Monat: Januar 2025

Aus Prinzip

Aus Prinzip

Als ich Kind war, gab es immer wieder Trotzphasen. Die hat jedes Kind. Und obwohl ich das Wort „Prinzip“ noch nicht kannte oder deuten konnte, habe ich als Kind oftmals „aus Prinzip“ gehandelt. Meist mit einem bockigen und trotzigen Verhalten. 

Wenn ein Junge mich geärgert hat, war ich aus Prinzip gegen alles, was er sagte oder machte!

Als ich Teenager war, gab es ein Mädel in meinem Jahrgang, die mich als Christ blöd fand und nicht nachvollziehen konnte, warum ich bei bestimmten Dingen nicht mitmachte. Also fand sie „aus Prinzip“ alles lächerlich und blöd was ich sagte oder machte! Selbst wenn ich ihr Komplimente über ihre Frisur machte, rollte sie mit den Augen und sagte „wen interessierst?!“

An sich ok-man muss nicht alle mögen und auch nicht hinter jeder Meinung eines anderen stehen. Aber: „aus Prinzip“ kann man manchmal echt Chancen verpassen. 

Oder anders: 

Du bist in der Schule und es gibt verschiedene Cliquen.  Diese haben sich in die Schülervertreung wählen lassen. Jede Clique oder „Peer group“ hat bestimmte Werte und will verschiedene Dinge in der Schule durchsetzen. Jede Clique will andere überzeugen. Und jede Clique will das „wohl der Schule“. Und dann gibt es Entscheidungen die getroffen werden müssen zum WOHL der Schule. Und es wird demokratisch abgestimmt, welche Clique den besten Vorschlag macht. 

Die Clique von „X“ ist recht radikal. Eigentlich haben sie Werte, die die anderen nicht teilen-zumindest nicht alle. Sie schlagen einen Weg vor-aber weil die anderen Cliquen nicht mit ihnen „aus Prinzip“ arbeiten wollen, stimmen alle gegen deren Vorschläge. Egal was drinnen steht. „Aus Prinzip“ wird abgelehnt. Jeder versucht  die Schülerschaft davon abzuhalten, Teil dieser Clique zu werden, denn niemand möchte radikale und menschenverachtende Entscheidungen unterstützen und niemand möchte, dass sich schlimme Dinge wiederholen. Diese Gefahr besteht. 

Clique „A“ bringt ebenfalls Vorschläge ein. Sie ähneln den Vorschlägen von „X“ sehr stark. „A“ betont, dass es nicht um eine Zusammenarbeit oder Freundschaft mit „X“ geht, aber dass die Vorschläge wirklich helfen könnten, einen Schritt vorwärts zu kommen. „X“ schimpft auf „A“ und findet „A“ total doof aber Sie unterstützen den Vorschlag, weil er immerhin etwas verändern würde. 

„B“ kommt nach vorne und versucht erstmal die Wogen zu glätten. Lenkt den Fokus erstmal auf einen Moment der Trauer und bedankt sich bei Rettungskräften, die bei einem schlimmen Anschlag vor kurzem schnell vor Ort waren. Aber weil das ja Clique „B“ ist, die das sagt, verschränken alle anderen Cliquen die Arme vor der Brust. Die einzigen, die ebenfalls „Danke“ sagen und diese Einführung der Rede unterstützen, ist der Rest der Clique „B“. Ich betone: in dieser Einführung hat B noch nichts über die Vorschläge von „X“ oder „A“ gesagt. Es ging nur um eine Anerkennung von Schülern in einer schlimmen Situation. 

So geht es weiter. Alle sind gegen „X“, alle sind gegen „A“. Lediglich Clique „Y“ sagt: der Vorschlag an sich ist doch gut! Es hilft uns allen. Also lasst uns doch gemeinsam dafür stimmen damit wir vorwärts kommen!“

Aber „aus Prinzip“ stimmen alle dagegen-„wenn X dafür stimmt, machen wir nicht mit!“

„Und wenn Y mitstimmt und A den Vorschlag dann mit einer Mehrheit durchbringt, seid ihr Verräter!“

Und so geht es weiter und weiter. 

Das Resultat: diejenigen, die Radikalität und Diskriminierung verachten, fördern das radikale Denken, das Entsetzen und die „da mach ich nicht mit, wenn DER das auch gut findet!“-Kultur genauso, wie die bereits Radikalen (links und rechts). 

Der Ton wird aggressiver, niemand hört mehr zu. Man wird ausgelacht und beschimpft, wenn man Vorschläge einbringt. Man wird verurteilt und darf nicht ausreden…

Mal ehrlich: Genau das ist Grundschul- oder sogar Kindergartenniveau. Das ist Trotzverhalten und nicht konstruktiv! Und das ist das, was ich bei der gestrigen Bundestagsdebatte nicht zum ersten Mal gesehen habe. 

Ich verstehe, dass wir alles tun müssen, dass Radikales und Faschistisches Gedankengut nicht zu einer Doktrin wird. Wir müssen verhindern dass sich der Holocaust, Hass und Verfolgung wiederholen! 

Ja! Die Landesverbände der AFD werden teils rechtsextrem eingestuft-das IST nicht zu akzeptieren!!!

Aber: die Partei, die von Menschen aus dem Volk in den Bundestag durch freie Wahlen gewählt wurde komplett zu ignorieren, Entscheidungen, die mit einer Mehrheit durch diese Partei durchgesetzt wurden, in Frage zu stellen (wie zum Beispiel einen Ministerpräsidenten wieder abzusetzen und Neuwahlen anzusetzen, weil die „Falschen“ für ihn gestimmt haben) und andere Parteien, die betonen, keine gemeinsame Sache mit ihnen machen zu wollen aber eine Abstimmung im gesamten Bundestag möchten, zu beschimpfen, ihnen nicht mehr zuzuhören und aus Prinzip dagegen zu stimmen-das hilft meiner Meinung nach auf keinen Fall! im Gegenteil: es fördert die Spaltung der Bürger und es fördert das falsche Lager! 

Es wäre ein Anfang, einfach mal die Argumente, die Reden und einzelnen Aussagen der Abgeordneten anzuhören und einzeln zu bewerten. Wenn jemand den Rettungskräften dankt oder Mitleid für die Opfer und deren Angehörigen bekundet-meine Güte, dann unterstützt doch wenigstens das-auch wenn die Person aus einer anderen Partei ist!

Ich frage mich, wie das Ergebnis einer Abstimmung ausgesehen hätte, würde man nicht wissen, welche Partei welchen Antrag gestellt hat und welche Partei den Antrag unterstützt… einfach als Einzelabstimmung der SACHE ohne Druck und ohne Parteizugehörigkeit!

DAS wäre historisch gewesen-eine Entscheidung für das Land und nicht für die Partei als Teil des Wahlkampfes… 

Ich bete für Klarheit bei den Wahlen!

Ich bete für Weisheit!

Ich bete für friedliche und wohlwollende Gespräche und eine Zusammenarbeit derer, die eigentlich WIRKLICH das Beste für das Land möchten!

Ich bete für Politiker, die ein reines Herz und Gewissen haben!

Ich bete für Gnade!

Ich bete für die Politiker und Parteien und für alle, die verwirrt sind!

Ich bete für unser Land-mit allen (!) Menschen die darin leben!

Ich bete für EINIGKEIT!

Beauty for Ashes

Beauty for Ashes

Wie jedes Jahr habe ich mir zwischen dem 27.12. und dem 03.01. täglich bewusst Zeiten genommen, in denen ich das vergangene Jahr reflektierte. Was lief gut? Wo gab es Enttäuschungen? Wo Verletzungen? Welche Schritte bin ich gegangen? Hatte ich Erfolge wahrgenommen und auch gefeiert?
Worauf freue ich mich im kommenden Jahr? Was nehme ich mir vor? Diese Fragen stelle ich mir jedes Jahr. Vor allem aber gehe ich mit diesen Fragen ins Gebet. Ich versuche zu hören, wahrzunehmen, zu spüren, was mein Schöpfer darüber denkt. Immerhin hat ER mich geschaffen und kennt mich besser als jeder Mensch – ja sogar besser als ich selbst. Er weiß, was er aus dem Zerbruch und den Verletzungen tun kann.
Auf einem Wochenende mit 24 anderen Frauen blickten wir bewusst auf die schmerzhaften Zeiten des vergangenen Jahres. Auf die „Wüstenzeiten“, wenn man so will. Die Momente, die schwer waren, schmerzhaft waren, herausforderten – die Momente, die wir vielleicht sogar gerne weggeschoben hatten, ignoriert haben oder abhaken wollten, wurden noch einmal hervor geholt. Warum?
Ist das nicht masochistisch?
Wäre es! – Wenn ich nicht auch hier Gott mit reinnehmen würde. In der Bibel steht, dass all denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. (Römer 8,28)
Das ist leicht gesagt aber schwierig zu verstehen. Immer wieder kommt die Frage hoch: „Gott, wo warst du denn?“ oder „Wo ist DA bitte etwas Gutes drin?“

Der Schlüssel für die Antwort liegt in unserer Hand. Die Frage ist, ob ich bereit bin, eine Tür zu einer neuen Sichtweise zu öffnen. Möchte ich wirklich wissen, wo Gott in dem Ganzen war? Warum frage ich ihn dann nicht, ob er es mir zeigen kann?
Ich habe das immer wieder gemacht: „Jesus, wo warst du in der Situation? Zeig mir, wo du warst!“ und dann schließe ich die Augen und „schaue“ hin. Wo steht, sitzt, liegt er? Wo bin ich? Was tut er? Was tue ich? Und plötzlich erkenne ich, dass ich nicht allein war. Dass die Situation anders aussah, als ich dachte. Dass er manchmal da stand und „übernehmen“ wollte, ich aber so auf mich und die Enttäuschung fixiert war, dass ich wütend reagiert oder mich zurück zog. Ich gab ihm nicht die Erlaubnis zu übernehmen, zu handeln. Manchmal musste ich aber auch erkennen, dass er da war – mitten im Sturm und diesen nicht stillen wollte. Es wäre ein Leichtes für ihn – aber er tat es nicht. Stattdessen wollte er mit mir gemeinsam hindurch gehen – aber ich…schrie, zweifelte, riss mich von der Hand, rannte alleine los und war wütend, dass ich nass wurde, der Wind in mein Gesicht peitschte und ich keine Kraft mehr zum Schwimmen hatte. „Jesus, warum hast du den Sturm nicht gestillt?“ und er fragt: „Warum hast du mir nicht vertraut?“
Und dann? Habe ich wieder einen Schlüssel in der Hand. Ich kann eine weitere Entscheidung treffen: Ich kann diese Situationen bewusst abgeben. Ich kann sagen: „Gott, ich hab keine Ahnung, warum ich das erleben musste. Aber ich leg es dir hin. Mach DU etwas Neues draus, Gott. Nimm meine Tränen, meinen Schmerz, meine Narben und nutze es zum Guten – damit es mir und anderen zum Besten dient!“
Und dann? Darf ich gespannt sein.
Dann komme ich vielleicht in eine Situation, in der ich einer Frau Trost spenden kann, die das selbe erlebt hat. Ich kann sagen: „Ich WEIß, wie du dich fühlst!“. Vielleicht kann ich neu sehen, verstehe diesen Gott mehr. Vielleicht werde ich gelassener, rücksichtsvoller, weiser….vielleicht wurde ich vor Schlimmerem bewahrt ohne es zu wissen, vielleicht war die Situation eine Konsequenz MEINES Handelns…vielleicht…vielleicht!
Aber in all den Vielleichts darf ich Gott diese Dinge hinlegen. Ich kann Buße tun, wenn es dran ist und mir wird vergeben. Ich darf sagen: „Ich verstehe es nicht – ABER!“ Ich kann Gott all das hinlegen und sagen: „Jetzt übernimm du! Mach was draus!“

Wusstest du, dass es einen bestimmten Boden gibt, der besonders fruchtbar ist? Es ist der Boden, der einmal von Vulkanasche bedeckt war. Vulkanboden ist fruchtbar, denn die Vulkanasche enthält wertvollste Mineralien, die beim Wachstum helfen! Aus Asche wächst etwas Neues!
Was für ein schönes Bild: Aus der Asche in meinem Leben kann Gott der Schöpfer etwas Neues wachsen lassen. Mein Leben kann – egal wie kaputt, zerbrochen, verbrannt es ist – fruchtbar sein.
Meine Tränen könnten wichtig gewesen sein, damit etwas Neues wachsen kann.
Die Entscheidung liegt bei mir – Bei dir: Darf Gott dir zeigen, dass er DA war? Darf er deinen Glauben stärken und darf er Teil deines Lebens sein – egal wie schön oder unschön es ist?

„Doch ich sage euch: Hängt nicht wehmütig diesen Wundern nach! Bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen! Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Es hat schon begonnen, habt ihr es noch nicht gemerkt? Durch die Wüste will ich eine Straße bauen, Flüsse sollen in der öden Gegend fließen.“ (Jesaja 43,18-19)