukommen und diese Sehnsucht nach der „besseren Welt“ zu bekommen. Davor versuche ich mich seit Jahren zu bewahren, denn ich weiß aus der Vergangenheit, wie stark diese Sehnsucht werden kann. Zu stark. Man kann wegdriften von Zuversicht, Perspektive und vor allem Lebenssinn und dann….ist es zu spät und es kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Was kann man tun?

Man kann die Frage und das Thema komplett verdrängen. Aber hilfreich ist es nicht. Ich habe einen anderen Weg gefunden:

Ich beschäftigte mich mit dem Thema, ging mit Gott ins Gespräch und stellte die Frage anders: Die Frage lautete nicht „Wann sterbe ich (endlich)?“ sondern „Warum bin ich (noch) hier?“ Und diese Frage möchte ich mir jetzt, wo der Corona-Koller langsam immer stärker wird (ja, nach 10 Monaten wird es sogar mir langsam zu einsam😊) bewusster stellen.

Nicht mit einem negativen und depressivem Klang, sondern mit dem Blick nach oben: „Herr, warum bin ich (noch) hier?“ Wenn ich noch hier bin, dann aus einem bestimmten Grund. Auch wenn derzeit alles eingeengt und perspektivlos erscheint. Auch wenn ich vielleicht nicht mehr so aktiv sein kann wie vorher und kaum noch Leute treffe – ich lebe und das ist gut so!

Genau das versuche ich meiner Tochter zu antworten und wenn ich die folgenden Sätze ausspreche höre ich, wie Gott MIR genauso antwortet: „Ich freue mich auch auf den Himmel. Aber DU bist ein Geschenk. Als du geboren wurdest, hab ich mich so sehr gefreut! Du bist gewollt und nicht ohne Grund hier. Gott hat noch was vor mit dir und solange er dich nicht zu sich holt, hat es einen Grund! Also freu dich über die Zeit hier, denn die Ewigkeit ist noch laaaaange. HIER bist du für uns ein Segen und für viele andere. Frag Gott doch einfach, womit er dich hier noch beschenken möchte und was er mit dir vor hat!“

Mir haben diese Konversationen mit meiner Tochter sehr geholfen. Ich möchte selbst wieder öfter und noch mehr nachfragen, was MEIN Grund ist, warum ich hier bin. Was hat Gott mit mir vor? Was darf / kann / soll ich noch erleben, tun, lernen?

Auch jetzt, wo wir in unserem Landkreis seit Wochen Zuhause sitzen und wenige direkte Kontakte haben wird es einen Grund geben, warum ich hier bin.

Ich habe die letzten Monate genutzt um bei mir selbst in die Tiefe zu gehen, mein Herz zu durchforsten und zu schauen, wie es darin aussieht und ich habe viel Zeit im Gebet und vor allem beim Zuhören verbracht. So konnte ich in den letzten Wochen mehreren Frauen Eindrücke und Bilder weitergeben, die ich von Gott für sie aufs Herz bekommen habe. Ich habe gesagt bekommen, dass es viel bewirkt hat und sie dadurch sehr berührt wurden.

Ich merke, dass es gut und wichtig war, dass ich die letzten Monate viel Zeit damit verbracht habe, meine Sinne für das Reden Gottes zu sensibilisieren und meine Beziehung zu diesem Gott zu vertiefen. So kann ich auch jetzt ein Segen sein und etwas bewirken, in dem ich prophetische Worte und Ermutigungen per Sprachnachrichten versende.

Du bist noch hier! Und das ist gut so! Gott kann und möchte dir auch jetzt begegnen und du kannst auch jetzt ein Segen für diese Welt sein. Wie? Finde es heraus, frage deinen Schöpfer, der dich bewusst und mit Vision geschaffen hat und der genau wusste, dass diese Zeit jetzt kommen wird. Du bist hier! Du lebst! Du machst Sinn! Nutze es!

Gehörtraining

Gehörtraining

In meinem letzten Post habe ich ja kurz angekündigt, dass ich beim nächsten Mal auf das Thema „Gottes Stimme hören“ bzw. „hörendes Gebet“ eingehen möchte.
Tatsächlich glaube ich, dass es mehr als denn je dran ist, sich darum zu bemühen, Gottes Stimme besser hören und vor allem von anderen „Stimmen“ unterscheiden zu können.
Warum? Weil ich glaube, dass es mehr als je zuvor Ermutigung, Liebe und Gottes Führung braucht.
Viele kennen Begriffe wie „Apokalypse“ oder „Endzeit“. Es gibt zahlreiche Hollywood Produktionen, die sich mit diesem Thema auseinander setzen. Entweder drohen Kometen die Erde zu zerstören, Aliens nehmen die Erde ein oder Umweltkatastrophen führen zum Ende der Welt. Interessanter Weise entstammen diese „verrückten“ Ideen aber nicht irgendwelchen genialen Drehbuchautoren, sondern sie stehen schon in der Bibel.
Okay- da steht nichts explizit von „Aliens“, die grüne Glibbermasse von sich geben aber wenn man in der Offenbarung oder in Hesekiel liest, wie die Engel beschrieben werden – dann ist das gar nicht so weit her geholt:)
Wir leben in dieser Welt, die immer wieder Umweltkatastrophen, Krankheiten, Seuchen, Kriegen und anderen Bedrohungen ausgesetzt ist. Und manche reden von der „Endzeit“, wenn sie von der jetzigen Zeit, in der wir leben, sprechen.
Die Handlungen im Buch der Offenbarung in der Bibel sind schwere Kost und nur schwer zu verstehen oder zu deuten. Daher möchte ich dich hier heute damit gar nicht überfordern.
ABER:
Wie auch immer man die Zeit jetzt theologisch deuten will: Wir stellen uns immer häufiger wichtige Fragen.
Warum leben wir?
Was ist unser Auftrag?
Was für Spuren möchte ich hinterlassen?
Gibt es einen Gott?
Haben die Heuschreckenplage in Afrika und dieser schreckliche Virus tatsächlich was mit der „Endzeit“ zu tun?
und so weiter.
Wir werden aber auch immer häufiger und intensiver davon abgehalten, uns diese Fragen zu stellen. Und wenn wir sie uns stellen, fliegen uns die Antwortmöglichkeiten auf allen Kanälen entgegen.
Auch Theologen und Geistliche werden bei diesen Fragen oft zu Rate gezogen und haben dann gute Antworten bereit.
Weißt du aber, WANN sie am besten bei diesen Fragen helfen können? Wenn sie selbst in ihrem Leben immer mehr danach streben, Gottes Stimme zu hören und IHN um die Antworten bitten.
Denn, wenn es diesen Gott gibt, der DICH geschaffen hat, dann weiß auch nur ER, warum er das getan hat. Dann weiß auch nur er, was dein Auftrag ist. Dann weiß auch nur er, was diese Zeit für uns zu bedeuten hat.
Und jetzt kommt der Clue. Aufpassen: Du kannst lernen, diese Fragen zu beantworten, weil DU lernen kannst, Gottes Stimme zu hören!
DU kannst auch Gott um Antworten bitten. Jesus sagt in der Bibel: „Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten.“ (Lukas 11,13)
Der Heilige Geist wiederum kann uns Dinge klar machen, verständlich machen. WENN wir ihn darum bitten. Er ist der „Vermittler“, wenn du so willst. Denn ER ist Gott und kennt sein Herz und er kennt DEIN Herz und weiß, was du wie am besten verstehst.
Wie kann das jetzt genau passieren?
  1. DU musst für dich entscheiden, ob du Gottes Stimme durch den Heiligen Geist hören möchtest. 
  2. Drücke diesen Wunsch in einem Gebet aus.
Das ist das erste! Mein Mann sagt immer „Der Heilige Geist ist ein Gentleman!“  – er drängt dir nichts auf. Aber wenn du ihn bittest, gibt er gerne:)
Dann wird es praktisch:
ÜBE!
Du kannst
a) Einfach mal los laufen und sagen: „Gott, ich möchte deine Stimme mehr wahrnehmen. Mach mich sensibel für dein Reden!“
Persönliches Beispiel: Ich habe das vor 6 Jahren an einem Morgen gemacht. Bin losgegangen bei Sonnenaufgang und habe genau das Gebet gesprochen. Und plötzlich hatte ich ein paar Gedanken, die sich kurz darauf bestätigt haben. Ich ging zum Strand (damals lebte ich in Kapstadt) und während ich auf dem Weg dorthin war hatte ich den Gedanken: „Heute wirst du auf der linken Seite nur einen Kite-Surfer sehen!“. Normalerweise waren um diese Uhrzeit und bei DEM Wetter schon zahlreiche Kitesurfer dort. Aber genau so war es. Während ich spazieren ging und betete hatte ich den Gedanken „Du wirst auf dem Rückweg eine einsame Frau am Strand sehen. Sprich sie an!“ Ich mag es eigentlich gar nicht, einfach fremde Leute anzusprechen. Ich hoffte, mich verhört zu haben.
Aber was passierte? Als ich umkehrte, stand am Ausgang an der Dühne eine Frau und sah auf den Tafelberg gegenüber. Ich wusste, dass ich sie ansprechen sollte, wusste aber nicht was ich sagen sollte, also sagte ich nur „Good morning!“. Sie schaute mich an und wir begannen zu erzählen und redeten 30 Minuten.
Es stellte sich heraus, dass sie zum Urlaub in Kapstadt ist, eigentlich aus Johannesburg kommt und auch Christin ist.
Einige Tage später sah ich sie wieder am Strand und auch an diesem Morgen hatte ich vorher „gespürt“, dass sie wieder da sein wird. Während meines Spaziergangs hatte ich Gott meine Not geplagt: Wir hatten in diesem Monat wieder weniger Spenden bekommen und wussten nicht, wie es weiter gehen sollte. Ich traf auf meinem Heimweg wieder auf die nette Frau. Und nach kurzem Reden sagte sie: „Ich habe heute in meiner Gebetszeit den Eindruck gehabt, ich solle dir und deinem Mann diesen Umschlag geben! Seid gesegnet!“ Wir beteten und sie ging. Ich habe sie nie wieder gesehen. Im Umschlag waren rund 100 Euro…
So begann es bei mir mit dem „Sensibel werden“.
Heute spricht Gott auf unterschiedliche Weise immer wieder:
  • Visionen oder Bilder in meinen Gedanken
  • Sätze/ Worte in meinen Gedanken
  • Ideen / Blitzgedanken
  • Bibelverse die mir plötzlich in den Sinn kommen
  • durch Predigten oder etwas, was jemand zu mir sagt
  • durch die Bibel beim Lesen
  • Aktionen oder Handlungen
b) Lies die Bibel zum Überprüfen.
Um eine Stimme zu erkennen ist es hilfreich, die Person hinter der Stimme zu kennen. Nur, wenn du eine Person kennst, kannst du einschätzen, wie etwas gemeint ist und ob das, was du hörst, auch zum Herz der Person passt.
Nur bei einer Person, die ich gut kenne, kann ich besser heraushören, ob die Stimme verstellt ist oder echt.
Du kannst Gott durch die Bibel kennen lernen. Durch die Bibel können wir Gottes Herz für uns Menschen kennen lernen. Durch Jesus können wir sehen, wie Gott ist.
Und nur dann, wenn du das mehr und mehr verstehst, kannst du die Stimme Gottes auch klarer und besser verstehen.
c) Suche dir gute Freunde, an denen du „üben“ kannst
Wenn du trainieren möchtest, wie man prophetische Eindrücke zur Ermutigung bekommt, kannst du einfach jemanden, der Gott ebenfalls kennt, bitten, dir dabei zu helfen.
Beispiel: Die Worshipleiterin Jenn Johnson von Bethel hatte mich dazu mal sehr inspiriert durch ihre eigene Geschichte.
Auch sie bat einmal ein befreundetes Ehepaar, an ihnen die Gabe der Prophetie auszuprobieren. Sie wusste, dass sie es selbst gut einordnen konnten und für sich prüfen konnten.
Komischer Weise hatte sie den Eindruck, sie sollte diesem Ehepaar Wasser ins Gesicht spritzen (und das soll man mal biblisch prüfen:))
Aber die beiden ließen sich darauf ein. Sie gingen in die Küche, Jenn spritzen ihnen Wasser aus einer Schüssel ins Gesicht. Aber dann…. sprudelten plötzlich Worte aus ihrem Mund. Sie redete plötzlich davon, was Gott über das Ehepaar denkt und was er sieht. Und das Ehepaar? Brach weinend zusammen denn alles stimmte. Jenn konnte nichts davon wissen.
Was war passiert? Jenn hatte sich danach ausgestreckt, diese Gabe der Prophetie zu erhalten.
Sie hatte Gott darum gebeten, die Bibel gelesen und war mutig genug, sich jemanden zu suchen, der sie nicht verurteilte oder dadurch verunsichert wurde.
Und dann tat sich das, was Gott ihr sagte.
Genau so habe ich das dann auch gemacht. Ich habe zwar kein Wasser ins Gesicht von jemandem gespritzt, aber ich habe immer wieder Menschen, die es für sich selbst einordnen und prüfen konnten, in mein Training mit einbezogen, bis ich lernte, sensibel für Gottes Herz und seine Stimme zu werden um andere zu ermutigen.
ERMUTIGEN ist dabei der Kern! Ermutigung braucht jeder!
Also: Warum heute Abend mal statt dem TV deine inneren Ohren anmachen? Mit der Bibel in der Hand einfach mal da sitzen, Gott bitten zu reden und dann schauen was passiert?