Schlagwort: Schokolade

„Das Glück hat kleine Schokofinger“ oder „Wunder ‚Kind'“

„Das Glück hat kleine Schokofinger“ oder „Wunder ‚Kind'“

Ich bin seit einigen Jahren Mutter. Die Kleinkindphase ist vorbei und somit auch die Alltags-Situationen, in denen man Schmunzeln oder sogar laut los lachen muss, weil man von manchen Antworten oder auch Fragen des Kindes überrascht wird.
Ich bin dankbar, dass mein Kind immer noch unsere Nähe und unseren Rat sucht, fast täglich noch kuscheln möchte und wir scheinbar noch nicht ganz so peinlich sind. Manchmal verzieht sich mein Gesicht, wenn ich alte Fotos anschaue und meine Dankbarkeit wird zu einer wehmütigen Dankbarkeit. Einer „Aber-Dankbarkeit“. Ich bin dankbar, dass ich immer noch ein Kind Zuhause habe und es so selbstständig wird – ABER es war sooo süß damals. Ich bin dankbar, dass ich nicht mehr jede Minute Aufsicht halten muss – ABER jetzt braucht mein Kind mich ja fast gar nicht mehr…
So geht es mir- und meinem Mann auch. Das nehme ich zumindest an und mache es an seinem ebenfalls verzogenen Gesicht und seiner Stimme fest, die plötzlich wie eine kleine Maus klingt, wenn er sich Fotos aus der Baby- und Kleinkindphase anschaut.

Schaue ich mich um – in unserem Bekanntenkreis oder auch in Alltags-Situationen, habe ich aber oft den Eindruck, dass es immer wieder Eltern (vor allem Väter) gibt, die auf mich genervt von ihren Kindern wirken. Egal, ob es darum geht, ein WM Spiel als Familie zu schauen oder einfach Zuhause etwas zu werkeln. Der Ton wirkt genervt, Eltern sind oft mit sich selbst beschäftigt. Man verliert schnell den Blick für das Wunder, den Zauber der Entwicklung eines Kindes. Ist es anstrengend? JA! Kostet es Kraft? JA? Lässt es einen manchmal (ver)zweifeln? JA. Und ist es oftmals ein Spiegel, an dem man seine eigenen Macken und Denkweisen erkennt? JA!
ABER: Ist es vielleicht auch eine Möglichkeit, sein eigenes Lebens- und Glaubenskonstrukt mal zu hinterfragen? Die Beziehung zu den eigenen Eltern anzuschauen? Ist es eine Möglichkeit zu erkennen, wie wunderbar Gott sich das alles ausgedacht hat bei der Schöpfung? Dass da ein Bestreben des Kindes da ist, zu wachsen, selbstständig zu werden, aufzustehen und gleichzeitig doch immer der Blick nach oben ist? Mit der Frage in den Augen „Bist du da, wenn ich es nicht schaffe? Hilfst du mir dann?“
Ich finde es faszinierend zu merken, wie schnell man das Wunder „Kind“ aus den Augen verliert, weil man auf den Alltag, die To-Dos und die Anstrengungen fokussiert ist.

Ich habe gerade ein Buch von einem meiner Lieblingsautoren gelesen: „Das Glück hat kleine Schokofinger“ von Titus Müller.
Es ist eine erweiterte Neufassung. Ich hatte es vor einigen Jahren bereits gelesen, für gut empfunden und dann an eine Mutter verschenkt. Nun also habe ich es wieder in die Hand genommen und mit neuen Augen gelesen.
Titus Müller beschreibt seine Lebenswelt als Autor und frischer Papa – vom ersten Ultraschall des ersten Kindes bis in die Kleinkindphase hinein. Lustige Dialoge und Alltags-Situationen werden beschrieben – ehrlich, authentisch und humorvoll. Dabei kam ich immer wieder ins Nachdenken. Er schafft es, den Fokus einmal auf die Kleinen Menschen und die kleinen Dinge des Alltags zu lenken und mit neuen Augen zu sehen. Und wieder fragte ich mich: „Ist es nicht faszinierend, die kleine Kinder denken?! Ist es nicht wundervoll, wie sie die Welt sehen? Und wie einfach manche Dinge doch sind, wenn wir sie mit Kinderaugen sehen?!“
Auch wenn manche Textabschnitte irgendwie scheinen, als ob sie willkürlich hineingesetzt wurden, weil mir persönlich ein Zusammenhang fehlt – es lohnt sich, ab und zu mal hineinzusehen und so eine kleine Justierung der eigenen Antennen vorzunehmen. Vielleicht hilft es, in allem Trubel, zu erkennen, dass dieser Tag, dieser Dialog, dieser Austausch mit dem eigenen Kind einzigartig ist und nie wieder kommen wird. Vielleicht hilft es zu erkennen, dass Gott selbst sich so sehr wünscht, dass wir wie die Kinder werden und seine Nähe suchen, wie ein Kind die Nähe der Eltern sucht. Er ist der Vater, der nicht genervt ist oder zu beschäftigt, er ist die Mutter, die nie müde wird oder sich selbst verliert. Er ist da. Er sieht uns an mit liebevollem Blick und freut sich an uns. Für ihn sind wir die, mit den kleinen Schokofingern, die manchmal lustige Dinge von sich geben.
Und ich möchte für mein Kind – egal in welchem Alter – die Mutter sein, die Zeit hat, dich liebevoll kommuniziert, wenn es gerade mal nicht passt – und dann fokussiert und mit weitem Herzen Gespräche mit dem Kind führt, auflacht, wenn etwas Lustiges gesagt wird und einfach begeistert ist von dem Wunder „Kind“, das ich erziehen und aufwachsen sehen darf.


Mein Buchtipp:
Das Glück hat kleine Schokofinger
Titus Müller
Edition Chrismon Verlag

„Ich will so bleiben wie ich bin!?“

„Ich will so bleiben wie ich bin!?“

(Beitrag auf Estherstoechter.wordpress.com)

Während ich am Laptop sitze um diesen Blogpost zu schreiben, stopfe ich eine Handvoll M&Ms in mich rein. Die Gelben mit Erdnüssen.

Tatsächlich kam mir die Idee für den Inhalt dieses Textes in dem Moment, als ich zum Wiederholten mal in die offene Tüte griff und mit mir selbst kämpfte. Denn eigentlich wollte ich keine Süßigkeiten essen. Meine App auf dem Handy, die meine Kalorien zählt hat es mir verboten, denn das Mittagessen war ein bisschen zu groß geraten….Aber wie so oft finde ich selbst wieder Argumente, warum ich diese Hand voll nun doch in meinen weit aufgesperrten Mund stopfe: „Ich lass mir doch von einer App nicht sagen, was ich tun oder lassen darf!“ oder „Ach, jetzt hab ich mir gerade neue Klamotten im Sale schon für den Sommer geleistet, dann wäre Abnehmen ja jetzt eh blöd!“ oder ganz einfach „Ich wollte ja noch einen Blogeintrag machen – dann hab ich wenigstens ein Thema!“

Vielleicht kennst du das auch, dieses Streiten mit sich selbst oder, wie man im Fachjargon sagt, „Selbstverarsche“. Denn es war ja nicht die APP die mir gesagt hat, dass ich abnehmen soll, sondern ich selbst hatte mich endlich mal wieder motiviert genug gefühlt, ein bisschen mehr auf meine Ernährung zu achten und dem Winterspeck ein bisschen Einhalt zu gebieten. Blöd nur, dass ich genau aus diesem Grund dann auch sagen kann, dass ich jetzt einfach nach drei Tagen das Experiment „Jeanstragen ohne rote Ränder am Bauch“ abbreche. Ich bin Weltmeisterin darin mich selbst von etwas abzubringen, nachdem ich endlich mal den Mut und die Motivation gebündelt habe um einen Next Step zu gehen. Und dann bin ich auch die Weltmeisterin im drüber jammern, dass ich es nicht durchgezogen habe.

Es gibt viele Argumente, die mich dazu bringen mein Vorhaben, ein paar Kilos abzunehmen, zu ignorieren: „Mein Mann liebt mich wie ich bin!“, „Gott liebt mich, wie ich bin“, „Es kommt auf die inneren Werte an“ und und und. Und dann kommt der alte Werbeslogan von einer Ernährungsmarke in den Kopf „Ich will so bleiben wie ich bin – DU DARFST!“

Und irgendwie stimmen die Argumente ja auch. Aber gleichzeitig weiß ich, dass ich selbst ja nicht da stehen bleiben will und mich zurücklehnen möchte. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass ich immer einen Grund zum Kämpfen brauche oder alles anstrengend sein muss im Leben. Aber es geht darum zu verstehen, dass ich auf der einen Seite natürlich von meinem Mann geliebt werde und dass ich auch von Gott geliebt bin -aber gleichzeitig geht es mir selbst doch auch darum, dass ich gesund lebe, mich wohlfühle. Dass ich so bleiben DARF wie ich bin, aber es nicht MUSS.

Dieser Zwiespalt beschäftigt mich schon mein ganzes Leben: „Gott liebt dich, wie du bist!“ höre ich seit meiner Kindheit. Warum dann verändern? Warum dann abnehmen oder Verletzungen verarbeiten? Warum vergeben und versöhnen? Warum an sich arbeiten – wenn Gott mich doch so geschaffen hat und mich liebt?

Und dann fangen die Argumente an und tatsächlich wirken die kritischen Nachfragen schwerer und man ist kurz davor, die Hand, die gefüllt ist mit den M&Ms, mit Frust, mit Rachegedanken, mit Zweifeln, mit Wut und allem drum und dran wieder in den Mund zu stopfen, sich zurück zu lehnen und einfach zufrieden zu sein mit sich selbst.

Ich habe aber eins gelernt: Ich bin nicht zufrieden mit mir selbst. Denn ich habe immer wieder gemerkt, dass der innere Frieden und die Ruhe DANN da sind, wenn ich verstehe und weiß, dass ich geliebt bin und trotzdem Verletzungen und Verhaltensweisen in und an mir habe, die nicht dem ursprünglichen Gedanken Gottes entsprechen, sondern die entstanden sind in diesem Leben, in dieser Welt die alles andere als Perfekt oder „Das Paradies auf Erden“ ist.

Ich selbst entscheide, was ich in mich „reinstopfe“ – das gilt für das Essen, als auch für die Gedanken. Die Schokolade steht im Regal – manchmal habe ich sie selbst gekauft, manchmal wurde sie mir geschenkt oder mein Mann hat sie besorgt. Sie ist da. Aber sie ist noch nicht in meinem Mund. Und sie ist auch nicht immer und grundsätzlich schlecht. Die Frage ist, ob ich selbst die Kontrolle habe und die Verantwortung übernehme, wenn ich sie öffne und esse.

Verletzungen und der Schmerz der dadurch entsteht – auch sie existieren in unserem Leben manchmal, weil wir sie selbst zufügen, manchmal weil sie uns zugefügt werden und manchmal sogar, weil sie aus anderen Generationen weitergegeben werden. Aber die Frage ist, ob du die Kontrolle hast und den Schmerz in dich hineinstopfst, weil es einfacher ist, sich zurück zu lehnen weil man eben so ist, wie man ist, oder ob es dran ist, aufzustehen, den Schmerz zu betrachten und zu entscheiden, ihn nicht rein zu lassen. Der Schmerz, die Verletzungen können schnell Verhaltensmuster verursachen, die noch mehr Verletzungen hervorrufen oder sogar Verbitterung bewirken. Man macht zu. Man wehrt sich. Man zieht sich zurück

Das ist nicht das Leben, das Gott sich gedacht hat. Jesus selbst sagte einmal, dass er das Leben in der Fülle bereit hält für uns. Eine gesunde Fülle. Eine Fülle, die nicht so ist, wie wenn man gerade 500 Gramm M&Ms in sich reingestopft hat, sondern die Fülle, wie nach einer gesunden, leckeren Bowl. Das ist sein ZIEL für uns. „Sünde“ bedeutet „Ziel verfehlt“. Trage ich weiterhin Verletzungen und Dinge mit mir rum, die mich davon abbringen, mit Frieden und Ruhe ein Leben in der gesunden Fülle zu leben – dann ist das genau so, wie wenn ich mich täglich vollstopfe mit ungesundem Zeug: Ich lehne mich zurück und werde dicker und dicker und irgendwann platz ich!

Ich habe nun runtergeschluckt. Und ich verurteile mich nicht. Ich hab mein Ziel, heute keine Süßigkeiten zu essen, verfehlt. Schade, aber nicht zu ändern. Ich entschließe mich also, den Rest des Tages standhaft zu bleiben. Nicht, weil es eine Regel ist, die ich einhalten soll, sondern weil ICH für mich weiß, dass es langfristig besser ist, wenn ich bedachter esse und mir genüsslich ein Stück Schokolade gönne, wenn es dran ist.

Ich habe in meinem Leben viele Ziele verfehlt – immer wieder. Ich lehne mich nicht zurück und belüge mich, in dem ich sage „Ist doch egal“, aber ich mach mich auch nicht fertig. Ich stehe auf, schaue mir an, was genau es war. Ich bete, dass mir Gott zeigt, wo der Ursprung meiner Verletzungen und Verhaltensmuster liegt, ich bearbeite es mit ihm, geb es ab und versuche, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Ich möchte dich heute ermutigen, die Balance für dich zu finden

Verurteile dich nicht, mach dich nicht fertig. Aber bleib auch nicht resignierend stehen. Gott liebt dich, wie du bist. Aber du musst nicht so bleiben, sondern kannst dich immer mehr zu der Person verändern, die er von Anfang an in dir gesehen hat und immer noch sieht: Rein, kostbar und von unbegrenztem Wert.