„Ich habe versagt“ – diese Antwort hätte ich vor ein paar Jahren noch auf die Frage gegeben, ob ich meine 40-Tage-Bibellese-Challenge durchgehalten habe. „Ich hab es nicht geschafft“, könnte ich auch sagen. Aber ich habe beschlossen auf diese Frage anders zu antworten: „Ich habe sie nicht durchgehalten und trotzdem habe ich gewonnen.“
Tatsächlich lief es die erste Zeit sehr gut. Die ersten 14-20 Tage würde ich sagen, ich hatte es zumindest umsetzen können, jeden Tag mehr als 10 Kapitel in der Bibel zu lesen. Tatsächlich hatte ich während des Lesens Randnotizen gemacht, Fragen gestellt und nachgedacht. Da blieben oft mehr als 20 Kapitel pro Tag auf der Strecke. Anfangs wollte ich diese nachholen -das endete damit, dass ich irgendwann 280 Kapitel hätte nachholen müssen – an nur einem Tag. Ich überlegte: War es mir nun wichtig, die Anzahl der Kapitel zu schaffen oder wollte ich vielleicht mehr? Neue Erkenntnisse gewinnen? Neue Fragen aufwühlen? Gott neu kennen lernen? Dinge verstehen und vertiefen? Und ich beschloss: Ja – genau DAS will ich. Ich hänge deshalb immer noch im Alten Testament. Ich hatte sogar irgendwann beschlossen, nicht mehr alles nacheinander zu lesen, sondern „nur“ 10 Psalmen und danach dann ein paar Sprichwörter und dann lieber ein paar Kapitel in den Propheten. Mir war nämlich aufgefallen, dass ich irgendwann nur noch alles zügig las aber nichts mehr in meinen Gedanken hängen blieb. DAS sollte nicht mein Ziel sein. Also brach ich mein Vorhaben, die Bibel in 40 Tagen komplett zu lesen, ab. Nun gab es aber eine Gefahr: Es könnte sein, dass ich nun GAR NICHT MEHR in der Bibel lese. Ich hatte ja kein Vorhaben mehr…
Mir wurde bewusst, dass dies sehr oft in verschiedenen Situationen im Leben genau so passiert: Man hat ein Ziel, stellt dafür Regeln auf, kann sie aber nicht einhalten. Man schafft es nicht. Manchmal entwickelt sich ein Zwang: Man will die Regeln unbedingt einhalten, weiß aber irgendwann gar nicht mehr warum. Oder man schmeißt alle Regeln über Bord – „man schafft es ja eh nicht“.
Ich habe mir mein Ziel noch einmal angeschaut: Mein Ziel bzw. mein HERZ war, Gott die ersten 40 Tage meines neuen Lebensjahrs bewusst zu widmen. Ich wollte bewusst die ersten 40 Tage Zeit einräumen, um sein Wort zu lesen und ihm neu zu begegnen. DAS war mein Ziel. Mein Weg dahin war, dass ich die komplette Bibel lesen wollte. Meine Regel war: mindestens 30 Kapitel pro Tag lesen.
Das Resultat: Ich stresste mich, als ich bemerkte, dass ich die Anzahl der Kapitel aufgrund des Alltags nicht schaffte. Die REGEL wurde zum Weg UND zum Ziel. Was für ein Irrweg.
Ich habe nicht versagt – ich habe gewonnen.
Ich habe neue Erkenntnisse gewonnen über mich, meine selbstgesteckten Ziele, meine Wege dorthin.
Ich habe erkannt, wie heilig Gott ist.
Ich habe erkannt, dass es ihm wichtiger ist, täglich zu hören, wie es mir geht und zu mir sprechen zu können, als dass ich ihm vorweisen kann, brav seine Bibel gelesen zu haben.
Ich habe erkannt, dass das WHY behind the WHAT immer wieder angeschaut werden sollte, wenn man den richtigen Weg gehen möchte.
Das Vorhaben hat mich neu gelehrt, warum ich Bibellesen möchte und warum ich Zeit mit Gott möchte. Und manchmal hatte ich dieses Bild davon, wie er neben mir auf dem Sofa sitzt und wartet. Mich anschaut. Mir was sagen möchte und ich vertieft die Seiten mit meinen Augen runterrase, immer mit dem Blick gleichzeitig auf meinen Leseplan, prüfend, wie viele Kreuze ich heute noch machen muss…
Wie gut, dass es nur EIN Kreuz brauchte, damit ich dem heiligen Gott zu jeder Zeit ohne weiteres Opfer begegnen kann.
Und ich freue mich auf die vielen Kapitel und Begegnungen, die noch auf mich warten – in den nächsten 40, 80, 120…Tagen, in denen ich die Bibel lese.