Vor einigen Wochen war ich in Texas.
Ich lernte dort eine Frau kennen, mit der ich mich über die sehr lockeren Regelungen bezüglich Besitz und Nutzung von Waffen in ihrem Bundesstaat austauschte. Sie erzählte mir stolz, wie sicher sie sich fühle. Zum einen, weil sie durch ihre langjährige Erfahrung beim Militär wisse, wie man mit Waffen umginge, zum Anderen, weil in ihrer Nachbarschaft viele Leute lebten, die wüssten, wie man sich verteidigte. „Im Falle eines Krieges oder einer Bedrohung währen wir in unserer Nachbarschaft super safe. Wir wissen, wie wir uns verteidigen.“
„Verteidigung“ ist ein Thema, das mich in den letzten Tagen generell beschäftigt.
Seit zwei Tagen bekomme ich auf Instagram nur noch Meldungen und Meinungen zum Tod von Charlie Kirk angezeigt. Ich muss zugeben, dass ich, als ich die Meldung in den Nachrichten sah, während ich in Nordamerika war, erstmal schauen musste, wer denn Charlie Kirk ist. Ich hab vorher noch nie von ihm gehört und wusste daher nichts über ihn. Umso erstaunter war ich, wieviele Menschen auch in Deutschland plötzlich RIP Posts machten, sagten, wie sehr sie trauern – entweder sind sie alle einfach dem Hype gefolgt oder ich bin die einzige, die keine Ahnung hatte.
Wie komme ich jetzt dazu, auch etwas zu diesem Menschen zu sagen? Mir ist etwas aufgefallen, woraus ich lernen möchte und hoffe, dass wir alle darüber nachdenken…
Wofür war Charlie Kirk bekannt? Er suchte die Debatte. Er war scheinbar nicht zu feige, um sich den schwierigen Fragen zu stellen, sich hinzusetzen und zu streiten und für Werte und seine Meinung einzustehen. Er stellte sich denen, die auf der einen Seite für Meinungsfreiheit kämpfen, die sich gegen „Schubladen“ und Kategoriesierungen stellen und gleichzeitig seine Meinung nicht akzeptierten und IHN in verschiedene Kategorien steckten: Rechtspopulist, Homophober, Rassist und was weiß ich. Interessant also, dass sich das extreme Verhalten der „Gegner“ hier genau dem widerspricht, wofür sie kämpfen, nämlich dass verschiedene Meinungen gelten und stehen gelassen werden sollen und man sein und glauben kann, was man will…scheinbar allerdings nur, solange es DAS ist, was SIE glauben und sein wollen…
Was mich aber am meisten zum Nachdenken brachte ist folgender Gedanke: Was würde Jesus tun? Bzw. Was hat Jesus getan? Wie ist das „richtige“ Verhalten und die Antwort der Christen?
Alles scheint lauter, extremer und aggressiver zu werden. „Die kleine Gruppe ist so laut und macht so viel Lärm – warum sind `Wir`so leise?“, „Die Kirche muss lauter werden!“, „WIR müssen für unsere Werte kämpfen!“ – all das sind Gedanken, die ich selbst immer wieder hatte oder die mir durch diverse Posts entgegenprasselten. Und ich fragte mich: „Ist das der JESUS-Weg?“
Müssen wir kämpfen? Revolutionieren? Müssen wir es auf dieselbe Art wie alle anderen tun? Laut werden? Argumente bringen? Die Debatte anfeuern und uns groß machen?
Interessanter Weise dachten das die Jünger damals schon. Sie hatten die Schnauze voll von den Römern. Wollten Gerechtigkeit. Israel hoffte auf DEN Retter. DEN Messias. Und als Jesus auftauchte, bekamen sie Hoffnung. Sie wollten und erwarteten, dass ER aufsteht, einen Aufruhr startet, vielleicht einen Krieg anzettelt, den ER dann gewinnt. Petrus schlug mit dem Schwert auf einen Wachmann ein, wollte mit allen Mitteln kämpfen. Und was machte Jesus? Er heilte das Ohr dieses Wachmanns. Er erdultete alles still. Er antwortete ruhig und geduldig, gab Zitate aus der Tora wieder, um den Schriftgelehrten zu antworten. Aber er handelte so anders, als die Jünger es gedacht haben. Anders, als die Israeliten gedacht haben. Er sagte zwar, dass er gekommen ist, um das Schwert zu bringen, aber es war eine andere Art von Schwert, als Petrus dachte.
Im Epheserbrief wird das Schwert als Teil der geistlichen Waffenrüstung benannt und steht symbolisch für das „WORT Gottes“.
Ich frage mich, ob wir wirklich verstanden haben, wie wir Jesus-Like kämpfen können und sollten: Mit dem WORT Gottes in die GEISTLICHE Welt. Es ist ein geistlicher Kampf der Werte, ein Kampf der Ideologien. Menschlich kämpfen würde bedeuten: Wir gehen auf die Straße. Wir demonstrieren! Wir machen Flaggen, posten, kommentieren, verurteilen, stecken in Schubladen, kategorisieren, bringen Argumente über Argumente. Aber wie ich am Anfang schon gesagt habe: Die Argumente machen keinen Sinn und sind unlogisch, weil hier nicht mit Logik gekämpft wird.
Wir brauchen als Christen einen anderen Blick und der geht über diese Welt hinaus. Jesus hatte diesen Blick. Er betete. Er sagt: „Liebt eure Feinde“, er sagte „Halte die andere Wange hin!“ – er betete, er klagte und er weinte, weil GOTT den Überblick hat. GOTT wird richten. GOTT wird urteilen.
Ich glaube, dass ich derzeit immer mehr lernen und einsehen darf, wofür ich meine Energie und meine Gaben nutzen soll. Und das ist nicht, einen Streit zu gewinnen oder radikal für etwas einzustehen und zu kämpfen. Menschen werden dadurch nicht erleben, dass Gott LIEBE ist. Dass ER allmächtig ist und dass er kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten. Ich möchte daher erstmal IHN fragen, was ich tun, sagen und auch lassen soll. Und IHM vertrauen, dass ER früher oder später für Gerechtigkeit sorgen wird. Ich muss das, Gott sei Dank, nicht tun.
Bevor wir den Mund aufmachen, bevor wir andere verurteilen oder ihnen irgendwas wünschen – sollten wir damit zu Gott gehen. Und IHN urteilen und richten lassen. Und bis Jesus wieder kommt alles daran setzen, dass genau diese Menschen, die wir menschlich anschauen und (vielleicht auch menschlich zu recht) verurteilen, lernen zu lieben und ihnen mit Geduld, in Frieden, mit Freude, mit Freundlichkeit etc. entgegentreten können.
Bedeutet dass, das wir alles zulassen sollen? NEIN – aber es bedeutet, dass wir mit Gebet und in Wahrheit und Geist kämpfen, in dem wir unsere geistliche Wafffenrüstung anziehen und mit Vollmacht und Autorität beten. Den Heiligen Geist einladen zu wirken. Dass wir Erkenntnis und Offenbarung lösen im Namen Jesu, dass wir unsere Herzen und Gedanken von Gott schützen lassen und dass wir Hass, den Geist des Todes, Jähzorn, Verblendung und so vieles mehr im Namen Jesu BINDEN. Wir dürfen den Heiligen Geist bitten uns zu zeigen, was wir beten dürfen und wir dürfen und sollten die Vollmacht nutzen, die Jesus seinen Jüngern und damit auch uns gegeben hat. Ansonsten…kämpfen wir gegen Windmühlen und werden bald müde und verletzt am Boden liegen.
Wenn Gott klar sagt, dass ich diskutieren soll und ER mir Weisheit dazu gibt, dann kann ich das tun. Wenn er sagt, wie und ob ich kämpfen soll, dann ok. Charlie Kirk hatte die Gabe und den Willen, seine Werte (und die vieler anderer) zu verteidigen und in den Dialog zu gehen. Man wollte ihn mundtot machen -und doch hat es Gott umgedreht und die Stimme Kirks ist nun lauter und bekannter als zuvor. Seine Argumente und Werte haben mehr Befürworter und Unterstützer als zuvor. Die Stimmung ist aufgeheizt-nun heißt es, sich zu beruhigen, mit Gott ins Gespräch zu gehen und lauter zu beten und mit IHM in den Dialog zu gehen, damit es nicht ausartet!