Seit etwa einer Woche hatte ich mich auf den heutigen Nachmittag gefreut: Nachdem die letzten zwei Wochen gefüllt waren mit To-Dos außerordentlichen Terminen, hatte ich meiner Tochter versprochen, heute Nachmittag gemeinsam ihr Faschingskostüm zu basteln und außerdem noch die neuen Bügelperlen auszuprobieren. Ich liebe es, mit ihr kreativ zu sein und zu basteln und hatte extra noch ein paar Bastelmaterialien besorgt und mir überlegt, was ihr Freude machen könnte. Nach dem Mittagessen ruhte ich mich noch kurz aus und kam dann voller Motivation in ihr Zimmer. „So, jetzt kann’s los gehen. Was magst du machen?“ fragte ich. Sie kam mir mit hängenden Schultern entgegen, trug einen ausgeliehenen Schulranzen auf dem Rücken (sie geht noch in den Kindergarten) und sagte: „Och menno. Ich mag aber noch Schule weiterspielen.“ Na toll. „Ok,“ sag ich, „dann mach ich was anderes und du kannst dann kommen, wenn du basteln magst.“ Nach zehn Minuten saß sie bei mir am Tisch. Ich hatte schon alles vorbereitet. Sie wiederum nahm die Bügelperlen, setzte sich an die Ecke des Tisches und bat mich, bitte nicht zu schauen, was sie mache. Ich könne ja schon mal die Feenflügel basteln. So ging das dann über eine Stunde. Zwischendurch saß sie dann im Wohnzimmer auf dem Sessel, hörte ihr Hörspiel, während sie die Bügelperlen alleine machte und kam erst, als sie sah, dass ich etwas traurig drein schaute. Zudem fragte sie ständig, wann denn endlich Papa von der Arbeit käme, er hätte ihr versprochen, nochmal in das Bastelgeschäft zu fahren, damit sie sich vom Taschengeld etwas kaufen könne… Das Ende vom Nachmittag war dann, dass sie netterweise noch ein paar Blumen auf ihre von mir gebastelten Flügel malte, ich alles wieder aufräumte und nicht wusste, ob ich sauer, traurig oder glücklich sein sollte. Sauer, weil ICH wieder fast alles alleine gemacht hatte, traurig, weil ich mich so auf die gemeinsame Zeit mit ihr gefreut hatte oder glücklich darüber, dass sie zufrieden und glücklich ist und sich so gerne und gut selbst beschäftigt…
Da hatte ich mich bemüht, mir Gedanken gemacht und wollte einfach gerne Zeit mit meiner Tochter verbringen und einen Mama-Tochter Nachmittag gestalten und dann…war sie darauf fokussiert, dass Papa endlich kommt und es reichte ihr, irgendwo in meiner Nähe zu sein und sich alleine zu beschäftigen.
„Mh“, dachte ich…und plötzlich wurde mir klar, dass es Gott ganz genau so geht und das jeden Tag. Ich spürte plötzlich, wie er grinste und sagte. „Ja, das kenne ich!“ Er hat alles vorbereitet für mich. Er freut sich auf die Zeit mit mir. Er macht sich Gedanken darüber, was mir Freude macht und ich? Renne mit meinen Todos durch die Gegend, beschäftige mich mit meinen eigenen Vorhaben und wenn ich da sitze und mit ihm reden will, sind meine Gedanken schon beim nächsten Treffen…
Ich hab draus gelernt – und ich werde was ändern. Auch, wenn Gott sich über mich freut, wenn ich selbst klar komme – er liebt die Gemeinschaft mir. In diesem Sinne: Einen schönen Abend dir und ihm und mir:)