Auf Forschungsreise

Auf Forschungsreise

Vor ein paar Tagen habe ich mich plötzlich wieder an meine Hochschulzeit erinnert.
Ich kann mich an Vieles erinnern: Die Mittagspausen mit den Studierenden, die Herausfoderungen bei manchen Diskussionen, das gemeinsame Musizieren mit anderen Studierenden, das Sitzen in der Bibliothek (ich hab es GELIEBT) und das Tippen meiner Hausarbeiten…Aber was ich wirklich komplett nicht mehr auf dem Radar hatte war, dass ich in der Hochschule recht aktiv mitwirkte: Ich war im Fachbereichsrat, Mitglied der Kommission zur Entscheidung über Härtefallanträge, Tutorin für Erstsemester und arbeitete in einem kleinen Forschungsprojekt und einem Evaluationsprojekt mit.

Ich war ganz überrascht, dass ich das tatsächlich komplett vergessen hatte.

„Du hättest ja richtig Hochschulkarriere machen können!“ meinte mein Mann daraufhin mit einem Schmunzeln. Und ja: Ich hatte mich tatsächlich nach dem Bachelor-Abschluss überreden lassen, den Master Studiengang dranzuhängen und überlegt, ob ich danach, wie von einer Professorin ermutigt, promovieren sollte.

Als ich aber den Master angefangen hatte merkte ich schnell, dass ich eigentlich keine große Lust hatte. Das „Forschen“ war ein großer Teil des Studiums und es machte mir eigentlich gar keinen Spaß. Auch das Forschungsprojekt gab ich irgendwann auf. Es lag mir einfach nicht. Statistiken, Zahlen, Wenn – hätte….

Als ich heute morgen darüber nachdachte, dass Forschung mir so gar keinen Spaß machte, hörte ich wie eine innere Stimme in mir sagen: „Aber wenn du etwas anpassen und verändern willst, dann MUSST du Dinge verstehen. Und wenn du Dinge verstehen willst, MUSST du sie erforschen!“

War das etwa die Stimme meines ehemaligen Profs von der Hochschule?! Nein, es war einfach ein klarer Gedanke, der vollkommen Sinn macht.

Gerade jetzt, wo ich in meinem Sabbatjahr bin und bis Dezember eine Pause von Rolle und Verantwortung in der Kirche mache, befinde ich mich auf so einer kleinen Forschungs-Reise. Eine Reise zu mir selbst. Ich erforsche gemeinsam mit Gott, was da so für tiefe Gründe in mir sind.
Woher kommen manche Ängste?
Was macht mir Freude und warum?
Wo liegen meine Leidenschaften begraben?
Warum regen mich bestimmte Dinge auf?
Ich erforsche und ergründe, warum in meinem Leben Dinge so sind, wie sie sind. Ich versuche mich und meine Herausforderungen und Reaktionen darauf zu verstehen um DANN Dinge in meinem Leben anzupassen oder zu verändern, damit etwas Positives entsteht.
Ohne Forschung ist ein Stillstand und wo Stillstand ist, ist der Tod nicht weit.
In Psalm 139 kommt der Begriff „Erforschen“ gleich zweimal vor:
Einmal in Vers 1. Da schreibt David „Du hast mich erforscht und erkannt“ und in Vers 23 steht die Bitte „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken.“
David bittet Gott also, in die Tiefe zu gehen. Nicht nur die Oberfläche oder den „Ist-Zustand“ anzuschauen, sondern er versteht: Gott, der mich geschaffen hat, kennt mich durch und durch. Er schaut sich jede Zelle, jede Faser genau an. Er darf jeden Gedanken, jede Synapsen-Verknüpfung anschauen und Gott versteht, wie was zustande kommt. Und WEIL Gott einen Forschungsauftrag erhält, darf er auch Ergebnisse liefern.
Er darf evaluieren und sagen: „Aus dem und dem Grund ist das und das entstanden. Die Wurzel liegt dort, aber sie bringt keine guten Ergebnisse. Es ist notwendig, etwas zu verändern.“
Ich möchte nicht stehenbleiben und mich zufrieden geben mit dem, was ist. Ich möchte erahnen, was es für Auswirkungen (positive und negative) auf meine Zukunft hat und möchte dahingehend zurückblicken und erforschen, welchen Ursprung manche Dinge haben. Ich möchte mein Leben evaluieren und gegebenenfalls Dinge verändern. Und das geht am Besten mit Gott – dem Schöpfer!
Er darf genau hinsehen, ausgraben, reinigen, prüfen und den Wert bestimmen. Er darf mir sagen, welche Auswirkungen es haben wird, was da jetzt in meinem Leben ist und mir aufzeigen, was ich ändern kann.
Und ich merke plötzlich: Forschen an sich, macht mir eigentlich doch Spaß:)
Darf Gott dich erforschen und Dinge erkennen?

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